Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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in diesem Jahrhundert vom Judenthum abtrünnig geworden sind, wir konnten c» nicht verstehen, wie Bl. bei dem Abfall von Männern, die in Deutschland hochgrfeiert find, dem Prof. Delitzsch zurufm kann: .Du magst sie behalte», sie sind Dein eigen.- Wir sagten ,un» blutet da» Herz, wenn wir an die vielen ausgezeichneten Menschen denken, die dem Judenthum in diesem Jahrhundert den Rücken gekehrt haben und wir hoben aus der ungeheuren Schaar die Reander, Mendelssohn, Simsoo, Friedberg hervor. Gelten diese Männer nicht überall als ausgezeichnet? Gilt Mm» delssohn, der Komponist de» .Elias-, des .Paulus- und so vieler Psalmen, nicht in vielen Kreisen als .riefreligiö»-? Wir haben dm Abfall nicht entschuldigt, nicht vertheidigt, wir haben ihn tief beklagt mit den Worten .unS blutet da» Herz-, während j>rr Blummthal dabei gleichgiltig ist und schlechte Witze reißt, als .Du magst sie beyaltm, sie sind Dem eigen-. Und darum ist dies Blatt .ein Organ zum «chutz der getauften Juden-, währmd doch aus unfern Worten deutlich herauSzulesen war, daß wir fest und innig nach einem Schutze suchm gegen die Vermehrung derTaufm. Gegenüber eimm derartigen Thatbcstande ist das Wort .Du lügst-, wie ich glaube, kein Schimpfwort, sondrm nur der klare Ausdruck eines wirklichen Sachverhaltes. Wir habm auch nicht die Orthodoxen i« dem Sinne verantwortlich gemacht, als trügen sie allein die Schuld an dem ungeheurm Abfall; wir sagtm nur ein Gmnd (unter vielen ander«) ist die starre Gesetzlichkeit der Partei, zu der Bl. gehört und die der Herr schlechtweg so einfach und beschridm .daS grsetzeStreue Judenthumnennt. Auch sonst entstellt und verdreht Bl. den Sinn unserer Worte. Unsere Leser werdm an diesm paar Beispielen gmug habm. Herr Blummthal ist nicht der erste und wird nicht der letzte sein, der, wmn er bei einem Streite in's Unrecht kommt, zu schelten beginnt. Da er sogleich soviel Schimpfworte zur Hand hat, so ist es wahrscheinlich, daß er oft Unrecht hat und in der Berlegrnheit oft zu diesem Makel de» Schimpfen» greifen muß; er hat darin Routine. Jetzt wirst er un» freilich vor, wir hättm geschimpft; nun auch daS kommt vor, daß, wmn Zweie sich zanken, und der eine schreit, der andere gelaffen redet, der Lärmende dem Ruhigen die Frage in's Gesicht schleudert, warum er (der Ruhige) so schreit. Zu alledem »Jugend hat keine Tugmd-, und Herr Blummthal ist, wie wir aus seinem Schriftchm sogleich hrrauSgemerst haben unb wie uns nachträglich bestätigt worden ist, Herr Blummthal ist noch jung. Hoffentlich wird er mit dm Jahrm mmschlicher. Vor altem muß er sich die Unart de» Unwahrheitredms ab» gewöhnen — das ist eben keine» anständigm Menschm würdig, am wenigsten riues Rabbiners, der doch stets die Wahrheit zu verküudm hat. Aerll», 27. Juni. Eine seltme BeleidiguugSsache dürfte in nächster Zeit die Gerichte beschäftigm. Ein Berliner Kaufmann wurde von einem im Fürstmthum Rmß wohnmden Geschäftsfreunde beleidigt. Dm Berliner Kaufmann wollte dre Belerdigungsklage anstrmgm; ehe er die» aber chat, ließ er ihm durch seiuen Mandatar, Herm Rechtsanwalt Dr. Sello schreiben: er wolle von der Anstrmgung der Beleidigungsklage Abstand nrhwm, wenn der Beleidiger in einem an dm genannten Rechtsanwalt gerichteten Schreiben den Beleidigten um Verzeihung bitte. RechtSauwalt Dr. S ell o erhielt darauf aus Reuß einen Brüf etwa folgenden Inhalt»: .Ich würde dem Verlangen, Abbitte zu leistm, sehr gern mtsprochen habm, wmn der Mandatar meines Gegoers eia anständiger Rechtsanwalt wäre. Da Letzterer aber emJude ist, drffm Religion bereit» vorschreibt(l), Ander«, gläubige auf alle Art und Weise zu hiutergehm und zu betrügen, so muß ich da» an mich gestellte Ässinum wett von mir weise».- Herr Rechtsanwalt Dr. Sello, der Sohn de» verstordmm königl. Ober »Hofgärtner» in Potsdam, von zweifellos christlich-germanischer Hnkunft, hat sofort bei der königlichen Staatsanwaltschaft am Landgericht Berlin L den Antrag gestellt, gegen den chm vollständig unbelauutm Beleidiger rät Fürstmthum Reuß die Anklage wcgm Beleidigung seiner P«son zu erheb«. Die Staatsanwaltschaft hat jedoch dies« Antrag, »da die Angelegmheit kein öffentliche» Interesse erheische-, abgelehut. Rechtsanwalt Dr. Sello hat sich in Folge deffru osschwerdrführend an die OberstaatSanwaltschast gewandt. Kam»«», 28. Juni. (Or.-Eor.) Herr MarmS Nordheim, langjährige» Mitglied de» hiesigen Gemeinde-Vorstand», beabsichtigte am 26. da» Fest seiner goldmm Hochzest in Travemünde, wo seine leidmdr Gattin zur Kur weilt, im mgstm Kreise und in stiller Zurückgezogmheit zu feieru, wurde aber durch ein leichtes Unwohlsein gezwuugm, sein« Aufmchalt zur Kur in Teplch noch um einige Tage zu ver« langem und konnte dahcr die Bereinigung der Ehegattm an ihrem Ehrentage nicht stattfindm. Wenngleich die Jubilar« durch ihr Fembleibm von Hamburg den Ooationm, welche chnen voa vielen Seit« weifelSohne bereitet worden wärm, sich zu mtziehen suchtm, o konntm sie doch nicht verhiadem, dag ihnen solche auch in der Ferne zu theil wurdm. So ist ihnm vom dmtschm Kaiser die JubiläumS-Medaille, begleüet von einem huldvollm Schreib«, verlieh« und vom Bürgermeister Dr. Petersen ei» GratulationSschreibm zugegaagm. Die Mitglieder de» Vorstand» der Gemeinde hattm durch einm Beamt« eine in einer prachtvollen Mappe mthaltme Adresse, worin der vielen Brrdimste de» Herrn N. um die Jnstitutionm der Gemeinde rühmmd gedacht ist, überreichm laffm. Auch die Direktion der Töchterschule der Deutsch-JSraelitischen Gemeinde, für welche da» Ehepaar vor einig« Jahrm rin nme» Schulhau« hat erbau« laffm, übersandte eine Adresse. Nicht minder hat die Verwaltung de» .Nordheim'» Stift- (für Freiwohnuagm) dem Jubelpaare ihr« Huldigung« dargebracht und ebenso wurdm von anderm Institut«, sowie voa Verwandt« und Freund« Telegramme in Masse entsandt, die zum Theil »ach Teplitz, größtmtheil» aber nach Travemünde gerichtet wordm. Möge e» dem Paare vergöuut sein, noch eine lauge Reihe voa Jahrm vereint sich ihres Dasein» zu erfreu« und ferner Wohlthatm zu übm. — Die Abrechnung der Talmud-tor» (jetzt höhere Bürgerschule) wesst in chrcr RechnungSaufftrlluug vom 1. April 1888 bi« 31. März 1889 folgende Zahl« auf: In dm Eianahmm figurirm.Mk. 7200.— als Beitrag der Gememde sowie al» Schul- und Büchergeld.. 25477.80 für Zinsen find erhob« wordm .... „ 13806.63 an testamentarischen Renten.. 2766.75' für Geschenke sind eingegangm .... , 5993.10 aus Legaten.. 35 JO.— au jährlichen Beiträgen.. 2280.— Dagegen sind verausgabt wordm: Gehalte an 26 Lehrer ..Mk. 46981.05 sowie eine Pension.„ 8X0.— für Zins«.. 1543.30 die Oeconomir erforderte. . 2813.34 Anschaffung v. Büche« u. sonstig« Utmsllim , 4663.73 die Hausverwaltung beanspruchte.... „ 1721.10 u. für vrrschicdme Zwecke sind bezahlt wordm m 3922.13 Die Zahl der Schüler bttrug 544, vettheilt auf vierzehn Klaffm, worunter 5 Parallelklassen. |R* Sommer». 20. Juni. (Dofior.) Es sst tn diesem Blatte öfters Klage darüber geführt wordm, daß viele Gemeind« dm zur Probe berufmm Rabbinern oder Eantorm keine Reifekostm-Entschädigung gewähr«. Grstattm Sie mir einen klein« Beitrag, welcher die. Schattenseiten der principiellm Gewährung von Reismukostw-Ensschädiguug darlmen soll. In unserer Gemeinde L. war die Stelle eine» Rabbiner» vaeant geworden. Da vir volle Ressekostm entschädig«.