Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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HerzniS «st da» volle Gleichgewicht hngtstellt sein, und durch direkte C teuren für dre indirekten ein au«ieütenbeT Ersatz g>schofle» sein wird. Denn bei der leider täglich wachsenden Abnahme de» Jntenffe» am praktischen Juden» thum wäre e» wohl wünschentwnth, daß der sroßen Zahl der Gleichgültigen die Theilnahme an den rituellen Institutionen der Srnieinde nicht erschwert ««de. Die Pest« Gemeinde ist so rortreffltch »rganisirt, und Hot so viele opferfreudige Mitglied« an ihr« Spitze und in ihrer Mitte, daß ihr diese» Z» leicht und vorbildlich für olle Gemeinden Ungarn'» -elinzm könnte. — Die Hauptstadt ist ja doch die PulSad« jtde: geistigen Bestrebung und Bewegung im Lande. Mit Freuden ist e» daher zu begrüßen, daß dort ein »Verein zam Wähle geheilt« Gemüth»- und Nervenkranker" für da» ganze Land und olle Confrsstonen begründet worden ist. Ein Staat, befien hochherzigster und grüßt« Patriot Graf Stephan Szächenyi, testen größt« elegisch« Dichi« für olle Länder deutsch« Zung-, Nikolau« Lrnau, da» beklagenäwerthe Opfer d« Gentüth-keankheit geworden ist, thut wahrlich wohl daran, solch« Unglückliche schützen und zu stützen am besten dadurch, daß an solche ankheiten kein ant««r Maßstib angelegt werde, al» an jede» and«e kl>rp«licde Uebel, sofern der mit einem solchen Behaftete vor dem Gesetze und schölten ist. — Bei den in uns«« Zeit m ollen Ständen und Glaub-'n-gemeinschafteu so übnau» häufigen Erscheinungen von S'nneSstörungen, durch welche doch ganz allein der Tod »der Hoffnung d« Monarchie" motioirt und «klärt wird, ist e» nicht »fangemeffen daran zu «innnn, daß hoffentlich die Zeit vorüd« ist, in welch« die medicinisLe Wahrheit verkannt wi'd. daß jeder Mensch unt« gewissen Bedingungen Geistesstörungen llutnworfen ist, dir Krankenhäuser dies« Lutegori« in keinen« Falle zu Bastillen, die Krankenbetten ,u Prokrustesbetten verwandelt werden möchten für Geist«, die manchem Gewalthab« — im Kleinen — zu hoch gewachsen sein dürsten. — Glück! cherwrise ist Ungarn ein snier Staat mit ein« liberalen Reginuag. welche imm« geneigt ein wird, den österreichischen M^tnnichtanismus, der den E nheitSstaat geistig grtödtet hatte, in» Ungarische zu übersetzen und daium kann d« genannte B«ein zu» Segm deS Landes werden. — Au Wol,l1hä1igIei>»»L«einen ist Budapest recht reich. Da» jüdische liraukeuhau» verspricht eine hygienische Musteranstalt zu werdru, und der so segen-reich wirkende israel. Franeuvereiu hat an dem großen Philanthropen Baron Hirsch einen Beschützer. Dieser sah fich in die traurige Nothweudigkeit »«letzt, seine 50 Millionen-Spende in Rußland zurückzuzieher, und ob die zu öst«reichischrn Lulturzweckeu (in Galizien) gespendeten Summe» zu staatlicher V«weuduug gelangen, ist auch fraglich geworden. — D« oäpstliche Nuntius G a l i m b e r t i, über welchen die Antisemiten sich ärger», hat im Tarnow« Bischof Labo» einen Gefimungsgenoffen gefunden. Nach dem »Neuen Pest« Jourral" sprach d« hochgesinnte Sircheufürst zu dem Dr. Leo Adler, dem Sahne des Gutsbesitzers oon IazowSko (Galizien), der ihn begrüßt und festlich empfangen hatte: ,D«Empfarg, d« mir hier zu Theil geworden, freut mich um s» mehr, als er von And«SglSutigeu auSgeht. Seid »«sichert, daß ich in jeder Zeit als Verfechter jener Nächste», liebe auftreten werde, welche d« Grundstein unser« Religion ist. Unser Glaube wacht zwischen Mensch und Mensch gar keine« Unt«shied, und da» alte und neue Testament haben nebst vielem anderen, gerade da« Gebot der Menschenliebe gemein. Die Liebe ist ein mächtige» Bindemittel, sie wird e» «mögliche», da« Ehrist und Jude hier zu Laude stet« tu Harmonie leben »erden. Um aber diese» Ziel herbnzuführe», bedarf e» möglichst allgemeiner Verbreitung »ou Aufklärung uud Bildung, lub Ihr dürfet stolz darauf sein, daß Ihr bereu Piauine sei». Haltet Euch vnsichrrt, daß Euch unt« de» milde» Scept« Sr. Majestät und in ein« Natiö», die Euch liebevoll aufzenommen. in einer Zeit, in welch« Ihr von allen übrigen Rationen »erfolgt wurdet, kein Haar gelrümme w«dea wird." Möchte« doch »ewifle Geistliche in der deutschen Metropole' der Intelligenz von diesem polnischen hohen kirchliche» Würdenträg« lernen die drei Besetze der Religion: »Lieb«, Schonung, Duldung!" Krakau, tat 24. Jili. (Or.-Korr.) Do» hier erscheinend«, polnisch* , Organ »Rowa Reiorma" berichtet in »« Rnmm r vom IS. p. über baltbtn (enonntcdrtignifemit folgt: »Dervischos von Tarn»« de» Inden gegenüber. — Ein, die Toleranz unserer Betfttichk st und deren edle Auffaffnag ihrer Mission beiv isende» Ereigniß, spielte sich vor einigen Tagen in JozowSk lvrsirt Rensaadee) ab. Sr. Hockw. Herr Lobo«, Bischof ron Tarno», der gegenwärtig seine Diözese iasrtztrt, lingte am II. d. M. in dieser Ortschaft, der« Besitzer Herr Michail «der, «in Jod«, ift «w. Diese', in »<t Absicht de« Bischof maftscevndlichtrit und Hochachtung zu bekunden, ve:an» ftaltrte einer feierlichen Empsana. Bet kem zu dies« .1 Behuse errichtet» Triumphthore erwarieie er mit sciner Familie uad seine» B:amten, de» Bischof, der d e ihn Erwariendea kaum erblickerd nnverzüalich sriue» Wagen entstieg und sie überaua höflich begrübt«. DeS GutSbesttzer« Sohn, Herr Dr. Leon Ader, gab in einigen Wert-n der allgemeine» Freud« über di« Ankunft de» Bischof« Ausdruck, weich« Freud« auch von AndecSglLrbigen gethei't wird, da Sr. Hechw. der Herr Bischof bekanntlich immer und überall die B.u-dsäpe der wahre» Nächstenliebe, di« leine« llatnschird zwisch-n einem nnd dem anderen Menschen kennte lehrt und ve, kündet." An di-se Ansprache anknüp end, erwid trte der Bischof lolgent« Sorte: »Der Empfang übte aus «ich einen umso angenehmeren Eindruck au», als er von Andersgläubige» auSgeht. Lorch da« ganz« Leben und während meiner Amtiruug »ei theidi tr ich energisch uad werde imm« vrnh'iditrn die Ä und äpe der Rächst »liebe, denn dies« ist die Basis unftieS Blaub.it«. Unsere Kt che macht gar keinen Uutersch'er zwischen den Menschen, sie umsaßt alle mit gleicher Liede. DaS alte uud da» ueo« Testament stimmen in diese« Punkte überein und da» Echot, seinen Mitmenschen zu lieben ist bei'ea, wir »och viele anderer Vahr» teste» und Brandsätze der Matal, geminschaftlich eigen. Diese Liebe ist «in mächtig'« Baad uud hege ich die angenehme Hossaang, daß i» unserem Land«, di« Juden mit dm Christen nur in Eintracht lebe» und sich vereinigen werden, die h»d«'M Ziel», denen unsere Besellschaft nechftreht, za erlange». Um e« dahin za bringen ist e» »öthio, Aufklärung zu verbreiten, und g-atulire ich euch, daß ihr denn Pionaier» seid. Schli ß ich sei» vetfichett, daß utter de« Seepter Sr. Majestät de« Kaiser» und in der Ration, welche damal», al« alle anderen Rationm euch ve>folgten, euch sreuodlich aufnahm, kein Haar Etch Mm Köpft zur Erde fallen « rd." Rach diesen erhabenen Worten nahm der Bisch»! von dm An» wesendm Abschied und b:ehrt« Tag» daraus dm BntSe genthümer, ein» Jubm, mit seinem Besuche." . x Besäße ein gewisser Hospredigrr auch nur annähernd diese «die Gesinnung, würden die letzten Dermalen unsere« Jahrhundert» nicht dm m ttrlalterlichm Charakter angenommen haben. M. J. in Mähren, 22. Juli. (Dr. ttort.) I» hiesigen Sumte macht sich der Antisemitismus, od« wie man es hi« deutet — der AntipoloniSmuS auch in Bezug auf das Luftschuappen geltend. Ein sehr großer Theil der hiesige» Eurgäste besteht alljährlich au» polnischen Inden; «m nun dieselben von der eigentliche« Promenade abzndränge«, hat die Eurv«waltung heu« zu« ersten Male den Park in zwei Theil« getheilt und für die Benutzung deS schönere« Thüle« desselben fl. 8 Eurtaxe festgesetzt, während die Fünf» Guldeu-Mäuner die Lust in diesem weitaus größeren Parktheil nicht einathmen dürfe». Das ist ei« Moustum, welches kein Kurort t« der Welt haben dürste. Natürlich haben die He«en die Rechnung ohne de« wirth gemacht; denn die reiche« Polen zahle« die «ste Klaffe Eurtaxe, uud »te Unbemittelt«en thun die« auch zum Trotze d« antisemitisch gefluuteu Curleituug od« promeoiren trotz de« inhumanen Verbote« in dem fashionableu Theil d« Aulagat. ES giebt hi« polnische Juden, die trotz de« laugen Loftau 'und langen PeaS doch zue beff«en Gesellschaft gezählt w«ben dürfen; au die arme» Juden'— zumeist Pole» — wird vom hiesigen jüdische» Armenverei» wöchentlich fl. 80 bi« fl. SV vertheilt. Leid« ist e« mit der jüdischen Küche hier sehr schlecht bestellt; koscher, gut uud rein findet mau hier »icht; da« scheint bei den hiesigen zwei Restaurateure« eine gemiedene Dreieinigkeit zu sei«. Anch hinsichtlich de« sadbathltchen Gottesdienste« herrscht hi« eine Unregelmtßigkeft und Unordnung, wie in keinem and«eu Eurorte; et« «nftändig«, bester fitnirt« Gast hüt« sich wohl, ei« zweite« Mal wtederzukommeu..