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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 32. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 32.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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252 . Nach der lliogaugsliturgie: »Wie schön find deine Zelt« Jakob* und dem Bortrage des 16. Psalms durch den Kantor Zadikow hielt Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt die Fest» predigt. An der Hand des Sckriftmorte« (Dpr. Sal. 11,4) „Unb Wohl bon errettet rom Tode!" schilderte derselbe den Geist und Sinn, in dem vor 15 Jahren das jüdische Anr» Hospital in« Leben gerufen wurde und seitdem segensreich immer mehr sich entwickelt hat. Don dem Gedanken ausgehend, daß daS Wort Zedokoh ebenso .Recht und Gerechtigkeit" als .Wohlthun und Werke der Barmherzigkeit" bedeutet, führte der Redner an-, daß Recht und Gerechtigkeit die Grundbedingung des sittlichen Verkehrs der ganzen Menscheowtlt und daß Wohlthun und Barmherzigkeit «in Ausfluß und eine unmittelbare Folge drS Recht« in der Gerechtigkeit sei. indem das GotteSwort von der Anschauung au: gehe, daß der Arme ein Recht auf die Unterstützung seine- Mitmenschen habe. Dieser Gedanke wurde alsdann aus den r nzelneu Zweigen der Wohlthätigkeit. sowie ander Geschichte der Wohlthätigkeit in Israel herausentwickelt und begrürdet. Am Schluffe der Prrdigt führte der Redner in großen Zügen ein Bild der Wirksamkeit der Anstalt vor. Zu den immerwährenden .Mitgliedern" und .Stiftern" dieses Jahreist Herr Emil H e y m a n n au- Berlin nachzut-agen, durch eine Schenk"ng von 580 M. Auch 2 Legate find im Laufe dieses Jahres der Anstalt letztwillig zugefallen, und zwar von dem in Wiesbaden verstorbenen Herrn Adolf Schwerin 500 Mark und von dem in Berlin verstorbenen Herrn Lcc Gabriel 300 Mark. Am Borobena des StiftungSf:ftes wendete Herr Herz Berlin in Schneidemühl der Anstalt eine Schenkung von 300 Mark zu und trat damit ebenfalls in die Reihe der .immerwährenden Mitglieder", deren die Anstalt nunmehr elf zählt. Endlich wurde noch einer Stiftung im Betrage von 3600 Mark dankbar gedacht, welche Frau Jda S eeler in G reifeuber g i.P. am Tage des Stiftungsfestes selbst zur Hrrrichtung eine» Kurbette« unter dem Namen .Moritz und Jda Seeler Stiftung" begründete. Mit der Erwähnung der im ver» floflenen Jahre verstorbenen Wohlthäter der Anstalt, von denen Sommerz.-Rath Samuel Aron in Berlin als Kurator und Eduard Ri ende in Berlin als ehemaliges Mitglied des BegründungS-Eomitee» und als Kurator besonder» heroorgehoben »ourbe, schloß die Geist und Herz ansprechende Predigt, worauf die übliche Seelengedächtnißfeier folgte. Kar.'srnße, 2. August. (Or.-Eorr.) Wie die oberste Schulbehörde in Baden bemüht ist, der Sache des israrl. Religionsunterrichts und damit auch der Person dedenselben ertheil-nden Lehreran höheren Schulen, wie Gymnasium, Realschule u. a. die gebührende Stellung zu verschaffen, davon ist uns neuerdings wieder hirrselbst ein hocherfreulicher Beweis geliefert worden. Ein Erlaß des Großherzogl. Oberschulrath« vom 7. Juni cr. an die Direktionen der Mittelschulen de« Großherzogth. Baden ordnet an, daß fortan bei Feststellung der Location der Schüler und bet der Entscheidung über die Versetzung auch die Seusurnoten im Religionsunterricht derjenigen Bekenntnisse, für welche ein solcher Unterricht von Anstalt-wegen ertheilt wird, in Berücksichtigung gezogen werden mit dem ausdrücklichen Hiazufügeu, daß die Vorschriften dleses Erlaffe«, welche die näheren Modalitäten »er Ausführung enthalten, selbstverständlich auch An»endung auf die Noten in der -israelitischen Religiontlehre finden sollen. Bei dieser Gelegenheit sei ferner eines anderen die Bedeutung und rechtliche Stellung des Israel. Rel.-Uuterricht« au der Mittelschule Badens kennzeichnenden Umstandes gedacht, daß seit Langem schon am Schluß eines jeden Schuljahre» eine öffentliche Religiousprüfung det israrl. Schüler au denselben stattfiadet. Anrnserß. Die au der Bahre des verewtgtr» Justizraths nod Laortagsabgeorduete» Wolf Frankeubur^r am 21. Juli »o« Herrn Rabbiner Dr. Ziemlich gehaltenen Red«, di« von den Tagesblättrr» verstüwmelt »iedergegebe» 4®arbc, lautet wirtlich wie folgt: hochgeehrte Tranrrverfammlnngl I« ist ein« sch»«» %ttat%. m diel« B d'e «'dieser Bohre «oserr» Slandmtsbruders, Ire» Jnstizrachs Mock Frankenbmgrr, uns »«srmmelt. es ist «ine Lranrr, die well hiaansrrichr über den «nge» lkrei» der Familie, der mit de» Tode des Verklärt» di« Ccom gefalle» ist vom Haupte, »eit hin» »»reicht über unser« Staub-»«gemeinde, die in td» eine« ihrer «ugeseherste» und verehrtest»« Mitglieder» ihren einstig« Vorsteher verloren, »eit htoansrcicht imer die Grenz» noserrr altehrwSrdigea Stadt, der» Vertreter i» Rache der Stadt und des Lande« er gewesen, es ist Iiies ein« Iraner, die in weit« K reift» de» Latrrlaudes «ine» schmerzlich» Widerhall findet. .Wenn ei» »eiser Man» stirbt — sage» nrser« Alt« —» bann «»»eitert sich sein Berwandteakrris." den» «In echter Weiser ist et» echter Morsch, ihm fühl« sich alle Edeldenkmdru seelenverwandt, fei» Verlust geht ihn« nah« z» Herzen. Damm hat an dieser Bahre ei» so weiter Trauer kreis sich gebildet, in welche« wir Männer verschiede» c» Glaub«», Stande« und Berases erblicke», in welche« wir auch die Biber und Führer unserrr Stadt, ihre Häupter mrb Behsrd« vertrei« sehr»; sie all« find einig ia der «nerdmn»»g der Verdienste de« Dahingeschiedeaen, sie all« beklag« dr» Verlast, d« durch sei««. Heimgang Stadt und Vaterland erlitte». Und nicht unerwaret traf uns dieser Verlust, «er de» bleich» Mann in dem letzi« Jrhre wie ein« Schot»» tahinmandela sah, der mutzte erschreck« ob de» Zusammenbruche» der früher so keruhaste» Bestall mit de« geistig durchleuchteten Antlitz der loame der vesarguig sich nicht erwrhr«, dag dieser Mann nnaufhaltsaai dem Grabe ratgezea» wanke. Und »ic hat während dieser schwrrm 2i»«»ze!t seine edle Salti» um ihn gezittert u»d gebürgt, wie hat fe, selbst leidend und gewohnt, von de« liebevoll besorgt« Salt« gepfl-gt und umhegt zuwerdea, a» sich selbst ver.esje« und an seine n Krankenlager geleistet, was nur der ausapsemngsvollft« zärtlichste» Satte,liebe mäglich wir». Doch vergeblich l dem Tod« war die sichere Beute nicht zu eatreige», sein Geschick Hot sich eriüllt, er hat ausgcroug« und aukgelitl«. und wir kSnn« nicht« weiter als «ehmuthsooll drffer gedenken, was wir an ihm hatten, was wir a» ihm verlor«». Doch m» soll« wir beginn«, wo soll« wir «d«? Soll« wir davon red«, was «r als Satte seiner Gattin gewesm, was als Binder sein« Seschwistein, was als Stütze und Vtstan» sein« Angehörigen All«? Enorinzlicher und ergreif«»« al« ich e« darzustellea vermöchte, deknadet e« ihr umrmehltcher. ihr gerechter Schmerz. Oder soll ich etwa zu sch ide m versuch«, wak er in seinem Berus« als Anwalt und Rechtsgelehrter geleistet k S» »Ir» unangemrffea, auch nur flüchtig zu berühre», «r » oar ein Fachgenoff« z» würriae» verft.ht. Bo» berufeaer Seite «ä,t auch bezeug» «erden» w.lch« Anlhctl der verklärte an d« Jnftitmionm unserrr Stadi. an der Gesetzgebung unsere« Laakes genommen, welch' uuveriv'tMche Verdienste um Sind» und Staat er sich rrworbm hc t. Und so erübrigt mir. de« jüdischen Geistlich«, nur da« hrrvorzuheben, was der Entschlafene unserrr jüdisch« 'ikmttnbe, was er de« Jidmthume gewesen. Aber freilich lägt sich das. was er uns war, von dem. was er b.t Stadt, «,» er de» Baierland« gewesru, mcht »renn«, sondern sällt damit vollständig zusamwea. Wohl wird es in d« Anna!« unserer Gemeind« mü der gebühr«»« Dankbarkeit und «nnt.nnung verzeichnet bleiben, dag er zu einer Zeit, da di- Gemeinde i« Werden und Wachs« beartsf« war und setniw am meist« bedurft«, idr seine» Rath und seine Kraft gewidmet und dag er auch später an allen Werken ter Mild« und Wohlthätigkeit lebhaft« Aniheil genommen. Aber «ehr noch als durch unminelbare Einwirkung hat er für das Judeathu« dadurch gelhan, was er al« vürgrr, was er al« M«sch geleistet. D«n wir Juden — da« bars ich hier ungescheut aus» sprechen —, wir Juden sind stolz überaus stolz aus Jed« ans unserer Mitt-, der i« Dienste de» vaterlande», im Dirnste de« Gemeinwohles, im Dienste der Menschheit sich auszrichnet, und »«eil Wolf Frankenburger ein solcher Mann geweftn, darum ha« rr dm Stolz, darum hat er sie Zierde unserer Gemeind« gebildet. Wohl kann es nicht «ein Berns und meine Ausgabe sein, mich zum Lobreduer und Bertheidlger aller politischen und reltgiös« Anschauungen des Verklärt« zu «ach«, dm» hier an der Pforte de« Grade», welch« die Pforte der Wahrheit bedeutet, haben wir nur dm Mmsch« und nicht umstrittene Meinung« zu betritt«, hier haben wie um di« Stzlachiruse der Parteien uns nicht zu brkümmern. Aber di« Frrunb« wie die Gegner dr» Dahingeschtsdenm sind darin einig, dag «r für das oon ihm al« loahr Erkannte, für das, was er für dag Wohl des Vaterland«« und dr. Vaterstadt al» Hells«« und «ripiieglich erachtet, mir seine« ganzen tir:f sittlich« Emst«, mit der ganze» Energi« seiner gottbegnadeten Kraft, mit dt« ganz«» Grwi^te seiner P.rsönlich eit etngetret« ift, bafi er aber mit der Unerschüttrrlitvieit semer Urdrrzrugung auch jene ,infichtsvoll« Mild« und BersShallchkeit verband, die auch de« «tgegmgesetz-e« Standpunkte gerecht zu werden versteht; darin stimm« Alle überrm, die ihn näher gekannt, dag Wals Frank,nbucger ein guter Bürger, rin gr»g«r Patriot, «ia biederer, makrlloser Eh «ratirr gewesen, und «er da« ist und za« Stamm« Israel« sich ,ählt. der ist et» gut« IW«, ein treuer Bekmner seiner Religio», dt« in de« Sadr der Prophet« gipfelt: .Er hat Dir gesagt, o Mensch, was gut ift «ns wa» »er Ewig« von Dir fordert: Sftcht chu», Leb« üb« und bescheiden wandeln vor Deinem Satte," ja. der hat da« Ichchfte Verdienst »m da» gndmcha« sich rmozbtu, jm«s Verdienst, da» uasere Weise» »Hrlltgnng , r kt» wnun»" nenne». Mt darin drstcht, da« «»» von dem, jA Jsrmttt» sag«: .Wie schs» uW Verdienstvll süld sei« Ttzate», »in.

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