Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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!-• v; ' ■*-yw^: v v ~ *ot. eine •n^nnttec, die den anlgept>ca Typ»* der polnischen Abstammung, sicher «ehr al« ihr lieb ist, an sich trügt, noch »ehr deren Sprache sogar die innigste Gemeinschaft mit der de« gewöhnlichen polnischen Juden verräth. die sich durch da« besondere Gutturalisiren de« »ch* in »ich- und »«ich* kenntlich «acht. Diese Großmutter wehrte die Beschneidung von ihr,« Enkelsohne ab. Ist diese« nicht auch ein Zeichen der Zett? Und doch lautet ein Ausspruch im Talmud: „Alle J«raelrten find gläubig.* In der Zusammenstellung «ü dem eben Erzählten, müssen wir an den Aerger denken, den einst Heinrich Heine, wie er selbst erzählt, gehabt, al« er einen krummbeinigen Menschen sah und dab.n an die Behauptung Börne'« dachte, daß alle Menschen gleich seien. Wir nehmen ohne schmerzliche Rührung Abschied von unserer braven jüdischen Großmutter unb wenden un» zu den von der »Wochenschrift* gebrachten Artikel »lieber jüdische Studentenverbindungen*. — Der Verfasser desselben meint e« sicherlich gut, und wir wünschen, daß wir Biele derselben di Israel hätten. Allein wrr cheilen seine Furcht vor der Gefahr nicht, die un» Juden in der Zukunft au« dem antisemitischen „Deutschen Studentenverein* erwachs«! wird. Diese H«ren werden bereit« die Hörner ein wenig abgestoßen haben, wenn sie In da« praktische Leben tteten und kennen lernen werden, wie der Mensch mit dem Menschen zu leben habe.- Dir können G. s. D. constatiren, daß eine die«- bezügliche Vergiftung der Adschauuugen in den höheren Berufsständen seit der Zett, in welcher der Anttsemitiömu» En Unwesen treibt, noch nicht erfolgt ist. Wir habe« noch mer unpartheiische Richter, gewissenhafte Aerzte, friedliebende christliche Geistliche und tolerante, humane Lehrer an der Hochschule. Treitschke hat seinen Autisemititmu« nicht von der Universität «itgebracht: von wo er ihn hat, wird er selber am besten wissen. Daß übrigen« der Anttsemitiömu« sich zu überleben aufängt, hat un« der Autisemiteutag in Bochum gezeigt. Man will dem Judenhaß eine and«e Jacke «»ziehen, Die mit dem Kamen Anttsemitiömu« paßt nicht wehr, sie spannt und preßt in alle» Ecken und dann der — Schmutz — daraus! Da« Dentschth« m soll wiederum dazu herhallen. „Deutscher Sozialverein, Deutscher Bürgerverein, Deutscher Studentenverein* — klingt e« nicht, nenn mau in Deutschland von einem deutschen Verein reden hört, Janz so, al« ob man von einem »weißen Schimmel* spräche? kann etwa eine Verbindung von Deutschen in Deutschland, eine russische eine türkisch^ eine französische sein? Der Blödsinn, brr in dieser pomphaften Benennung auögedrückt liegt, springt in die Augen, wenn sie ander« nicht ein rlviuisttscher Kunstgriff ist, Absichten damit zu verhüllen, da« Auge der Oeffentlichkeit nicht vertragen können. — Dir Juden haben diesen versteckten Haß gegen un« ebensowenig zu fürchten, al« wie Deutschland von diese« herau«- aestrichenen Deutschthum etwa» Besondere« zu hoff« hat. Deutschland wird niemal« treuere Sühne aufzuweisen haben, al« e» im Jahre 1870 besessen, und doch gab e» vorher keine Deutsch« Social- und keine Deutschen Studentenvereine. Au Zusammenschließen de« jüdischen Aement« auf den Universitäten kann indeß schon den Sttctzen haben, daß da» jüdische Bewußtsein gewahrt bleibt. — Bon einer gänzlichen Assimilation, von eine« Ausgehen de« jüdischen Wesen» in eine Art von Koömopolüiömu» mögen diejenigen träumen, die Zweck und Bedeutung de« Judeuthu«» niemal« gekannt. Denn wir mtt unserem Leben und Streben, wenn wir mit allen dem, wa« zur Wahrung der vaterländischen ui>d gemeinschaftlichen Interessen dient, iu de« Kreise der Allgemeinheit stehen, so kann, so muß «au, wenn man balbuch gerecht sein will, die Sonderheit unserer Religion und Konfession un« darein geben. Der auch diese dabei fahren läßt, eört nicht «ehr zu den Unfern. Hier fängt daun jene jiunungölostgkeit an, von welcher jener Artikel spricht, »der die Demüthiguvg ganz recht ist, die ihr zu theil wird.* Indeß darf «an sich über diese« Buhlen nach der Gunst Auderögläubiger nicht wunder n, über diese« Buhlen mtt Verleugnung und Hintenanschuug eine« jüdischen Gefühl« — e« ist ein veraltete« Nebel im Bereit!-e de« jüdischen Gemeinwesen« und die vormakkabäische Zeit erzählt un« genugsam davon. Ane« thut un« dabei nur wehe, nämlich daß sich der Jude durch solche« Gebühren )a» Prädikat der Lächerlichkett erwirbt. Nein, den Borwurf der Selbstpersiflttung konnte man den Juden unserer Zeit biöher nicht machen — man hielt sie für zu klug und gewitzt dafür — allein jetzt haben wir in dieser Beziehung a» einem häßlichen Anhängsel zu schleppen, da» bei der eigen!« Berurthttlung, die e» in sich trägt, nicht selten unserem Judenthum auch Schmach und Schande bereitet. Gerichte tmfr Correfpouderrze«. Deutfchlund. Magdeburg. Wir erhalten folgend, Zuschrift: Herr Dr. Adolph Blumenthal veröffentlicht im »Israelit* eine Erwiderung auf den Leitartikel in Nr. 35 der »Jsr. Wochenschrift*. Da er die Angriffe, die wir gegen seinen »offenen Brief an Delitzsch* vorbrachten, nicht »urückweisen kann, so erwidert er iu dreiunddreißig Zeilen, daß er nicht« erwidern werde. Da« ist bequem und klingt erhaben. E« thut mir leid, daß Herr Dr. Blumenthal sich über den Artckel so empfindlich geärgert hat, noch mehr leid thut e» mir, daß er im Aerger sich Blößen giebt i;nb nicht bei der Wahrheit bleibt. Denn nicht um ihn zu verletzen, haben wir die Broschüre, die al» Recensionseremplar auf unser« Tische lag, besprochen, — ich kenne Herrn Blumenthal nicht und habe nicht den entferntesten Grund ihm unfreundlich zu begegnen — nur die Rücksicht auf die heilige Sache de» deutschen Judenthum«, besten Anwalt Delitzsch so oft gewesen ist, bestimmte un», den »vorlauten Jüngling* zurückzuweisen. Diesem höher» Zwecke gegenüber konnte die Sorge nicht von Belang sein, daß Herr Dr. Blumenthal in Zorn aerathen werde. Herr Dr. vlumenthal, der nicht nur ein schlechter Schriftsteller, sondern auch ein schlechter Gedankenleser ist, bezeichnet al« den Anlaß unsere« gegen ihn gerichteten Aufsätze» »die ohumächttge Duth* über seine Wahl zum Rabbiner von Ratibor. Iu Wahrheit lag sein Schriftchen schon mehrere Wochen bei mir, und gerade weil ich erfuhr, daß er in Ratibor sich un den Rabbinerposten bewerbe, wartete ich mit der Anzeige, bi» die Wahl erledigt war; ja al« rin, wie sich dann herauösttlltc, unbegründete« Gerücht später zu mtt drang, dtt Wahl de« Dr. Blumenthal sei noch nicht perfekt, wollte ich die Veröffentlichung de« schon gedruckten Artikel« noch binauöschiebeu. Herr Dr. Blumenthal verräth durch eine solche Insinuation nur die Niedrigkeit s.iner eigenen Gesinnung. Ich »wüthe nicht ohnmächtig* über seine Wahl, sondern gönne ihm jeden Erfolg, vorausgesetzt, daß er von der Unwahrheit läßt und dem Gegner nicht die Worte im Munde herumdreht; ich habe viele Stellen seine« Schriftchen» wörtlich citirt, um vem Leser, der Bl. Beochüre nicht kennt, ein selbsfftändige« Urthril zu ermöglichen. Schimpfen mag Bl. so viel er Lust hat, wcr verzeihen ihm Auödrücke wie »ohnmächtige Duth*, »ergötzliche Kläfsereien*, »Einfluß der Ju>rigluth*, »fehlerhafte« Sextanerdeutsch*-, »begeifert*, »in vollem Maße die tiefste unsägliche Verachtung*, »Frechheit e n*, nur unwahr sein soll er nicht, und er spricht die U u- Wahrheit» wenn er sagt, daß wir di: gekauften Juden tu Schutz genommen habm, wenn er diese» Blatt ein »Organ zum Schutz gelauster Juden* nennt, wenn er den Schein erweckt, al« ob wir da» ,gesetze«treue Judenthum* für dtt Taufen ausschließlich vnnmlwortttch machen. Warum hat de: Manu nicht die Stellen unsere« Artikel«, wegen deren er diese Borvürft erhebt, wörtlich citttt, wie wtt e« bei lh« gechan haben? Wir habm nur den Leichtsinn gerügt, mtt de» Bl. auf alle Diejenigen verzichtet, die