Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— mit dm Schwäche« der Patienten. Ist solche Schwäch« «icht auch eine Srankheit, die gebildete Aerzte gründlich heilen müßten. .De« >iittsewiti-mo« der lerzte möchte ich beileibe nicht he rauf beschwören", aber beschwören möchte ich ihn, und nicht ein Pfläfterchen aus eine Wunde legm, die »ach solchm Annoncen Woche für Woche schon groß genug ist und der gründlichen Heilung bedarf. .Der Antisemit, geht nicht zu ihm!" ist das ungerecht? Zu einem humanen Christ gehe der Jude vertrauensvoll nach wie vor. Scheut sich aber der christliche Arzt nicht, sich offen als Feind der Juden zu bekennen, dann möchte ich wenigstens Bedenken tragen, an meinem Leibe ihn die Probe bestehen zu laflm im Kampfe seiner ärztlichen Gewissenhaftigkeit und seiner ausgesprochenen Judenfeindschaft. Vielleicht hat Hr. Dr. 8. in W. nur einer Schwachheit nachgegeben und ist jetzt eine» Besseren belehrt worden. Dr D....r. Ksse«, 20. August. (Or.'Corr.) Daß der Antisemitismus, bevor er zum Sport geworden ist, schon lange vorher auf dem Gebiete der Musik vorhanden war, wiffrn wir aus Richard Wagner- .Da« Judenthum in der Musik", in welchem der .Meister" uns Juden die Fähigkeit des Sichhineinver» smkens in die deutsche Musik, und demzufolge auch die richtige Reproduktion derselben absprach. Bei den Antisemiten aber ist eine Identifizierung von Wort und Thal nicht immer vorhanden. Widersprüche I WaS kümmern sie diese l Ja ihren Augen find die Juden bekanntlich die Ausgeburt aller Schlechtigkeiten. Wenn Stöcker aber Geld zur Stadtmisflon uöthig hat, so nimmt er eS auch von Juden, denn das Geld als Mittel gilt ihm interkonfessionell, wenn nur sein Zweck erreicht wird. Aber nicht bloß den Slang deS Geldes läßt man sich jetzt gefallen, sondern auch den Slang der Instrumente und Sehlen der Joden. Seit einigen Wochen werten in Bayreutg einige der Richard Wagnerschen dramatischen Bühvenwerke aufgesührt. Al» Dirigent de» Parfifal fungirt wieder unser geniale Glaubensgenosse. der Königliche General- «usikdirector Hermann Levi*) aus München und merkwürdig i gerade diese» Festspiels, da» einen christlich-religiösen Hintergrund hat. Und wie führt Levi seine Aufgabe au«? Darüber belehrt unS ein Artikel im antisemitisch angehauchten »Musikalischen Wochenblatt", (<S. W. Fritzsch, Leipzig), welches die Wagner'sche Richtung verfolgt, folgendermaßen: ..... Die erste Aufführung de» Parfifal war eine der schönsten, die je gewesen (anwesend waren neben vielen fürstlichen Persönlichkeiten auch der Lvuig Albert von Sachsen, und in der gestrigen letzten die kaiserliche Familie. Gr.); wenn ich nach diesem wohl einstimmigen Urtheil der Hörer verrathe, daß die zweite womöglich ihre Vorgängerin übertraf, so kann man sich einen Begriff machen, bi» zu welcher Höhe dieselbe gestiegen ist.Die Orchesterbegleituog, da» Zusammengehen derselben mit der Scene war ein so musterhaftes, daß mau dringend wünschen muß, immer Herrn Generalmusikdirektor Levi an der Spitze der Aufführung zu wissen. Welch wahrhaft großer Dirigent ist nicht dieser Manu, der zielbrwußt und mit unerschütterlicher Ruhe stet» da» Richtige trifft, der wie mit Zaubergewalt die Schicksale der Aufführung lenkt und dieselben immer zum besten Ziele führt. »$ttl wir, daß ich Dich wiedrrfindel", so kann Bayreuth dem ausgezeichneten Lünstler au» vollem Herzen zurufeu." — Wir haben dem nicht» hiozuzufügen. Sr. Zu* de« Kanuäwerfche«, im Jnli. (Soll der Lehrer sich Prediger ueonen?) Wohl oder übel müffeu wir zunächst die in echt jüdischer Manier erhobene Gegenfrage beantworte». .Warum soll er e» nicht thu», wenn er Prediger ist?" Die Antwort ist nicht so schwer, sie lautet: „Da unserem Ideale vom jüdische» Lehrer nur der staatlich «gestellte Lehrer entspricht, welcher Lehrer und nicht» al» Lehrer ist, so müssen wir diesen unsere» Standpunkt doch einiger, maßen durch unser« Unterschrift markireu. Denn wir befördern *) Ltvi ift ei« vohn btt greifen RaMiner« »r. 8e»t in wiegen, der daselbst am 1. DKofer fein «0 jährige« AmtSjubtläu« begeh». di« Erreichung de» Ideal» nicht, wenn wir auf Vorzüge Hinweisen, die wir besitzen, die aber mit dem angestrebteu Ideal nicht im Zusammenhang stehen. Und wenn wir gar noch von den jüdische« Lehrer-Seminarie» eine bessere Ausbildung als Prediger oerlangen, so wird dadurch die Erreichung de» Ziele» geradezu gehemmt, wir stehep un» damit gewissermaßen selbst im Wege. Der Lehrer mag übrigen» sich anstelle», wie er wolle, er ist al» Prediger doch nur Rothbehelf. Denn wenn die Gemeinden in der Lage find, einen besonderen Prediger anzustellen, so werden sie doch de» mit dem Rabbiner-Diplom versehenen Candidaten wählen. Ein Lehrer wird in eben dem Grade, in welchem er sich al» s o l ch e r fühlt und giebt, nimmermehr al» eigentlicher Prediger sich betrachten, »nd wenn er noch so sehr die Gabe der Brredtsamkeit besitzt. Aber manche Gemeinde fühlt thatsächlich daS Bedürfniß nach einer Predigt, und da kann der Lehrer sich dieser Anforderung eben so wenig entziehen, al» wenn man seiner al» Vorbeter bedarf. Daß er e» ohne Entgelt ihn« soll, will ich nicht behaupten, doch läßt sich dafür wohl eine Form finden, man braucht doch nicht alle» gleich kontraktlich bi» auf da» Tüpfelchen de» i festzustellen. — Oft zu predigen, ist gewiß nicht anzurathen, selbst nicht einmal einem Rabbiner. Soll die Predigt sorgfältig vorbereitet sein, so nimmt sie den Geist sehr tu Anspruch, und junge Lehrer» die eine Fortbildung im Schulfach erstreben, thun gut, sehr sparsam mit öffentlichen Reden zu sein» die vorzugsweise auf da» Gefühl «tnwirkeu sollen, da die pädagogische Schärfe und Distinktion de» Redner« leidet, wenn er sich in Gebieten ergeht, die immerhin der Volksschule entlegen sind. Ein Lehrer. In» Kiiddeutschkaud, 16. Aug. (Or.-Lorc.) Ja der Lehrer-Versammlung zu Hannover regte Lehrer Stern - HildeSheim die bessere Lultivirung de» Gebetbuch» in der Schule (Sitdur und Machsor) für den Religionsunterricht und Gottesdienst an. Die Idee ist nicht neu. aber e» bleibt in offener Frage: Ist nicht eine bessere EuUivirung de» Bibelinhalt« wichtiger, und wie gewinnen wir Zeit zu einer au»sührlichea Behandlung de« einen oder gar beider Unterrichtögegenstände? Wenn an di« Heranziehung de« ganzen Inhalt», selbst in Auözügm, in der Ursprache gedacht wird, so halten wir die» schon der sprachlichen Schwierigkeiten wegen für unmöglich, diese treten schon bei den alltäglichen Gebeten hervor. E» müßte zunächst ein Auäzug für Siddur und Machsor zu pädagogischen Zwecken gemacht werden, sowohl in Berücksichtigung der Sprach« wie de» Inhalt». Ein Vokabularium müßte für jede« Stück sämmtliche Vokabeln enthalten, nicht diejenigen auSlassen, welch« bereit» vorgekommen find, weil die Stücke nicht immer der Reihenfolge nach gewählt werden können.*) Jndrß — der Gegenstand ist der weiteren Erörterung werth; wir möchten nicht, daß er auf den Boden gefallen ist. Für die Ent- Wickelung«-, wie Entstehung«geschichte unserer Gebete vermissen wir unter den angeführten da« gerade zu populäre« Zwecken bearbeitete Buch von Rabbiner Dr. Rothschild (Der Synagogal-Cultu». Alzey Jos. Weiß 1. Thcil: die Gebete). Der zweite Theil soll die synagogalen Gebräuche bringe«; wir hören, daß dieser auch noch Nachträge und Ergänzungen zu den Gebeten enthalten wird. Wir hoffen, daß auch dieser Theil bald erscheinen werde. Au» früheren Mittheiluugen ist un« erinnerlich, daß auch ein dritter Theil noch folgen werde, in welchem die häu»lichen Gebräuche de» religiösen Leben» zur Behandlung kommen solle«. Oefterreich-Uugar». N. Zu» Zlugaru, 18. August. (Or.-Eorr.) Aus dem freudigen Anlässe de« heutigen Geburt»seste» unser«, «öaigS, Kaffer» Franz Josef I., geziemt» sich wohl, daß jeder Ungar auf die schönen Festtage dankbar zurückblickt, welche der •) Wir haben die Absicht, bei der bevorstehenden neuen vermehrte» Auflage »e» zweiten inursu» unserer TefilUh kezarah alle diese Vorschläge zu berücksichtigen. (Red.)