Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 33.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 268 1. April cr. ,b de» christliche« Schräm inert heilt »erde», und verliest fr* diesbezüglich ihr» zugegangeneu Antwort«, »elche durchwq, günstig laute». Herr Landrabbi»er Dr. Gut tma nn ergreift hieranf da» Wort zur Berichterstattung und erklärt, daß er bä der Regierung z» Hildes^eü» den Antrag gestellt habe, den Elementarlehr:rn die Alterszulageu aas Staatsmitteln zu gewähren, un» daß die Regierung diesem Anträge nicht abgeneigt zu säa scheine. Er holle, daß auch von Sei'en der andern däden Herren Laudrabbipern der Proviuz gleiche Schälte geschehen werden. Nur. so fühä Redner aus, durch die Gewährung dieses Antrages von Seiten der Regierungen können sowotl den Elementar-, wie auch den Religionslehrern der Proviuz «ine dem neuesten Mo^us entsprechende Dieustalterszuiage verschafft werden; denn dadurch, daß für die Elementa lehrer die Alterszulagen nicht wie bisher aus dem Proviuzialfoud zu fließen brauchten könnten die Mittel de» letzteren für die Dienstalterszulagen der Religionslehrer und zu Bähülfen für bedürftige Gewänden verwandt werden. Herr Landrat biuer Dr. Gr oueman »-Hannover giebt den Aeußerungen des Herrn Dr. Suttmann säue oclle Anerkeuong/ da auch er dessen ängeschlagenen Weg für den ächtigen halte. Lehrer Le oh-Norden erkennt mit Freuden das Wohlwollen un, daS die Herren Laudrabbiuer betreffs der Erhöhung der Alterszulageu den Lehrern zuwendeu; denn es sä von wät größerem Erfolg, wenn die Herren Laudrabbiuer dieserhalb bä den Regierungen vorstellig werden, als wenn dieses die Lehrer thuu würden, zumal Maffenpetitioueu seitens der Lehrer u-tzuläsfig säen. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann versichert, daß die Laudrabbiuer das ihäge zu dieser Sache thuu würden. Nachdem sodann die bisheägen Borfitzenden, Blumenfeld-Adelebser und Stern-Hildesheim, wieder gewählt und Selig - Emden und Rose» Gehrden zu Schriftführern ernannt worden waren, eähälte der Vorsitzende dem Lehrer Stern- Hildeshäm das Wort zu seinem Referate: »Die Behandlung derL'killad in der jüdischen Volksschule." In seinem mit vielem Fleiße ausgearbeiteten vortrage fühäe Redner äse folgende» aus: E» sei sehr bedauerlich, daß sich schon seit geraumer Zeit bä unserer jünger» Generation «ine Abnägung gegen die hebräischen Gebe» kund thue. Dauer: diär Abnägung so fort, so sä zu befürchten, daß mit der Zeit daß hebräische Gebet ganz und gar au« unserem Gotteshause verbannt werde, um dem deutsche» Gebete den Platz äuzur äumeu. Den Grund für diese Abueigung glaubt der Räereut darin zu finden, daß au« Unverständnis sehr vieler Gebete kän Interesse für dieselben vorhanden seien. Aus diesem Grunde laffe auch der Gottesdienst die Betenden kalt. Man finde unter den Besuchern des Gotteshauses eine grvße Anzahl, die gar nicht betä, äue andere Anzahl, die ohne irgend welche Andacht die Gebete hersagt, weshalb »ach dem Aussprüche unserer Wäseu: *YUD ,"V13 >03 men navs auch die Gebete der letzteren nicht als wahre Gebete zu betrachten säen. Da aber nach dem Ausspruche de» R. Schimeon Hazaddik das Gebet einer der drä Grund» pfäler ist, auf denen di« Welt beruht, und da das he brätsche Gebet für den jüdischen Gottesdienst äne unbedtugte Rothwendi )kät ist, s» ist es äue uuadwäsbarr Pflicht der jüdisch. BvlkSräp. Religionsschule, der Pflege des hebräische» Gebetes wehr Zeit zuznweude», als dieses bisher der Kall war. Der Wichtigkeit des Gebetes entsprechend, müffe die Behandlung deffelbe» an die Spitze sämmllicher religiöse» Disäplinea trete». Das Lind müffe mit sämmtltchm in der Tefillu enthaltenen Gebete in gehöriger Wäse vertraut gemacht urd angelätä werden, die Gebete ihrem Inhalte nach voll und ganz zu erfaffe»; denn nur, wenn das Lind das Gebet seinem Inhalt« nach vollständig erfaßt habe» wird, wird es Interesse am Gebete habe» und folgedeffeu »it Liebe beten. Uw dieses Ziel zu erreiche», sä es daher er orderlich, den Stoff so planwäßtg auf die verschiedenen Altersstufe» zu vertheileu, daß im Laufe der Schulzeit sämurtlich« Gebete übersetzt und zum Berständntß de« Lindes gebracht werden. Daneben dürft» aber die Uebnnge» znr Erlangung der Ferägkett t« gäinfige» Lesen sowohl, wie auch solche im Anfstudeu und Zusammenstellen der Gebete für Wochen-, Sabbath-, Festtage re. keineswegs versäumt werden. Daß es möglich sä, den gesammte» Stoff im Laufe der Schulzät zu übersetze», wies Redner in ganz treffender Wäse an Zahlen nach. Damit das Uebersetzte auch dauerndes Eigenthum des Lindes bleibe, müsse das Lind, wie bä« Erlernen jeder anderen fremden Sprache, die Vokabeln durch Memorieren sich fest änprägen, weshalb es am zweckmäßigsten sä dem Uebersetzen än Vokabularium zu Grunde zu legen. Als äu sehr prakäsches Lehrbuch empfiehlt Redner die „T’fillah kezara“ von Rabbiner Dr. Rah me r in Magdeburg, da dieselbe nicht nur eine für die verschiedene» Altersftufen richtige Auswahl des Stoffes, sonder« auch ei» »Vokabularium" enthält. Um jedoch da« Lind mit dem Inhalt der T’fillah ganz und gar vertraut zu machen, sä ti von großem Nutzen, wenn «au, bäonder» tu der Ober- Naffe, auch auf die Eutstrhunug und Verfasser unserer wichtigsten Gebete etwas näher eiugehe. Als ein für diese» Zweck zur Borberätnng für den Lehrer sehr brauchbares und zugläch belehrendes Buch empfahl Redner »das Gebetbuch und der Religionsunterricht" von M. Mannheimer, emer. Rabbinatsverweser und Religionslehrer in Darmftadt. (Selbstverlag des Verfassers.) Ferner empfahl Redner »das syuagogale Gebet in seiner geschichtlichen Entwickelung" von Dr. M. Duscha k. (Jllustrirte Monatshefte für die gesammte« Interessen des Judenthums. Baud L S. 83 ff. 1865). Mit änem Hinweise auf die segensrächen Folgen, die aus äner solchen Behandlung der Tfiillah et« späeßen würde», schloß der Redner seinen gediegenen Bortrag, für welchen er den Beifall der Versammlung eratete. Der Vortrag gab Veranlassung zu einer ftbhafte« Debatte, an welcher fich vorzüglich die Herren Lehrer Gotthe lf-Geestemünde, Fl ei schh acker-Harburg, Levy-Norden, Laudrabbiuer Dr. G uttmaun-Hildeshei«, Landrabb. Dr. Gronema«»-Hannover, Semiuardirector Dr. Krone r- Haunover u. a. m. bethäligten. (Schluß folgt.) Gerichte und Corrrspondenrcku. Deutschland. Steffi», Ende Juli. (Or.-Torr.) Di« neuerlich deutlich hervorgetretene antisemiäsche Richtung der »Germania" zeigt sich auch wieder in einem Artiftl der Nr. vom 25. v. Mts. Der Lorrespondent aus Wien geht darin in nicht zu verftnnender Absicht eine« ganz absonderlichen Gedankengang. Aus den Gedenkworte» der liberalm Wiener Blätter, insbesondere der »Reuen Freien Presse" zu« 100. Jahrestag der Erstürmung der Bastille schmiedet er die Anschuldigung gegen jene, daß sie »mehr oder minder versteckt gegen den Gedanken des Löuigthums von Gottes Gnaden auftrat««." ES soll das ferner hervorgehen au« den von jenen Blätter« beliebten Gegenüberstellungen österreichischer und ftanzöfischer Verhältnisse; die Feindseligkät gegen die Monarchie äußere sich in der Berurthäluug französischer Verhältnisse— hier muß dem Korrespondenten ein lapatu lingnae passiert sei«, sonst bleibt seine Schlußfolgerung unverständlich — dann wieder, in der «ertheidigung der republikanische« frauzöstschm Staatsmänner, «an wolle dem Leser »oud rosa Bai machen, daß unter der republikanische» Staatsform besser zu leben fet, als unter der Monarchie." Run kommt ein Salto rnortala der Gedankenverknüpfung, wie es der jesuitische» Spitzfindigkät schöner nicht geliugm konnte. Während also — nach der Behauptung des Lorrespondent« — die liberalm Wim er verblümt znr Revolution «ahn«, würd« sie, wen» da« Volk einmal die Dheorie zur Thal mach« sollte, anf seit« der Monarchie stehen. Erst muß die christlich-religiöse Ueberzmgung der Völker erschüttert werden, da»» — nun dann braucht man Staatsanwalt und Polizei nicht «ehr z»