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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 227 — Achtung und Ehrfurcht z» mingtn versuchen. Dam — «un beginnt da« Drama de» Lu,« und Trug» — e» ist amtlich erwiesen, daß der Rabbiner-Titel erschliche» «nd erlauft war. Besagter Herr .Rabbinerhatte nämlich »ährend seiner Seminarzeü eine reiche Wittwe in Valin kennen gelernt, der er »orredest, er sei al» Rabbiner »ach. der bar. Stadt der Provinz Posm berufen und nicht al« Lehrer und daraufhin bot er der Wittwe Herz und Hand an, die im stolzen Boraefühle, au» einer zwar reichen aber doch schlicht.« Frau X. nun mit einem Male $ur „$rau Rabbineroufzusieigen, ihn leirathete, und ihn dam« zu «nem vermögenden Manne matte. Al» die Frau in dem Wirkung»» Krise de» Herrn .R abbin er»- ankam, war sie natürlich arg -enttäuscht, denn ihr erträumte» Ideal war .nur ein gewöhn» lichrr Bolktschullehreran einer einklasstg'u jüdischen Schule in 2 Allein .wenn Frauen weinen-, so geschieht Manche», wovon sich .eure Schulwnäheit- Nicht» träumm läßt. Dllrch marktschreierisch« Unterstützung der Arme«, wa« ihm bei seinen reichen Mitteln nicht schwer wurde, durch größer« Einläufe bei den maßgekeaden Persönlichkeiten, sow'e -endlich durch gut gelernte Predigten unserer bedeutendsten Kanzelredner brachte er e» dahin, daß idm der Borstand und di« Repräsentanten für »sünshundeit Mark-, sag« und schreibe: Fünfhundert Mark jährlich dir Wahr» «rhmung rabbinischrr Funktionen übertrug, denn — und da» »rat au«schlaggkbend — e« war ja so außerordentlich billig, wenn auch späterhin da» Einkommen de» Herren Rabbiner» um ganze zweihundert Mark jährlich aufgebefsrrt wurde. — Nachdem der Herr Rabbiner nun einmal im Sattel saß, begann seine unselige Minierarbett in der Grmrinde. E» gelang dem Herren zwischen Bruder und Bruder, zwischen Vater und Sohn, zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn, durch seine Künste, Zank und Unfrieden und offene Feindschaft anzustisten, io daß die bi» dahin Kichliche Gemeind« in zwei offene Heerlager gespalten wurde. Und rigenthümlicher Weise waren gerade die bi» dahin Freisinnigen und noch heute sogrnannten .Freisinnigen-, zum größten Theist di« Anhänger diese« orthodoxen Herren. So unselig wie im Hause war auch sein Wirken in der Schule. Sr lehrte zum größten Theile Hebräisch und vernachlässigte darüber bte Bolk»schust, er lehrte die Kinder die haarsträubeudsten, unsinnigsten Dinim, Minhagim und Zeremonien, wie sie heutzutage nur noch in Südrußland oder .Halbastengeübt werden. So z. v. verbot er den Kindern am Sonnabend Kompat zu genießen, weil sie sonst beim Au», schütten desselben am Sabbat da« Tischtuch färben könnten, «r befahl ihnen, selbst für ihre Eltern am Sabbat nicht da» -Geringste zu tragen, lrhrte sie am Freitag Nachmittag beim Schulschlusse — in der öffentlichen Elementarschule — sich mit dem Gruße .Gut Schabbe»- zu verabschieden, nähte Freitag da» Taschentuch au den veinkleidern fest, um e» erst am Ausgange de» Sabbat» abzutrennen und wa» der» gleiche« kaum glaublich« Dinge «ehr find, that und lehrte er mü erschreckender Deutlichkeü und Nachdruck. Er veran» laßt« auch — ganz im Stile der Jünger da» Ignaz Loyola — di« Kinder zu gegenseitigen Beobachtungen und Anllagen bei chm — dem Herrn Rabbiner — fall» einer sich gegen dir von chm gelehrten vinirn und Minhtgim verging. — So lange der Herr Rabbiner nur dir Kanzel al« Lehrstätst für feine orchodoxen, unduldsamen und finsteren Ansichten benutzte, schwieg der vernünftige» leider aber nur sehr geringe und tntrUigeust Theil der Gemeinde. Al« der Herr Rabbiner rndeß auch seine Ansichten in die Schule trug, al» er auch da» Kindesalter mü seinen finsteren Lehren vergifte« wollte und, wie ein echter Zelot, selbst die zarte« Kind« gegen ihre eigenen Elter» zur Hilfe anrief, sie zum Ungehorsam gegen dieselben veranlaßte, da war sein Maß voll. Man wandt« sich mü aller Energie gegen diesen unseligen.Herrn .Rabbiner-, der statt sture» Berufe», Frieden zu erhalte», den Unfrieden in die Gemeinde hinein getragen hätte. Man fragte ihn zurrst «ach seiner Rabbrnatt-Qualifikation und obwohl der .Mann Gotte»- zweimal amtlich erklärte, vo« Dr. Hildesheimer diese Qualifikation zu bestreu, ohne dieselbe jemal» vorzuzrige«. ergab sich nach amtlicher Anfrage bei?}Rcn Dr. H.< daß der .Herr Rabbinernie mal» eine olch« Qualifikation von ihm erhalte« habe. — Hierauf erklärte der Herr .Rabbiner-, daß er von ritent Rabbiner in Mähren oder einem sonstigen Kronlaud« Oesterreich« «ine solch« Qualifikation erhalte» habe; diese Lmaltfikation wie» er auch vor. Allein r» ergab sich durch amtliche Anfrage« bei dem Oberhaupt« jene» obscuren Städtchen», daß der Au«steller de» Zeugnisse» allerding« dort lei«, aber nicht al» Rabbiner, sondern al» Lehrer de« Hebräische». — Durch gewiffe andere Maßregeln gelang «» auch den ferneren Nachwei» z» führen, daß jener Zeugniß.Au«steller gewerbsmäßig für Geld und gute Worte, manchmal auch ohne Geld, jedem beliebigen Titelsüchtigen, der ihn au« weiter Ferne darum angeht, ei« solche» Zeugnis, »»«stelle. Mü diesen erdrückende» Bewdsen und mit Hilfe de» Königlichen Krriaschulinspektor» gelang r» endlich, den Herrn Rabbiner zur Einreichung seine» Entlassung«gesuche« vom Schul- und Rabbinatsamte zu veranlafien. — Damit ist der erste Att diese» mode men Dramr'» zu Ende. — Nachdem die Stelle al» Lehrer, nicht al» Rabbiner ««»geschrieben und einer von den vielen Bewerbern gewählt war, erhält er von .befreundeter Hand- Zeituag»au»« schnitt« au« dem .Israelit-, anonyme Droh» und Schmäh« briefr, in welchen er dringend vor der Annahme der Stelle tu W. gewarnt wird. Der Herr läßt sich in'» Bockshorn jagen und lehnt die Stelle ab. — Boa welcher Seite solche Manipulationen in« Werk gesetzt waren, ist nicht schwer zu errathen. — Soweit der zweite «kt. Im dritten Ak'e wird endlich eia anhrtct Bewerber gewählt, der von vornherein erklärte, furchtlo» und offen den Kampf mit de« Drachen der Orthodoxie aufrehmeu zu wollen. Kaum ist indeß der neue Lehrer im Amt«, so beginnt die Partei de» unseligen .Herrn Rabbiner«- den Kampf mit den schwere« Waffen der Denunziation bei der Vorgesetzten Behörde Über Unregelmäßigkeiten ln Schule und Privatleben, Verdächtigungen und Verleumdungen allir Art, die sich natürlich bei auülichrr Untersuchung al» unwahr oder doch stark übertrieben, in Allem aber al» gruridlo» zum Einschreiten de» Gesetze» ergaben. Der betreffende Nachfolger, dem außerdem du beste« Zeugnisse über sein bisherige« Wirst« zur Seite stehen, sieht furchtlo» allen weistren «». griff« entgegen. Der .Herr Rabbineraler, der nun in B. ein moderne« Eheder gegründet hat, dec Manu, der gezvuugen war, in Folge erschlichener und erkaufter Zmgniffe m Folg« von amtlichen Erklärungen, die nachwei»ltch unwahr gewesen sind, sei« Amt aufzug' den, er hat die Fr-riheit, seit dem 1. Januar drret» drei Mal nach X. zu kommen, um in den Familien seiner «ü Blindheit geschlagenen Freund«, Leichen- und Trauirredrn zu halten und fernen Nachfolger in seinem Erwerbe, tu seiner Achtung, in seiner ganzen amtlich»« Wirksamkeit jjU schädigen und damit immer wieder von Neuem, den durch seine Entfernung mühsam wieder hrrgestellten Frirdm zu ftiirm und die aufgeregten Gemüth»r nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Da« im vierten Aste an gesetzlichen, rücksicht»- losen Mitteln aufg-weudet werde« «üd, um dem .Herr« Rabbinerda« Wirderkommen gründlich zu verleiden, da» soll den Lesern der .Wochenschriftnach Erreichung de» Ziele» eingehend berichtet werden; für heust dürsten die Mittheilungrn wohl genügend sein, um da» Blld eine» .orthodoxe« Musterrabbidarzustellen. — Bon der Verwaltung de» .Alstnhause» der deutsch-i»r. Gemeinde- Hierselbst ist ein Bericht erschienen, der dst Jahre 1887 u. 1888 umfaßt. Der Barstand befindet sich in der angmehmen Lage consttittre» zu können, daß die von ihm gehegten Hoffnungen und Wünsche sich rasch rrfüÄ haben und sämmtliche Zunmee mü Pfleglingen besetzt sind. Im Anfänge de» Jahre» 1887 befanden sich

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