Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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"WM. — <86 — fein »erde». S» p»d die Jude«, wie durch' ei» köuoder «me« Unglück e«1ga»geu. Amerika. Eßieage. Der .Herald" spricht mit Begeisterung doa ei»e» junge», jüdische« Mustkdirigenten voa hier. Da» Blatt schrnbt: »Diejenigen, welche die herrliche Musi! der Profkssor SL Fraureustein'scheu Kapelle augehör» habe», werden sich jedenfalls wundern, zu erfahren, daß der Dirigent, Profrfior Frankenstein, erst ein Jüngling von IS Jahren ' ist. Die Zartheit de» Ausdruck« und die feine Schattimng, »st welcher sie schwierigsten Stücke zu« Borttag kommen, zeigen die Meisterschaft seiner Leistung, die einem Künstler von doppeltem Alter Ehre machen würde, sowie da» unverkeunbare Genie de« jungen Musiker». Seine Kapelle besteht au» 30 Mitgliedern, welch« auf seinen Tactttstab blickend, die grüßte Harmonie entfalten. Fraukenstein wurde in Chicago al» Sohn eine» Schneider» geboren und erzogen und war der einzig« iu seiner Familie, der irgendwie Lust und Anlage für Musik bekundete. Auf der Violine hat er eiue außergewöhnlich« Fertigkeit erlangt, so daß man beabsichtigt, ihn zu seiner weiteren Ausbildung in der Musik »ach Berlin zu schicktu. Außndem spielt er da» Cornrt Meisterhaft und weiß auch auf allen andern Jnsttumeutea. die in seiner Kapelle gebraucht werden, fertig zu werden. Bor 3 Jahren, also im Alter von 13 Jahren hat er selbst En« Kapelle organifirt und sie mit solchem Erfolge dirigirt, ß die Eigenthümer von Gastwirthschasten sich beeiferten, durch Abschluß eine» Coutracte» ihn zum Spiele» in den 4 Wrststdepark» zu gewinnen. Auch in der Eompositton hat er sich schon mst Erfolg versucht, ist jedoch mit seinen Schöpfungen noch nicht an die Oeffeutlichkeit getreten, sondern hat dieselben einstweilen nur zur Unterhaltung für seine Kapelle geschrieben. Vermischte und neueste Nachrichten. Breslau. Ei« Kapitol von 120000 «JtL ist dem Oberbürgermeister griedenSburg von vreSlau dieser Tag« von einem vre»lauer Bürger übergebe« worden, dessen Rome erst nach sei»em Tod« bekannt «erden soll. Die Zinsen dieser in 87, proz. schlesischen Pfandbriefen bestehend« Stistuna sollen »arme Personen, vorzugsweise des Arbeiter», Handwerker- und stleiagewerbestandeS, ohne Unterschied de» Stauden», die seit mindesten» 10 Jahren in Br«»lau wohnhaft sind und lein« regelmäßigen Unterstützungen an» de« Mittel» der öffeutlichen Armenpflege empfangen, in Notlagen unterstützen, damit sie wieder g werden können, sich selbst durch redliche 8, beit zu ernähren, iasi« nicht Alter oder Krankheit daran hindert". Di« Beihilfen nicht »nter 80 Mk. und nicht über 200 Mk. betragen. Nach dem de» Stifter», der sich die Verteilung der Zinsen bei seinen Lebzeiten vorbehält, wird «in Kuratorium von »Männern, von denen mindrsten» 2 jüdischen Stauben» sei» müssen — au» diesen und anderen Umständen darf gefolgert werden, daß der Wohlthäter «in jüdischer Mitbürger ist — über di« Verteilung der Unterstützung entscheiden. Bameln. Am 2b. August waren «» b0 Jahre, daß Herr Josua L«»jhn»kv (am 28. März 1813 in Rogasen (Posen) al» Sohn de» . Rabbiner» Samuel L«»zhn»ky geboren) di« Stelle de» R«ligion»l«hrer» der hiesigen i»ra«litisch:n Gemeinde übernahm, welche» er bi» Oftober 1872 verwaltete. In Folge eiue» schweren Augenübel» gab er sein Amt aus und lebt« hier nunmehr al» Bürger und Privatmann, beliebt und aeachtet in allen Kreisen. L. war der erste Lehrer der hiesigen iöraelttischen Semeind«, in 82jährig«r Dienstzeit hat er treu und mit Erfolg gedient. Am Morgen de» 2b. wurde der Srei» durch ein Morgenständchen überrascht, und erhielt den ganzen Tag Sratulation»- Dweschen von verwandten und früheren Schülern, sogar au» Amerika. »Mir aber, schreiben di« »Hamelnischen Anzeigen", wünschen dem alte«, noch rüstigen Herrn in unserer Mitte noch «ine lange Reih« von Jahren i« Kreis, feiner Familie in guter Gesundheit und Sriste»srtsche, wie hi»her, «nter Allvater« Segen". Goutzarstzaufe», 28. August. Unser Fürstenhau» hat seine Thtilrabme au der goldenen Hochz«it»sei«r de» Rabbiner» der hwflgen ttrattittsche» Semeind«. de» Herrn Presessm» Heiden heim, in huldvollster gdmdorgeben. Sa» luürdig« Jubelpaar erhielt vom regierende» n «me Prachtau»gad« de« Dorö'sche» Alte» Testament« in scher Sprache, und vom Fürsten-valer eine» goldenen Poeal mit mm, Krone und Namealzug. Die Viedereinsegnung de» »ach sehr rüstigen Paare» mnrde vom Herr» Prediger Dr. Leimdärser au» Hamburg vor der vollzählig versammelte» Gemeind« in erhebender Weise vollzog-«. tzkordha»sere, 2. September. (Or-Sorr.) An Stell« nusere». zur Predigerstrlle «ach Prag bereit» übergefieoelleu Rabbiner» Dr Selbhau» wurde Herr Dr. Schoenberger z Z. Rabbiner in Paseuwalk gewählt. An» Sommer», 1. Sept (Or^Eorr.) Bor einigen Monate» wurde der Religioallehrer H. Levq in Zachan von den christliche» Lollegen de» »Lehrer»-Verein» für Zachan und Umgegend" aufaefordert, sich doch dem Benin anzuschließen: wa» derselbe, da er den humane» Sinn der Lehrer wie de« Loeal-Schulinspertor», Herrn Pastor Laro, zur Genüge kannte, mit vergnüge« that. Der Zweck de» Verein» ist «isseaschaftlicher Sedaakeneu»tausch und gegenseitig« Belehrung. Pollttsch« und konfessionelle Debatten find auräeschlosse». So unbedeutend dieser Vorfall für di« Oeffeutlichkeit auch scheinen mag, so hielt ich e» doch für wertb, ihn mitzutheilen, um zu zeigen, daß di« giftige Saat de» Antisemit»«»» bei unser« biedern Pommern doch keinen günstige» voden gefunden hat und hoffentlich auch nicht finden wird. Aus >K««»h«i« schreibt «au dem »Jew. Lhronicle": In der vergäll,enen Boche wurden zwei jüb. Knaben, Schüler de» hiesige» Gymnasium», tu einem Sehölz außerhalb der Stadt ausgefundrn Ei« Revolver lag nebm ihnest. Reben de« älter«, Sohn «ine» Arzte», fand man noch «ine« Zettel, auf welchem mir Bleistift geschrieben stand, daß er und sttn Freund beschlofien hätte», iich lieber zu erschießen, al» sich de« in einigen Timm stattsindenden Examen zu sttlleu. Sie hätte» die Ueberzeugung, daß sie nicht bestehe» «ürd» und wollten lieber sterben, al» die Schande erleben nicht bestanden zu haben. Beide Knabe» wurden für tüchtig gehakte», ganz besonder» der ältere, Namen« Roihlchtld, welcher einen hohen PlM in seiner Klaffe tun« hellte. ES wird angenommen, »aß sich die Knob«, i» der letzte« Zeit zu sehr angesttengt »nd hierdurch «ine SeifteSz-rrüitung zugezogea hätten. Alensduvg. Die größte Sensation erregt in weiten Kreisen da» plötzlich« verschwinden de» Prediger» Peters«» an der hiesige» Johanne»ftrch«. Dieser «eistliche, der seit mehreren Jahren in hiesiger Stadt wirkte, war einer der entschiedensten Anhänger der orthodoxe» Partei uuh « n t i s e m i t. Durch Gründung von Zungfrauenvereine», BewahruugSanftalten und dergleichen wurde Pastor Peterfen in weiter«» Kreisen bekannt, vor einigen Lagen batte er sich eine» vergehen» Kdi« Sittlichkeit schuldig gemacht und ist nach Entdeckung der Thal geworden. Di« Staai»anwaltschaft hat bereit» «inen Steckbries wegen vergehen» gegen den 8 176, 3 de» Strafgesetzbuch«» hinter Petersen erlassen. ». Da» »mtlich« Organ der sächsische« Regierung, di« ung", welch« auf de« Etat de» sächsische» SiaalShauShalt» steht, bringt antisemittfch« Artikel au« eine« Oftseebade, welche in gemeiner Hetze alle» übersteigen, wa» M>» der niedrigsten Sorte der Antifemttengeleister wird. St. Wolfs«»» (im Salzkammergut), während einer Dilettantenvorstelluug t« Peierbräu, in welcher auch die Dam« eine« bekannte» wiener Lonfeetionär» mitwirfte, erhoben sich plötzlich zwei junge Leute i« Publikum, rin Schüler der Reuftädter Militär-Akademie uud der Sohn einer k. k. Hoftathe», mit de« Ruf«: .Elend« Judenbagage." Darüber entstand selbstverständlich großer Lärm, der Vorhang mußte fallen, rin anwesendrr Reserve^ieuteuaut stürzt« aus dt« beiden Skandalmacher zu. hielt zunächst den Militärzögling fest und nahm mit demselben rin Protokoll aus, in welchem der jung« Patron «Ü seiner Unterschrift bestätigte, daß er de» Seandal verursacht »ud den erwähnte» Ruf »»«gestoßen. Diese« Protokoll wurde an di« Direeiion der Akadem!« in Renstad» »iugejandt. De« Hoftalhsöhuchea sprang dessen Mutter bet und bat um Pardon für ihn. Dieser wurde ihm auch g«. «ährt, doch erst nachdem er durch ein paar schallend« Ohrfeigen über da« richtig« Benehmen in guter «esellschast eine« Bessern al» bi»h«r belehrt worden war. Darauf legte sich der Lärm uud die vorftelluug konnte mit Ruh« sortgrsedt werden. KKastricht. Der König vo, Holland hat unser» Rabbiner Herr» Dr. Land»b«rg, Oberrabbiner de» Eonflftorium» von Limburcü de« niederländische» Löwencrden verliehen» desgleichen auch dem Herr» Salomsohn, «inen Kaufmann in Almelo. London. Dieser Tage ist der Bericht der Kommission erschien«», welche vom engl. Parlamente «ruannt worden, um zu untersuch'», ob der Einwauderung der unzähligen Pole» «nd Russe» («eisten» Juden) nicht gesteuert werden könne. Bekanntlich hat ma» auch in Rew-Uort Maßregel» dagege» ergriffen. Ma» läßt dort nur etwa» bemiitelte »der ft ästige Personen zu. Hier in England ist e« nachgerade schrecklich a«. worden. DerZntrangdnsermeistrn» recht undeschetdeaeuvettlertstsehrlLfttg. — Der nächst« Lordmayor von London, Sir Henry Jsaae», wird der dritte Bürgermeister der Eith sein, welcher dem jüdischen Staube» angehört. Di« beiden ftüheren Lordmahor» jüdischer Konfession waren Sir David Salomo»» und Sir Benjamin Phillip». 9t»m. Signora Marianne Piazza, Lehrerin an der hiesigen Kleinkiuderschule, ist durch de» Minister de« Au»wärtig<n al» Leiterin de« Kindergarten» für italienisch« Kinder zu Alexandrien in Egypten ernannt worden. Auch sind mehrere jüdische Damm und Herren offiziell zu« Besuch« der Froebeleonferenz, welch« im Monate September i» Turin staitsindet, «ingeladm worden. Latz«»««. Die hiesige jüUsch« Semeind« besitzt 13 Synagoge» und wird von eme« RathScollegtu«, au» 7 Mitglieder» bestehend, geleite». Da» Elend uuter len Jude» ist groß »ud da» Betteln gehört zu de» Landplage». — Ja Jspaha» find 12 Synagogen und ei« groß« Talmudschnl«. Die jüdisch« Gemeinde dieser Stadl erfreut sich de« «otzlwollen» d-r östoutchm Behörde».