Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 28.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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220 — " - j#^'S'.“. : ■ .-•:< ^<'- Morgen de« Festtage« dnc neue Thora-Rolle mit prachtvoller Bekleidung und geschmückt mit eine« herrlichen, sehr werthvollen Silberschwuck. Sin« städtisch« Deputation überreichte die von Sr. Majestät, unsere« Kaiser und König gesandte EhejubiläumSmedaille, begleitet von einem Schreiben a»< dem Eivilkabivet. Um 3 Uhr Nachmittag fand unter zahlreicher Betheiliguug die Einsegnung de» Jubelpaare« und die Einweihung der Thora in dem Hause de« ältesten Sohne« desselben, Herrn Jakob Krause, wobei unsrr Lehrer und Prediger. Herr Sturmann, unter Zugrundelegung de« Texte« Psalm 71, 1, 5, 9, 16—18 eine herzergreifende Rede hielt, in welcher er Gott dankte für die Gnade, die ihm (dem Redner) zu Theil geworden, diesem gotteefürchligen Paare schon zum zweite« Male (vor 10 Jahren und heute) die Hände segnend onf das Haupt legen zu können. Nachdem die Thora-Rolle feierlichst noch der Synagoge gebracht und in die heUige Lade gestellt worden, versammelte» sich die Fest« genoffeu zu eineiu Souper, bei welchem heitere und ernste Tischreden abwechelteu. Hr. Krause spendete zu Ehren de« Tage« 100 Mk. den städtischen Armen, 100 Mk. dem jüdischen Frauenverein, je 100 Mk. den beiden hiesigen 2rei«waisenbäuseni, und den jüdischen Armen ansehnliche Gabe». A. St. Oe-erreich-Ilugara« Wie», den 1. Juli. (Kundmachung.) Der uuterzeichnete Borstand hatte am 1. März 1887 eia »allgemeine« Preisausschreiben" für ein aus zwei Theilen bestehende« Lehrbuch der Religionslehre für BolkS- und Bürgerschule«, sowie für Gymnastw und Realschule» erlassen. Infolge dieser PreitauSschreibung sind 8 Bewerbungen eingelangt, von denen eine vor der Entscheidung wieder zurückgezogen worden, ist. Die Prüfung über di« von den 7 Bewerbern übermittelten Manuskripte wurde von einer Jury vorgenommen, welche keine der «ingelaugten Arbeiten dem vorgeschriebrnen Programme gemäß, befunden hat. Die Rückstellung der im Sekretariate der israelitischen CultuSgemeiud« erliegenden Mavusceipte erfolgt an die hierzu Berechtigten täglich in den Amtsstunden von 9—12 Uhr. Der Borstand der iSrael. CultuSgemeinde. Me». Au« de« Jahresbericht über die Lriftuugen der hiesige« Israeli tischen Allianz für Oesterreich, diese« raftlo« schaffenden Bereiu«, entnehmen wir einige« über die Hauptwerke seiner ersprießlichen Thätigkeit; zunächst betreff« der Schulen in G aliz ien. »Wir dürfen" — heißt eS darin — »mit Seuugthuuug couftuliren, daß dieselben sowohl in Beziehung auf die Frequenz, al« auch hinsichtlich der Leistungen in stete«' r tschreiten begriffen find und daß die Zahl ihrer Fre w' und Förderer allruthalt eu in erfreulichster Weise zunim« E« zeigt sich überall bei unseren Schulgrüudungea in Galrzie», daß der Widerstand der der Jugendbildung rntgrgeuftrebendru Kreise, so hartnäckig er sich auch anfangs anläßt, mtt dem Augenblicke sich zu besänftigen anfäugt, wo man der Schule, von bereu Wirksamkeit der blinde Fanatismus da« Schlimmste befürchtet, ein wenig näher tritt und ihre Leistungen uvd Wohlthateu für die Jugend zu beobachten Gelegenheit findet. So kam e« denn auch, daß unsere Schulen in jenen Gegenden, in welche» sie vorurtheile und Anfeindung faudeo, sobald nur die ersten Wochen der Thätigkeit verfloffrn war»», anstatt ter anfänglichen Feindseligkeit, der größt« Sympathie begegneten «ud, selbst von den srühereu Gegnern unterstützt, sich unangefochten entwickeln komuen. Einen nicht zu uuterschätzendeu Erfolg hat diese« Eultnrwerk in Galizien in der jüngst'in Kolo me a erösfneten Schule zu verzeichnen. Seit Jahren hielt die Allianz ihr Augenmerk unausgesetzt auf diese Stadt gerichtet, iu welcher «tue große Zahl von schulpflichtigen Kiuderu theil« ohu« jeden Unterricht, theil« »ur bei jenem einseitigen und höchst nochdürftigenUnieriicht, welchen da« allgemein genugsam bekannte Eheder bietet, heranioachse». Wiederholt hatte di« Wiener Allianz »» Laufe der Jahre hier Berjuitze ungebahnt ,«b di« nachdrllck- - . lichste» Anregungen gegeben, da mau die Tragweite einerhier erstehenden Schule, welche di« Lichtstrahlen der Lilduug de» tu der Eultnr stark zurückgebliebenen Osten GalizteuSzu Theil werden lassen sollte, längst erkannt hatte. Endlich gelang e«. mit einer dorttgen wackeren und ansehnliche» - Schaar von Männern die Idee der Schulgrüuduug ou«zuführe», und heute ist die Schule iu Kolomea, nachdem fie manchen harten Widerstand glücklich überwuudeu, eine voll» eudete Thalsache. ,Bemerken«wertb ist, daß. während unsere Filiale i» Kolomea und wir mit ihr im Hinblick auf die gegen dir j Gründung der Schule sich geltend machende starke L)pp»sttto» ft anfangs nur eine geringe Beihetliguug von Seite der faualifirtea jüdischen Bevölkerung erwarteten und darauf gefaßt: 7 waren, daß zunächst da« Schullocal theilweise uobenützt bleiben werde, der Audraug bei der Anmeldung «in so bedrutendrr war, daß schon am zweite» Tage mit den Etnschret^ bungen innegehalten »erden mußte, nachdem für »eitere.-v, Aufnahmen kein Platz in "den Schullocalitätr» mehr vor- - Hand«» war. Im Ganzen konnten 208 Knaben aufgenommeuwerden; die übrigen mußte» abgewiesen und deren Aufnahme bi« zum nächsten Semester verschoben werden. Außer de» zum großen Theil von un« erhaltene«». Schulen haben wir auch im abgelaufenen Jahre einer größere» Anzahl galizischer Gemeinden entsprechende Subventionen zur- Förderuvg de« Schulwesen« gewährt. Zur Beförderung eine« Nachwuchses von tüchtigen, gebildeten Religiou«lehrern für Galizien, haben wir. auch im abgrlaufeueu Jahre eine Anzahl von Stipendien an strebsame, dem Lehrfach« mit alle« Eifer sich widmende? golizische Jüugliuge verliehe», welch« theil« iu den Lentren;> ihrer Hetmatb, theil« im Ao«laude ihre Studien verfolgen, um nach deren Vollendung sich den GlaubeuSgenoffe» ihrer hetmathlichen Gemeinden, ivelche solcher geschulter Jugeud« ■ bittrer gar sehr bedürftig find, nützlich zu machen Wir haben aber nicht allein iu Galizien. soooern auch - V bei un« näherliegendru Gemeinden dem Religionsunterricht unser Augenmerk zugewendet, und indem wir solchen Ge» - > meinten, welche nicht in der Lage find, die Koste« dieses Unterrichte« ou« Eigenem zu bestreite», entsprechend« Sub- . veuttoue« gewähren, könne» wir e« mit Geuugthvung an«* sprechen, daß durch unsere moralischen Anregungen und materiellen Unterstützungen an so manchen öffeittlicheu Schule» -7 der Religionsunterricht für die israelittsche Jugeud eiugekührt , * wurde. Wir constatiren mit Freude, daß diese« Bstspiel bi» in die kleiusten österreichischen Gemeinde» anregend wirkt und . allenthalbrn da« Bedürsniß wachruft, den jüdisch,:» Schulkiuderu nicht blo« «inen privaten hebräische», sondern auch eine» öffentlichen Religionsunterricht zu ve» schaffe«. Daß wir diese heilsame Strömung nach Krästen zu fördern de- >7 müht find, brauchen wir nicht erst z« betonen. Ä Der Filiale Triest haben wir für eium dortigen Waisenknaben, der sich unter Leitung de« Herrn Odeiwabdiner« Melli zum Religiouslehrer heranbildtt, ei» Stipendium von 3 fl. 50 jährlich auf drei Jahre, dem hiesigen israelitischen Sludenteu-UnterstützungS-Bereiu auch t« abgrlaufenea Jahre fl. 300, dem Studenten-Unierstützuugs-Verein .Hmnanita«" . m Graz fl. 50 nud der hiesige» Tatwud-Thora-Schule in L Berücksichtigung ihrer momeutaue» Nothlage pro 1889/90- \ (ine Subvention von fl. 600 bewilligt. (Schluß folgt.) .3 Italien. ' / Nizza. Am 30. Mar starb i» Pari« Dr. Henry ■ \ Lippert, geboren in Leipzig im Juli 1825. Seit 30 L Jahre» wirkte derselbe in unserer Stadt als Arzt und wird sein Tod nicht nur von der jüdische« Gemeiade, faiita» auch £ vo» zahlreiche« nicht jüdischen Frenudeu und Patieateu aller - j Nattonalitäte», die er sich durch seine persönlich« Eigenschäfte» «den so sehr ak« durch seine große Kunst »«rbiudltch gemacht hatte, schmerzlich beklagt. Der Verstirb«!e studtrte mtt Auszeichuuug auf de» Untversitättu zu Leipzig, Paris- . «ud Hall« und prakttztrt« zuerst tu Hamburg, no er sich-j\