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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 31. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 31.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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erfreuliche Dat-m. Selbst »er mit der Rnhtuug Hilde*» hamer» absolut sich nicht befreunden kann, wird dennoch mit Genntzthuung erfahre», daß einige und fünfzig junge Leute in seiner Anstalt jüdische* Wffsm in sich anfnchmen. Mt Recht ist in der dem orthodoxen Seminar befreundete» Presse darauf aufmerlsam gemacht worden, daß fünf und vierzig Hörer de* Seminar* au» dem deutschen Reich« stamme«; die* ist ei» -seugniß, daß der religiöse Geist unter den Juden Deutschland* noch lebendig ist; e* hatte eine zeitlang den Anschein, d* seien die deutschen Gemeinden schon jetzt fast au*schlieflich auf die Rabbiner gewiesen, die ihrer Geburt nach dem österreichischen Nachbarstaat« angeh örten und daß in der Zukunft die» Verhältniß sich noch ungünstiger gestalten werde; in Ihrem Blatte ist mft Recht auf da* Un» natürlich« diese» Zustande» hingedeutet worden, daß besonder» in unserer Zer, in der der nationale Gedanke so sehr in den Vordergrund gerückt wird, der Rabbinerstaud durch Geburt und Erziehung einer andern Ration angehört, al» die Gemeinden; e» wäre auch ein trauriger Beweis religiöser Ermattung, wenn die deutschen Gemeinden, au» deren Mitte so viele Mdiecen, gerade zur Tbeologie ein so schwache* Kontingent stellen sollten, daß die Rabbiner au» dem Ausland bezogen werden müssen. Darum ist e» hocherfreulich, daß die» deutsche Rabbinerseminar jetzt auch hauptsächlich von Deutschen besucht wird; jeder dieser Jünglinge hat zudem einen Familienkrei-, der seine Fortschritte mit Aufmerksamkeit verfolgt und sich demnach, ich möchte sag"'' sch"" au* verwandtschaftlichen Rücksichten mft der Wissenschaft und der Mssion de» Judenthum» überhaupt beschäftigt. Auch da* Breslauer (seminar wftd jetzt zumerst von Deutschen besucht. So willkommen un« die jungen Leute au» Oesterreich und Rußland sind, die zu un* wandern, um, vom deutschen, vom wissenschaftlichen Geiste durchträukte jüdische Gelehrsamkeit zu gewinnen, noch wichtiger stnd un» die Einheimischen. — Dagegen scheinen un» dir Schlußfolgerungen, die die orthodoxe Presse au» einer andern, dem Bericht entnommenen Zahl zieht, sehr übertrieben. Herr Rabbiner Loh» in Berlin, selbst Lehrer am orthodoxen Seminar, hebt hervor, daß zwvlfhundert Namen derer in dem Berichte ausgezeichnet sind, die für da» Seminar gespendet haben und von diesen allen nimmt er an, daß sie auch der Richtung Hildesheimer» folgen, oder wie Lohn sagt, daß sie für da» Judenthum in seiner -ganzen unverkürzten traditionellen Ausgeprägtheit" rintreten. Herr Lohn kennt offenbar die Methode nicht» in der die Sammlungen für die» Seminar veranstaltet werden. Herr Hildesheimer senior ist ein Virtuose im Geldsamireln. Da ist kein Herz so hart, kein Geldschrank so eisern, vor diesem Virtuosen muß er sich öffnen; Herr H. hat dir ganze Dreistigkeit dessen, der nicht für sich sammelt, an seine guten Zwecke glaubt, und Erfahrung in dem Geschäfte besitzt. Wenn hier in Berlin in einer Familie, in der Herr H. etwa» zu erhaschen glaubt. Jemand stirbt, so weiß e» Herr H. oft so einzurichten, daß er sich noch, während die Leiche im Hause ist, al» seine« Theil nehmender einstellt; Herr H. ist eben nicht so engherzig, um nicht auch den Radikalen da» Verdienst zu gönnen, daß sie H.'* ftomme Werke fördere. Und vollend» in der Fremde. Leute, dft am Versöhnt ng-tage ihr Geschäft offen haben, ferner solche, die nur an den höchsten Feiertagen da* Gotteihau* aussuch««, endlich solche, die auf einem entschieden freisinnigen religiösen S undpuuft stehen, sind unter de» Spendenden, zum Theil, lorll sie sich de» Manne* nicht erwehren können, oder well st« nach dem Grundsatz handeln: wer die Hand ausstreckt, de« girb, oder auch well sie die Mittheilung jüdische« W ssen» im Seminar immerhin für ein Gute* halten, trotz de* bösen Sauerteige«, den dr« kampffroh« Orthodorie hiuznftigt. Die Zahl 1200 bedeutet als« nur, daß Herr $. gotteSfürchua und dreist ist und tapfer au viel« Thür« klopft. Vielleicht wäre e* würdiger, wenn die Vorau*schu»g de* Dr.*Lohn richtig wäre, daß nur die extreme Orthodoxie die Anstalt unterhielte, die ihr «»»schließlich dient. Jndeß, H. ist offenbar in Geldsachen freisinniger al» sein Mitarbeiter Lohn. <2* gftbt Männer in Deutschland. deren ganz« öffentlich« Stellung auf dem öffentliche» Bettel beruht, denen eine große Feuer»brunst oder ein« HungerSnoth so nothweudig ist, wie da* liebe Brod; wie viele schlichte Leute abonnften auf ein Blatt meist nur um in den Sammellisten ihren Rauren zu lesen. So niedrige Spekulation auf die Einfalt; solch triviale Lust, von sich reden zu machen, ohne etwa» zu leisten, ist Herrn Hildesheimer fern; er giebt und müht sich, daß Andere gebe». Aber feine Virtuosität besteht gerade darin, daß diese Andern hrrhalten müffen, auch wenn sie nicht seine Gesinnungsgenossen stnd. Die zwölfhundert, von denen Herr Lohn rühmend redet, find nicht immer Menschen. die zu H. holten, sondern oft nur solch«, die ihn nicht lo» werden konnten. Sein Talent im Geldsammeln ist dadurch nur um so gewaltiger. J. L. Merlin. (Or.-Lorr.) Kurz vor Beginn der jüngste» Ferien machten dir Zöglinge der ReligionKschille der Gemeinde Fne B’rith in Begleitung ihrer Lehrer und Eltern eine« Ausflug nach dem nahen Grün au. Unter den heiter« Klängen der Musik, ftohem Geplauder und dem lustig« Boranwehm zwei neuer Fahnen fuhren sie, wohl zweihundert an der Zahl, de« schönen Orte zu. Da» alle« hätte mich nickt bestimmt, dem Zuge unbemertt zu folgen, denn dergleichen bietet jcker SchulauSflug. Doch ich wollte mich von der Haltung der jüdischen Zöglinge dieser Religionsschule überzeugen, und da muß ich denn sagen, daß die Kieme» wie die Große» — unter diesen auch Vorsteher und Vertreter der Gemeinde — ihr Frohgefühl in einer Weis« kundgaben, daß ich mich innigft darüber fteute. Vor Grünau verließen alle die.Wagen, und Musicorp» und Fahnenträger voran zog man in den Ort hinein und machte in dem Garten eine* Gasthausl» Halt. Hier ersuchte der Herr Schulcommiffar Hirsch, der den Au«flug angeregt und arranairt hat, de» Dirigenten der Schule, Herrn Rabb. Dr. Kroner, zur Fahnenweihe an die Zöglinge eine kurze Ansprache zu halten. Alle schaarten sich in gespannter Erwartung um den Sprecher. Ich kann mir nicht versagen, die Worte de» Herrn Dr. Kroner, soweit sie mft noch dem Inhalte nach erinnerlich sind, hier mftzutheilen: sie kennzeichnm so recht den Geist, der in jener Schule herrscht: Lieb« ftinbrrt Hin Freund der Schuljugend, de« unser verehrtrr Schulrommiffar, Herr Hirsch, von dem Lerneifer und de« guten verholte» der «eisten unter «nch erzählte und de« er unser« Absicht mittheilte, in Gemeinschaft mit euch und euren lieben Angehörige» einen Ausflug zu mache», hat unserer Schule die beiden Fahne» geschenkt, die un« aus unser« Ausflug begleiten. Lin so liebreich dargebotcne» Geschenk weihen wir am beste» dadurch, daß wir Zweck und Bedeutung deflelben beherzigen. Di« Fahne ist zuvdrderst da« Ze che» de. Zusammengehörig kett derer, di« sich um sie schaarrn. Ihr seid Zöglinge derselbe» Lehranstalt, strebt all« »ach demselben Ziel, dem schönen Ziel edler Gesittung: so s,id ihr verelnt, seid »uch ihr — «a» aus der Fahnininschrist wetiht» leuchtet — B’n« B’rith, d. h. Bundesgenossen in de« «orte« teste« Sin» vergeb« da« niemal»! — «er einer Fahne folgt, muß ihre «hie wahren, must tapfer kämpfen und ringen. So sollt auch ihr tapfer, unablässig wacker ringen nach jenen hohe» lugenden, bte euch gelehrt «erde» in Hau« und Schule» ringen »ach der Ausbildung eu«S «eiste« un» «emüth«, vor allem durch Denken und Danke». (Schi» wurden hier dt« «orte de« Hohe» Liede«: .Sri» Panter über mir — blt Siebe* anaeknüvlt. £.) Wer sich topfet zeigt, trägt de« Sieg davon. Go möge auch «uch der schönste Sieg krönen: di« Freude eure« Herz««« über Dre« und gewissenhaste Pfllchtrisüllung, di« gusri'denhett eurer Alter», Lehrer und aller gute» Menschen mit «uch, in erster Sieih« der Boi st, her und Vertreter unserer Gemeind« B'a» B’rith, die a» eure» Fortschritten so wannen «ntheil nehme» Ihnen, sowie Alle«, dt« euer Schulfest gefördert, l»so»der« auch de« kinderft rundlichen Grschrnkgeber schuldet ihr Dank und de» sollt ihr durch wort und lhat bekunde». Q So weihet eure Fahaen, Dt« ernstlich euch ermahne», Z» wandel» a»s de» Bahne» Der Pflicht, gleich unsern Ahne».

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