Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Urt wir sollt« nicht KBz ft» «af ein« Mont, kcr ete Mfc H»»g M gilttlich« Sinkb* IteMfleffifet, »et cta htaaifft ft ms Mm da» vorntthekl. «l» kö«te da» Judenchum ft« w Muer«, trän Bürger; begelffctte Patriot«. Ate M«sch« «*, wir (»llt« nicht aas'» Xirfft beklag«, ei» (X'tglteb » ver- , t» dessen Tugenden de» Bürgerthr«« die Tugenden de» Indenchaw» io herrlich sich ausgeprägt and so weilhi» u-d seg«»reich gewirkt? Aber nicht bloß beklag« wall« wir d« verlast de» Dahin» geschieden«, sondern auch die Lehre «itaebw«, die von seiner Bahre »»«geht „Die Gerecht«, so lagen unsere Sets«, «erd« »ach in> Tode lebend genannt", denn sie kSnn« nicht absterb«, da« Vet,piel, da» sie der Mstwelt gegeben, e» wirkt belebend »ad erhebend auf die Nachwelt. Und so möge da» Vorbild de» verklärt« zur Nacheiferung an» -anregen, daß wir unsere beste» Kräfte in d» Dienst de» vaterlande», 4» de» Dienst der a ll umfassen den Nächstenliebe, in d« DI«ft all« Ent« und Edl« stell«, da» wir für da» von an» al» recht und wahr Erkannte eintretea «it aller Macht der Ueberzeugung. ohne jemal« zu wank«. Dan» ehre» wir am angemessensten da» Andeakm de» verklärten, dann zeig« wir, dah wir seiner würdig genesen, dann wird Keg« do» seine« Grabe»Hügel für un« «sprieße», dann wird sein Andeakm an nn» zu« Leg« sein. Amml- Italien $»«. Gelegentlich der Giordano Bruno-Feier hatte Giacomo Sacerdoti, jüdische« Mitglied de« ProviuzialratheS m Modena» sich gegen die Abseadaag zweier Abgeordneten nach Rom, energisch ausgesprochen. Er erklärte, obgleich er Israelit sei, so könne er angesichts der Tendenz, sich nicht an der offenkundigen Demonstration betheiligen. Dieser Protest hat i« Batican sehr guten Eindruck gemacht, so daß da« offizielle päpstliche Organ „Offervatore Romano" sich zum Echo diese- Wohlgefallen« macht und sagt: „Dieser Israelit hat seiner Ueberzeugung freien Ausdruck gegeben und dadurch vicken laue« und charakterlosen Ehristen eine woglv.idiente -L.ction ertheilt." Die „ArchiveiSraelite»" besprechen diesen Vorgang und meinen, daß ein Jude sich wohl an dieser Fei-r hätte betheiligen können. Unsere Meinung ist die gleiche. Er giebt nicht viele Fälle, wo „Judenihum und Menschentham" Gegensätze sind, den« „da» Judenthum ist der höchste Ausdruck wahren MenscheathumS". Aber bei der Spinoza- und -Giordano Bruno-Feier können wir al« Menschen der Feier beiwohnen, al« Juden nicht. Spinoza hat dem Judenthume -tiefe Wunden geschlagen, aber in dem Reiche de« lichten und freien Gedanken« ist und blubt er der Gegenstand unserer Verehrung. Da» Gleiche ist bei Giordano Bruno der Fall. W»n wir al« Juden auch seinen philosophischen Lehren nicht huldigen können, ohne un» unsere» Judenthum« zu begeben, aber den Helden, der gegen die Unduldsamkeit und psäffisch« Anmaßuno, für Gewissensfreiheit und für die Freiheit der Wissenschaft gekämpft, können wir wohl feiern. Palästina. Ammsake«. ,Au« der Tolouie Lkron in Paläsiina — schreibt der „JSraelit-Jnschurun" — gelangen zu un« Klagen, die, wenn sie sich bewahrheite« sollten» für jeden, de» eia warme« Herz und gerechten Sinn hat und für religiöse Duldsamkeit eiulritt, höchst betrübend sind. Die Mitglieder dir,er Eolonie haben gemäß der Anordrmug der Rabbiner K Jerusalem wegen de« SchemitahjahrrS ihre Felder nicht baut. Der Bettreter de» Herrn Baron v. Rothschild in Pari», Herr Scheid, wandte alle Mittel der Macht auf, um diese Männer, entgegen ihrer religiösen Gesinnung, von ihrän Vorhaben abzudnvgen; allein alle« blieb vergeblich. Diese Leute hungerten und legtru sich die größtm Opfer auf, um ihr« religiösen Ueberzeugung gemäß zu leben. Wa« that nun Herr Scheid? Er soll nun gar die Hilfe dn türkischen Regierung in Anspruch genommen haben, um die Tolonisten zu zwingen, entweder die von Baron Rothschild gemachten Auslagen zurückzuzahlm oder da« Land zu — verlassen. Daß rin solcher a®n *7677 begangen werde, liegt sicherlich nicht in d« Absicht de« Baron v. Rothschild und gewiß ist «, wenn « überhaupt hiervon weiß, von seinen Organen falsch belehrt worden. Wir ersuchen dah« alle diejenigen einflußreichen GlaubenSgenrssen, welche mit dem Herrn Baron im persönlichen Verkehr stehe», denselben ans die traurige« Vorgänge i» d« Eolonie Ekron aufmerksam machen zu wolle«.",*)_ Vermischte urrd »esreste U<chrich1e». Barlkt». lieber dt« »utisemttifche Berne«»»» schreibt die „Kreuzztg.-: .Auf der Hauptversammlung de» konservativ« verein» i« Königreich Sachs« ist die Stellung unserer Partei zu» Antisemitismus i« wesentlich« ganz so beleuchtet ward«, wie wie e» selbst aethan, d. h. man hat zwilch« den verschieden« Richtungen der antijüdische« Bewegung sorgfältig unterschiede», «a» früher von manch« konservativ« Blättern versäumt «ord» ist. Die« ist die erste Frucht de» Loge« von Bochum, der sich schon dadurch al« ein großer Erfolg darstellt. Mit d« sogenannt« .Böckelschmkönne» wir uni in der That nicht befreunden, weil diese L«te mit ihrer an sich durch»»« berechtig« Abneigung gegen die Juden in viel« Stücken eine Politik treib«, welch sich mit der ihrer Gegner nase berührt, womit aber auf die Dauer nur da» Gegentheil von de« erreicht wird, wa« erreicht werden soll, d. h. «an a.- beitet dm Juden in. die Hände» um man sie zu bekämpfen glaub!. Deshalb ist der Haß der Jud« gegen die .Böckelschen" nicht entfernt so groß, al« der gegen die konservativ« Antisemiten oder Dentsch- Sozwlen. Auch Dr. Böcke! wird ja »erfolgt, wo man eine Blöße zu entdeck« glaubt; «ec aber diese virsolgung mit der »Hetzegegen Stöcker vergleicht, wird sich überzeugen, daß die Jud« ihre Gegner »ach dem Grade ihrer Gefährlichkeit sehr wohl adzuschätz« wiffen." — Die .Kreuzztg.- thut Unrecht, w«n sie ihre Gegner der Ungerechtiokeit beschuldiTt. Die Herr« S.töcker und Bickel sin» ihn« zwei gleichwertige Kinder. Berlin. De« hiesig« Berel« für Feuerbestattung ist die Genehmignug zur Beisetzung von Urne» «It Aschenrest« nur aus de« städtischen Friedhofe iu Friedrich« selbe, de« jüdische» Frledhose in weißmsee und dem Friedhofe der sreireltgivsen Gemeinde ertheilt Word«. Dessau. Die Kommission für da» Mose» M«del«soh»-Denkmal in Desiau hatte sich, wie die „Kunst für Alle" m.ttheilt, m.t dem Lehrer au der hiesig« Kunstakademie, Bildhauer Gerhard Janensch. deffe» Entwurf «it de» ersten Preise ausgezeichnet «Uwe, über die Au»süh>urg ftuer Arbett nicht zu einig« vermocht und ist darum mit ander« Künstlern in Lerbandlung geirrt«. Warm». Da« hätte sich der große Bibel- und Talmudcommmtator R. Echlomoh J'zchaki (nach d« Jmticlm bekanntlich »Raschigenaunl) in seiner Bescheidenheit doch nicht träume» lass«, daß 800 Jahre nach seine« Tode »er hiesige Siadtrach feinem Ramm die Ovation bring« und eine Straße unserer Stadt, — in der er einige Zeit gelebt, gelernt und gelehn hat — nach ihm beumnen würde. So bat denn unsere alte berühmte Reichsstadt jetzt nicht nur eine Moltke- und Bi»«arck-Straße. sondem auch eine »Raschi - Straßel — jedmsall« eine niguntur» toruporr, erfreulicher Art. Wie», 1. August. Da» Amtsblatt publizirt die Auflösung de» „Schulverein« für D«t,cheweg« Ueberschreitnng seiner statutenwäßigen Wirksamkeit. Dieser Squlverei« war t« Jahre 1881 al» Konkurrenzunternehmen geg« den .Deutschen Schulvereinvon Georg Shoeuerer gegründet, war antisemitisch und befehlet de» alt« wohlthäti,« Schulverein. Die Auflösung «acht eihebkchetz Aus.eheu. Die Anttserntten habe» augmscheinlich eine Ahnung vom Bevorsteheu dieser Maßregel gehabt, denn ihr Hauplorgaa fordert die MitgUedcr de« aufgelösten Schulverein» auf, sich dem „vermanenbundanzuschlleß«, welcher gleiche Tmdenzen verfolge und die Ausgabm de« „Schulvereia» sür Deutscheebensall« erfülle. Land»«. Auf de» Couetl de» tuternationalm Musilverein» in Dt. Jame«' Hall, welche« Donnerstag den 11. Juli statlsand, trug« 8 Schwestern «ehr oder wmiger zu de«glänzend« Erfolge bei, welcher da» Ganze krönte. E» war» diese« «iß Ra, Bernstein, welche bei der Aufführung von Mattel'» .Dear Heartdurch ihr« Gesang glänzte. Miß Ltltz Bernstein, der« kunswollendeter Violinvortrag ein enthusiastische» capo" lohnte und Miß Sarah Bernstein, welche ihre Schwestern auf dem Klavier begleitete. M»ß1a«d. Ein einheimischer jüdischer Magnetiseur, M. Feldmann. erreg« Hierselbst große« Aufsehen. Bor eiliger Zeit wur». er vom Großfürst« Wladimir, Bruder de« Kaiser», eingelad«, eine Vorstellung i« Valaste Sr. K-i'erl. Hoheit zu geb«. Herr Feldman» wird in kürzer Zeit Rußland verlass« und eine Reise nach Eghptca, Arabi« und Jndi« antretm. Jerusalem, vorige Woche wurden den Besitzer» der Hütte» aus dem sogenannten Moutesioregruadstück feiten« der Behörde der Befehl zugeschickt, o>»»« sünsztg Lage» cutzzuziehen, da sämmtliche Gebäulichkeit« nach verlaus dieser Frist niedergerissen werde». Die Arm« verlieren damit ihr wenige», da» sie beseffea. (J«r. Jesch.) •) Derselben Sh. de« orthod. Blatte« liegt da« 210. Spenden« Bnzeichuiß de« Herrn Dr. Salveudi bei, wonach wieder tausende Mark für die nothleideud« Brüder in Palästina gespendet wurden, aber nicht ei» Pfmulg davon wird den arme» Lolanist« in Ekron gegeben, da heißt e» unerbittlich: weil tt die Schmitt»,geboie hält, wahrlich ei» vom Standpunkt der Otthodozle ganz unbegreifliche« Verfahren. (Red.)