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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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290 nach und «ach alle di« thrilS unwahren» theil» übertriebenen Vorwürfe der JudenthmnS auf da» wahre Maß zurückgeführt und objektiv beleuchtet werden. So die religiöse Seite (die Talmud-Frage), die wirthschaftliche (die Wuchersrage), die kulturelle (die Preßfrag« und die Berjudung der Wisienschafyrc. ES wird anderHaodderThatschen gezeigt werden, wie nur durch Lüge und Uedertreibung da» Jodeurhum als eine ganz besonders gefährlich« Roce dargeftrllt wird. Daneben «erden nack und nach die Aussprüche berühmter Männer über den Antisemitismus mitgetheilt werden. So soll auf dem allerdings langsamen, aber sicheren Wege der Belehrung und Aufklärung in maßvoller aber um so wir lsamer Weise das Ziel erreicht werden." Daß ein solches Unternehmen der größten Unterstützung würdig ist, leuchtet von selbst rin, da ist rS aber vor allem nothwendig, daß di« Zeitschrift in die weitesten -reise verbreitet wird und iuSbrsonderS in den öffentlichen Localen aufliegt, damit sie allmäh.ich die antisemitische Schundlitteralur verdrängt. Die Hefte sind so billig (ä 20 Kreuzer in Linz. Landstr. 7 von der Redaktion zu bezirhrn). daß sich an allen Orten Vereine bilden sollten, welche sich die Verbreitung derselben in Antisrmitenkreise angelegen sein lasten sollte. Wa« nützt daS beste Pulver, wenn es im Laden de» Kaufmanns liegen bleibt und nicht zur Bekämpfung de» Feinde» verwendet wird. ZAagdeßnrg» 3. September. Wir erhalten heute au» Berlin von unbekannter Hand die Nr. 210 de» »Bolf* (vom 8. September). e neS im Stöcker'schen Geiste redigirten Blattes, die als LonniagS-Rr. ganz b.sonders von antisemitischen Actikelu und Eorrrspoodenzen sttotzt. Wa» d. Bl. von Rothschild'S uvd Jsaac'S, von Berurtheiluug vieler Juden wegen Entziehung von der Wehrpflicht, von den SS Prozent jüd. Handelsgeschäfte in Budapest, von der Insolvenz eines dortigen Ober-RabbinerS (?) mit 100 000 Gulden Börsendiffercnze» ihren Lesern auftischt, sei hier unberücksichtigt, aber nicht schweigen können wir zu dem Mißbrauch, der darin mit dem Namen der »Alliance JSraelile" getrieben wird. In der »Beilage" der betr. Nr. findet sich nämlich folgende Correspoadenz aus »Wien": »in «nfrnf »er .«Man» SSraelite". Da» ir Lnnb-rg ericheinend« Blau .Czenoonaja GuS" vom 30. v. M. schreibt: »Die Pariser »Allta-ce JBaeliie" hat an alle itreelitische» »emriaden in «alizien eine» Appell solgendea I»Halles gerichtet: »Brüder und BlaubeaSgeuoffenI Heute ziebt es in der ganze» «elt fein Stück der Erde, welch«« von un» jo leicht beherrscht werdm könnte, al« Galizien. Diese« Land soll unstr.itig ua» angehöre,. Alle« geht or« von Statten. Drachtet daher, Brüder und Glauben»geuossen, diese» Land mir Ausbietung aller ftrific au truch zu bringen; trachtet vor Allem, die iki.ripeu au» ihrem Wtrkuogdkriise zu verdrängen und trach et. au»schiie-llche Eigenthümer diese« Landc» zu weiden. Di achtet, All-», »a« »och heute den Christen angehört, an Euch zu bringen, und wen» Ihr hierpi nicht hinlängl che Mutel habt, wird unser Berem Such diejelde» biete». Die ozserwillige Sa. mluug zu diese« Zwecke hat schon begonnen und geht auherordenr- Itch rasch v-ir«ür:S. Schliehltch wird, um da» Land Galizien au un» und in unseren autschliehiiche» Besitz zu bringe», von de» »eichen der ganzen «e^ viel ,«opfert, so von Hirsch, «othschild, «leich. röder, S«»del«sohn. Brüder und «lauben»gtnossen! Gebt Euch alle Muhe, daß der Zweck, den wir Luch angedeutrt haben» so schnell al» möglich "ireicht werde." Die Zeitungen versichern, daß di« galizischeu Juden diesen Appell mir auherordeutticher Freude entgegengenomme» haben. Wir haben denseibev auch verstand«»." Mit solcher Frechheit zu lügen, solche plumpe »Auf. rufe" zu rrflndeu und behuf» Aufhetzung gegen die Juden zu verdre-te», ist doch so unerhört, daß eine gründliche Untersuchung der Lügeufabrckation im Interest« de» guten RufeS der Alliance wohl geboten erscheint. Zterki», d. 8. September. Die »alte Synagoge" der Mische» Gemeinde in der Heydereuter-Gaffe blickt heute auf ei» 17ü jährige» Bestehen zurück. Am 8. September 1714 wurde fir feierlich eingeweiht. Sie war die erste öffenttiche Synagoge Berlin»; zuvor gab e» sett 1697 nur Privatsynagogru, von welche« die Beü-Rieß'sch« und die Liebmauu'sche io »er Spaadauer-Str. die bedeuteudsteu waren. Al« di« Zahl der Privatsyuagogen auf vstr gestiegen war, entstauben al»bald Zänkerei»», die sogar dt« zu Faustktmpfeu tu de« jüdischen »Schulen" ausarteteu. Man petttiouirte deßhalb »»« Gemeind« wegen wiederholt beim Kurfürsten Friedrich HL, dessen Vater, der Große Kurfürst, durch Patent vom 21. Mai 1671 fünfzig an» Oesterreich vertriebene jüdische Famllieu in Brandenburg ausgenommen und die 1573 vom Kurfürsten Johann Georg ausgehobene Berliner jüdische Gemeinde wieder hergestellt hatte, um die Erlaubuiß zur Errichtung einer öffeutlich n Synagoge, und erwarb zu diesem Zwecke am 12. Juni 1711 das erwähnte Grundstück im damaligen »Tüttelwiukel" für 1500 Thaler. Unter dem 12. November 1711 erfolgte die königliche Genehmigung. Am 9. Mai de» nächsten Jahre« (1712) ward die feierliche Grundsteinlegung in Gegenwart de« Hofe« vollzogen und am Sabbath vor dem jüdischen Neujahr 5475 erfolgte die festliche Einweihung, zu welcher der König Friedrich Wilhelm der I. mit seinem gesammren Hause erschien. Als Angebinde au den EinweihungStag hatte der Monarch der Gemeinde den prächtigen Teppich mitgebracht, der noch heute das Allerheiligste schmückt. E« ist eine Stickerei au» de« Zeiten de« Kurfürsten Johann Georg (1571—1508). Die Festrede an jenem Tage hielt einer der von Wien eingewaoderten Stammväter der jetzigen jüdischen Gemeinde, der hochbetagte Hirsche! Benjamin Fränkel. Nach der Eiuweihuug wurde dort die Tochter de» Hof- Gold- und Silbersticker« Salomo» Isaak gleichfalls in Gegenwart de« ganzen königlichen Hofe» getraut. Derselbe König (Friedrich Wilhelm L) wohnte auch mit dem damals sechsjährigen Kronprinzen Friedrich am Mittwoch, den 20. April 1718, dem Frühgottesdienste anläßlich de« jüdischen Paffahseste» bei, bei welcher Gelegenheit ein eigene« Gebet gesprochen und demnächst ein Kupferstich zum dauernden Gedächtniß an die abermalige Gegenwart de» Herrschers augefertigt wurde. Nachträglich, im Jahre 1715, hatte sich der König von der Judenschaft 3000 Thaler für die der jüdischen Gemeinde gewährte Erlaubniß zur Errichtung de« Gotteshauses zahlen lasten. H. B. Schneidemüßk, 8. September. (Or.-Lorr.) Die ttieilage, dir »Jomim nauroim" rücken heran, bald wird die chaar gläubiger und Nichtgläubiger J-raeliten zu den Stätten «allen, wo sie Erbauung und Andacht zu finden hoffen. Sind r« doch nur verschwindend kleine Ausnahmen, die sich von der Euliur so hoch emporgetragea meinen, daß sie auch an diesen heiligen Tagen j.der Andacht entbehren zu können glaubm. Doch diese- Thema wollten wir heute nicht berühren, unS liegt daran, noch vor den heiligen Festtagen einen Mahnruf in die jüd. Wett zu schicken, eine« Mahnruf in erster Reihe an die Herren Gemeindevorsteher, daß sie ohne RücksichtSnahme und mit aller Energie — selbstverständlich dort, wo e» noch nöthig ist — für Ruhe und Ordnung bei dem Gottesdienste sorgen sollen. ES wird sich wohl so mancher fragen, bedarf eS denn erst einer solchen Eimahnung, >st daS nicht selbstverständlich, daß bei den Gebeten tteffte Ruhe und Ordnung herrscht? Lider, leider wüsten wir aber erklären, daß e« io vielen Gemeinden noch recht arg und traurig damit besttllt ist; — wir waren vor kurzer Zett in einem fashiooablea Badeorte in der Nähe von Frankfurt a. M.; wohnten dort einig, Male dem GottrSdieast bei und wa» wir da gesehen, hat uu» mit Entrüstung erfüllt und unS die Schamrüthe in« Gesicht getrieben. Die Gemeindemitglirder — selbstverständlich mtt rühmlichen Ausnahmen — unterhielten sich beinahe während degauzru Gottesdienste«, drehten und wendeten sich fortwährend nach allen Seiten, begrüßten sich wir auf den Straßen; di« jungen Leute trieben allerhand Allotria, hatten eine Zeitung vor sich und ewar Niemand da, der auch nur einmal die Leute zur Ruh« veiwie«, und so geht «» au jedem Sonnabend und wohl auch an dm Feiertagen. Ob der dvltige Rabbiner dagegen schon geeifert, wir wiffm r« nicht, «S wrrd wohl als »althergebrachte Sitte" so getrieben, und der Vorstand hält das laiooar aller wohl für da» Geeignetst«, um e» mit Niemand zu verderben. Tag» darauf, an eine« Sonntag, besuchten wir die englisch« Kirche, um un» persönlich von einer Andacht in der

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