Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5935066-5956603--7248-5373285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
264 —1 ' Hörigkeit dein Nmgswonnenen, de« Rrngebormm nicht» »oll« wir gar nt&nbcn; auch der übertüncht« Schmitz so vieler TLlflinge au« de« sogenanute« bessern Gesellschaft», klaffen^fft »irrig genug. tzl? So kommttzes, daß «an jeden einzelnen getauften Juden au« Höflich! kit und au« Furcht vor einer Anklage wegeu Beleidigung und hin und wieder auch au» bessern Gründe« al« anständigen Menschen gelten läßt, aber den getauften Juden im Allgemeinen verachtet, ja daß selbst bei sonst achtbaren und bedeutenden Menschen, die Lbergetrrtm find, di« Taus« zumeist ein unaurlüschlicher Makel ist, ein dunkler Fleck, der ihren Charakter entstellt. Einen Punkt girbt e«, der un« bei den Missionsgesellschaften besonder« unbequem ist. E« darf al« bekannt vorausgesetzt wrrdrn, daß dir Vaterstadt de« neuesten Antisemitismus, der un« seit ungefähr elf Jahren mit so viel Noth, Sorge und Aergerniß heimgesucht hat, Berlin ist; Judenfeinde gab es früher freilich auch, aber e« warm einige Kleffer. auf die man wenig achtete; in vielm Kreis« gab e« eine latmte Abneigung gegen die Juden, die al- Mitbewerber um staatliche Stellungm seit der Lmoncipation austraten; aber da da« Motiv der Abneigung rin unedlewar, so schämte man fich drsselber; da hat Stöcker aller dieser Mißgunst einen Mund gegeben; nicht der Mann Stöcker, sondern der Hof- Prediger; lühring ist ungleich talmtirter al« Stöcker und hat nichterreicht; einzig die kirchliche Stellung, die Beziehung zum Hofe gab dm Au-schlog; vielleicht mit Unrecht nah« Freu id und Feind an, daß ein Hofprediger nicht di« Parole ousgebrn würde, wenn sie nicht von der Negierung, von höchst einflußreichen Männern ihm eingegeben worden wäre. 1878, da« Jahr der Attmtate, war für die Dmtschen jütisüen Glaubenbesonderunheilvoll. Lie evangelische Geistlichkeit hat bei diesem emeutrn Auflodern des Juderhassedie Prob« schlecht bestandm; nur einige, sehr wenige Postorm und Prediger machten öffentlich Frort gegen dm Hospiüig»; viele stimmten zu, viele, denm der Man» nicht behagte, hattm nicht soviel Muth und Lieb«; um auch nur ein gute« Wort für unrinzulegm; um so thrurer find undie wmigm, christlichm Thrologm, di« dm Kampf gegm den mächtigen und äußerst rücksichtslos« Hofpredigrr aufnahmen; aber siehe da, ein Theil dieser Vertheidiger sind Juder misfionäre; gewiß, diese un« frruudlichm Broschüren warm kein« Leimrvthrn, um unS einzufangm, sondern fie waren der ehrliche Protest der Predigt von der Gerechtigkeit und die Lieb« gegen die Sendbotm de« Hasse» i» Talarr de« Geistlichen. Aber jeder Zweifel daran wäre sogleich im Keime erstickt worden, wmn unsere Anwälte e» nicht sonst al« ihre Aufgabe betrachtet hättm, nach unserm Seel« zu angeln. Da» Wort »innere Mission" hat für Biele etwa» Schreckhafte« durch manch« Stimmführer derselben, die der äußersten, verfolgung-süchtig« Orthodoxie angehörrn, aber an sich ist da» Wort ein sehr berechtigter Widerspruch gegen diejenigen, die die Zahl der Bekmner zu vermehrm trachte», ohne zu erwäg«, daß auch im Nah»« der Kirche gmug zu thun sei, «m dm in der Kirchlich« Gemeinschaft Gebormm; diese Erwägung veranlaßt un« Juden, überhaupt nicht nach Proselytm zu streb«, sondem vor Alle« dahin zu wirke», daß die dm Ramm Jud« trag«, es auch sind; auch Christ« sehm ein, daß in Hrer eigm« Mitte «och Arbeit in Fülle »öHig ist. Frellich muß dann der .inner«" Mission, wie jüngst ein Geistlicher gesagt hat», dir .innerste" Mission, die der Gemüther vorangeh«, fie darf nicht eia Mittel der Herrschsucht sei», ein Versuch die natürlich« Rechte der bestallt« Geistlich« oder gar der Famili« Häupter zu vergewaltig«; dmn genau gmomm« deckt sich dann der Begriff der innem Mission mit dem de« kirchlich« Leben«; jeder Prediger gehört zur inner» Mission. Wir könnm eallenfalls versteh«, daß die Kirche, der r« an Mitteln nicht fthlt, der so viele Staat« chrr mächtig« Arme reich«, auf di« Heid« ihr Augenmerk richtet; aber wir Jud« sind doch auch vom Standpunkt der Kirche au« nicht so gottverlaffen, um r« zu rechtfertig«, daß gerade ans un« die MisstonSarbeit so eifrig sich richtet. Delitzsch, Strach Cassel u. A. wert»« doch nicht leugnm, daß tf viel wichtiger ist, so viel« wild« Völker der Civilisation und dem Christenthum zu gewinn«, al« gerade un«, die wir an dem Grundbuch unsere- Glaub«- auch nach christlicher Ansicht ein« festen Gmnd der religiösen Erkenntniß Hab«; so erscheint un« die Judmmission unberechtigt, einmal weil r« noch Arbeit gmug innerhalb der Kirche giebt, und weil unter tat«, die außerhalb der Kirche steh«, die Jud«, nach christliche« UrHeil der recht« Erkmntniß am nächst« sind und Hre Bekehrung darum nicht so dringlich ist, aldie der Heiden. Die Judmwissiouäre sollten, wmn sie folgerichtig handeln wollm, ihre Aufgabe für so lange suspmdir«, bi« die gauz« Heidenwelt und die ganze Christenwrlt christlich geworden ist. Dann wäre e- Zeit auch an unzu denken. — Auch die- Heft de« .Rathanael", da», wie e« scheint, dem gelehrt« Herausgeber als besonderbeweiskräftig gilt, da e« überallhin versandt wird, wird vielleicht manchen glänbigm Christen in seinem Glaub« kräftig«, aber wir habm nichtdarin gefunden, wa« auch nur eine ernste Widerlegung von jüdischer Seite lohnte. _• Protokoll der am 10. Juni 1889 im Sitzungssaale der Synagoge zu Hannover ftattgefundeuen Versammlung de« Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover. lSLlug.) Gotthelf-Geestemünde hält da« vom Nefermte« gesteckte Ziel für zu hoch. Es sei unmöglich, d« Stoff, wie der Resermt ihn vertheilt, (Referent vertheilte den Stoff so, daß auf der Oberstufe 7, auf der Mittelstufe 5 und auf der Unterstuft 3 Zeilen in je einer Stunde übersetzt werd« soll«) in gehöriger Weise zu verarbeite«. Man müffe darauf sehe», daß da« in der Schule Gelemte auch dauernde« Sigmthum des Kinde« werde. Auch mit dem Chor-übersetz«, welche« Nefermt empfiehlt, ist Redner nicht einverstanden, da man beim Uebersetzen im Chore nicht die gehörig« lieberficht habm kann, ob auch alle Kinder übersetz« köuneu, denn viele Kinder öffu« dann nur dm Mund, um d« Lehrer glaub« zu mackM. daß fie «itsprächeu. Fleisch Hacker-Harburg ist darüber erstem, daß der Resermt durch sein« Vortrag ein Feld eröffnet«, da« noch nicht genug bearbeitet sei. Mit de« vom Referent« gesteckt« Ziele sei ouch er nicht ganz zufrftd«, ebmso spricht er fich geg« da« Chorübersetzm au«. Levh-Nord« bemerkt, daß in de« Vortrag« die Pirka Aboth Übergang« sei«. Er hält e« auch nicht für richtig, da« Gebetbuch al« Grundlage beim systematisch« Religiou««ulerricht zu machen. Ferner glaubt er, daß e« bei