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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 33. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 33.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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orvehm igr oritrt. Wir erkennen trofebrc dankbar dev guten Willen de« D. I. G. B. an, wir glauben gern, daß in den Schulen die Lektüre der »15 Sätze" recht nützlich wirken kann; allein die Zahl der Unterschriften imponirt un» nicht*); fürEin ige der Herren mag auch der Grundsatz gegolren haben, daß ei nützlich sei, den Mächtigen in Berlin zu Willen zu sein. Wir scheuen ti nicht, diese unbequeme Wahrheit au»zusprechen, eben weil eS «ine Wahrheit ist. ES ist zu wünschen, daß die ,15 Sätze" eine wirksame Waffe sein möge im Kampfe gegen den Judenhaß; aber wir hoffen r» nicht und glruben nicht, denn e» hat nie an Gelegenheit gefehlt, sich über den sittlichen Gehalt de« Judenthum« zu unterrichten, aber unsere Gegner gehören je doch zu denen, die taub find, weil sie nicht hören wollen. Die 21* Jahresversammlung der israel. Lehrerkoasereuz HesieaS. Eine stattliche Anzahl von Lehrern, stattlicher al« je zuvor, hatte sich am 8. Juli d. I. zur Jahresversammlung der iSrael. Sehrerkonferenz Hessen« in Cassel eingefundea. Biele waren schon tagSzuvor eingetroffen und hatten, um mit dem Nützlichen da« Angenehme zu verbinden, der Ausstellung einen Besuch abgeftattet. Am Abende fand al« Borversammlung eine gemüthliche Zusammenkunft statt, bei der mancher den lieden Freund, de» er seit Jahresfrist und vielleicht länger nicht gesehen hatte, wieder begrüßte, und bei der manche« «ne Freunds chastsbavd geknüpft wurde. Am 8. Jnli begann zur festgesetzten Zeit die Hauptoersammlnng. Da glänzte da« Auge de« Borfltzendeu iu heller Freude, denn so groß war die Versammlung, daß der zur Verfügung gestellte Saal de« Arbeiter-Fortbildung«. Verein« dicht besetzt war. Die Präsenzliste weist 8S Besucher auf. darunter 69 Mitglieder der Konferenz, die zum größten Thrile Schüler de« vorfitzenden waren. Nachdem die Bersammlung den Choral: »Segne, treuer Sott, und stärke" gesaugeu halte, hielt der Borfitzende. Herr Dr. Stein- Cassel, die Eröffnungsrede. »Dir Konferenz der israel. Lehrer Hessen« tritt, so führte Redner au«, mit dieser Jahresversammlung io ihr dritte« Jahrzehnt, und wenn die« zu Ende geht, so scheidet auch unser Jahrhundert, vor dem die kommend«! Geschlechter ob de« Umschwung« in allen Leben«, verhältniffea, der Höhe de« Geistesleben« und der moralischen Sefinnung. die e« erzeugt hat, stauueu werden. Alle Kräfte find in Svanuuug und ringe» nach Anerkennung. Auch auf pädagogisckem Gebiete herrscht solch rastlose Thätigkeit, die ja auch solche Anerkennung gefunden hat, daß unser Jahrhundert wohl da« pädagogische genannt werde» kann. Die allgemeine Volksschule, die fich erst nach Niederwerfung der Fremd- Herrschaft und Aufheduug der H»rigkeit«verhSltnisse und Stande-onlerschiede entwickeln konnte, ist ein Lind unsere« Jahrhundert«. Vollständig ein Kind diese» Jahrhundert« *) 61 loben Den Rabbinern und Rabbinatoaffesioren, Lerioren der Hochsckule und de« orih. RabbinersnnmarS, Predigern, WaisenhauSin» speewreu, Lrhrerseminarleitern, Sckriftstellern. Redact uren, Religion», lehiern und Elemeutarlehrern, snmnm smnnumun 209 unter, chriede», da» ist ja tau« ein Liertel der betr.ssenden Lerustklaffea. Unter den Rabbinern sind« wir zum Theil ganz unbekannte (wie .Rabbiner HSxier in Berlins und daun Manchen, der im Jahrbuch de« D. I.». B. al« LS. (Lehrec-Samor)b«zrtch»et iss. Dagegen fehlen viele von bekannte, Rabbinern und jüt iichen ««lehrten, wie Professor Dr. G rL tz, Seminarrabbiner Dr. Levy, Seminarlehrer Dr. Rosin und Dr. Berliner, dt« Rabbiner Dr. JaSl, Dr. kamberger-stönigotera, LR. Dr. Grouemann, Siminardirertor Dr. Th. Sroner. Oberrabbiner »ron (Straiburg). «elbhau«, Rippuer, Krakauer, 1iu«ni»ky, S-lzberger, «edell, »oref, «ormfer, «argulte«, Dr. Bomber ger-Aürzburg.Dr.Bamd-'ge,-Sisfingen.Bamberger-Aschaffenburg, Bamderaer-Saiwerlenz, Reubürger-Kürth. Stiebel, Rüls-Mewtl. Theodor, La uoheimer-Buchau, J-razeewSky-Mührinzen, Dr. Rofenftein» »raudenz, Or. LiNmaun-Slbina, Cllgmher. Haa».zreudenthal, Dr. Pick. Krakauer, Lehmann-Main» «ahmer, u. v. » (von 28 Rabbiner, im Elsaß fehl« 19,!). ist dir l«rael. Volksschule, die ja erst uach der Emanzipation der Israeliten entstehe» konnte, und da ist gerade unser engere« Vaterland (Hessen) alle» Länderu voraugeschritten. Hier aber hat fich die israelitische Schule — trotz mancher Hemmnisse — jo gut entwickelt, daß fie mit der christlich«! Schule gleichen Schritt halte» kann und auch gleiche Auerkenuung gefunden hat. Habe« beide doch auch da« gleiche Ziel, neben der Tüchtiguug füe's Leben und neben der Förderung wahrer Religiosität auch echte vaterla»d«liede zu pflegen". Redner glaubt, daß wie die christliche so auch di« israel. Schule noch eine Zukunft habe, und schließt mtt dem Wunsche, daß fich diese Hoffnung erfüllen möge, seine mit vielem Beifall aufgenommene Eröffnungsrede. Nachdem die Unterzeichne,eu zu Schriftführern ernannt worden waren» begrüßte Herr Dr. Stein die diesmal besonder« zahlreich erschienenen Gäste. Außer einer Anzahl College« au« deu angrenzenden Provinzen hatten Herr Adolf Gotthelft-Caffel als Delegierter de« D. I. G. B.. sowie dir Herren Rabbtuer Dr. Prager-Caffel. Dr. Munk- Marburg und Dr. Roseuberg-Brandenburg, wie auch Herr Recht«auwalt Dr. Rothfel«, ein warmer Freund des Lehrerstaudr«, die Versammlung durch ihr Erscheinen geehrt. Hierauf oerla» der Borfitzende den Jahresbericht. Dieser gedachte zuerst mit Dank der erhabenen Fürsorge der König, lichen Staat«regierung für da» Gedeihen der Volksschule. Da« Schuleutlastung«gesetz erleichtere zwar zunächst nur die Lasten der Gemeind«, aber e« sei doch auch eine Sohlthat * für die Schule selber, besoader« für di« israelitisch«, deu» der Weiterbestand mancher i«rael. Schule sei durch deu Wegzug der begütertste« Familien uud die dadurch »ermiaderte Steuerkraft der Gemeinden rrvstlich gefährdet gewesen uud erst durch da« Schuleutlastung«gesetz gesichert worden. — Der Jahresbericht brachte dann zur Leantuiß, daß der Ausschuß »er Lehrerkonfrrenz bei den vier Borstehrrämter» vorstellig geworden sei, dieselben möchten die ihnen unterstellten Gemeinde» iu geeigneter Weise veranlassen, einen Dheil der oben genannten Zuschüsse zur Aufbefferuu, de« Einkommen« ihrer Lehrerstell«« zu verwenden. — Einen warmen Nachruf widmete der Jahresbericht dem im Oftoder o.J. verstorbene» Senior der israelitischen Lehrer Hessen«, dem. überall beliebte» G u t k i u d - Zterenberg, der noch oor zwet Jahren als Grei« von 82 Jahren zur Jahresoersammluug io Caffel gekomureu war. Die Versammlung ehrte sein Andeuken durch Erheben »ou deu Sitzen. Herr Gutkt»d-Lasset erstattete nun den Kaffendertcht. der ein nicht unerhebliche« Destztt ergab, da« selbst durch die fast vollständig erfolgte Einziehung aller rückständigen Beiträge bei weite« nicht gedeckt werde» kann. Jetzt ergriff Herr Perlstein-Zwesten da« Wort zu dem Vortrage: Die Pflege de« religiösen Sinne« iu uaseru Schulen. Einleitend meinte der Bortragende, da» Thema sei «in zeitgemäßes, da ei besonders in der Jetztzeit, wo auf der einen Sette JndifferrnttSmu», auf der andern Seit« kalte« Formenwese« harsche und wahre Religiosität nicht zu gedeihlicha Eutwickelung kommm lasse, heilig« Pflicht da Schule sei, diesen Nebeln entgegeutraeud, da» Jndeuchu«, wie r« von deu Vätern un» überkomme» ist, zu pflegen uud heilige vegeistnung für die väterliche Religion uud ihre Satzungen in die Hazea da Kinda zu verpflanzen. Um die» zu erreichen, stellt da Vortragende den Grundsatz auf, den Religionsunterricht praftifch zu gestalten, für« Lebe«, nicht uur für die Schul« za unterrichten. Deshalb möchte a den systematische« Religionsunterricht aodaS gestalten uud in denselben nur da« specifisch Jüdische und Caemonielle valegt wissen; den ethischen Theil de» Religionsunterricht», die Bürgerpflichten rc. verweist er in den Btbeluutericht. Auch dem »Grbetübersetzen" mißt da Vortragende «irren großen aziehlichen Wach bet und valarrgt a, all« Gebete de» Siddur, selbst einige Stücke de« Machsor, müßten i» da

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