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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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291 malischen Hochkirche zu überzmgm; nlaffm Sie »ir. Herr Mmacteur, den nLberrn Vergleich der beiden Gottesdienste — hier war die tiefste Ruhe und friedlichste Andacht; rin GolteSchimst, wir er sein muß!! — Wir hörten ja schon oft darüber klagen, daß in vielen Gotteshäusern die Alldacht »och in polnischer Weise gehandhabt wird, daß dort die Leute den Tempel besuchen, um ihre auf der Straße abgebrochene Geschäfte weiter zu führen, — sollte diesem Uebelstaude nicht abgeholfrn werden können? Verlangen wir Achtung von Andern, wenn und die Selbstachtung fehlt? Ist e» nichtein schrecklicher Chillul haschem, jeoem Gemeindemitgliede in der Synagoge seinen Willen zu taffen» sich zu benehmen, wir eS »hm gutdünkt? Sennen die Herren Vorsteher nicht doS Reichsgerichts- Ertennlniß, wonach eS schon alS Störung de» Gottesdienste» mit Gefängniß zu bestrafen ist, wenn jemand seinen Nachbar durch sein Verhalten im Gebete stört?! Wenn die Rabbiner mit ihren Ermahnungen nicht» auSrichteo, wenn fort und fort die Anordnungen der Vorstände nicht refpektirt werden, dann müßten auch letztere «rnstlich einfchreilen und Personen, die sich in der Synagoge ungebührlich betragen, dem Gerichte zur Anzeige bringen, man thut'» ja nur sehr ungern, ober zur Ehre Gotte», für Hebung der Würde und de» Anstande» beim Gotte»dienstr muß olle» angrw lntt werden, um solchen Unfug auSzurotten. Hoffen und wünschen wir, daß es bald besser damit in Israel» Golteshäusein werde, daß die Herren Vorsteher ihre» Amte» mit oller Energie walten und vor Allem auch der Jugend ein defferr« Vorbild eine» würdigen Gottesdienste» gegeben werd». — Das ist der Herzenswunsch eine» Vorsteher» zu den Jomim nauroimI <£tfjT* (Posen), S. Septbr. Ein fünf und zwanzigjährige» Amtsjubiläum ist an sich kein so gar seltene« Ereigniß; der Staat nimmt bei seinen Beamten keine Notiz davon; er wart« es erst ab, dl» seine Diener vom Alter belastet und lebensmüde einen fünizigjährigm Dienst vollendet haben. Die Greise wissen dann drn>n wenig Dank, die so späte Jubelfeste an ordnen; eine jüdiich« Gemeinde ist nicht so spröde wir der Staat, um diejenigen zu feiern, die ihr dienen;, sie ist Slücklich, dem rüstigen, dem ti atkrältigm, dem lebensfrohen ltanae ein Zeugniß ihrer L ele r-nd ihrer Verehrung geben zu könueu; so gestalt«» sich dn Tag an welchem Rabb. Dr. Bäck auf eine fünf und zwai z'gjährigr AmtStbätigkeit in Liffa zurückblickt, zum Ftsttag für de ganze Gemeinde, jr für einen großen The»l der Siabt. Da» war ein» der erbaulichsten Momente bei der F>ier, daß an der Freude der jüd. Gemeinde auch die Stadt einen lebhatm Anthril nahm; die jüdische Gemnnd« zu Liffa steht wahrlich nrcht zurück in dem Bekunden ihre» jüdischen Bewußtsein«; die Liffaer verstecken Sr Judmthum nicht, am aller wenrgsten thut die» Herr abbioer Dr. Bäck; daran nedmen die andersgläubigen Bürger der Stadt nicht den geringsten Anstoß, sondern sie haben ihre Freude an diesen Aeußerungen religiöser Treue und «greifen gern den Anlaß, um ihren jüdischen Stadt« genoffen und zumal dem gei>ilich<n Fühl« derselben zu zeigen, daß sie dir Blüthe dn ,ub!<h-, eligiösen Institutionen freudig begrüßen. Noch ein andrier Punkt ist bemrlkm»- w«th. Wenn in der Pitffr von rin.m jüdischen Theologen die Rede ist. flug» wird n eingeordnrt zu de« Orthodoxen od« zu den Liberalen, zu den Schwarzen ooer zu den Rothen. Ab« beim Wirken innnhalb d« Geme noe macht sich kaum eine leise Spur diese» Gegensätze» g> lt> no. Die Altfrommrn haben den Dr. Bäck nicht minder geehrt, wie die Freisinnigen e» gechan haben; jrd« ehrte dm Seelsorg«, den begabten, titstelrgiüsen und für da» Wohl jede» «inzelaen eifrigst bemühten Mann. D« Vorstand d« Gemeinde, ÜN desien Sptze Herr Stadtrath Nürnberg snyt, überreichte eine Avr-sse, di« gläuzmd auAgestatter w.r. Sodann wurde eine Adresse de» D. I. G. B. üdnrrcyr. Dr. Bloch (Posm) sprach im Namen de» Rabdiaerverbarrde». E« folgtm Drputationm d« WohlthätigkellSvaeine, an dmm Liffa so reich .ist, d« Talmud Tora, de« Schulvorstande». Ja h«zliche» Worten begrüßte sodann He« Hauptlrhr« Herbst im Namen de» Lehrerkollegiums dm Jubilar. Zwei Sind« trugm poetische Wünsch« vor. He« Pastor Fromderger richtete im Namm der von ihm vertretenm Kircheagemeiade eine Ansprache an Hr«n Dr. Bäck. H«r Superintendent Paetzold und d« erste Vorsteher de» Kirchmvorstande» d« Kreuzkirche warm von d« evangelischen Gemeinde deputirt. H«r Supnintmdent Paetzold betonte in trefflich« Rede da» dem alten und dem neuen Bunde Gemeinsame und gab ein schöne» Zeugniß vom Geiste d« Duldung und d« Gerechtigkeit in d« evangelischen Kirche. E» sprachen noch der Herr Stadtverordneten.Borsteh« Gruadmann und He« Gymnasialdirector Kunze. Sodann kam der jüdische Frauenvereia und va» Festkomitä, da» ein beträchtliche» Geldgeschenk dem Jubilar üb«reichte. Allen Deputationm antwortete Herr Dr. Bäck launig, geistreich, geschmackvoll. Um 12'/, Uhr präeiS — daß e» präci» begann, war jedenfall» auch ein Vorzug — begann die Feier in d« Synagoge. Dn Chor, von Herrn Eantor Satz g'leitet, sang au«gezeichnet. Herr Dr. R ippncr-Glogau hielt die Festprrdigt üdcr Jes. 51.18. Hnr Dr. Bäck hielt eine Rede, die dem Bilde entsprach, welche» d« erste Redner von d« Bnedtsamkeit des Jubilar» entworfen hatte. Die Synagoge war festlich geschmückt, die Gemeinde nahezu vollzählig versammelt; die Versammlung machte einm festlichen Eindruck. RachmlUag» fand ein Festessen statt. Herr Landrath v. Hell mann brachte den Toast auf dm Kaiser au»; « entwickelte seinm Trinkspruch au» einem Verse dm der Festredn« in da Synagoge citirt hatte: »Wenn e» den Edlen gut geht, dann jauchzt die Stadt«. Hnr Stadtrath Nürnberg toastete auf dm Jubilar, He« Dr. Bäck ia innigen herzlichm Morten auf die Gemeinde. Hnr Dr. Bloch erinnate an da» Wort Reuters, wer mit zwanzig Jahren nicht jung, mit dreißig Jahrm nicht klug, mit vtazig Jahren nicht reich fei. der werde e» übnhaupt nicht und bezog die» Diktum geistvoll auf dm Jubilar. Dr. Theodor feierte die Familie dr» Jubilars, da in wenig Jahrm drei Töcht« vaheirathet habe. So müffen die Tächter bessa sein, als vor Zeiten die Rabbinntöcht« beleumundet waren. Hen Dr. Stau, rin Schwiegersohn dr» He«n Dr. Bäck, dankte in witzigen Worten Ramm» der Famllie. Har Rechtsanwalt Lrvysoh n begrüßte m>r anmuthig« Rede die Gäste. Hnr Rabb. Groß wandte aus dm Jubilar da» Wort an: „©tet» sei ein Mensch gottesfürchtig im Bnborgenrn. Hen Dr. Loeb prie« ihn al» den »Städtrdezwinger-, dem die Gemeind« willfährig sei. Hen Pastor Linke sagte, wie angenehm es sei mit Bäck zusamwenzuwirkea. He« Bürgermeister Hermann nannte den Dr. Bäck einen Mann, d« dn ganzen Stadt theu« sei, wril « neben der jüdischm Gemeinde auch d« Stabt diene. Har Gymnasialdirector Kunze sprach von dm Söhnm de» Jubilar», die da» Gymnasium besuchen, die alle „gute Jungen" seim und die er dem Jubllar zu tüchtigen Mmschm und gutm Patrioten «ziehen wolle. Hen Rechtsanwalt Breslauer rühmte b:e Liebenswürdigkeit de» Dr. Bäck. Hnr RechtsanwaltNürnberg brachte den Frauen eia Hoch. He« Dr. Rippa« brachte zum Schluß dm Gruß d« Rachdargemriadea; « sagte u. A.: im altm Liffa habe man den von «wem voneda« citirtm Satz: Bor allem sei rin Mmsch gottrSfürchna im verborgene», zuweilen mit einem Komma gelesen: vor Allem sei eia Mensch, aotte»sürchtiz im Berborgeaen; da» sei auch die Parole de» Jubllar»; Bäck habe mit d« Rechten und d« Linken sich aut vntrag«, so möge « auch ia keta Ledm flechten lange» Leben von d« Rechten, von d« Linke« Retchthu« und Eh«; « habe nicht nur einm Mund, soadem auch ein Ohr für die Gemeinde. He« Heinrich Lublin in BreSlau widmete dem Jubllar ein prächtige» Geoicht: Tultur und Eultu». Die Fe»« gneicht dem Jubllar, aber auch der Gemeinde zu hoh« Ehre.

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