Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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-871dufecn so 6e»erfni«»«rt$ macht, al» »iekmehr feine geistliche Würde. Wir sähe» ja in jüngster Zeit and) den Prinzen non Wale « al« Gast der Ro t hschild'schen nnd Eass»ov'schen Familie, diesmal aber das hochzuverehrende Oberhaupt der Landeskirche in trauliche« Verkehr mit Rev. Dr. Hermann Adler, al« Vertreter unsere» hochwürdigen Oterrabbiner«. und Rev. Dr. Taster, dem Chaham der porlngiefischeu Gemeinde, also den gründlichen Gelehrten des klassischen Ilterthuws mit den scharfsinnigen Talmudisten. Es gab einst eine Zeit, in welcher eine solche Begegnung Wirkungen hervorgebracht haben würde, welche der des Stahles gleichen, wen» man mit ihm den Feuerstein schlügt; die Zusammenkunft zu East Eliff hat jedoch keine andere Flamme entzündet, al« die gesellschaftlicher Zuneigung und freundlichen Verkehr«. Warum sollte aber auch Streit unter solchen guten Männern ausbrechen, welche daffelbe hohe Ziel durch verschiedene, nur wenig von einander abweichende Mittel zu erreichen streben? Auch Herr Irving, der berühmte Schauspieler, war eine auffallende Erscheinung in diesem Circle. Dieser, welcher eine hohe Stellung als Haupt des dramatischen Luuftgewerbe« einuimmt, hat in jüngster Zeit hervorragenden Antheil an der Debatte über die Verwendung der Kinder bei theatralivorstellungen genommen. Die jüdische Geistlichkeit vertrat vollauf die Ansicht de« Erzbischofs, welche dahin ging, daß man Alles beseitigen muffe, was den Unterricht oder die körperliche Entwicklung der Jugend stören könnte und wir dürfen wohl anuehwev, daß dieser Gegenstand in der Versammlung zu East Eliff auch zur Sprache gekommen ist Ein anderes Thema, welches ebenfalls daselbst besprochen wurde, betraf da» sogenannle »Schwitzsystem-, über welches das betreffende Comitee eine Resolution, welche jedoch noch nicht angenommen ist, in Druck gegeben hat. Wir dürfen «it Grund hoffen, daß dieses zn erwartende Schriftstück auch einen wohlthätigem Einfluß auf die Lage der armen Juden üben, und zeigen wird, daß, während sie um kargen Lohn geschickt, ausdauernd und redlich arbeiten, durch ihre Anstrengungen solche Handels- und Industrie, zweige unser« Laude erhalten bleiben, die unvermeidlich ein* gestellt werden müßten, wenn diejenigen Leute, deren Mäßigkeit nnd Sparsamkeit allein eine solche Beschäftigung lohnend gepaftet, in ihrer schwierigen und schlecht belohnten Arbeit gestört »erden würden. Der Erzbischof gab einige interreflante nnd bedentsame Informationen über diesen Gegenstand. Nachdem er sich daun über den erhabenen Lebenslauf des Sir Moses Montefiore. deffen Tod oder besser deffen Aufnahme in das ewige Leben durch eine Gedächtnisfeier am IS. Ab in die Erinnerung zurückgerufen wurde, geäußert nnd zu unserer höchsten Genngchung von der Großherzigkeit, mit welcher derselbe unsere Wohlihätigkrits-Juftitute bedacht, gesprochen hatte, gedachte er auch der jüdischen Arbetterklaffe in Worten, welche gewiß jede«, der sie hören wird, große Freude bereiten werden. »Die jüdischen Armen- (es wird hvchstwahrscheiulich heißen sollen.die Mischen Arbeiter-. D. llebers.) bemerkte der Erzbischof, »dürfen durch ihren Fleiß, ihre Sparsamkeit nnd Rechtschaffenheit der Bevölkerung, in deren Mitte sie »ahnen, als nachahmnngsmerthes Mnper dienen.- Es ist gewiß ein Trost für diejenigen, welche oft von dnmmköpfiger Bosheit und grundloser Verdächtigung zu leiden haben, solche Worte ans de« Munde eines Mannes zu hören, dessen hohe Stellung ihn absolut gegen den Vorwurf der Parteilichkeit schützt, dessen Geistesbildung ihn vorzüglich befähigt, ein richtig«» Uriheil zn fällen nnd dessen tägliche Beschäftigung ihm die besten und sichersten Mittel an die Hand gwbt, Erkundigungen über alle Lebensvorkomnmiffe Anziehen zu können. Diese Worte sympathischer Werth» schätznug werden gewiß manchem schwergeplagten Arbeiter ein köstliches Labsal sein. Welche Unterstützung den albernen Judenhaß anch in einigen andern Ländern non einem oder de« christlichen Prälaten »der sonstige« hochgestellten Würden* träger erfahren mag. dieser wilde Kirchenfürst unseres Landes gibt demselben keine Nahrung. Und da ein kluger Hirt nie mehr als aus eine gewifle Entfernung seiner Heerde vorausschreitet, so können wir sicher sein, daß seine Gesinnungen überhaupt der christlichen Kirche unsere« Landes al« Vorbild dienen werden. Wir aber müssen, da uns weniger weltliche Mittel und geringerer Einfluß zu Gebote stehen, ebenso generös sein. Wir müssen uns hüten, in da» öffentliche Geschrei gegen die Kirche oder dos Ehristemhum einzustimmen. Die Religion, welche uns zu dem gemacht hat, was wir sind, müssen wir um desto mehr festhallen, als wir um ihretwillen gelobt werden, daneben muß aber die Religion, welche den Herrn Erzbischof seine aufgeklärte Werthschätzung Anderer gelehrt hat. auch von uns respectirt werden. Die jüdischen Beamten sind nun auch glücklicherweise in diesem Punkte immerhin sehr vorsichtig, besonders aber in ihren Beziehungen zu den religiösen Institutionen ihrer nicht-jüdischen Mitbürger. Unsere Religion hat sich in die Politik durchaus nicht zu mischen. Mag sie uns aber Lob oder Tadel eiutragen, nichts darf uns schwankend machen in unserer Anhänglichkeit au dieselbe. Daun wird eine Annäherung, wie sie hier stattgefunden, nur ein fernerer Sporn zur Bethätignng gegenseitiger freundschaftlicher Gesinnungen fein und dazu beitragen, alle Menschen in Liebe zu vereinigen, Christen und Juden in de« Streben zu ermuntern, diese sociale und ökonomische Besserstellung aller Bewohner unseres Lande» fördern zu helfen. Gerichte traft Corresponftenxen. Der»tfchl«rnd. Mngbeßnrg. Bei Gelegenheit der Debatte im Reichstage über die Ausweisungen von Ausländern stellten die Konservativen eS in Abrede, daß denselben irgendwelche religiöse Motive zu Grunde lögen. Bet Gelegenheit der in vor. Woche in Berlin gehaltenen Gedenkrede von Liebermann v. Sonnenbcrg auf de» »Begründer der antisemitischen Bewegung-, Dr. Beruh. Förster, erzählt derselbe: »Es war der Winter 1879—80, welcher in KSister de» Gedanke» reife» ließ, durch eine Petition a» die Negierung eine gesetzliche Abwehr der de« Deutfchthu» drohende» Gefahr uachulfuche». Es wurde hi» und her beratheu uud verhandelt, es wurde» «»schreibe» erlasse», Gesinnunasgeuosse» herangezoge», «it diefea wieder berathe» uud verhandelt und endlich der Wortlaut der Petition i» Herbst 1880 seftgestellt: D'efelbe forderte: 1. Abwehr der Lücwanderuna ausländischer Juden, 2. Fernhaltnng der Juden von allen autoritativen Stellungen (besonders vom Justizdienst), 8. Wahrung des christlichen Lharatter« der deutschen (anch von jüdischen Kindern besuchten) Schule und 4. Wiederaufnahme der amtlichen und Berufsstatistik über die Juden. Leider entsprach das Resultat durchaus nicht den allenthalben gehegten Hoffnungen und Erwartungen. Zwar wurde die Juden» ivtatistl wieder eingesührt, und der jüdischen Einwanderung etwas gewehr t — tat war aber alle«: der Rothschrei schien zu verhallen im Wuthgeheul der allmächtigen jüdischen Presse, und die Bcmrünber der Bewegung erkannten mit Schmerz an diesem negativen Resultat, welcherJudenknechtschast bereits das theureLaterland anheim gefallen war.- Eo scheint hiernach, daß jene Puttkamer'sche Ausweisungen ausländischer Juden auf diese Förster-Petition »urückzuführen waren, etne neue Bestätigung de« — semper »liquid hneret. Emsen, den 25. August. Au meinem in den beiden letzten Nummern dieses gesch. Blattes gebrachten »Protokollüber die hauuoveranische Lehrerversammlung bitte ich Folgendes zn berichtigen: Levy-Norden hatte nicht, wie es im »Protokoll" heißt, die Plrks-Adotb vermißt, sondern als der Referent den Stoff «ach der Seitenzahl des Siddur auf die 8 Stufen verteilte, nur bemerkt, daß derselbe vergaß, anch neben den Stücken, die sich wiederholen, die Pirke- Aboth noch abzuziehen. Damit wollte er sich für die Mvglichkett der Durcharbeitung des ganzen Siddur anssprechen. Ferner war er nicht gegen das Zugruudelegen des Siddur bei« syste«. ReltgiousmUerrichl, sondern sagte: Stern (der Referent) habe gar nicht erwähnt, d aß und w ie der Siddur beim syst. Religionsunterricht zn »erwertheu sei. Selig, Schriftführer.