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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 30. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 30.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Mincha erlaub«, ein andermal. Der Besuch de» JugendgotteSdiensteS, besonder» der freiwillige, soll bedeutend nachlassen, zumal da d eser Gotte»dienst den Reiz der Neuheit verloren. Aber dir Coufirmation! Fragt doch die Confirmanden, die der corifirmirende Rabbiner selbst am wenigsten oder garnicht unterrichtet hat, dafür aber eine halbe Stunde mit mancherlei Redeblümcheu tracttrt, war gewisse Eltern zu Thränen rührt — diesen Eltern der höchste Grad, ja da» einzige wahrhafte Kennzeichen homiletischer Kunstfertigkeit — fragt die Confirmanden, ob sie Leben und Wirken der große« Männer und der eilen Frauen Israel», ob sie die Siistnlchre de» Judenthum» und die Bedeutung der heiligen Bräuche desselben kennen, und ihr werdet euch wundern; aber darüber werdet ihr euch dann nicht mehr wundern, daß gar viele Eltern eine große, unüberwindliche Abneigung gegen Confirmation und JugendgotteSdieast bekommen haben. Es muß zugegeben werden, daß der materialistische Zug der Zeit, das vöse Beispiel mancher nicht-jüdischen Kresse, und andere äußere Anlässe das jüdische Elternhaus ungünstig beeinflussen und so dm besseren ReligiouSschulen «tgegenarbeiten, oder diese doch keineswegs in ihren Bestrebungm fördern. Aber wie grringzählig sind die besserm jüdischen Religionsschulen Berlins, und wie wenige Zöglinge erreich« selbst in diesen, was ihnen noth thut! Wie da geholfen werten könnte? vor allem durch au'reichende materielle Förderung der bewährtm, durch Gründung neuer Anstalten, wo solche wirklich fehlen, und — last, not least — durch tüchtige Leitung und Beaufsichtigung sämmilicher Religion»' schulen. Freilich läßt man sich hier über manch« Religionsschulen von Zeit zu Zeit Bericht erstatten, ohne ind-ß zu fragm, ob der oder die Berichterstatter auch theoretisch und praktisch gebildete Schulmänner sind, ob sie, die Herren „Schulinspcctoren,- den Lehrern «öthigmfallS irgend welchm pädagogischen Rath zu ertheilm vermögen; man wähnt eben, jeder Rabbiner sei als solcher selbstverständlich auch Schulmann, obgleich manche Rabbiner ke ne Ahnung von moderner, fortgeichrinener Pädagogik habm und ihnen darin jeder Dorsschullehrer heutzutage überlegm ist und — obgleich man chrnilicherseits die Ansicht von dem selbstverständlich« Lehrgeschick der Pfarrer zu den überwunden« Standpunkten zählt- Man mißverstehe mich nicht: ich bin easschirden mehr für als gegm die Leitung »nd Beaufsichtigung der ReltgionS» schulen durch Rabbiner; nur müssen diese sich auch als Schulmänner in jeder Hinsicht bewährt haben, muff.« sie nicht allein Männer der Wissen schaft, sondern auch Männer des Lebens sein, das sie verklär«, aber nicht uniformirm soll-n; andernfalls schadm sie den Religionsschulen ungleich mehr, als sie ihnen nütz«. Zierst», 17. Juli. (Or.-Eorr.) Unter der Ueberschrist „Judentaufenbnngt „das Volkin der Nummer vom 18. d. M. einen Leitartikel, der die höchst sonderbare Eigenschaft har, daß wir Juden mit einigen Vorschlägen deffelbm vollständig einverstanden sein können. Der Verfasser meint, die evangelische Kirche dürfe nie darauf verzichtm, Person« semitischer Abstammung in chrer Mitte zu Hab«. Aber er empfiehlt größte Sorgfalt und Vorsicht bei der Aufnahme derselben. Einerseits wandten sich die Uebergetretmm schroff der liberal« Richtung zu; nun, dieser Schmerz de» Stückerschm Organ» braucht uu» nicht zu rühr«; andrerseits aber — und hier ist der Punkt, in welchem jeder Israelit dem „Vollbeipflichstn kann, erfolge der Uebertrttt sehr oft aus rein äußerlichen Gründ«. Wir sah«, „daß jüdische Referendare vom Gericht in Joppe und karrierter Hofe, die Akt« unter de« Arm zum Prediger H. gehen und al» .Christ«- wieder herauskamen.- Der rein äußerliche Uebertrrtt der Juden «Würdige die evangelisch« Kirrye und sollte nicht gestattet werdm. Der Verfasser des Leitartikels übersieht nur, daß der Ueberttitt in so gut wie all« Fäll« au» mehr oder minder verhüllten äußerlich« Rücksicht« erfolgt. Aber wm« wirklich einmal auch nur in einig« Fälle«, dem Wuusche de« Verfassers entsprechend, eine recht eklatant« Zurückweisung ehr» »nd stellungdsüchtiger Taufkandidat« stattfiadm wür^, s» könnte da» jedem Menschen von festerer Gesinnung, wefsi Glaub«» er auch sei, nur mst lebhafter Grnugthunng erfüll«. A»» Made». Der Vorstand de« Landesoerein» zur Erziehung iSrael. Waisen tm Großherzogth. Bad«, über dessen ersten Jahresbericht vor Kurzem au dieser Stelle berichtet wurde, hat ein Exemplar desselben auch au Seine Königliche Hoheit deu'Großherzog von Bade» gesandt und darauf au» dem Großh. Geheimen Eabinet <1. <L Karlsruhe, dm 12. Juli 1889, folgende« Schreiben erhalt«: „Dem Vorstand de» Landesverein» zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogthum Baden, zu Hände» de« Borsitzmden Herrn Rabbiner Dr. I. Eschelbacher in Bruchsal, sprechen wir für den mit unmittelbaree Vorlage vom 1. d. Mt», eingesaudtm ersten Jahresbericht de» Verein» im höchsten Aufträge dm Dank Seiner Königlichen Hoheit mit dem Anfügen au», daß Höchstdiefelbm mit großem Interesse von dem Jnhaft de» Bericht» Kmntniß genommen habe«. Seine Königliche Hoheit haben Sich gefrmt, daraus zu ersetz«, unter welchen glücklichen Umständen und mit welch reger Theilnahme da» mildthätige Unternehme« in'» Leben gerufm wurde. Höchstdieselben wünschen dem Laudesoerein zur Erziehung israel. Waisen im Großherzogthum Vadm besten Fortgang und segensreiche Wirksamkeit für alle Zukunft. I. V. v. iflaba." Oesterreich-Ungarn. Pi«. (Schluß von Rr. 28.) Auch in Betress de« zweiten Punktes, der Förderung de« Handwerk«, ist die Allianz in der angenehmen Lage, ein« befriedigende« Fortschritt zu verzeichnen. Dieselbe hat seit Anbeginn diesem Zweige ihrer Thätig. keit die verdiente Aufmerksamkeit gewidmet und war bestrebt, in jenen Gegenden, w» au« äußer« oder inneren Gründm da» Handwerk bei unser» Glaubensgenossen vernachläsfigt wurde, Lust und Liebe für dasselbe zu wecke» und die besonder» in Galizien vielfach mit Schwierigkeiten verbundene Unterbringung israel. Zöglinge bei Handwerke« «ach Mög. lichtest zu erleichtern. Zu diese« Zwecke hat dstselbe vor vier Jahr« der Bemstein-Stiftun» in Lemberg, welche dst Zuführung galizisch.jüdischer Knaben zum Handwerk au. strebt, eine namhafte jährliche Subvention auf vier Jahre bewilligt, um fie in die Lage zu versetz«, eine größere Au. zahl von Zöglluge« beim Handwerk unterzubringeu. E» find tm adgelaufeneu Jahre von den auf ihre Kost« heraugebildrt« HaudwerlSlehrling« dreizehn zu Gesell« freigesproch« worden. Jedenfalls ein schöne» Resultat. Eb«so gewährt dst hies. Allianz sest einer Reihe »o» Jahre» der Filiale tu Czernowitz eine jährliche Subvention von fl. 500, um au der dortigen Staat»gewerbeschule eine größere Anzahl jüdischer Zöglinge der Bukowina zu tüchtig« audwerkem heranbildm zu lass« und laut« dst officiell« «richte, sowohl iu Beziehung auf die Frequenz, al» auf dst Leistung« der Lehrlinge, von den« manche schon freigesproch« stud, andere bereit» in gefichert« Existeuz« fich befind«, wieder andere demnächst die Gewerbeschule absolvirt Hab« werde», sehr befriedigeud. Ferner hat dstselbe auch im abgelauf«« Jahre eine Anzahl von Stip«dieu j«m galizssch« Haudwerk-zvgliog« bewilligt, welche zur westerm Ausbildung und zur besser« Vervollkommnung in dem bereit« erlernt« Handwerke größere Städte aussnch« mußstn. Diese Zöglinge werd« hoffentlich, sobald fie ihr Ziel erreicht Hab«, in ihre Heimath wieder zurückkehr«, um fich in derselben nützlich zu machen. Ebmso wurde im Jahre 1888 dem hiesig« „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländisch« JSraelistneine Subo«twn von fl. 300, de« hiesig« „gegenseitigen israelitisch« Hilfsoerein für Ha«dw>rrkr und Kleingewerbetreibendefl. 200 und dem Centrasterein in Prag, welcher die Verbreitung des Handwerke» unter den JSraelistn in Böhm« fördert, eine Subvention von fl. 100 bewilligt. — Der Bericht fährt also fort:

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