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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 30. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 30.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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' Wir erinnern ferner daran, daß vir vor Jahren Kinder russischer und später auch rumänischer Emigranten über, nommr» hatten, um sie nach Absolvirung der Volksschule zu Handwerkern heranbilden zu lassen. Die G'sammtzahl dieser Knaben belief sich ursprünglich aus 214. Die in den "Jahren 1885/86 freigesprochenen Zöglinge wurden, wie be» kannt, ihren grüßtentheil» in Amerika lebenden Angehörigen zugeführt. Zu Beginn des Jahre- 1887 verblieben im Ganzen noch 77, von denen bi» heute 40 freigesprochen und sämmtlich gleichfall» ihren Eltern zugeschickt wurden, so daß der» zeit nur noch 37 Zöglinge sich in unserer Obhut befinden. Drei Jahre sind verflossen, seitdem wir den Versuch, jüdische Knaben zur Feldarbeit heranzuziehen, begannen. Wir haben damals eine größere Anzahl von Jünglingen ' im Alter von 18—18 Jahren aufgenomuun und bei Land» wirtheu untergebracht. Mehr denn sechzig Zöalinge haben die dreijährige Lehrzeit theilS bereit» durchg macht, theil» werden sie dieselbe in nächster Zeit vollendet haben. Die Berichte über diesen lauten befriedigend. Ihre Anstelligkeit und Intelligenz werden ebenso rühmend hervorgehobeir, wie ihr Fleiß und guter Wille, welche Eigenschaften auch von den christlichen Mitarbeitern und Nachbarn, mit denen sie im allerbesten Einvernehmen leben, anerkannt und gewürdigt werden. Da» von diesen Jünglingen gegebene gute Beispiel wirkt auch auf die Umgebung so anregend, daß jitzl Knaben, welcte früher die Feldarbeit scheuten, sich an un» mit der Bitte wenden, in die Zahl unserer Ackerzüglinge ausgenommen zu werden. — Auch im abgelaufenen Jahre hatten wir vielfach Veroulaffang, zahlreichen, zumeist au» Rußland, manchen auch au» Preußen ouSgewiesenen österreichischen Juden Hilfe zu leisten. Dieselben, zumcist au» Galizien, wurden, sobald die gepflogenen Recherchen ergaben, daß sie ohne irgend welche» eigene Verschulden einer wohlbegründeten, langjährigen Existenz verlustig geworden, von uu« nach Thuutichkeit unterstützt und über ihren Wunsch in ihre Hetmathgemeinden oder nach dem Auslände befördert. Ebenso haben wir unserer Filiale in Krakau größere Beiträge zur Verfügung gestellt, um die au» Rußland ausgewitseneu Familien direct in die Heimath befördern und ihre Nothlage erleichtern zu können. Auch für literarische Zwecke wurde ein namhafter Betrag verwendet. — So war da» Feld der Wiener Allianz im vergangenen Jahre ein reich gesegnete». Me», 12. Juli. (Nekrolog.) Elia» Karpele» wurde am 13. Juni 1822 zu Austetlitz in Mähren geboren, wo seine Ettern bei seinem Großvater, R. Gersou vuchheim, der auch der Lehrer de» Herrn Dr. Jellinek war, lebten. Er war der Sohn und Enkel hervorragender Rabbiner, die tu der Geschichte der mährischen Juden eine bedeutende Stellung iuue haben. Frühzeitig wurde er dem theologischer» Beruf gewidmet. Sein Vater, L a z a r K a r p e l e», der Sohn de» bekauuten BoSkowitzer Rabbiner«, K. Mose Karpele«, wurde später Rabbiuer tu Etwanowitz. Er wachte ihn zuerst mit dem Studium rabbiutscher und allgemeiner Wissenschaften vertraut. Später besuchte K. da» Gymnasium zu waag»Neustadel und Trentschm in Ungarn und mehrere berühmte Jeschtba's. Nachdem er von R. 8. Horowitz in Wien, Adr. Placzek in Boskowitz u. a. da» Raddinerdiplom «rhalteu hatte, legte er, berrü» zum Nachfolger seine» Vater» al» Rabbiner tu Eiwanowitz gewählt, die Examina in den philosophischen Studien an der Wiener Universität mit gutem Erfolge ab. In Eiwanowitz blieb K. 8 Jahre. Während dieser Zeit erschien seine erste Predigtsamwlung „Aseifath Amrim“ (Prag 1852), die allgemein von der Kritik günstig Nurtheilt wurde. 1854 wurde K. al» Rabbiuer nach Loscht» an Stelle de» sel. Abr. Neuda berufen, wo er 27 Jahre al» Rabbiner «mb Prediger, außerdem als Prediger au der k. k. Mäuuerstrafanstalt zu Mürau und al» Religionslehrer an der k. k. Realschule zu Mährisch-Neustadt gedeihlich «oirtte. Mit besonderer Vorliebe cultivirte er die Predigt, die er für den wichtigsten Theil de« moderueru Äadbinerberufe» hielt. Seine Gelegeuheitspredigtm haben auch i« der That allgemeinen Beifall und große Verbreitung gefunden. — Zuerst erschienen seine »TravnngSreden für alle Wochenabschuitte de» Jahre»- (Brest m 1870, zweite Auflage bas. 1885), sodann seine »Grabreden für alle Wochenabschnitte de» Jahre- (Breslau 1870, zweite Auflage Frankfurt a. M. bei I. Kauffmann 1889), sodann die »EonfirmationSreden- (Lrünn 1879) und schl eßlich »Sabbathredeu für die i»r. Jugend- (Breslau 1887), außerdem noch viele einzelne Predigten. K. war auch Mitarbeiter an mehreren jüdischen Zeitschriften und Kalendern. Im Jahre 1881 fiedelte er nach Wien über, wo er sich einen schönen und umfaffenden Wirkungskreis zu schaffen verstanden hat. Noch im selben Jahre wurde er zum Rabbiner de« Tempelgemeinde Wien und Margarethen gewählt; dann wurden ihm vom Vorstande der iSr. EultuSgemeinde di: Functionen al» Prediger beim Jugendgottesdienst, beim LonfirmationSunter» richt, beim iSr. Handwerkerverein, endlich nach dem Hmgang de» sel. I. ToneleS da» Amt eine» RabbinatSaffeffor» übertragen. Auch in Wien wußte fich S. dalt allgemeine Achtung und aufrichtige Sympathien zu erwerben, die ihn durch sein stille», arbeitsreiche» und mühevolle» Leben geleiteten. Alle, b:e ihn kannten, wußten seine Demuth und Bescheidenheit, seinen lauteren Charakter und sein reine» Herz zu schätzen. Mit einer umfaffenden talmudischen Gelehrsamkeit verband er reiche« allgemeine» Wisen und eine seltene Begabung für die Kanzelrede. Mit K. ist einer der Letzten von jenen Ersten dahingegangen, die zuerst mit der Fackel moderner Bildung in die enge mährische Judengasse hineingeleuchtet haben. Er war einer der ersten modern gebildeten Rabb ner in Mähren, eia Mann, dem sein Beruf sein Alle» war und blieb bi» au fein seliges Lebensende, der da» Amt de» Prediger» al» ein ideales betrachtete und mit Fleiß und Liebe pflegte, der Frömmigkeit, echte, ate, ungeheuchelte Frömmigkeit mit moderner Wissenschaft zu vereinigen wußte, und jene Toleranz in Lehre und Leben verkündete, die die Blüte de» modernen Lulturideal» ist. Sein Andenken wird unter un» ein gesegnete« bleiben! gk. Großbritannien. <£»Rbo«. (Der Schah von Persien.) Während seine» Aufenthalte« in London empfing der Schah eine Deputation de» „Board of Guardiansand der „Anglo- Jewiah Afl*cciation“, bestehend au« dm Herren: Lord Rothschild, Sir Julian Goldsmid.SirAlbertD.Sassoon. Sir I. Sebog Montefiore und Sir Rerben D. Sassoon, neben welchen die Herren Reo. A. Löwy uni Laut» Emanuel, Sekretair der beiden Körperschaften ebenfalls erschienen waren. Im Gefolge de» Schah'S befanden sich Prinz Mal com Kahn, perfischer Gesandter am Hofe von St. Jame», und andere hohe Würdenträger. Nachtem die Deputation durch den Letztgenannten vorgestellt worden war, überreichte Lord Rothschild eine in englischer und persischer Sprache geschriebene und mit einer Bordüre in dm persischen Farben eingefaßte Adreffe, deren Inhalt in dmtscher Uebersetzang ungefähr wie folgt lautet: »Den erhabene« und mächtigen Herrscher, den Schah von Persien, welchem der große und barmherzige Gott eine lange, friedensreiche und glückliche Regierung verleihen und deffen Thron er in den Herzen der Unlerthanen aller Seiner Reiche defestigm möge! Ew. Majestät wolle gestatten! Wir, die Vertreter der Inden de» britischm Reiche», haben dm sehnlichsten Wunsch, in Gemeinschaft mit allen Unter» thanen desselben, «veß Glauben» und Stande» sie auch sein mögen, Eurer Majestät den Au-druck uvserer lebhaftesten Freude über da» glückverheißende Ereizniß Allerhöchst deren zweitm Besuche» unseres Lande» au»zuspr,chen. Beseelt von dem Wunsche, da» soziale, moralische und intellectuelle Wohl unserer GlaubenSdrüder zu fördern, wagm wir e», un« an Ew. Majestät zu wende« und unserer Freud,: darüber Ausdruck zu gebm, daß wir nach einem Verlauf von 16 Jahrm

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