Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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aus Berlin zugivge, im UebertretuugSfalle werde mit Anklagen, ja mit Au«stoßrug au« dem Orden gedroht «. f. w. Mau will als« — wen» wir recht unterrichtet find — die Stimme der Wahrheit uit Gewaltmaßregelo uuterdrücken, mau will den Orden iuDertschlaud entgegen seinen Grundsatz «ngeu, von denen wir zur Zeit auch Einsicht genommen hatten, partout zu einem geheimen machen, wahrlich ein sehr gefährliche», verautwortungSreiches Unterfangen. Ginge die» Alle» nicht allzu deutlich aa» dem un» vorliegenden Material hervor, wir würden e» kaum glauben. Sollte man iu Amerika keine Lenntoiß von den Vorgängen in Deutschland haben? Sollte auch vor der allerobersten Leitung de» Orden» die Wahrheit geheim gehalten werden? Kennt man drüben die geharnischten Angriffe nicht, die - ob mit Recht oder Unrecht sei vorläufig dahin gestellt — von orthodoxer Seite gegen den Orden erhoben «erden mit der öffentlichen Herausforderung, dieselben, falls sie unbegründet feien, doch zu widerlegen. Wir lasen die 7 verketzernden Artikel de» Herrn Jsaac Hirsch i« „Israelit" nnd „Jeschurun" mit tiefer Betrübniß, wir warteten von Wi che zu Woche auf eine Widerlegung, aber die Organe, deren Pflicht e» war, zu reden, schwiegen. Dir „Jüdische Presst" schwieg, sie konnte ja dem orthodoxen! Schwesterblatt r icht gut entgegentreten und die „Israelitische! Wochenschrift", die unerschrockeneBorkämpferiu für.Wahrheit. Recht und Frieden", die sonst stet» den BertheidigungSkampf für den Orden gegen die ungerechtfertigten Angriffe in ander« Blättern mit Geschick führte, war zum Schweigen vernrtheilt, e» war ja von gewisser Seile die Parole anSgegeben, diese» Blatt durch den Orden mundtodt zu machen, man soll ,» sogar wegen seiner Wahrheitsliebe in recht unbrüderlicher Weise bei den Brüdern in Bann gethau haben. — Da erhalten wir gerade in dem Augenblick, da wir im Begriffe waren al« Nr. IU der „Stimmen der Presse" einen Auszug der Hirsch'schen Artikel zu bringen — von hoher einflußreicher Stelle in Amerika einen hochbedeutstune» Artikel an» der gewandten, im Sekretariat des Executiv-Eomitee'» vielbeschäftigten Feder de» Manne», der vor 7 Jahren al» Delegat nach Berlin gekommen war, um daselbst die erste Loge in Deutschland za installieren, dem also recht viel daran gelegen ist, daß die erhabenen Priucipien de» Orden» ungefälscht in ihrer Reinheit zum Au«druck kommen, mit der Bitte an die Redaktion, die Veröffentlichung desselben in der „Israelitischen Wochenschrift", dem eivzigenOrgan. wohin die Wahrheit sich gerettet, wo sie eine Zufluchtsstätte findet in dieser Zeit allgeineinen Muckerthums und der durch Heimlichthnerei noch mehr geförderten Heuchelei, zu veranlassen. Wir kommen diese» uns mitgetheiltm Ansuchen selbstverständlich der«! willigst nach und laffen die von allen Freunde» de» Orden» läuzst «wartete Widerlegung der Angriffe auf de» Orden in «örtlichem Abdrucke hier folgen: „Aew-^ort. den IS. Juli 1889. Geehrter Herr Redakteur! Bor einigen Wochen erschien in dem Mainzer „JSraelit" und „Irschurnn" der Schluß-ArtilÄ einer Serie von Aufsätzen über den Orden B'nai B'rith au» der Feder de» Herrn Hirsch, und ich erlaub« mir, wenn Sie da» gestatte» «ollen, dieselben etwa» zu beleuchten und in » rechte Licht zu setzen! — Würde in diesen Artikeln eine ar ständige Kritik geübt oder herrschte darin auch nur ein anscheinend impartriffcher Geist, so hätte ich e» kaum unternommen, von hier au» mich «it diesem Angriffe zu besaflen. Judesien sind di« Ausfälle mit solcher Bitterkeit und Gehässigkeit gettänkt und tragen dieselbe« cinat so ausgesprochenen Cherakter der Intoleranz und verblendete« GlanbenSeiferS, daß ich es al» mein« Pflicht erachte, dem Herrn offen entgegen zu trttcnl Seit mehr als 30 Jahren als ei» Mitgliü de» Ordens thätig, mit seine» selbstbewußten Lielr» vertraut, sowie innig befreundet mtt den Männern, welche feit mehr al» einem viertel Jahrhundert dir Geschicke des Orden», sein Strebe» nnd seinen Fortschritt geleitet, bin ich i» Stand« über das innere Wese» desselben mtt Sachkeuntuiß mich auSzusprechm. . E» bedarf immerhin eines sehr elastischen Gewiffen», um mich keine» stärkeren Ausdruck« zu bedienen, wen« ei« Mann, welcher Achtung für seine Ansichten beansprucht, et» jüdische» Institut al» einen Feind der Rckigiou darstellt, welche» seit einer Reihe von Jahre» au Mildthätigkeit und Wohlthätigkeit mehr geleistet hat, al« irgend ei« gleiche» Institut innerhalb de» Judenthum» in alter »der neuer Zeit. Die Summe, welch« fett einer Reche von Jahren an mittellose Wittwen ouSgezahlt worden fft, berechnet sich nach Millionen von Dollars, die Summe, welche an Kranke und Hilfsbedürftige geleistet wurde, übersteigt zwei Millionen. Dabei hat der Orden eine Anzahl von Waisenanstalten, Asyle für alt« Leute, Anstalten für die Pflege von Litteratur errichtet, aber außerdem den Anstoß gegeben für die Constituirung von Religions-Gemeinden nnd der Erbauung von Gotteshäuser». Da« freilich zählt alles nicht in den Augen eine» Manne», welcher in dem Judenchum keine Religion der That, sondern die Religion de» Glaubens sieht. Wenigstens scheint chm die letztere hoch über der ersterea zu stehen. Nun mag ich nicht mit ihm darüber rechten. Er ist vollständig zu seiner Ansicht berechttgt und al» guter B. 8. fällt es mir nicht im Traume ein, eine Lanze über seine ReligionSanschauungen mit ihm brechen zu wollm. Da» aber möchte ich ihm doch zu bedenken geben, daß s2 5DV (*D3TIK ebenfall» ein jüdischer Grundsatz ist, und daß ei« wahrer Jehudi nicht ein BerdammungSurtheil aussprechen soll, ohne sich genau informirt zu haben! Hätte er da» gethan, so hätte er gefunden, daß der Orden al» solcher keine Propaganda weder für die eine GlaubeuSrichtung noch die andere macht, daß er darauf besteht, daß der religiöse Zwiespalt innerhalb der Synagoge von der Loge fern ge« halten werde, uno daß drm 0ZN JDOto**), welcher leider so viel Unheil schon angestell«, endlich gesteu rt werde. Ich kann mich hier nicht enthalten, auf den widerlichen Streit hinzuweisen, welcher seiner Zett zwischen den beiden großen Repräsentanten de» glaubenstreuen Judenthums, Rabbi Samson Raphael Hirsch und Rabbi Seligman Ber Bamberg er, geführt wurde, worin der lrtztere für größere Toleranz da»Wort führte. Wahrlich, der Vertreter der Intoleranz hatte damals der Sache des Judenthum» einen schlechten Dienst geleistet, obzwar ich ihm gerne zugestehe, daß er au« dem reinsten und heiligsten Eifer für da» Princip, welche» er als die Gottessache ansah, gehandelt hatte. Bon diesem Principe waren ober alle GlaubeuSeiferer und Ze« loten geleitet, Torqnemada und Arbuez nicht minder al» die Rabbiner, welche im Mittelalter die Vettreter der jüdischen Religionsphilosophie bei den weltliche« Behörden anklagten und dadurch den Talmud dem Schetterhaufen überlieferten. Dieser blinde GlaubenSeffer, welcher keine Rücksichten kennt, und ebenso unzurechnungsfähig fft, als der in Krank» heitSfesseln geschlagene Beistand, hat mehr dazu beigettagru, die Zerstörung Jerusalem» und den Untergang der politischen Selbsfftändigkeit Israels herbe>zuführen, als irgend ein andere» Moment. Und diese GlaubeaSwuth ist e» heute noch, welche da« Edelste und Herrlichste zu zerstöre» bereit ist, «eun e» sich »icht den Ansichten gewisser Glaubensrichter unterwirft. Wenn heute au kein einiges Zusammenwirken der Israeliten, über den Erdboden zerstreut, für die Hebung der moralischen, sittlichen und culturelleu Zustände der Juden zu denken fft, so hat eben diese schroffe GlaubenSspaltuug schuld. Und gerade diese Kluft zu überbrücken hat der Orden sich al» Aufgabe gestalt. Ob der Orthodoxe recht hat oder der Reformer, ob der Anhänger deS Ehasstdismu» »der de» KaräiSmu«, da» kümmer-t uu» md)t al» Mitglieder de» Orden«, wenigsten» nicht inner« halb der Loge. Aber da» kümmert «n», und da» wissewir, daß da» Judenchum die heilige Mfffiou hat, die Leuchte der Böller i, Moral, Sittlichkeit, Bildung »streben, Famike» *) d. h. f«vi«I wie da» lateinische: anälatur «t «Itor» pua, oder ba« a!»d»»tsche: «ine» WUmati Mkt iß Halde Sied», «u s«TH» Mö( h»»«e vad«. •*) ^ruMchw^Lch."