Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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übirlkbcn, dem ®tt alle ein lange« Leben «Knschen, schon um feine volle Bekchrnng zu erleben, die mit dem Urtheile über August Ne ander, den »rechten Israelitenbegonnen hat, ober noch mehr, weil un« Inden geboten ist, nnseren Feinden nicht« Böse« zu wünschen. (Spr. Sal. 20.22.) Da« Iudenthum allein ist übrigen« auch nach Herrn Stöcker'« Wollen sür da« evangelische Ehristenchum keine Gefahr, sondern cS wird eine solche erst durch seine Verbindung mit dem Unglauben. Iudenthum und Unglaube sind ihm etwa« Verwandte«, gerade so wie Umsturz und Sozialdemokeatie, denn er sagt: »Rom und die Sekten, Iudenthum und Unglaube, Umsturz und Sozialdemokratie, sind viel zu mächtig und gesammelt, al« daß da» protestilllische Franc» tireurthum dagegen etwa« auSriebten könnte. - Wir lassen e« dahingestellt, ob da« sogenannte protestantische Franctireurthum nicht doch geschlossener sei, als da« Iudenthum, welches weder eine Landeskirche, noch eine Synode, noch rin kgl. Consistorium besitzt, aber sind Judenchum und Unglaube identisch« Begriffe? Vielleicht deswegen, weil die Bekämpfer und Verächter der Religion au« dem Schooße de« Iudenthum« hervorgegangen sind? Run, David. Friedrich Strauh, welcher die Auffassung der christlichen Wundererzählungrn al« Mythen, d. h. al» zu geschichtlicher, Thrtsuchen umgebildete Ideen gelehrt hat, war nicht nur kein Jude, sondern ebenso Profeffor der protestantischen Theologie, wie Wellhausen, welcher dieselbe Methode auf da« Alte Testament angewendet hat. Alle Verkünder materialistischer Weltauffasiung wie Ernst Häckrl, Büchner und Feuerbach sind al« Christen erzogen worden, religionsfeindlich« Philosophen wir Dühring, der einen Ersatz der Religion durch Vollkommenere« erfunden haben will» oder v. Hartmann, der den Satz ausgesprochen hat: »Die Frage, wa« dem, eigentlich der unentstellte reine Kern de« Chrfftenthum« sei, ist gar nicht mehr zu beantworten, wenn e« sich nicht dabei Herausstellen soll, daß e« unchristliche» Rrformjudenthum ist-, diese Männer sind nicht nur keine Juden, sondern Antismuten, also GrsinnungSgenoffen de« Herrn Stöcker, von denen er sich in n'cht» unterschied, bi« die Eäcularfrier August Neander« in ihm den Gedanken »ecktr, daß auch die Apostel Juden gewesen seien. Nicht da« Iudenthum ist e», von welchem der sogenannte Unglaube in da« Christenthum hineingetragen wurde, sondern gerade umgekehrt; au» der ganz dem NationaliSmu« verfallenen christlichen Gesellschaft Berlin» am Ende de« vorigen Jahrhundert« wurde durch Vermittelung de« MendrlSsohn'- schru Kreise« der Unglaube in da« Judenchum hineingetragen, wo er um so leichter Wurzel faffen konnte, al« die Utilität chm da« Wort redete, di« dem Juden sagte: Wozu sollst Du Dir länger Iiürgerliche und gesellschaftliche Zurücksetzungen gefallen lasier,, nachdem Du Dich durch Deinen Uebertritt zu nicht» mehr verpflichtest, al« von dem Christenthum mit jener Gleichgiltigkeit zu denken, welche die große Mehrzahl der geborenen Christen gegen da« Christenthum erfüllt? Allerdin)» sagte den Juden eine innere Stimme: Du handelst auch dann unrecht, wenn Du dem Geviffen»zwange Vorschub leistest, statt, wie Deine fteistnnige llrberzenguug Dich lehrt, der Gewissensfreiheit zu« Siege zu verhelfen, Du handelst unrecht, indem Du die historische Bedeutung de« Judenthnm«, an dessen Entwtckclung-fähigkrit Du glaubst, verleugnest; Du sündigst gegen da« Andenken Deiner Bor» - fahren, welche um ihre« Glauben« willen die Beweis« der christlichen Lieb« am Schesterhanftn erfuhren, aber da« Ge» wiffen wurde übertönt durch die Stimme der niedrigsten Utilität, deren Stärkung die Antisemiten von Savigny angefangen bi« auf die heutigen Führer der Bewegung al« ihr Verdienst in Anspruch nchmen dürfen, die Stärkung der Jmmoralltät hüben und drüben. Diese Jmmoralität ist der wahre Unglaube, die Leugnung de« Glauben« an die talmodische Lehre: »Bon denen, die gekränkt werden, ohne zu kränken, die Beschimpfungen anhören, ohne sie zu erwidern, die uneigennützig Gute« thun und geduldig ihre Leiden ertragen, sagt die heil. Schrift (Richter 5): »Die Gott lieben, gleichen der Sonne in ihrer siegenden Macht.- (Sabbat 88 d). Würden aber dieselben Herren, welch« die Lchre vom chrisllichen Staat und vo"> der christlichen Gesellschaft predigen, die Ueberzeugnng verbreiten helfen, daß staatlich« und gesell« schäfte Rechte nur van der Erfüllung staatlicher und gesellschaftlicher Pflichten bedingt sind, würden auch sie die Lehre, daß da» Jud-wthum dem Christenchum ein Bunde«» genoffe gegen den Materialismus ist, so deutlich aussprechen wie da» neulich ein römischer Kirchsnfürst gethan hat, so würden sie ihre eigene Sach« fördern und erfahren den Segen de« Gotte-worte«: »Wer Gerechtigkeit säet, wird Wahrheit ernten - Mo«atSpla«derei. Bon M. S. Der Monat Siwan brachte un» da« Offenbarung-fest. Da» heilige Gut, da» ZSrael am Tag« der Gesetzgebung empfangen, hat der Menschheit den Glauben an einen einzigen Gott und der Gesellschaft da« Fundament zu chrem Siitrngesetz verliehen. Grund genug für den rinzänen J»raeltten de« Weiche« seiner Religion sich stet« bewußt zu bleiben und chrr Bedeutung zu würdigen. Allein, geschicht die« von allen Angehörigen de« Judenthum«? Haben sie sich die Ueberzeugung erworben, daß ein Angriff auf Juden und Judenchum nur der bösartigsten Berleumdung»sucht entspringen kann? Haben st« rin« Idee von der altgeschichtlichen Bedentnng tlpt» Volke«, welche «in Nichtjud«, der Abbt Lacordaire in seiner »Verherrlichung- J«ra«l« ausgesprochen hat? Rein, und um diese« zu beweisen, wollen vir einen Fall erzählen, den wir erlebt und der seiner Originalität «egen schon wiedrrgegeben zu werden verdient. Gin junge«, vermögendes, jüdische« Ehepaar wurde von Gott mit einem Söhnchen beschenkt. E» war da« erste Lind, da« chnen geboren wurde. Wenn nun diese« Ehepaar sich auch bereit« .. von den jüdischen Gesetzen insoweit emanizipirt hatte, daß *• c» nicht einmal am Bersöhnungdtagr di« Synagoge besuch«, j so stand doch zu rrwarttn, daß e« dennoch di« Beschneidung an seinem Sohne würde vollziehen lasten. Da aber geschah etwa» ganz Absondere». Die Großmutter de« Linde« kam und erhob Einspruch gegen die Beschneidung ihre« Enkel« ) mit der Bemerkung, daß da« Judenchum keine Bedeutung i mehr Hube und — »zu wa» da« Lind noch zeichnen?* Ja, die Großmutter war e»,- die diese« große Wott ge» lassen aussprach. Und wa» für eine Großmutter? Nttht etwa eine deren aristokratische Erscheinung, nt$t etwa eine. ■ ' deren Intelligenz, deren wissenschaftlich aufgeklärter Stand» j Punkt un« diesen Protest gegen da» erste und heiligst« Gesetz } de» Judenchum» einigermaßen erklärt hättt — sondern eine ' Großmutter, di« in Rußland« altjüdischen Lreiseu ihre Anschauung erlang», die die Schwiegertochter eine« Schächter« ist,