Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 33.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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HP5« S fürchtenHdanu werd« .die Judmliberalm" »««der Rm». luttonäee sein. Und wa» ist nun da» Ziel diese» Gedankengange», wa» erklärt un» die absonderlichen Sprünge de» Jesuiten? Die Urberschrist de» Aufsätze». Sie lautet: .Oesterreichische» Judenthum uud die Revolution". Zunächst soll nicht eigentlich der LiberaliSmu«, sondern da» Judenthu» verdächtigt werden. So wird denn aufsteigend von Liberalen, Judeultberalen. Juden und wieder absteigend von Juden, Judenliberalen, Liberalen gesprochen. .Da» Judentdum ist der Feind de» Kinigthum»: da» Judmthum wird derFeiud der Revolution sein—so lange e» nochPollut und Staottanwalt fürchten muß, nämlich." Dir Erwägung, daß in der That von revolutionären Aufwiegelung« in der liberalen Wiener Presse gar nicht dir Red« war, stört den Herrn so wenig, daß er darau« einen neuen Giftpfeil sich zurecht macht, .allerdings mit Rücksicht auf den Staatsanwalt, mehr oder wmiger versteckt." Was aber ist die Wahrbeit? Nicht dir Juden, nicht die Judenliberalen wiegeln da« Bolk auf, nicht sie arbeiten an der Herbeiführung des verderblichsten Bürgerkriege», sondern die Judenfeinde Wien», dm« die Germania ihre Spalten willig leiht; denn also Shreibt, kaum noch .mehr oder weniger versteckt" unser orrespondent: .Da» Bolk in seinem gesunden Sinne wird dieser Auffassung weniger beipflichten, sondern au« den Lobreden der judenliberal« Blätter auf die franzöfischen Blätter viel eher den Schluß ziehen, daß, wenn gegen da» Königthum von Gottes Gnaden bewaffnete Auflehnung erlaubt und lobenSwerth fein kann, die gleichen Waffe» um so eher gegen da» Judenthum gerichtet sein dürfen." Und da wehklagt Türk noch: die klerikalen Antisemiten in Oesterreich sind nicht unsere Freund-; sie sind halb offene Antisemiten, sind nur Halde Judenfeinde! Fürwahr, die Bertreter de« Judenthum» haben allen Grund, ein wachsame« Auge auf den unerwarteten Kampfe«« eifer der .Germania" wider die Juden zu haben; mit der Meisterschaft de» JesuitiSmu« unter der Fahne de« katholischen Glauben« will man nun versuchen, den Judenhaß nun auch hinrinzutraarn in breite Massen de« katholischen Volke« in Deutschland. Areola», 11. August. (Or.-Corr.) Gestatten Sie, geehrter Herr Redacteur. einige Bemerkungen zu dem Artikel au» Wiesbaden in Rr. 32 Ihrer gesch. Wochenschrift. Man kann e» dem Einsender de« Artikel« gewiß nicht verdenken, daß er die Behandlung seiner eigenen Person lieber einem Arzte anvertraut, von dessen Borurtheil«losigkeit in Bezug auf konfessionelle Angelegenheit er überzeugt ist. Wenn er seinen persönlichen Neigungen und Abneigungen iusofern Allgemeingültigkeit verschaffen möchte, daß er die Spene über die Anstalt, deren Leiter einer, christlichen Asst» stenten sucht, gern von seiten der J-raeliten verhängt sähe, so briurcht man diesen Wunsch nicht zu cheilen und kann ch» doch verstehen. Wenn er aber nun die betreffende andere Anstalt .die humanere und auch sonst bessere" nennt, so hat er damit die Grenze de« Nichttnseratentheil« nuer Zeitung doch wohl überschritten. Wenn e« Herrn Dr. D. — wohl nicht vaoä. in ein! Red.) — wundert, daß ein Arzt einen Asststenten (Christ) sucht, so kann ich ihm versichern, daß sich »lebe Gesuche, welch« die Meldung jüdischer Kollegen, au«- chließen, in jeder Nr. der Berliner klinischen Wochenschrift inden. Wollte man darau« schließ«, daß der AnttsemüiSmu« unter den Aerzten einen großen Anhang besitze, einen größeren al» unter anderen, insbesondere gebildeten Berustklaff«, so würde man ganz und gar fehl gehe«. Niemand muß mehr mtt den Wünschen seiner Klienten rechnen, al» der praktisch« Arzt. Wenn er nun eine Klientel hat, unter der sich viele strenggläubige Christen befinden, die in schweren Fällen auch den nicht«geistlich« Beistand gern au« ihrer eigen« Konfession seh«, so wird man «» nicht unberechtigt finden, wenn dieser Arzt einen .christlichen Vertreter" tat Bedürsnißfalle vorzieht. Also ein Fall, wo von Antisemitismus keine Rede; sehr oft «erd« ebm auch lediglich .evangelische" oder lediglich .kacholische" Bewerber gewünscht oder berücksichtigt, und doch ist weder der Reflektant noch die betr. Klientel irgmdwie intolerant. — Etwa» ander» liegt die Sache schon, wen« eia christlicher Arzt dcm Antisemiti»mu» einiger seiner Pati«tm Rechnung trägt und darum kein« J-raeliten zum Vertreter oder Assistent« wählt; ober heutzutage, wo auch dem Arzte der Kampf um» Dasein so schwer gemacht ist, kann man e» einem christlichen Kollegen wirklich nicht übel nehmm, wenn er sich nicht durch einen jüdischen Vertreter diese Patienten verscherzen will; e« ist möglich, daß er selbst die Berhältniffe bedauert, aber sie sind mächtiger al« seine Ansichten, er muß sich nach der Decke strecken. — Bleiben »ä 3 die Fälle, wo der Arzt selbst Judenfeind ist und darum auch nicht de« Beistand eine« Juden mag; diese Fälle bilden die Minderzahl. — Ich meine Herrn Dr. König in Witten und geistesverwandte Kollegen desselben wird ja wohl kein Jude konsultierm, ohne daß «» nothwmdig wäre, d« öffentlich« Bannstrahl auf sie zu schleudern; diese« Verfahren aber einzuschlagen bei jedem Herrn, der einen christlichen Assistent«, einen christlichen Bettreter sucht, zu sag«, .der Antisemit! kauft nicht, Verzeihung, geht nicht zu ihml" da» ist nicht nur ungerecht, da« mtspricht nicht nur keine»weg» dem Verlangen jüdischer Aerzte, sondern e« würde sogar die wiederholte Aussprache solcher Rathschläge in öffentlichen, jüdischen Blättern geradezu den Antisemitismus bei Aerzten heraufbeschsörrn, denen er bi« da fern lag. Noch genießt der jüdische Arzt — im großen und ganzen — Dank seiner Humanität, Dank seiner Kollegialität die volle Achtung und da» ungttrübte Vertrauen seiner chttstlichen Kollegen; noch ist da« Verhältniß — i« groß« und ganzen — im Vergleich zu anderen Ständm — ein gutes; hüten wir ua« daher, Oel in« Feuer zu gießen. Dr. med. — $fS4*l«r» (Schleswig-Holstein), 8. August. (Or.-Corr.) Der hiesige, durch seine reichen Waldungen berühmte und von den Aerzten darum sehr empfohlene Serbadeort ist in diesem Jahre zum ersten Male den nach streng rituell jüdische« Vorschrift« lebenden kurgästm zugängig, da, dank den Bemühungen eine« jüdischen Atzte» in Hamburg, ein junge» Ehqmar sich entschlossen hat, ein koschere» Restaurant hier zu eröffn«, da« bereit» eine gut« Aufnahme gesund« und daher ein gute» Fortkommm verspricht. Wir glauben, H wird dadurch einem längst gefühlt« Bedürfnisse, namentlich für Hamburg und Umgegend entsprochen und hielt« wir e« daher für geeigntt, in der, den religiösen Jntereffen de» Judenthum« dienenden .Israelitisch« Wochenschrift" darauf aufmerksam zu machen. — — Die zelotischr Partei in Hamburg» welche durch die Herstellung eine» Friedhof» in Langenfelde auf preußischem Gebiete den Zwiespalt in der Gemeinde zu einem dauemden gemacht, hat nunmehr auch zur Empfehlung de»- selb« und der damit verbunden« Interessen ein« höchst tmdenzi»« auögestatttten Kal«der für da« Jahr 5650 erschein« lass«, dem sie di« größtmöglichste Verbreitung zu geben sucht. Beigedruckt ist eine biographische Skizze, de« Oberrabbiner« M. Hirsch, welcher ttwa Mitte de» Monat« Elul sei« Amt in Hamburg autretm wird. Nach Aufführung der betreffend« Datm über den Lebm-lauf desselben, folgt der also lautmde Nachsatz: .Nunmehr begrüßen wir cha al» dm unsrigen(ll) Möge Herr Oberrabbiaer Hirsch,— wa» er hier vorsiudet — die religiös« Institution« und cultuell« Einrichtungen in ihrer mustergiltig vollendete« Form, i« welcher sie sei» verklärter Amtsvorgänger Oberrabbiner A. Stem 73H gebracht,, so weiter erhalt« und bewach«, möge er für CHon niTOJI 71*1135 TTTITI begeisterud wirk«, dann wird Herr Oberrabbiner Hirsch mit dem wa» er mitbriugt: wahre Frömmigkeit, Klugheit uud Wiss« die Lieb« der ganz« Gemeind« sem eia« nmnm könnm". Wir hoffen, daß Herr Rabbiner Hirsch sich von dm Schmeichelwort« nicht wird bethören lass«; eing^enk de»