Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Welt abfdilwfc«, haltm die Soldaten Muley Haffan'» Wacht, und weh« dem armen Inden, dem e» je in den Sinn käme, die Nacht außerhalb diese» Gefängnisse» verbringen zu woll-n: man würde ihn ohne Umstünde als warnende» Exempel aufknüpfen. Jeder Jude muß mit «arkten Füßen einhergehm, al» sichtbare» Zeichen seiner verachteten Nationalität. Auch ist e» ibm bei Todesstrafe untersagt, je ein Pferd zu besteigen. Dir Maure meint, diese» Thier sei viel zu edel, um einen Judm zu tragen! Rur da» Reiten auf dem Maulesel ist ihm s «stattet, mit der Einschränkung jedoch, daß er vor jeder Mc scheh, an der er etwa vorübertrabt, au» dem Sattel steigen und mst der Sttrn wiederholt die Erde berühren muß. Dasselbe geschieht, falls er dem Sultan oder einem Pascha begegnet. Dir Mauren pflegen avSzuspeien, sobald sie einem Juden begegnen. Ferner ist den Juvm vom Pascha von Fez verboten, jemals die Gaffen der Mrllah zu kehren oder zu rein'grn, woraus sich der meterhohe unglaublich« Schmutz erklärt. der in diesem Quartier herrscht. Alle drei Monate pflegt d.i Sultan Soldaten zu schicken, die da» Reinigen dann in ihrer Weise besorgen. Den Judm kostm solche Besuche Di l Geld und noch mehr — Prügel. Die Mission erbat vom Sultan die Erlaubniß. die in der Mellah liegende Schule der Alliance Israälite zu besuchen. Soldaten mußtrn sie dort hinbegleitm und diese versahen sich vorher mit dicke« ftifittrln, um ihrem Grimm gegen dir Judm Luft zu schaffm. Rrr mit Mühe konnte man sie obhaltm, alle Juden, die der Gesandschast begegneten, der Reihe nach durchzuprügeln. Alle» zur Ehre Allah»!" Schweiz. Iler». Dir BundeSkanzlei veröffentlicht folgmde Bestimmungen : 1. Personen jüdffchm Glauben», welch: nach Rußland zu reisen beabsichtigen, wird hierdurch bekannt gegeben, daß die russische Gesandtschaft in Bem nicht autorisirt ist, ohne besondere Erlaubniß des Minister» deS Innern» drrm Paffe zu vist' M. 2. Der vorübergehende Aufenthalt in Rußland fft außerhalb wohnenden Judm nur für die Dauer eine» Jahre» gestattet und zwar nur zu dem Zwecke, ihnm die Erledigung chrir geschäftlichen und rechtSstreittgm Angelegenheiten zu ermöglichm. 3. Die vorerwähnten Personen werdm auch mit visirtrm Paffe, wmn zu dem Bisa nicht die erforderliche ministerielle Erlaubniß ringeholt wordm ist, von der Ausweisung au» russischem Gebietr nicht befreit sein. Diese Bestimwungm sind in der Praxi» nun schon längere Zeit in Kraft gewesm. Wa» aber neu an dmsrlbm ist, is: die dm Judm auferlegt« Verpflichtung, erst eine speziell Erlaubniß von der Regierung einholen zu müssen. Großbritarrwte». London. Dem »Jrwish Ehronicle" wird geschrieben: »In dm umestm Nachrichten über Palästina vom 26. Juli wird mitgeiheilt, daß Herr Scheid, Vertreter de» Herrn Baro i von Rothschild in Pari», gegm die jüdischm Eolonistm, welche das Schemitahjahr haltm »olle», ein strmge» Verfahren emgrleitet hat. Keineswegs aber dürft« die in Aowindung gebrachtm Maßregeln den Absichtm de» menschmfrmndlichm Baron», der rin so große» Interesse an dem Wohlergehen unserer armen Glaubm»gmoffm in Palästina nimu t, entsprechen. Vielleicht glaubt Herr Scheid, dm Colonister, welche er durch sein« Maßregeln zwingen will, da» Schemitahjahr nicht zu haltm, eine Wohlthat zu erweism, da heute keine Wunder mehr geschehm und kein Brod mehr vom Himmel regnet. Jedoch dürfte eine gmaue Erwägung ergelm, daß e» gar nicht so schllmm wäre, wmn sich die Eolrnistm d.w tzkbeit mthaltm würdm. Der Bodm würde durd; die Nichtbearbeitung nur an Eriragfähigkett grwiuum, besonder« in dm Gegend«, wo Düngmittel schwer zu beschaff« sind. Da» Land, welche» brach liegt, nimmt große Quantität« atmosphärffcher Nahrungsstoffe in sich auf; außerdem trägt die Brache dazu bei, da» Unkraut und > ander« dem Bodm schädlich« Stoffe za vertilg«, wa» zur! n a türlichen Befruchtung nicht unwesentlich bettragm würde. E» fft selbstverständlich, daß der Baroa über diese Verhältniffe wohl nicht amilgend unterrichtet fft. da er gewiß sonst kein Mittel unversucht lassen würde, 'geqm da« Verfahr« leine» Vertreter» im Interesse seiner Schütz!in ze energisch Protest zu erheb«." Knmöirirn Iasy, im Augost. Die Heuer herrschmde tropische Hitze lockte dieser Tage auch dm Rabbiner von Malschin (tu der Dobrnffcha) zum Donaustrome, nm darin ein kühlende» Bad zu nehmen. Dies« Genuß mußte er aber mft dem Leben bezahl«, denn al» er in den Floß stieg wo »och andere Personm badet«, näherte sich ihm ein gewiffer Trtsu» ne»cu, et» rumänischer Beamter, der dm Rabbiner au dm Ohren faßte und ihn so lange unter Waffer hielt, bi« der de« Schwimmm« unkundige Rabbi in dm Wellen verschwand und ertrank. Entrüstet über die «»erhärte That, wollt« die Matschiner Inden an TrtfaueScu 'stäche übm, «a» jedoch die Polizei verhinderte, vor Gericht erklärte der Barbar, er habe nur einm Scherz treib« und den Rabbiner tauf« wollen. Ob Trifane«cu der verdierten Strafe unterzog« werden wird, bleibt abzuwarteu, da der dortige Polizricomwiffär Orescheanu ihn in Schutz nimmt uud e» duldet, daß TrifaneScu, der auf freiem guße sich befindet, die trauernde Wittwe seine» Opfer« in der empörendsten Weise verhöhnt. Der i»raelittsche Vorstand von Matschiua unterbreitete dem Ministerpräfidmtru Herm 8a»car Eatargi« die diesbezügliche Klage und drückt darin die Hoffnung au», daß dm Schuldigen die verdiente Strafe treffen werde. — NriUa. Am 21. v. M., »bcnd» 6'/, Uhr, trat ei» Olteaner in die Wein- und Colonialhaudlnog de» Herm Leibovitsch in Vraila und verlangte für 10 Sn. Wein. Kurz darauf erschien ein 7jährige« christliche» Mädchen und verlangte für 18 Sn. Käse. Da Leibowilsch gerade beschäftigt war, hieß er da» Mädchm ein wmig warte», bi» der Eommi» au» dem Keller kommen werde. Al» dieser hin« aufkam, stand der Olteaner mit de« Mädchm im Gespräch, ftagte r» nach sein« Eltem, ergriff e» sodann bei der Hand und führte e» hinan», indem er erklärte, da» Kind wünsche keinen Käse mehr. Beim Weggehm ließ er seine zwei Körb« im Geschäfte zurück. Bald darauf kam ein erwachsene» Mädchm. di« Schwester de» Kinde», und fragte nach diesem. Leibowilsch antwortete, daß da» vermißte Kmd' vor Kurze« in seinem Lad« gewesm sei, aber nicht» kaufte, sonbem mft einem Olteaner fortging, daß jedoch beide bald zurückkommm dürftm, da zwei Körbe zurückgelassm seien. Da» Mädchm eilte fort und bald darauf war da» Geschäft de» H. Lribowitsch von einem rasend« Pöbelhansm umzingelt, derdrohmd rief: »Jude, gib da» Kind heran», sonst mach« wir Euch ■ Alle nieder!" Der Vater de» Mädchen« packte dm Leibovftsch au der Kehle und würgte ihn. Auf Befehl de« Poliziffcommiffär» zerstreut« sich die geschäftig« Antisemiten, um in den jüdischm Wohnungen nach dem Mädchm zu such«, indem fie erklärt«, daß der Jude daffelbe, wmn er e» nicht schon selbst gef c lachtet habe, sei am Glaubeu»gmvffm zu diesem Behufe übergeben Hab« winde. Da» Geschäft wnrd« stark überwacht, währmd draußen eine ordmtltch« Schlägerei begann und kein Jude, der den »praktischen Antisemiten"^!» die Hände fiel, mit heiler Haut droon kam. Plötzlich kehrte der Olteaner zurück, um seine Körbe zu hol«, aber —, i allein. Er wurde von dm herbeigeholtm Polizist« ange» . halten uud erklärte, nach dem Kinde befragt: »Ich weiß von keinem Kinde". Juzwischm wurde glücklich da» vrr- ] mißte Mädchen von zwei Christ« aufgefuudm und nach der . < Polizei gebracht, wo e« unter Thiäum und Schluchz« er- ’* zählte, e» sei von sein« Eltem zum Judm Leibowilsch nach i Käse geschickt, dort von eine» Olimner angesprochm worden, der e« dringend warnte, beim Jrcdm etwa» zu kauf«, es > daun nach einer eutlegmm Straße führt«, ihm Rüffe durste I und befahl, z« wart«, bi» er mit dm Körbm zurückgekehrt fla