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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 34. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 34.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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fate, bot 18. Aagast. I» einer a« letzte» Eonvabeud stattgefuudeunl Generalversammlung de» israelitischen Krankeu-LerpflegungS» and llaterstützuugSverein» brachte der Borsitzend« de» Berein», Herr M. Si«»n, die denselben »oa JJhr. Majestäten Kaiserin-Königin Augusta und Kaiserin- Köutgin Friedrich übersandten Daukschreioeu zur Kenntniß. Nach Verlesung derselben brachte der Vorfitzende in einer kürzen Ansprache, worin derselbe in schlichten Worten sür die dem Verein zu Theil gewordene Ehre dankte, rin dreifaches Hoch auf beide Majestäten au», in welche» die Anwesenden begeistert «instimwten. Der Wortlaut der Dankschreiben ist folgender: »Eoblenz, den 2. Juli 1889. Ihre Majestät die Kaiserin-Königin Augusts laffen dem Vorstand de» dortigen israelitischen Kranken-Berpfiegung«- und UnterstützungS-Berein« für die Rittheilung vom 24. v. Mt», derzufolge den Hochseligrn Majestäten, Kaiser Wilhelm und Kaiser Friedrich, in der Synagoge eine Gedächtnißtafel errichtet worden ist, Allerhöchstihren Dank übermitteln. In Allerhöchsten Aufträge Der Kabinet«-Rarh von de Knesebeck.“ 2. »Berlin» den 26. Juni 1889. Den Vorstand ist da« Unterzeichnete Eabinrt beauftragt, den besten Dank Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich für die freundliche Vorlage der Abschrift einer am 1ö. d. Mt», in der dortigen Synagogen» Gemeinde eingeweihten Gedenktafel, sowie de» Bericht» über die hierüber veranstaltet« und in der »EulmerZeitungbeschriebene Frier hierdurch ergebenst auszusprechen. Eabinet I. M. der Kaiserin-Königin Friedrich.- Mleaöade«, 1. August. Der Vorstand einer jüdischen Gemeind« de» diesseitigen Regierungsbezirks beabsichtigte die Einrichtung einer eigenen jüdischen Volksschule daselbst, bezw. die Umwandlung der dort bestehenden jüdischen Religion »schule als Volksschule vorzunehmen, die Genehmigung dazu ward ihm aber von der Regierung in Wiesbaden versagt worden. Auf eine in Folge dessen an den Eultu«- minister ringereichte Beschwerde hat derselbe erwidert, daß die in der Beschwerde erfolgte Berufung auf die Vorschrift i« großhrrzoglich hessischen Edikt vom 17. Juli 182h, nach velcher es den mosaische« Religionsgemeinden freistrhen soll, eigene Schulen zu errichten, oder ihre etwa schon bestehenden Religionsschulen auch für den gesammten Bolksschulunterricht einzurichten, nicht für geeignet erachtet werden könne, da» vorliegende Gesuch zu begründen. Die gedachte Vorschrift finde ihre sachgemäße nähere Bestimmung und Begrenzung in dem Schlußsätze de« Edikt», sowie in dem Edikt vom 6. Juni 1832, welche die Grundsätze aufstellen, die den zur Leitung de» Schulwesen» verordnrtrn Behörden bei Errichtung und Theiluug von Schulen und Schulverbänden al» allgemeine Richtschnur dienen sollen, und nach welchen auf die Errichtung eigener jüdischer Schulen alle für die öffentlichen Volksschulen überhaupt bestehenden Anordnungen An- Wendung finden. Dem trete hinzu, b.ijj >m Regierungsbezirk Wie»baden seit Bereinigung der LanveSth'ile, welche denselben bilden, mit der preußischen Mv-'archw die GeschäftS» instruction für die Regieruugen von 1817 in Geltung sei, nach welcher e» keinem Zweifel unterliegen könne, daß der künigl.' Rmieruug die Aufsicht und Verwaltung de» ge» sammten Elementarschulwesens mst umfassendem selbstständigem Organisation»- und Terfügung»recht zustehe, und daß e» ihr ialbesondere gebühre, über die Errichtung neuer Schulen oder Schulverbände, wie über die Lheilung vorhandener Schulverbäude nach pflichtmäßiger Prüfung de» Bedürfnisse» und der Angemessenheit alletu zu befindeu und Entscheidung zu treffen. Daß die R«ieruug in Wiesbaden in Au»üouug dieser Befugniß da» Gesuch de» jüdischen Gemrindevocstande» abgelehnt hat, könne sür ungerechtfertigt nicht angesehen werden, well kür die Befriedigung de» allgemeinen Schulbedürft,isse« der jüdischen Kinder durch die bestehende Ort»« schule ansreichend gesorgt sei, mithin e» weder für erforderlich noch für angemessen zu erachten sei, für die geringe Zahl schulpflichtiger jüdischer Kinder, deren nach der eigenen Angabe de» Vorstand«» in den letzten Jahren durchschnrttlich nur 20 vorhauden gewesen, neben der bestehenden OrtSfchule noch eine besondere jüdische Volksschule zu errichte«. «Leipzlck. 12. August. Gestern fand hier im großen Saale der »Bauhütteeine von Delegirten au» allen Theilen Sachsen» nicht zahlreich besuchte Versammlung statt, in welcher ein »Wahlverein der antisemittsch-deutschsozialen Partei für da» Königreich Sachsenbegründet wurde. Herr v. Lieber» mann, der deu Vorsitz führte, betonte die Nothwendigkeit eine» selbstständigen Vorgehen» der Antisemiten bei den künftigen Wahlen und die Schaffung einer auSgebreitetea Organisation zu diesem Zwecke. Der Berein lege sein:« Besttebungen die auf dem Bochumer Antisemitentage beschlossenen Grundsätze und Forderungen zu Grunde; im Uebrigen sei keineswegs jeder Parteigenosse zur bedingungslosen Anerkennuvg jede» Punkte» jene« Programm« verpflichtet, nur müsse bettrff» § 7 (Judenfrage) volle Uedereinstimmung vorausgesetzt werden. Al» Sitz wurde Leipzig vorgeschlagen und angenommen, da sich dort seit Jahren die antisemitische Agitatton zentralisire und auch da» verbreitetste antisemitische Blatt (Antisemitische Korrespondenz) dortselbst erscheine. Fast alle Anwesenden (gegen 100 Personen) erklären ihren Beitritt und zeichnen sich in die auSgelegtea Listen ein. Ja den Vorstand werden gewählt: v. Liebermann, Fritsch, Berger, Tänzler, D». Schlömilch uud Lück. Der Vorstand soll sich ferner durch Zuwahl von Beisitzern au» allen größeren Ottschäften Sachsens ergänzen. Al» Organe für die Bekanntmachungen deS Verein» wurden ernannt: Die »Antisemitische KorrespondenzlLeipzig), die .Sechziger Zeitung- und »Da» Volk- (Berlin). — Auch in Zwickau hat die antisemittsche Bewegung starke Verbreitung gefunden. Dieselbe nennt sich »Deutschnatioüale (antisemitische) Bereinigung Snmania- und besteht au» 240 Mitgliedern. Sie versendet jetzt, um für ihre Sache Propaganda zu macheit, da» bekannte von innnen Widersprüchen strotzende Bochumer Programm. OaKerretöft-lluaar«. Wien. In der »Münchener Mg. Ztg.- hält sich der Wiener Korrespondent diese» Blatte» darüber auf, daß Judm barouifirt worden seien. Sie seien, so erzählt er, baronifitt worden, well fie 100,000 Gulden (in Papierrente zum Kurse von 60--62, wie er hiuzufügt) hingeschenkt hätten. Demgegenüber wird au» Wien geschrieben: Unter der Regierung de» Kaiser-König» Franz Joseph wurden fünf jüdische Familie« baronirt: TodeSco, SönigSwarter, Springer, Schey und Schnapper; von dieseo ist die erste bereits wieder im MauueSstamm erloschen. Außerdem wurde eine Anzabl von israelittsche» Famllieu mit dem Ritter- oder einfache., Adelsstände ausgezeichnet. E» ist nun vielleicht angemeffrn, den Ursprung der vier erstgenannten israelitischen Baronie» zu erzählen. Al» 1866 die Preußen vor Wien staudeu und in RikolSburg der Präliminalfriede geschloffen war, hatte Oesterreich 30 Millionen Gulden in Silber au Preußen zu bezahlen. Die Staat«kassen waren leer, aber anderseits hing die Räumung Mähren« »och vor dem Defiuitiofrieden von der soforttgeu Zahlung ab. Graf Larisch, der damalige Finanzminister, berief die leit-u Bankier« Wien« zu einer Konferenz, um mit ihnen deu Plau einer Anleihe zu beratheu, uud da war ri Eduard To de« co, der den einstimmig angenommenen Vorschlag machte, nicht erst eine Au» leihe zur Subskriptiou aufzuerlegru, sondern deu Betrag von 38 Millionen (6 Millionen waren für die Verpflegung der preußische» Arme abzuztehen) gemeinschaftlich durch die Auweseudeu aufzubriogen. Da« Geld wurde aufgebracht, Mähren wurde früher geräumt, al» e» sonst geschehen wäre.

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