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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 225 — Da« Sigffaifc der Erhebung ist falgeude«: Bo» den gesanonte» Zwm^sverprig'rnngen enffalln,: auf eigene« verschulde» der Besitzer.41,#6 '/• . freiwillig« ungünstige 4hrt«fibfTno$me . . . 19,56 , . Fomilienvei hältuisse unb Krankheit .... 10.00 , . aeschäfüiche Berhältniffe.6,73 . . Naturereignisse und Sirthschaftäunsälle. . . 6,18 . m die allgemein ungünstigeLage derLaudwirthschaft 5,92 . . unzweckmäßige Erbrrguliruug.5,72 . . Wuchern.Uebrrvortheiluug beimHandel 3,09 , „ sonstige Ursachen.0,86 , (£• ist ersichtlich, daß der Wucher zu den seltensten Ursachen der Zwangsversteigerung gehört, die Uebervor» ttzeilung beim Handel mag «st dem Wucher in manchen Fällen gleich bedeutend sein, e» dürste aber doch eine Reih« von 'Fällen au»scheideu, die unter di« Rnbrik »freiwillige ungünstig« GutSüberuahme" gehöre«. Ebenso interefiant ist auch du« Ergebuiß der bairischen und badischeu Statistik. 3n der bairischen Statistik werden al« die Haupt» «sacheu der a esammteu Zwangsversteigerungen landwirthschastlichm Anwesen» au« dem Jahr« 1886 augrgeben: SS&S?»«•/• •» Mangel an Sparsamkeit 1 99 9 Leichtsinn und Trunksucht / ----- * » » Wechsrlschuldm und l „ 7 Bürgschaft /.» 07 " GeschästSunkenntuiß ) Maugel au ArbeitSstäften . . . 4 3 , . , sab schlechte Bewirthschastung J versthlt« Speeulationen, I _ „ Bauwuth, Neubauten > 3.° « » -» Krankheit, hohes Alter, \ viehsterbm /.■ » » » Hagel, schlechte Ernte rc... 2,7 , . . Bröuögra«- oder Kreditlostgkeit \ 9 „ Mangel an Betriebskapital / ' ' » - ». f. w. und nur in 1,2'/, wird der Wucher al« die Hauptursache der Zwangsversteigerung bezeichnet. Die badische Statistik bezeichnet »au sämmtlichen ZwaugSverstetgernngeu de« Jahre« 1885 nur 1,9 Prozent als durch Ausbeutung der Unfähigkeit »der Nathlag« durch dritte herbeigeführt. Über 98 Proz ent der ZwangSverfteiger- «uge» al« durch andere Hauptursachen herbeigesührt. I» Preußen spreüll find während de« Rechnungsjahre« 1886/87 2835 Zwa»g«»ersteigeru»geu von lavd- »der farpwirthschastlicheu Grundstücke» bewirkt worden, hierbei erscheint der Wucher 29 «al al« alleinige Ursache, 140 «al al« Mttursache, zusammen tu 9,00 Pro», aller Zwang«»erstetgerunge». Am hänfigsteu begegnen wir ih» i» Bezirke Lasse?, wo er 5 bez». 25 mal, nächstde« in Marirnwerder, wo er 4 bez». 12 mal und in Gumbinnen, wo er 1 bez». 15 mal al« alleinig« bezw. Mitursache angegrbe» ist. von Interesse find aber auch die näheren Angabe» über die mit Wucher »usamwen wirkeude» Ursache». Da« statistische Büreau hebt »ä«lich Hervar, daß diese mitwirkende» Ursachen zumeist wtrthschaftliche oder perslultch« Untüchtigkrtt und sonstge selbstverschuldet« Ursachen, sodann augüustiger Lauf ober Mangel an Mittel« zur lieber- »ahme, geschäftlich« Berluste, verfehlte Spebllatioueu, Bauten, B«trird«et»rtchtu»»e» und unglücklich« Bürgschaft, Familienverhältniff« nnd Lrankheit, Wirthschastänufälle und Naturereignisse, nnzweckwütztge Srbregultrnng und di« schlechte allgemeine Lage der Landwirthschaft find. Inwieweit da noch der Wucher «itwirkt, ist freilich schwer frstzuftelleu; zu beacht«» ist aber, daß Wncher nnd Uebervorthetlnug im Handel nnter einer Rubrik find, sodaß nicht ei»«al bezügltch der angegebene, 29 Fülle erkennbar ist, inwieweit etgnnltch Wncher oder z» theurerGntsankanf vvrlticht. Daß letzterer in di« Rubrik «Wncher" zu setzen sei, muß erheblichsten Bedenke» unterliege». Bon de» 29 durch .Wucher und Uebt rvortheiluug im Handel" herbeigeführten Zwangsversteigerungen entfallen 2 Fälle ans Ostpreußen, 7 ans Wrstprrus«», 1 auk Branden» bnr,r. 1 auf Pommern. 2 auf Posen, 3 «>f Schlesien, 2 auf Schleswig-Holstein, 1 auf Hannover, 1 auf Westfalen, 7 auf Heften Nassau, 2 auf Rheinland; in de« Provinzen Sachsen und Hoheuzoller» ist kein einziger Fall ermittelt, in dem Wucher und Uebervoitheilung im Hmndel die alleinige Ursache der Zwangsversteigerung war. Ra tz der Größe der Grundstücke vertheilm sich die erwähnten i'9 Fälle wie folgt: Auf Gruudstücke bi« 8 Morgen entfallen 8 Fälle, von 8 Morgen bi« 40 Morgen 14 Fälle, von 40 Morgen bi- 200 Morgen 8 Fälle, von 200 Morgen «nd mehr 4 Fällst. In weichem Umfange Christen und in welchem Um» fange Juden an der Veranstaltung der Zwangsversteigerung betheiligt sind, ist aug den statistischen Tadelst n nicht ersichtlich. geridjte rrud Correspo«drn;e«. Deutschland. Wagdesnrg. Man schreibt uns au« Wien: E« wird die Leser ihre« gesch. Bl. sicherlich sehr interesfiren zu erfahren, daß man auch hier von Berlin au« den Versuch gemacht hat, di« sogen. .15 Sätze der jüd. Sittenlehre" al« de» Inhalt der Ethik de« Judeuthum» in alle Schulen «inzuführen, ja Herr Ritter Wilhelm v. Gultmann beantragte im Vorstände, daß dieselben jedem jüdisch:« Gebetbuch vorgedruckt werden sollte. Unser Vorstand verfuhr mit diesem Antrag sehr legal, er übersandte ihn den beiden Seelsorgern DDr. Jellinek und Güdemauu zur Begutachtung. Beide Herren wiesen da« Uujüdtsche und Gefährliche diese« Anträge« gutachtlich «ach. E« worden auch die betreffenden Nummern der .J«r. Wochenschrift" beigefügt, und der Antrag war damit beseitigt. So erlitten die Berliner Herren mit ihrer jüdischen Ethik in Wien eia glänzende« FiaSco. (Auch in Berlin und allen deutschen Gemeinden stad trotz der Unterschriften einiger überrumpelten Rabl iner die. 15 Sätze" in« Master gefallen. Die Gemriuden J«rm:l« lasten sich vom Ausschuß de« D. I. G. B. weder eine Glauben«» noch ein« Sitten lehre octrohiren — ne sutor nitro orepidam.) HIorN», im Juli. (Or.-Corr.) Die Wiener Antisemiten unternehmen offenbar einen Vorstoß gegen Berlin, um die sogenannte .Berliner Bewegung" wieder in Fluß zu bringen. Da« Hauptorgan der deutschen katholischen Presse, die .Germania", bringt antisemstische Artkel, die au« Wien datirt stad. In Wien marschiren bekanntlich die Judenfeinde in zwei Kolonnen, in einer demokratischen, und in einer klerckalen, und unleugbar ist die klerikale die gefährlichere, nicht weil sie, sei e« an Zahl oder an Bedeutung 3rer Führer hervorragt, aber man weiß, daß innerhalb der irche streng« Dite piin herrscht und daß kein katholischer Geistlicher wagen würde, gegen die Juden Fron« zu machen, wenn e« den Obern mißfiele. Der Kleru« aber ist die entscheidende Macht wenigsten« in dem Oesterreich die «seit« der Leitha. Ist e« ja bet un« im Norden ähnlich. Auch bei un« nährt sich der AutisemUi«mu« au« zwei Strömungen, Herr Böckel ist der Führer der Extrem-nationalen, die u it den Demokraten liebäugeln, Herr Stöcker der Führer her kirchlichen, der extremen protestantischen Orthodoxie. ü)agegea hat die katholische, die Centrumspartei, die Juden nicht ohne Wobl» wolle« behandelt. Windthorft und Reichenspergrr gaben den Ton an, beide find, soweit die« mit ihrer kirchlichpolUtschea Richtung vereinbar ist, liberale Männer, Reichensperger hat schon vor einigen dreißig Jahren den Amrag Wagraer'« ans Aufhebung de« Paragraph .12 der preußischen Verfassung, in der Landrath«kammer zu s falle gebracht und Windthorft hat in Hannover liberal regiert. Beide besaßen bisher Autorität genug, um die gegen die Jitden unfreundlichen Gefimmngen Schorlemer'v und viel« Anderer, die die Lraditioneu der Lirche auch nach dieser Richtung tu der Segkuwart pflegen wollten, zurückzuhalte o. In Preuße»

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