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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 27. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 27.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 211 — war auch eine grob« Anzahl von Meldungen eiagegangea. Rn» hatten wir bi»ha da« Glück gehabt, begabte und tüchtige Rabbiner an unserer Spitze zu habm, Rabbiner die heute sehr ehrenvolle und geachtete Stellungen einnehmea und an die wir noch heut« mit Stolz und Lieb« zurückdenken, — »arm daher in unfern Ansprüchen ziemlich verwöhnt und «ine ganze Reihe von Eandtdatm konnte unser« Beifall nicht finden. Dennoch waren wir keinen Augenblick im Zweifel, daß wir «* mit sehr ehrenwrrthen und charakterfesten Herren j« thun hatten, die nicht etwa nach unserer Stadt kamen, »eil sie da» Bedürfniß zu einer Vagnügungäressr oder Appetit nach pommerschen Gänsebiüstm hatten —, sie kamen mit der feste» Absicht, die vacante Stelle wirklich anzunehmen. — Ander« jedoch in zwei Killen. — Zwei sich all sehr fromm auSgrbende Herren Rabbiner und DDr.. senden ihre Meldungen ein und werden berufen. E« erscheint zuerst der «iue und wird von einem Borstandämitgliede am Bahnhof empfangen. Einen lustigen Gassenhauer trällernd entsteigt der fiomme Herr dem Zuge. Sri« Anzug ist sehr defekt, aber sein Humor ist ohne Tadel. Al« der fromme Herr am nächsten Morgen die Kanzel bestssgen sollte, fehlten ihm die vothwmdigstm Requisit« (Talar u. a.) eine» gotttägelehrtm Herrn, und mildthätige Hände müssen erst solche habeischaffm. — Von einer Wahl konnte natürlich nicht die Rede sein und die Gemeinde ist in ganz ungehöriger Wesse um einen namhafte» Bettag an Resseuukosten-Eatschüdigung geschädigt worden. Der andere gelehrte und ftomme Herr, dem auch erst «in alter Talor vom Synagogrnboden geholt werden mußte, um ihm da« äußere Ansehen eine« Prediger« zu verschaffen, predigte so leidlich. Dir Gemeinde durch viele und nicht unmer gute Predigten ermüdet, durch bedeutend« Reisekostm- Ensschädigung in ihrem Vermögen geschwächt, erklärt sich mit dem Eondidatev zufrieden und beschließt seine Wahl. Alle« athmet auf. »Vorbei ist die robbinrrlose, die schrecklich« Zeit.* — Da tritt etwa« ganz Unerwartete« rin. — Der sehr ehrenwerthe Herr Rabbiner erklärt: er denke vorläufig garnicht daran, die Stelle anzuvehmrn, er wäre «och zu einer Prodeprrdigt in einer größeren Gemeinde berufen und könnte vorläufig über nicht« entscheiden. — Da« ging selbst unfern biedern Pommern denn doch über den Spaß. Der Vorschlag der Repräsentanten, dem Herrn Rabbiner die Reisekosten vorzueathalten, wurde nur deßhalb nicht angenommen, weil gu befürchten war, daß er, ohne weitere Geldmitttl zur Rückreise, der Gemeinde «in öffentliche» Aergerniß bereiten würde. — Auch dieser fiomme Herr war also in der Absicht nach unsrem Ort gekommen, die eventuelle Wahl nicht anzunehmrn, unsere Gemeinde aber verlor wiederum eine Summe Geld und — einen Theil der Achtung für den Rabbinerstand. Welch«Bezeichnung für diese« Gebühren der fiomme» Herren anzuwenden ist, lass« ich dahin gestellt. Sache der Gemeind« wttd e« sein, für die Zukunft bei Berufirng vou Eandidaten sich dieser Vorfälle zu erinnern und Mittel und Wege zu ergreifen, um solch« Vorfälle unmöglich zu machen. — (La« mögen da« aber auch für Rabbiner sein, die dem ganzen Stand« so zur Unchre gereichen!) Zu» de« Pteg-Wa. Mdt 30. Juni. (Or.-Lor.) Eia eigenartiger Strike ist in Heröfeld auägebrochm. Sämmlliche Metzger dieser Stadt — die jüdischen ringsschlossen — Hab«, da» Koschaschlachteu eingestellt. Al« uärnltch dem dortigen Lehrer, der zugleich Schochei sst, «ne Gehaltserhöhung seilen« der Gemssud« verweigert wurde, suchte disser durch ein« höheren Schlachtprei« sein Einkommen zu verbsssern. Die Metzger waren auch bereit, diesen höheren Prei» zu zahl«,, doch wollte» sie dann eine bsstimmte Abgabe, die bi«her der Gemeint ekaffe zufloß, uicht »ehr enttichten. Al« bisse Ford«ung der Metzger jedoch von da Gemssud« abgelehut Umrd« und da Lehr« für de» alten Prei» uicht mehr schlachten wollte, stellte» sie da« rituell« Schlachten ganz ein. Wa in dies« Sach« nachgebai wird, sst noch nicht zu sagen; keinesfalls di« Metzger, da sie sich gegenseitig durch eine Hohe Eonveuttonalsttafi gedundeu haben. Zarütruß« i. M., 28. Juni. (Or^Iorrssp.) lieber Gründung eine« Landrsverssn« zur Erziehung i»cacL Waisen im Großh'r;ogthum Baden ist s. Z. in die>m Blättern berichtet worden. Gegeivärtig liegt da eiste Jahresbericht de« genannten Verssn« vo'. au« de« etwa folgende« auch für die Lsser da »Israel. Wochenschnftvo» Jntnesie sssn dürste. Da Verssn besitzt heute schon nach k>:um einem Jahre seine« Bsstehrn« rln Grundkapital von üba d eißigtausend Mark, dazu noch mehrae Stiftungen kommen und verfügt basst« jetzt üb r fsste Jabre«bssttäge im Betrage von sswa zehntausend Mark. Da Verssn gedenkt darum auch, obwohl die Hälite derselben statutengemäß dem Grundkapital zu dessen Vastärkimg zuzuschlagen sind, baldigst zchn Waisen in Pflege und Erziehung zu nehmen. Mit Recht hebt da« Vorwort havor, daß so unbsstritten den Einzelnen da» Badienst blssbrn soll, dm Verssn mit Schenkungen bi« zu tausmd und selbst zweitausend Mark bedacht zu habm, der Verein al« Ganze« nicht auf da Freigebigkeit Einzeln«, sondern auf da viel breitam Bast« der Gaben, groß und klein, wie sie von da g.oßen Masse da bi« etzt bssgetrssmen 140 badischen Gemeinden dem Verssn zuflich'.n, ausgebaut ist, ein Erfolg der gewiß eben so sehr da Rührigksst de« Vorstaude« wie da Opfnwilligksst da Geineindm zu vndankm ist. Oesterreich-Vugar«. gttus, (O«.-E.) Die Mängel unserer Ritual- Praxi«. In Rr. 19 und 20 da ,J«r. Wochenschnft" wird'üba den argen Differenzen zwischen miffmschastlicha Flssschbeschau und unsam rabbinsschen Gesetzen Klage geführt. Jedermann muß zugebm, daß di« Klagm berechtigt sind, dm» sie sind in da heillose« Mania da alten Lodssttatorm begründet. welche die Ueberlisserung nur mit diale:tsscher Pressung de« WorttS mtwicksst haben und an da« Pnncip, daß nur al« tödtlich kranke Thia traft» fein solle, vergaßen. Glücklichawssse trssm die Widersprüche. wssche im Gegmsatz« zu dm harschmdm hygimischm Anschauungen, ein Tht« für koscher nklärm, sehr selten, ich glaube na:: in, dem Falle von Palsucht (Tubamlose), i» BolkSmuude fälschlich für Siphyli« (Franzosen) gehalten, auf. Auch hi« ist übrigen« die Meinung kemeSweg« allgemein, daß da Gmuß solch« Kesschr« schädlich sss und die Tubamlose auf Rmsche» überttagm könne. Da« thierärztliche Verbot bsschränkt sich in Oesterrssch nur auf vorgsschrittme Lungm'äule oda Perlsucht. Etn solch« Fall wttd von ssnem gewiffmhastm Schacht« unbedingt für traft» erklärt wadei, müssm, denn asten« sst dtt Lunge »tt Tuberkeln, welche eine käsige, übelriechend« Masse enthalten, übasäss, und in Folge dessen nach d« von Jsak Alfaßi aufgsstrlltm, von dm »ssstm Decssorm getheiltm und in dm Schulchan Aruch (87,1) aufgrnoummm Entscheidung traft», woran e« nicht« Sudan konu, daß Mose« JfferÜ «in paar Autorität» zusammmgssest» hat, die da« für losch« erklär» und unsere Schechitah-Büiha gaade de» Mose« Jssal« ei« Unfehlbarkeit zasprechm, die a mit seiuem ttockrnm Ettatmkra« wäa »adimt, »och auc, nur gssoroat hat. Außerdem sollte da Schächta in dem Falle, wo auch nur da« Retz Spur« von Palsucht zeigt, die Eingeweide besonder« Milz und Ria», besichtig», welch:« in de» Falle sicherlich Tuberkel« zeigt, und a könnte da» selbst, trotz Mose« Jssal« «ach Jore Dm 43,2 und 44,2, besonder« auf Grund da Ensschssdung de« Ture Sa Hab (4 t, 8), da« Thia für traft» erklär», ohne selbst da Autorität de« Ohel Jizchak nahezutretm. Ich sssbst habe i» ssnem solch» Fall« vor Kurzem für traft» entschiede« und hatte bir Gamgthuung, daß da Thierarzt, welcher nachher da« Flsssch besichtigte, e« al« ungenießbar ronfiöeiale. I« Ganz» aber sind solche Fäll« gewiß sehr seltm, bingegm wird häufig bei den oft vorkouuwndm Berwachmngea einzrlna Lungenflügss mit ssnanda oda »tt de» Rippenfell dtt Serupnlofität sehr wett grtrirltt» und bringt uvuöthige Consiisse «tt dm Mssscha» Hervox. dtt auch, da

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