Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Stckdtbehörde» — Magistrat mb Einschämugskomoffsioa — strht da« Recht des Gteuerrrlaffrs zu. diese müsse, veranlaßt wndeu, humaa zu verfahre», und die Beamten aller Religiousgemeinde» in ihrer Stadt paritätisch zu behandeln. Eta auderer Ausweg wäre die-, daß die jüd. Gemeinden die Steuern ihrer Beamten auf ihre« Etat nähmen. Da« wäre eine Aufgabe de« Gemeiudebundrs. 5«rt«»«d, IS. Juni. In der Nr. 10 der hier erscheinende» .westfälischen Reform" vom 10. März d. I. erschien u. A. folgender Artikel: »Dorftseld. Der hirr bestehende Gesangverein »Konkordia", besten gib« Statute» tautet: »Ausbildung in, mehrstimmig« MInuergesaug und hieraus begriindete gesellig« verguüguug«', ist in der letzte» Lest, da e« im» an den geeigneten Stimmmitteln »angell», dazu übergeaang«, »ine» gemischt»» Ldor z» bilden. L« haben sich oeun auch berritmilllgft ein« stattlich« Anzahl Jungsrauea an» den teffere» Sididen Dmststld» gesunden, l« Verein« miizu- Mtrten, welche* höchst lobend auzuertenn«, ist. Leider sollen sich, wie «,» mttgethetli wird, auch einig« Jüdin,«» unter diese» junge» Dom« beiiude». Ob aber «in Juden-Schieksel eia deutsch«» Lied, von deutsche, Jungfrau«« »ad deutsche« Milnueru gesungen, durch ihr ott« Malische» Geplürr gerade drrschlnein Hilst, wollen wir hier »Icht »ulelsnihe», da wir nicht genug Fachmann find. Dock genug dien«». Am letzte» lleb»»g*at«»de hatte» sich acht Herren, dle de« Verein« beizutrete» wüaschten, einer vallotag« zu »nterwerseu. Unter diesen acht Herren waren zwei schwarzoelockte Judenjüuglinge «ine* bekannte» hiesigen viehhlndler*. Die sechs Deutsch« wurden, wie »a* «ttgitheilt wird, «iastimmig al« Mitglieder «ufgeaommeu. Rach, dem da» Resultat der vallotag», wie nicht ander» zu erwarten war, zu llagunften de« ersten junge» Juden au»gefall«u war, zog der «»wesend« Vertreter au» de« Stamme Sem, dem e« vor mehrere» Jahren «glückt ist, fich in de» Verein h^neinzudrilngeln, den Antrag «ns Ausoahme de» zweite» Juden schleunigst zurück. Sein Gesicht soll sich in einem so bedenkliche, Matze verlängert haben, dost er «»für gut brsaud, der versommlun» schmollend ohne eia Wort de» Ab chied» de« Rücke» zu kehren. St» .Vravoi' den deutsch«» Minner», bi« da» Wort de» terra LIebermanu von Gonueuberg fich zur Richtschnur genommen haben: Isoliert den Juden!' tzoffeniltch ist die» ei» kleiner Fingerzeig für dt« ander«, weiblichen so«« münnitchea Jude», um richt bald de» Vorstand« ihren Au»tritt anznzeige»; den» »ah die Jude« am liebste, von der »ehrsette ge» sehen werden, hat fich gestern Sbead auf da» eklatantest« herau»gest«llt. Ob e» für deutsche Jungfrauen übr geu» zu den Annehmlichkeit« gehört, in gesellschaftliche» Verkehr mit modern angezogenen Afioi-n zu trete» und mit dem Rachwuchs« «ine» Romadenvoike» da» »Deurich« Lied" zu pflegen, sür welche« dt» Fremdling« kein verpünbniß habe» kennen, «ud die fich vielleicht später damit brüste», .mir Haien aach dattsch« Lieder eingeübt', lasten wir dahingestellt. Mögen sich ander« verriur an der .Koakordia' ei« veispiel nehme,'. Der vorstehende Artikel bildete heute vor dem Schöffengericht den Untergrund zu einer Anklage wegen Beleidigung durch die Preffe, welche von den Brüdern Louis und David Rosen berg zu Dorstfeld gegen den verantwortlichen Redakteur der .Reform", Herrn Ed. Osten Hierselbst, angesstengt war. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, daß die beiden Kläger durch ihren Letter (Rosenberg srn. war bereits fett längerer Zeit Mitglied des Vereins .Konkordia") die Aufnahme in de« Bern» beantragt hatte». Bei der Kugelung wurde im erste» Gange die Aufnahme drS Louis Rosenberg abaelehot, worauf der Antragsteller das Aufaahmegeiuch bezüglich deS David Rosenberg zurückzog. Nachdem erschien nun der obige Artikel in de« hiesigen antisemitischen Blatte, wodurch die beidm Gebrüder Rosenberg sich beleidigt fühlten und die Anklage gegen Osten erhoben. Der Bochtzrnd« des Gesang, verein» .«»nkordia", Herr Westhoff zu Dorstfeld, betont« in seiner heutigen Vernehmung ausdrücklich, daß der Inhalt des Artikels sich nur gegen die beiden Rosenbergs richten könne, wie dies seiten» des Vereins sofort erkannt und auch sonst allgemein angenommen werde. Der Verein .Konkordia", habe sogar Stellung zu dem Artikel genommen und dessen Inhalt entschieden verurtheilt. Nach Schluß der Beweisaufnahme und nachdem der Gerichtshof längere Zeit berschen »batte, verkündete der Herr Präsident de» letzteren die Freisprechung des Angeklagten. In der Begründung diese» hob der Präsident hervor, daß der Artikel entschieden idtgung des Indenthums enthalt« und es nur «tma ermaßen zweifelhaft erscheinen käme, ob die beiden Rosenbergs sich beleidigt fühle« konnten und deshalb zur Stellung de» Strafantrag» berechtigt^ ^»esm seien. Vom juristtschea Standpunkte ans sei angenommen, das beide zur Stellung eines solchen »atragr« berechtigt gewesen und beide Kläger beleidigt worden seim, aber trotzdem dies alles vom juristischen Standpuntte aus anerkannt ward«, Hab« da» Gericht doch nicht für erwiesen anaenomarn. daß durch den Artikel die beiden Louis und David Rosenberg beleidigt worben seien. Der Hcre Präsident hebt dann mit Richdruck hervor, daß es da» Schöffengericht gewesen sei, w lches in diesem Sinne erkannt havc. Gegen das Urtheil wird seitens der Kläger die Leimung eingelegt werden. £»fa, 17. Juni. Eine erhebende Feier fand am Sonnabend, dem Todestage des hochsel. Kaisert Friedrich Nachmittag 5 Uhr in der hiesigen Synagoge statt. Außer den Mitgliedern der israrl. Gemeinde waren virle Damm und Herren aus der Stadt, auf besondere Einladung auch der Kriegerverein irr oorpor« mit der Fahne erschienen. Die Eulmer Liedertafel eröffnet« die Feier mit de« vurstimmigeu Choral: »Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren." Dann hielt Herr Rabbiner Dr. Guttman»!>ie Festrede über da» segmsreiche Wirken der beidm Kaiser Blilhelm und Friedrich. Hieran schloß fich der van der Liedertafel vorgetragene Ps. 21. Hierauf fand die Ueberuahrre der dem Andenken der beiden Kaiser ans Anregung des Herrn M. Simon gestifteten Gedenktafel statt, worauf di« Liedertafel zum Schluß die Motette: »Herr. Du mein Herrscher", tutouirte. Die Gedmklafel bedeckt eine Seitmwand neben dem Altar, sie war von einem mit Kornblumen verzier im Lorberrkranz umgeben und trägt folgende Inschrift: .Die im Leben hob und geliebt waren, sind auch i« Tod« nicht getrennt.' (3. Com. 1.33.) Dem Andenken der beiden hochjeligenMajestäten Kaste" W lkh« lm I. geb. te» 33. Mürz 1737, gest. den 9. Mir, 188«. Kaiser F riedrich Ul. geb. den 18. Oktober 1881, gest de» 15. Juni 1888 bei beide» erst« Herrscher de« neurrstradcnm deutschen Reiche», die durch Gotte» unersorschlichem Rathschluß In furym Zwischenraum ihrem Volke «triff« wurde». Aus jenen Gottbegnodet« ruhte der Seist der Weisheit und Einsicht, der «eist de» Ralhe» uud der Stürke, der Geist i« ErkennNüß »nd Gotte»surcht. Gleich au»gezeichnet al» Fürste» »nd »1» Mensch«, bewunderungswürdig im Stück und im Unglück, im Hendeln und im Leiden, haben fi« fich in dm Herz« aller Deutsch« ein ruorrgüagliche« Denkmal geschasst». Recht und Gerechtigkeit war» die Grundlage» chrer Herrschaft, Lstb« zum Volk« und zum vaterlani e die Stütz« ihre» Throne». Der Ausspruch Kaiser Wilhelm» »Ich >«b« kein« Zeit müde zu sei»' kennzeichnet sein hoch«» Pslichtbewufitsii» uud sein« erhob«« Auffoffang de» Regenteiberus». I» d« kSötte» Kaiser Fttedrtch» »Lerne leid«, ohne zu klag«' spiegelt fich ssiu Se^leuadel und sein« Duldergröh« wieder. Da» Andenk« an dl« 3 uzenden dieser Herrscher ist ein uuverlterbare» Erb« sür da» deutsch« Volk. Mög« ihr« Seelen im Reich« de» ewig« Fried«» d« Lohn sind«», der dm Fromm« und Gerechten verhtttzm ist! Eulm, dm 18. Juni 1889. Gewidmet der i»r. Gemeind« von de« Kraakm-Berpfiegung»- »nd Unterst ützuug«-verrt». ve-erreich-Uagar«. Me». Aus dem oberösterreichischm Baaemtag. der zu Wels am 1ö. d. R. abgehalten wurde, kam es zum offnen Bruch mit der antisemistschen Leitung. Als nämlich der Antisemit Traumüller die Redneltribüae betrat, wurde chm von allen Setten zugerufen: »Herunter mtt ihm, wir sind keine Judeufreffer. Ihr habt uu» betrogen, irregeführt." — Auch gegeu die beantragte Resolution des Antisemiten Schimmer erhob sich die Majorität erbittert. Bauer Stögermayer betritt die Tribüne urd weiß sich durch seine kräftige Stimme bald Gchür zr verschaffen. »Was hat der Bauer unter den Antisemiten zu suchen?" ruft er iu die Versammlung hinein. »Der Antisemit hat vor Allem de» Glundsetz, di« Leut« mit dea Drischflrgeln zu erschlage». Die Bau«ra habe« lange genug sich zum Narren halt« lasse». Die Antisemiten gchööm zur llmsturzpartei.