Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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288. ®*« Blatt »hb aut da» Eleganteste auSgeschmückt imb in der Mitte da» Cilbnlfc de» theuren dahingeschiedencn Kaiser» tragen. Diejenigen Bät-r, welche ebensall» den Namen ih e- Söhnche»» ans be« Blatte wüaschen, werden be-tald hierdurch gebeten, soweit dieselben noch nicht direkt durch Rundschreiben auigesordert wn'den, die Mit» »Heilung ihre» Kinverstlludnisse» sowie die Kosten von 3 Mark tm» zukommen zu lasten, woraus die Ausnahme ihre» SSHnchen» auf die Dedenktasel sowie die Einsendung de» Blatte» z. fl. erfolgen wird. Wer außerdem noch da» Blatt zu besitzen wünscht, kann solche» auch gegen genannten Betrag erhalttn. Johann Wirth'sche Hofbuchdruckerei. Mainz." Man muß nun wissk«, daß der Besitzer dieser „Hofbuchdruckerei" der Sohn de« Redakteurjenes orih. Blatter ist. — *72 'KVU N2N »Lüutert Euch selbst, Ihr. die ihr vorgebet, dir Träger der heiligen Gottesgeräthe zu sein!" — möchte man mit dem Propheten der jüngstm Haphtara solchen »Israeliten" zurufen. Oesterreich-Ungarn. Ztndapest, 21. August 1889. Heute wurde unter reger Theiluohme der- Mitglieder die auf 2 Tage anberaumte General-Versammlung deung. irr. Lande-lehrervereinim Sitzungssaal« der iSr. ReligionSgemeinde eröffnet. Anwesend waren außer den ca. 300 Mitgliedern aus ollen Theilen de- Landes noch Martin Schweiger. Präsident der jüd. Landeskanzlei, Rabbiner Dr. Lohn, Rabbiner Dr. Klein- Altofen, Rabbiner Dr. Neumaun-Gr.-Kani-za, Profeffor Dr. Karman und viele Notabilitüteu. Nach der Eröffnungsrede von Seite des Verein-Präsidenten Herrn Szäntä, Direktorder i-r. Knabenschule, wurde die Versammlung vom Redakteur Paul Tänzer, Repräsentanten-Mitglied der isr. Gemeinde, i« Namen dersesben herzlichst begrüßt. Hierauf folgte die Verlesung de« LereinSberichtes, dem wir folgende Datm entnehmen: Der Verein zählt gegenwärtig genau 500 Mitglieder. Da- Verein-Vermögen besteht au» 23.781 fl. Die Einnahmrn betrugen während des abgelausenen dreijährigen Eyclu» an Mitglieder-Taxen 4694 fl„ Geioinn am lüterarischen Unternehmen 3820 fl., Zinsen de» Reservefonds 2550 fl. — Die Ausgaben beliefen sich auf: Wictwengrbühren 1800 fl. (Die Wittwe eine» jeden verstorbenen ordentlichen Verein-Mitgliedes ei hält statutenmäßig 200 fl.) — An Unterstützungen an bedürftige Lehrer wurden au-gegeben 2355 fl. (Als Unterstützende Mitglieder traten biSller nur 14 Gemeinden bei.) Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Frage d:r Vereins-Lesebücher. Der Berichterstatter Bürgerschull,ihrer Moriz Hoffmaun auS Gr.»Sani»za kritisirt dieselben vom pädagogischen, nationalen und confesfiooellen Standpunkt und resumirt seinen Vortrag darin, das die vom StaatS- Lehrrrpräparandie-Profeflor W. Radä verfaßten vücher in flylistischer Hinficht da» AuffaffungSoermögen der BalkSschüler überschreiten, weshalb dieselben dem Verständnis der Kinder und dem Principe der Stufenwäßigkeit aupaffend «mzuarbeiten wären. Während seine» Vortrages machte Referent einen kritischen Ausfall gegen die Auswüchse de» üderhandnehmenden System« von Herbart und Ziller. Dies veranlahte den anwesenden Hauptvertreter de« erwähnten System» in Ungarn, Profeffor Karman, der zugleich geistiger Urheber der besprochenen Lesebücher ist, zu einer wohl sachliche«, aber etwa» heftigen Replik, in der er über die Leichtfertigkeit Nagt, mit der man pädagogische Systeme angreift. Dadurch rief der allgemein verehrte Profeffor einen Proteststurm hervor. Die tzülträge de« Referenten Hoffmaun wurden angenommen. Der zweite Gegenstand war: Der Religionsunterricht in den konfessionellen und Simultauschulen. Referevt des Gegenstände», Lehrer Salamo» Klein au» Szrgedin, legte nach ausführlicher Motiviruug einen detaillirten Lehrplan für den Religion»« und Bibelunterricht vor, allein die Versammlung konnle darüber nur einen akademischen Beschluß fassen, da sich das Projekt vermöge der staatlich anerkannten Dreitheilung der jüdischen Lonfessio» (neolog, StatuSquo und orthodox) obligatorisch nicht durchführen läßt. Aus Amrag des Dr. S. Zseugeri ward der Entwurf an den Senttal-AnSschuß gewiesen. Der Szegediuer Lehrer, S. Deutsch, giedt al« Ursache der schwachen Resultate auf dem Gebiete de« Religionsunterrichtes den Umstand an, daß die RabbiuatS-Eandidaten nicht (wie die« bei den andern Confesfionen geschieht) auf praktischem Wege ihre pädagogischen Krnntniffe erwerben, sondern blos Männer grauer Theorie bleiben. Die Zöglinge der RabbinatSschulen mögen dem Beispiele der Reformirten und Katholiken folge» und selbst eine Zeit lang unterrichten, ehe sie ein Amt antreten. R.ligionSprofeffor A. Stern stellte den Antrag, daß in den jüdischen Volksschulen der Religionsunterricht mit den Denk- und Sprechübungen in enge Verbindung gebracht werde. Dadurch könnte man da« religiöse Gefühl den Kindern schon im zartesten Alter eioflößen. Hierauf kam: „Die Gründung eine» iSrael. Lehrer- Waisenhauses" zur Sprache. Der Referent B. Csajagi, Tirector de» Pudapester i»r. Waisenhauses, beantragt, daß die Versammlung in Anbetracht dessen, daß laut statistischen Ausweiseim Verein nur jede 6—7 Jahre eia Fall gänzlicher Verwaisung vorkomme und die Errichtung eine« Verein-- Waisenhauses derzeit finanziell fast undurchführbar sei, es ausspreche, daß die Gründung desselben gegenwärtig nicht nötbig sei. Der Antrag wurde einhellig angenommen. Am zweiten Berhandluugstage erschienen unter den Gästen: Dr. Barany, Gemeinde-Schulinspector; Rabb. Dr. Löw au» Szrgedin und der Dichter Josef Klß. Der erste Gegenstand: Ueber den Unterricht der ungarischen Sprache in den Volksschulen, wurde auf allgemeinen Wunsch von der Tagesordnung abgesetzt. Der nächste Gegenstand betraf die Penfionsfrage. Der Referent beantragte: 1. die zur vollen Pension berechtigende Dienstzeit werde von 40 Jahren auf 30 herabgesetzt; 2. das Gehalt de» letzten Dienstjahres sei die Summe der Pension. Die Anträge wurden mit dem Zusatze angenommen, daß in den Rahmen der pensionsbercchtigte» i»r. Lehrer auch die diplomirten ReligionSlehrer etnzubezieheu seien. Sodann folgt das Referat des Lehrers Jakob Wälder, in Baja, der tn Angelegenheit der durch den isr. Landes- Lehren, ereine zu biet-ndeu materiellen und geistigen Begünstigungen beantragt, daß der Verein foNan seine Aufmerksamkeit mehr auf die Lebenden richte und hauptsächlich die Linderung de» noch an vielen Orten vorhandenen Lehrerelend» ansirebe. Auch über diesen Antrag entspinnt sich eine lebhafte Debatte und auch dieser Entwurf wird dem Central- Ausschuß zugewiesen. Der Nachmittag de» zweite, Berhandlungstage» gehörte vorwiegend der Erörterung über die Verbesserung der inneren Organisat.on de» Vereine». Referent Eugen Sontag aus Szolnok legte einen Entwurf vor. in welchem er beantragt, daß der Wirkungskreis und die Rechte der bisher sich so sehr bewährenden Filialvereine in der Provinz erweitert werden möge». Zum Schluffe fand dir Neuwahl de» VereiaSvorstande» statt. Frankretch. 28. August. Präsident Carnot, soll angeregt durch die ergreifenden Schilderungen, welche die franzö« fische „Mission" von der Lage der Juden in Marokko entwarf, beschlossen habm, in Fez durch den ftanzösischen Residenten gütlich dahin wirken zu loffen, daß der Sultan „geradestzdiesem intelligentesten Bruchthril der Bewohner seine» Reiche» etwa» mehr Sorgfalt zuwende, als dies bislang geschehe» sei." Eine» der hervorragendsten Mitglieder dieser Gesandschast bat seine Beobachtungen in einem Berichte in der Beyae PoUtique et litteraire (Bevue bleue) niedergelegt, der schon um seine» Urheber» willen mitgrtheilt zu werden verdient. Er lautet: „Die Lage der Juden in Fez ist in polittscher und sozialer Beziehung chatsächlich eine schreckliche. Wie wild« Thiere sind sie von Sonnenuntergang bi» Tagesanbruch in der Mellatz (v. h. verfluchter Boden, Schmutzacker) eingchfercht. Bor den beiden Eisenchoren, welche dieses Ghetto von der Außen-