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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 36. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 36.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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881 tagt, hauptsächlich «Ixt auf den Mangel cn Erziehung und Unterricht. Die Zeit und eine besser« Verwaltung könnten jedoch viele» ttzuu, alle diese Hrtd zu heilen, und zwar da« erster« durch Ausklärung der Masten und da» letztere durch Eröffnung rhreuwertherer Erwerbsquellen. al» die Bräunt, weinbreunereien, die ein Monopol de» Staate» sind, sie er« schließen können. Ferner ist Faulheit eine» der Haupthindernisse sür die «stwickelung der Straft diese» Lande». Trotz diese» Laster» ist der Ruff« aber ehrbegierig. E» giebt vielleicht kein andere» Land, welche» so viele Personen hat, die ihre Carriörr verfehlt haben, oder in ihren ehrgeizigen Besterbungeu getauscht worden sind, al» Rußland. Der Ezar ist der Mittelpunkt, in welchem sich alle Strahlen sammeln, der Brennpunkt auf welchen jede» Auge gerichtet ist, deffeu bloßer Wink da» Glück eine» Menschen zu fördern oder z» zerstören vermag. Er ist in seiner Meinung der Stellvertreter und Erwähler Gotte» und weil er da« Oberhaupt der Kirche ist, auch die Quelle aller Seligkeit und da» Ziel aller Verehrung. Seine Hand ist eben so freigiebig an Güte al» seine Arme stark, wenn er die Strenge seiner Macht fühlen läßt. Der Ezar ist der Vater der ganze» Ration und wo er spricht, da schweigt jede andere Stimme. (Schlug fol,».) Gerichte und Carrespondenxen. Deutschland. Megdeßurg. Bezüglich der von de« D. I. G. v. an alle deutsche» Eemeiudeu versandten 15 Grundsätze der jüdischen Ethik, deren Aufnahme in alle Gebet» und Religionsbacher von demjelbeu verlangt wird, schreibt mau un«: ^E» ist ganz «»begreiflich und zeigt von der voll« ständigen Prinzip ienlofigkeit der heutigen Orthodoxie, daß pch rechtgläubig und couservativ nennende Rabbiner dazu ge« braucheu ließen, ihre Zustimmung durch NawenSunterschrift zu einer Kauonifiruug jüdischer Religionsgrundsätze zu geben. Wie vorsichtig war doch in dieser Beziehung der stl. Rabbiner Dr. Sach», der klassische Uedersrtzer de» Siddur und de» Machsor». Er fand in ersterem die 13 von Maimonide« ausgestellten sogenannte» Grundsätze der jüdischen Religion vor, (die fi**lp91aber sein echtjüdische» Gewissen drängte ihn, der Uebersetzung derselbm eine erklärende Rote hinzu« »ufüge», in der er hervorhebt, daß gegen diese „Grundsätze," sowie gegen die Aufstellung solcher Glaubensformeln überhaupt, in verschiedenen Z-iten von den bedeutendsten Denkern vielfache Einweudnugen erhoben worden, nur die Verehrung, di« diesem großen Lehrer, R. Mose den Maimon, gezollt wurde, verschafft« ihnen zwar die Aufnahme in das Gebet« buch und die Religionslehrbücher, aber „eine kan»«rif«he, bi»de«de Bedeutung isst thue» darum uicht zuzushueeeheu." (S. Sach« Gebetbuch S. 121, Anw.) Gilt dies von den „Grundsätzen" eine» Maimonide», um wievielmehr von denen der HH. Lazarus und Genoffen — die dennoch der Direktor de» orthodoxen Berliner Rabbiner« seminar» sanktionirte, dem dann der Troß seiner Schüler blind« ling» folgte und sür welche endlich den« auch sein Organ, die »Ädische Presse", nachträglich noch eine Lanze zu brühen sich für verpflichtet hielt. Wie ander» verhielt sich doch da» Wiener Rabbinat, da« solche Zumuthung energisch abwies. Werkt», 27. August. Der un« vou den Judenfeinden so »st gemacht« Vorwurf, daß wir nur Sion für „Geschäfte" hätte», scheint vou deu Staatsbehörden wie nachstehende Lhatsache beweist, Gott sei Dank uicht sür wahr gehalteu z» werde». .Seit 4 Jahren wird hier alljährlich eiu sechswöchentlicher Eursu« im Zeichne» auf Staatskosten abgehalteu. Derselbe wird vou dem Direktor der Berliner Hand werkerschule, Je sseo, geleitet und wird in 8 Stunde» täglich das besouders für Fortbtlduugssktzuleu so uothweudige gewerbliche Zeichne», gelehrt. Unter di» 120 Kurfifte» des Vorjahres »efaudeu sich auch zwei jüdische Lehrer, bereu Fortschritte i»!»k . ■ .. . ... . dem gedachte» Lehrgegeustaude derartig wäre», daß die vor» gesetztt Behörde diefrlbeu Lehrer auch in diese« Jahre, be- Hufs Wetterführung, eiuberufen hat und während viele der vorjährige» Lurststen gar uicht wieder einberufen wurden, weil ihre Leistungen uicht geuügteu, andere in demselben Kursus verbleibe» mußten, weil fle das Eudziel uicht er» reicht«», find die beiden jüdische» Lehrer tu deu Oberkursus gesetzt worden. Was aber noch deutlicher für obige Behauptung zeugt, ist die Eiuberufuug von zioet andere« Mischen Lehrern, so daß gegeuwättig 4 jüdische Lehrer auf Staatskosten au dem diesjährige« Kursus brtheiligt sind. P. in F. WeÄ», 26. August. (Or^C.) Der lang gehegte Wunsch nach Popularisierung der jüdischen Geschichte und Litteratur scheint in Folge eines uns bekannt gewordenen Unternehmen» einer Verlagsbuchhandlung seiner Erfüllung entgegenzugehen. Der Verlag von H. Engel, hierselbst, veröffentlicht nämlich, wie wir hören» von Mitte September ab unter dem Titel ,Mendelssohn»Bibliothek" eine Reihe einzeln käuflicher Schriften, welche die Kenntniß der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart in populärer Form der Laienwrlt erschließen sollen- Namhafte Autoren find an der Mitarbeiterschaft der Bibliothek betheiligt. Erzählungen aus dem Volk«» und Familienleben wechseln ab theil» mit Darstellungen au» der jüdischen Geschichte und Litteratur, theil» mtt Belehrungen über unsere heilige Religion. Bei der Gediegenheit der Schriften, dem geringen Preis« von 25 Pfg. sür den Band und bei den Massenauflagen, in denen die Schriften hergestcllt werden, ist zu hoffcn, daß die Mendrlssohnbibliothek eenen heilsamen Einst, ß ausüben wird. Ein Prospekt soll in den nächsten Tagen im Rahmen eines „Jsr. Bolkskalenders" in den meisten i»r. Gemeinden des In» und Auslandes gratis vertheilt werden. Mögen die Hoffnungen in E-süllung gehen, die Verleger und Autoren auf da« junge Unternehmen setzen. Wird nur ein geringer Theil der Unwissenheit und Gleich» ilttgkeit beseitigt, denen man so oft in jüdischen Kreisen egegnet, so ist auch schon die Mendelssohnbidliothek der Uvttrstützung und Förderung seiten« aller Edlen wetth! —n. (Wir werden nach Erscheinen de» Prospekts auf diese» bei richtiger Leitung und Ausführung rinm wohlthuendrn Einfluß versprechende Unternehmen zurückkommrn. Red.) Werti». E» dürfte nicht unintereffant sein, zu hören wie ein Pastor, dessen Predigten west und breit bekannt sind, sich über die Judeustage geäußert hat. Pastor Römheld sagt in seinen (bst Schlößmann in Gotha) erschienenen Predigten S. 420 ff. folgendes: „Man mag üb« die jetzige Judevstage den kür, wir man will, soviel ist gewiß: Jede Ungerechtigkeit gegen die Juden ist Sünde. Auf der andern Seite aber ist eine Abwehr des übermäßigen und über» wüthigen Einflüsse» der Juden zur Nothwendigkest geworden. Die Frechheit, mit welcher sie dem Volk den Christenglauben aus dem Herzen reißen, ihm z. B. den Sonntag rauben (?), ist u.xrttäglich geworden. Es ist Gottes Wille und Gebot, daß die Juden unter den ehemals heidnische«, jetzt christlichen Völkern Fremdlinge sein sollen. Sobald sie den Christen in allen Rechten gleichgestellt werden, sind sie ihnen thatsächltch nicht gleich, sondern dann werden sie die Unterdrücker der Ehristen. 8Bn da weint, was Gott einander untergeordutt hat, oa« könnten die Menschen jemal« gleichsttllen — der muß sich wenig in der Geschichte der Vergangenheit und der Gegenwart umgesehen haben. Run, dann werden jedesmal die, welche Gott über die andern gestellt hatte, von denen, welch« angeblich für ihre Beireiung und Gleichberechtigung kämpfen, untrrdrückt. Und da» von Recht» wrgen, weil sie nicht bei Gottes Gebot und Ordnung geblieben sind. Die Juden sollen recht und billig behändest werden; aber entweder sind die Deutschen und Ehristen die Herren im eigenm Lande, oder die Juden sind di« Herren, beherrschen und unterdrücken di« Deutsche« und Christen. Eine Gleichstellung von beiden giebt e» nun und «immer. Wie kann aber auch ein christliches Volk ein andere« Volk, welchem seit seiner S«lbstoerfl»ch«ng(!) am ersten Tharfreitag der Chrfftushaß im

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