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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 31. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 31.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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248 I» Emmen, i» Orkane». 2 Mit kräftige» Organe» All dem», die da plane», Luch zu erfrrn'n, ein Hoch >j WWetthin'erscholl da» Hoch aus^den jugendlichen Kehlen. Gesang, D»nz und Spiel in dem herrlichen nahen Walde ergötzt« die kleine und die größere Gesellschaft; die Eltern weideten sich an der Freude ihrer Kinder. Man entschloß sich nur schwer zum Aufbruch; hatte man doch, wie Allen vom Gesicht zu lesen war, einen gemäthlichern Ausflug wohl noch nicht gemacht.» P& Hkvsen» 23. Juli. (Oc.-Corr.)^ßDer verewigte'!6r. Philipp Werner, dem diese Zeilen gelten, gehörte zu den immer seltener werdenden, ja jetzt säst vereinzelt dastehenden Erscheinungen, welche mit bedeutende« modernen Wissen eine geradezu staunrnswerth« Kenntniß der jüdischen Geisteiwelt, besonder« de« Talmud«, in stch vereinen, und welche diese idealen Schätze nicht „als Pflug benützen, um damit zu graben.- — Geboren in Deutsch-Crone im Jahre 1822 wurde der Entschlafene am Beginn seine« Jünglingsalter« von seinen gotteSfürchtigen Eltern zu dm Rabbinrn von Schvnlank« und Jnowrazlaw geschickt, damt er dort auf dem Gebiete de« Talmud stch heimisch mache. Bald jedoch erwachte in ihm da« Streben nach allgemeiner Bildung. Er verließ die Meister des Talmud«, ging nach Breslau und Berlin und bei seiner ganz hervorragenden geistigen Begabung gelang es ihm bald, die Reife für die Universität zu erhalten und dort den akademischen Studim stch zu widmen. Die Lhorah aber blieb ihm stet« die Königin aller Wissenschaften, die Sonne, von der seine anderen geistigen Bestrebungen ihr Licht erhielten. Wohl hatte er sich wie kaum ein zweiter die Kenntniß errungen, um al« moderner Rabbiner de« Amte« wallen zu können; wohl hatten seine hervorragenden.Lehrer ihm wiederholt schon in jungen Jahrm die Fähigkeit zuerkannt, ein Lehrer in Israel sein zu könnm; aber des verstorbenen Wille war es, unabhängig von allen Berufssorgm nur in den reinen Höhen des Denken» und Forschen« zu leben. Al« wohlhabmder, unabhängiger Gelehrter versammelte er in Posm, wo er sich niedergelassen, gleichstrebmdc Gesinnung».?mosten um sich. Da sah man ihn nur bei den Folianten, a bewundene man jene rührenden Freuden» mit denen er die Lösung irgend eine« talmudiscken oder exegetischen Problem« begrüßte. Der „Hamagia“ und andere Zen» schriftrn enthielten oft größere Abhandlungen, die au« seiner Feder stammten. Biele« liegt noch ungedruckt in seinem!ästigen Rachlaste. Am Ende seines Leben« zog er sich auf ein Gut Neuvorwerk bei Obornik zurück. Dort konnte er ouck seinem tief ausgeprägten Sinn für Natur Nahrung gewähren, aber auch dort vergaß er nie, neben dem irdischen Boden den himmlischen bebauen. Bon seinen Feldern zurückgekehrt, weilte er m seiner Bibliothek lernend und lehrend. Seiner religiösen Gesinnung nach war er durchaus konservativ. Aber dabei verleugnet« er nirmal« die seinem S Gemüthrleben verwandte Duldsamkeit, und er nicht genug diejenigen in ihre Schranken weisen, welch« andere Richtungen mit unlauteren Mitteln bekämpften. Er hatte die traurige Gelegenheit, da« unjüdisch« Gebühren der zelotischen Orthodoxen kennen zu lernen, al« er am Sarge seine- Schwiegersohnes, de« Oberrabbiner« Dr. Holländer in Trier, stand urw wahrnahm, wie persönliche Jnteresten den Frieden der Gemeinde «nd die Ehre des Judenthums «utrrwühlen können, — Schwere körperlich« Leiden suchten diesen Gelehrten am End« seines Lebens heim. Die letzten Monate seines Dasein» verlebte er bei seinem Sohne. Herrn Rabb. Dr. Werner in Danzig, und starb im Seebade Zoppot am 17. Juli im Alter von 67 Jahre«. Im Tranerhausr gaben Her, Rabb. Dr. Münz ans Kempen »nd der Sohn des Verewigter. de« Schmerze Ausdruck. Fast di« gesammte Gemeinde Danzig begleitete den theurrn Tot« bis znm Bahnhöfe, von de» ans er nach Posen gebracht nmrd«, »« dort fein« letzte Ruhestätte zu finde». Hier anf de» Friedhofe, wosübst sich ein« hochansehulich« Bersammlnng emaefunde«, feierten der Gemeinderabbiner und der Sohn des Entschlafenen den Toten als den große« Talmid Ehochom, der alles in den Dienst der Thorah stellte. Da» Andenken de» Gerechten bleib« zu« Segen! — tts Viirnberg, 22. Juli, lieber die gestrig,! Beerdigung des AbgeordnrtenFrankenburger wird uns berichtet: Schon eine Stund« vor der festgesetzte» Zeit pilgerten Schaaren zu« israelitischen Friedhöfe, di« Pfrrdebahnwazen, welch« in dortiger Nähe vorbeifahren, waren überfüll,. Alle Stände, vom einfachsten Arbeiter dis zu den höchsten Beamten, waren vertreten, die städtischen Kollegien hatten fM, vollzählig eingesunden. viele Deputationen au« »erschierenen bairische« Städten waren anwesend. Dem Geistliche,^ Herrn Rabb. Dr. Ziemlich,*) folgten zuerst tzerr Oberbürgermeister Frh. v. Stromer, welcher den vom Prinzregenten durch eiuen Hofbedienstelen übersandten prachtvollen Ri, senkranz niederlegte, dann der 2. Schriftführn der Abgwrdnetenkammer, Herr Oberlandesgerichsrath Geiger aus München, welcher Ramm» de» Kammerpräsidiums sprach. Herr Dr. v. Schauß (der natioualliberale Führ«) sprach Namen« der vereinigten Linken im baierischen Landtage, er schilder:« Frankenburger als treum Vaterland«freund und «armen Freund de» Volkes, hob da» scharfsinnige Urtheil, die Milde und Gerechtigkeit des Dahingeschiedenen gegen Andersdenkende hervor und bemerkte, daß eine Sorge jetzt ausgesprochen werden müste: „Ob wohl Frankenburger je ersetzt werde?- Namens der Stadtgemrinde sprach Herr Bürgermeister v. Seiler, den einfachen, schlichten Sinn, dm lauteren Charakter, die treue Hingabe und Opferwilligkeit Frankenburger« hervorhebmd. Frh. v. Stauffenberg widmete dem Verllärten im Ramm der deutsch-freifinuigra Partei im Reiche und in Baiern einen »armen Nachruf. (Wolf Frankenburger war am 8. März 1827 in Unterfranken als Israelit geboren. Stach Besuch des Gymnasium- und der Univerfität zu Würzburg trat er in die anwaltliche Laufbahn und wurde 1861 Advocat in Nürnberg. Lald entsandte ihn das Vertrauen seiner Mitbürger in da» Gemeindecollegium, dem er bis zu seinem Tode ununterbrochen al« eifrig an den städtischen Angelegenheiten arbeitendes Mitglied angehörte, und 1869 ,« den bayerischen Landtag; jede Neuwahl in Nürnberg bruchte seitdem ihn wieder in die Kammer. Hier nahm er bald die hervorragend« Stelle ein, zu der ihn seine varlamenearischen Fähigkeiten berechtigten; später hat er lauge Zeit das Militärbudget als Referent zu behandeln gehabt und er war unbestritten eines der eifrigsten und sachkundigsten Mitglieder in allen finanziellen und staatsrechtlichen Fragen. 1874—1878 vertrat er Nürnberg auch im Reichstagc; auch hier wußte man ihn allerseits hoch zu schätzen. Seine Güte und Liebenswürdigkeit, seine edle Begeisterung für Freiheit und BolkSreiht und das Vaterland nicht minder wie seine ausgezeichneten Eigenschaften als Politiker und Jurist werden Verlust diese» vortrefflichen Mannes die weitesten Kreise mit tiefem Schmerze empfinden lassen. — Also schreiben die Münchener „Neuesten Nachrichtenüber den Heimgegangenen; der „Frär kische Kurierenthält einen ausführlichen Bericht über da» Leichenbegängniß, au» dem wir Manche» noch nachtragen w!rden. Red.) Oesterretch-Ungar«. N. #«* Ananrn. 21. Juli. (Or-Corr.) Da» Gebet Mose's: „Möchte doch der Gott der Geister für alles Fleisch einen Mann über die Gemeinde setzen (Numer. 27. 16)- ist iw buchstäblichen und materiellen Sinne vielen Gemeinden zum Brdürfniß ßcworden. Auch in der Hauptstadt unseres Lande« haben die silbischen Fleisch Hauer gegen di« voa der Pester Gemeind« «»geordneten Maßnahmen zur Wahrung der rituellen Pran» und Schlack,steuer Beschwerden «hoben, dir hoffentlich vollständig werde, beseitigt werden können, wen» zwischen der Religion des Magen» und des *)Sfc treffliche »rabrrdeidesselbech bringen wir in der nächste, Sh.(8.)

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