Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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deutsche Kaser, Preußen» König Wilhelm H. Seinem erhabenen Gaste unter begeisterter Theilnahme der Bevölkerung in der Kaiserstadt an der Spree bereitet hatte. Die merkwürdig« Ä>orte, welch« die Majestäten in Bezug auf die Eintracht und Interessengemeinschaft beider «eiche gesprochen hatten, finden im Hetzen des ungarischen Bolle» lebhaften Wiederhall. Die Solidarität der Kultur und Frieden gebietenden Sendung de» deutsch« und österr.-ungaris4« Staate» ist Inhalt de» herrsctenden Bewußtsein» geworden. Jeder dem Staate und der Nation ergebene Magyar fühlt e» lebhaft, daß ungarischer Patrioti»mo», im eminenten Sinne, die Hingabe an da» preußisch-deutsche Reich bedingt. — Dieser volittsche Gedanke ist auch insofern theologisch, al» I, Haber hervorragender RabbinatSsitze in unserem Lande au» deutschen Hochschulen in Berlin und BreSlau hervor» gegangen siid und gewiß gerne mit der unentwegte» Lieb« and Treue zum ungarischen Vaterland« deutsche Gesinnung und Bildung vereinigen. Der Geist kann deutsch bleiben, wenn da» Herz jüdisch und die Zunge ungarisch ist. Davon liejern mehrere Rabbiner unserer Heimath die erfteulichsten Beweise. ES liegt ein Zug historischer Gerechtigkeit darin, daß der wahrhaft große altjüdische Rabbi Mose» Perl», gesegn. Angel»., der seine» Amte» in der Gemeinde Bonyhad unverdienter Weise schmerzlich verlustig ward, einem gleich berühmten Sohne aus dem Rabbiuatrsitze Nagy- Kärolh seine rabbinische Gelehrsamkeit, Geiste»schärfe und ftomme Toleranz vererbte, und dem Oberrabbiner Perl» von Rogy-Käro y dir Freude beschiedrn ward, seine drei Töchter Rabbinern zu vennählen, von denen der eine, Dr. PrrlS, bisher Rabbiner von KecrkemSt (Zögling der Berliner Lehranstalt für Wissen de» Judenthum») am jüngsten Sabbath al» eiwähller Rabbiner der einheitlichen Fünfkircheaer J»r. Gemeinde die Antrittsrede hielt, welche in Bezug auf materielle and lntellectuelle Verhältnisse, eine weit über« ragcnde Toihter der einst hochanqesehenen Bonyhäder Muttrrgemeinde geworden ist. Wer die Geschichte dies.r Gemeinde milrrl'bt hat, freut sich »dieser Wendung durch Gotte» Fügung-. Gleichzeitig hat auch rin zweiter Schwiegersohn de» grnamnm Oderrabbiner Perl», Dr. Flesch,Zögling de» Budopester Seminar», al» Rabbiner der Gemeinde Mohäc» unter großen Ehren seinen Einzug gehalten. Der dritte Schwiegersohn de» Ragy-Kärolyer Oberrabbiner» ist der Rabbiner Dr. Loewy zu TamrSvar, gleichfalls Zögling der Bkrlioer Hochschule, au» welcher auch der Rabbiner der zweit größten Stadt Ungarn», Szegedio, Dr. Immanuel Löw hervorgegangea ist, der gegenwärtig die Werke seine» unvergeßlichen sel. Vater» und AmtSvorgäuger», »de» Löwen Ungarn'»-, Oberrabbiner» Leopold Löw herau»giebt. — 28. Juli. (Or.-Lorr.) Ein mächtiger Stamm nationaler Poesie in Oesterreich brach mit Robert Hmaerling zusammen. War Leviu der Sänger der Weltweisheit Spinoza'», so Ham r rling der Dichter jene» Schopenhauer^chen Pessimismus, der im Schwanensang de» Sänger», in »Homuuculu»- ouegsklungen ist. Und der Dichter hatte nicht so unrecht, die Menschen für furchtbar klein zu halten, wie angrftcht» de» wieder erwachten ungarischen nationalen Geniu», de» wieder auferstaudeuea magyarisch« Staate« rin so begnadeter ungarischer Dichter wie RevitSky, der Sänger der »Einsamkeü- (Mag'anh) und »Jugeud- (JsjuS'ag) in Ewsamkeü und Jugend arm und elend sterb« und Verderb« mußte. — Alle» Lob verdien« unsere ungarisch« Glaube^. Sm, drß sie dm magyarisch-national« Dichter Kiß f, der mit warme« jüdische» Herz« auch hebräische n dlcstet and lobt, schütz« und stich«. Nicht « oft gAingt Geistesgrößen im materiell« Leb« der große Wrrf. Melchior g a rka», de« der Wurf in der klein« Lotterie mtt einer halb« Million grlnng« war, ist, wir e» sich in derTameSva r er Gerichbt-Untrrsuchung heranSstellte, torder groß noch ehrlich gewesen. Der Gewinn beruht ans falsche« Spiele. Gott sei Dauh daß bei dieser Affaire kein Jude beiheiligt war. Hollawd. Amsterdam. Der bmorstehmde Geburtstag der Kronprinzessin Wilhelmine wird Hierselbst durch ein große» Kinderfest gefeiert werd«. Zu diesem Zweck werden für 20 000 Kinder theattalische und pantominische Vorstellung« in verschied«« Theatern gegeben werd«. Der Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheit ist am 31. August und die Eröffnung der Feier wurde auf Abmd» 7 Uhr festgestellr. Da dieser Tag auf ein« Sabbath fällt, so müßten d'e jüd. Kinder schon vor dem Maarib»Gebete oder der Habdalah (Eeremonie bei der Frier de» Eabbachausgange») da» Hau» verlaffen, um die nicht weit mtfernten Theater zu Fug?' zu erreichen. Mit Rücksicht hierauf wurde auf Anttag de» Herrn A. C. Werthtim, Mitglied de» Oberhause», die Stunde de» Beginne» der Vorstellungen auf 8 Uhr hinaus» gerück. — Diese Thatsache spricht mehr al» Wort« von der Toleranz der Bewohner Amsterdam». Es darf aber hinzugefügt werd«, daß ein solche» Entgegmkommrn auf Gegenseitigkeit beruht und die jüdisch« Einwohner bei ähnlich« Vorkommnissen dieselbe Rücksicht bei etwaigen religiös« Skrupeln ihrer christlichen Mitbürger würdm walten lass«. Krawkretch. 3faris. Gelegentlich de» Centenanum» der ftanzösischea Revolution wurde auch eine Preisaufgabe über »die GewisfmSfreiheügestellt. Der Prei» betrug 25,000 Fr. ES lief« 328 Arbeiten rin. Unter den Preisrichtern warm Adolph Frank und Julr» Simon. Die Arbeit eine» Professor» am BalcecienueS und eine» Lehrer» in Eolombä, erhielt« die ersten Preise mit je 5000 ft. In dem Berichte über diese Arbeiten spricht sich Jule» Simon sehr energisch gegm den heutig« Antisemitismus und gegen die Unduldsamkeit au» und schließt mit den schönen Wort«: Man greift im Ramm der Denkfteiheit die religiöse Frrihett an, al» ob die Freiheit zu »glauben" nicht ebenso geheiligt wäre, al« diejenige »nicht zu glauben". — Die „Archive»- beklagen sich darüber, daß da» Eentralcoasistorium bei Anwesmheit de» Schah» von Perst« gleich dem Beispiele der londoner Gemeinde die Gelegmheft versäumt hat, bei diese« wegea der Lage der persisch« Israelit« vorstellig zu werd«. Maute» (Dep. Seine und Oise.) Auf dem ftei« Platze vor dem diesig« Hospital fand man eine Anzahl Leichmsteine mit jüdischer Inschrift. Man schicke einige derselben Her« Ernst Ränan nach Pari», um der« Inhalt zu entziffern. Der große Orimtalist antwortrte, di« Steine wärm mode« und gehötten der Jetztzeit an. Run ist über dies« archäologisch« Fund eine Brochüre erschienen, welche mst Hälft de» Herrn Schwab, welcher eigen» zu diesem Zweck nach Mante» gereist, da» Borhandmseiu einer zahlreich« jüdisch« Bevölkerung in Ile de Franc« au» dm Grabinschrift« während dr» MitttlalterS nachwicS. Jndeß irrt der Verfasser, wenn er von dem Namen Jutta auf da» 13. Jahrhundert schließt. Zunz hat in seinem bekannt« Aussätze »die Namm der Jud«-, Seite 40, gerade von diesem Frauen» «am« Jutta aus da» 12. Jahrhundert geschlossen.*) Interessant ist bei dieser Gelegenheit die Unwissenheit Rman'S und doch will dieser »Gewattigein jüdisch-wissenschaftlich« Frag« da» «tschridmd« Wott sprech«; man kann, wie Grätz und Joel schon oft Rmaa nachgewirseu, eia glänzmdrr Stylist und doch ein oberflächlicher Gelehrter sei. Ztaurit*. |u der argentinische» Hiepnßlist. Da da» Thema der Emwanderung in die »rgeolmische Republik ein« besondere Aufmerksamkett wachgrruf« hat, dürfte' r» nicht «nmtrreflant sei», einige Auszüge aus eurem Schreib» zu veröffentlich«. welche» im »Jem, Chrom" al» Antwort auf eine diesbezügliche dorthin gerichtet« Anftage au» der 1 Dt« betreffend« Roll» bei Zunz lautet: »Jutta. Grabstein Säe. 12 ,T2m na. Kt. 989. «ahartl f. 60. 9m. SM Kt. 66.