Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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reiuheit und in Führm dw» Menschenwürden Leben» z« sein, und die Jude», wo sie auch leben, mlcher Richtung innerhalb der Religio» sie huldigen, auf die Hö'-e der Leben«. anschauung zu bringen, eia geneinsame» Stteben in dieser Richtung auzubahnen, unbeirrt um da» Gezänke der Schuleu und ihrer Vertreter. — Man hat in Europa eigenthümliche Ansichten über da» amerikanische Judenchum und seine vekenner in Amerika, man sicht in gewissen Kreisen mit einem mitleidigen Lächeln auf sie herab, und doch läßt sich dreist behaupten, daß hier zu Lande mchr Anhänglichkeit, mchr Opferwilligkeit, größere Innigkeit für den angestammten Glauben bcstcht und die Massen durchdringt, al« drübea in der alten Welt. So groß ist lange nicht die Gleichgültigkeit gegen jüdische Interessen unter der in Amerika geborenm Jugend, al» wie solche von der hier einwanderndeu deutschen JennesM dor&e oder der von der Eultur beleckten russischen jungen Leuten an den Tag gelegt wird, und da« hat der Orden B'nai B'rith bewirkt. Wa« hat die von Herrn Hirsch vertretene Richtung für da« Judenthum gethan? Andere mit Bann belegt, wozu sie kaum vom rabdinischen oder mosaischen Gesetze Autorität haben. Da« Streben und Wirken de« Orden» ist von eben solchem tiefen Religionsgeiste getragen, al« da« irgmd einer Religionsanstalt innerhalb de« Judenthum«, und wäre eS Herrn Hirsch um Wahrheit zu thun gewesen, so hätte er sich auch die vom Distrikt Sir. 1 gefaßten Beschlüsse betreff« gewiffer Aeußerungen des Herm Baron Montz von Hirsch vornchmen sollen, al« da« Programm einer einzelnen Loge in Berlin oder Breslau. Er hätte da herouSlesen könnm, daß da« eigene Streben des Orten« mindesten» eben so echt jüdisch ist, ul« die von ihm vertretene Richtung. Nicht vom Glauben ab», sondern der Religion z »führen, wollen wir unsere Religio »«»Brüder und diejenigen, welche diesem heiligen Streben hemmend in den Weg treten wollen, begehen einen Berrath an der heiligen Sach« de« Judenthum«, soweit solche« die Religio» der Menschheit vrrtiitt. Ich will ja gerne zugeben, daß die so scharf kritisirte Handlungsweise der betreffenden Loge eine ungerechtfertigte, ja eine dem Geiste und der Praktik de« Orden« zuwiderlaufende war, aber von eia er Loge auf den Orden zu schließen, heißt da« Beispiel der Anti-Semiten copiren, von dem einzelnen de« Wucher« überführten Juden auf die Gesammthelt zu schließen. Uebrigrn« ist der Orden kein geheimer, seine Thaten und sein Streben, ja sein Bekenntnis liegen offen vor der Welt und außerdem veröffentlichen Groß-Logen und da« Executtv-Comitö alljährlich eine» Bericht ihrer Thätigkeit und wer da sehen will, kann eS. Freilich wer sein« Augen de« Reinm und Guten verschließt und nur mit einem verstohlenen Seitenblick da« TadelnSwerth« sich herauSlesen will, mag auch hier seine Kritik zu üben im Stande sein. It&V rra und N'a standen sich diametral gegenüber; wa« die eine Schule verbot, erlaubte die andere, und doch entschied eine Stimme Gotte«, der Sag e nach: n*?X ♦rrans rraa ,rms araa nansn nm* nav). Mag r« nicht wohlgrchan sein, wenn einige Eiferer für die vermeinte Gottegsache dikse« etwa« beherzigm würdm? Moritz Ellinger." Kerichtr und Corresporrdenzeu. Deutschland. Magd«A»rg 2. August. (Or.-E»rr.) Bei der heute hier stattgehabten Uebersühruug der irdischen Ueberreste de« heute vor 68 Jahren in de» Manern unserer Stadt verstorbene« franzlfischea General« und ehmrsligea Krieg«- *) »Dies« mid jene (Mt >u»sprüche der Schale Hillel» sowohl wie ■m»» «ab gotlvche >nsw»»che, tan sich muh Bech tztllel rtchwl wch», o»d »er wie vettz Schawowi hmidelt dtsgltichtN.- minister« E a r « o t, Großvater« de« jetzigen Präsidenten der frauz. Republik, sollte auf Anordmmg de« Minister« außer dem großartigen militärischen Geleite, auch eine Deputation der Stadtbehörden dem ruhmreichen Tobten da« Ehreugelette geben. Unter dm vom Oberbürgermeister, Geheimrath Böttcher, hierzu au« der Altstadt und dm Vorstädten bestimmten 12 ältestm Stadtverordneten befandm sich auch 2 Israeliten: der Oberstabsarzt a. D. Dr. Rosenthal nnd der Rabbiner Dr. Rahmer, die dieser Ehrenpflicht auch bereitwilligst uachkamm. Wlesiade», 1. August. Geehrter Herr Redakteur! Wmn man in Wiesbaden zur Kpr ist, hat man gewiß andere Schmerzm, al« den Drang, für die Unterhaltung der Zeitungsleser zu sorgen, besonder« wenn man nicht gerade zur engeren Zunft der bezahlten Artikeleinsmder zählt. E« ist aber nicht Phrase, wmn ich Ihnen die Vrrsicherung gebe, daß ich nicht mit Vergnügen die Feder ergriffm habe, sondern daß sie durch eine kurze Annonce in der „Berliner Klinischen Wochenschrift" Nr. 28, die mir hier zuMig zu Gesichte kam, gewissermaßen in die Hand gedrückt wurde. Zur Orientirung der Leser muß ich vorauschicken, daß hier der Mittelpunkt de« Kurlebcns allerdings der Kochbrunnen mtt dm ihn umgebmdm Badehotels ist. Diese Bouillon, sagm die Wiesbadener, hat Mutter Erde bereitet und ihr eine Heilkraft-gegeben, welche trotz aller chemischen Analysm ihr ewige« Gehnmniß bleibt. Und wie da« Hauptledm au dieser Sprudelquelle zur fcühm Morgenstunde, so spielt sich der zwette schönere, dem Amüsemmt gewidmete Theil an dm Nachmittag«- und Abendstunden in dem vor mir schon von Göthe bewunderten Kurhau« mit seinen herrlichen Pmnksälm, Lesezimmern, Parkanlagen rc. ab. Es wird hier aber den Gästen die Kur nicht blo« heiß gemacht, sondern theilweise auch eiskalt; nämlich in dm beidm wohlbekannten Kaltwasserheilanstalten Dintenmühle und Nerothal. Ja der ersten, etwa 10 Minuten von der Stadt entfernt, sitze ich in der jetzigen Klagezeit einsam, getrmnt von meiner Frau, der drinum in der Stadt die Kur heiß — verordnet ward, mir die Langweile mit Zeitunglesen im Lesezimmer und im Vorzimmer der Anstaltsärzte SanitätSrath Dr. Müller und Dr. Friedländer vertreibmd. Da fiel mir besagte Annonce in der „Berliner Klinischen Wochenschrift" Rr. 29 in« Auge, welche mit d:n Worten beginnt: „Ich suche einen Assistenzarzt (Christ)" und unterschriebm ist von „Dr. Leß, Ding. Arzt der Wasserheilanstalt Nerothal." Welch' glüeÜicher Zufall war's, sagte ich mir. daß ich von den zwei Anstalten gerade die humanere und auch sonst bessere gefunden. Ich begreife nur nicht, wamm Herr Dr. Leß keinm Unterschied auch hinsichtlich der Patimtm macht und nicht blo» Christen als solche sucht. Die Hälfte der dort befindlichm Patienten, wurde mir gesagt, und Israeliten. Wmn Herr L. nur deshalb einm christlichen Assistenzarzt sucht, weil er annimmt, die in seiner Anstaltsich befindlichen Christen ließen sich lieber von einem GlaubmSgrnoffrn masstren und elektrisirm, nun danu müßten ja folgerichtig die Juden in Rerothal lieber dir Diatmmühle aufsuchen, wa eia bewährter jüdischer Arzt unter Leitung eine« humanen Sanität»- rathe« dir Heilprocedurm au dm Kranken vornimmt. Wohin gerathm wir, wmn derartige Unterschied« in Anstaltm eingesiihrt wrrdm, welche für konfessionslose Gebrrchm von Pattenten aller Stände und Religionen ausgesucht werdm? Es ist wahrlich kein ersichtlicher Grund für solch« Grenzabsperrung zu finde«; ersichttich ist aber der Antisemitismus de» Dirigentm de« Nerothal«. Unsere Glaub ngmossm werdm hinfort wohl nicht zweifeln, welcher Anstalt sie im Bedürfuißfalle dm Vorzug zu geben haben, vr. v.r. Eokßerß, 30. Juli. Bor einer zahlreichen Fcswersammluug. in welcher auch der Herr Bürgermeister und einige Stadtverorbaete bemerkt wurdm, beging da« hieflge jüdische Kur- Hospital vorgestern vormtttag« 11 Uhr sein Stiftungsfest durch eium feierliche» Gottesdienst km veetfaal der Anstalt.