Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Erst »ritt über We Juden, tarnt über die Befitznchen, da»a kommt der Eommuntsmus. Mit so was wolle« di« Bauern nicht» zu «hu« habe«. (Lebhafte Zustimmung.) luf diese Partei muh die Regierung ein wachsame» Auge habm." (Erneu.rtrr, andauernder stürmischer Beifall.) In» Knzar», 20. Juni. (Or.-Corr.) Al» Meyer brer'S unvergängliche Oper »die Hugenotten" in Berlin zuerst auf» geführt worden war, c>rculirte dort der noch in der Gegenwart nicht vergessene Witz: .Richtjuden schlagen stch, und ei» Jude macht die Muflk dazu." Wie .vou den Brettern, welche die Welt bedeuten", kann man vou der Welt sagen, die nicht aus Brettern sich abspielt, sondern in Wirklichkeit in tragikomischer Weise sich giebt: der antisemitischen Welt. Bei der jüngsten Wehrg'sitzdebatte in üsterr. gesetz-? ebenden Körper hatte der auttsemst'sche Abgeordnete Türk o sehr den Ton der Vaterlandslosigkeit angeschlagen, daß dieser selbst sein« politisch-konfessionellen Glaubensgenossen Firgrl und Schnarf verletzt hatte, welch« nicht zugrim mochten, daß die Bunde»trru« Oesterreich» Deutschland gegenüber so laut und so unmotiviert verdächtigt werde. Für diese gesiouungitreue Gesinnungslosigkeit im antisemitischantiüsterreichischrn Firma — wurden nun die letztgenannten Abgeordnete« aus dem .deutsch-nationalm" Berem« heraus» komplimentirt. So haben sich denn die Antisemiten herumgrschlagen, die konfessionelle Harmonie ab»r bilden — di« Juden. — Können vir also unter deu obwaltenden Berhältnisien on zufrieden sein, daß in der Westhälste der üsterr.»ungar. onaichie der Antisemitismus im Erlöschen ist, so können wir uns in der ungarisch« Hälfte de» Reiche» freuen, daß im Hinblick auf Toleranz in Glaubentsachen bnd« Hälfte« de» Gesammtstaate» nicht sind: »zwei Seelen und ein Gedanke, zwei Herzen und ei« Schlag", vielmehr hier» zulande wie in den letzten siebziger Jahren, der Blüthezeit der Latkrr'schra Periode in Preußen-Deutschland, iS emr Freud« und G,re ist, ein Jude zu sein, in des Worte» edelsten Sinne. So hat der ehemalige Staat-minister, jetzt Obergespan des Preßburger Comitatr», Graf Zichy bei seinem Amtsantritte in Preßburg es ausdrücklich hervorgehoben, daß lrr in dilsem Grenz-Comitate über den Foitschrttt auf alle» Gebieten der Cuitvr und in olle« Bekennt» niffm ter Religion wache, und wurde Er zu diesem seinen polttischen GlaudruSb'krnntnisse vom Justizminister Szilagyi telegraphisch beglückwünscht. — In Fünfkircken gab der Bischof Oelaniky dem Nuntius Golimber zu Ehren ein Festmahl und erwangelte nicht, do4 Mitglied de» jüdischen Repräsentanten» Körper«, Joseph Engel de JLnost rinzuladrn, dessen Bater, ei« Großgrundbesitzer auf seinen Gütern eine katholische Schule errichtet hatte und das Patronat über eine katholisch« Kirche auSüb». Erfreut über die Bekanntschaft mit diesem wackeren Vertreter der jüd. Gemeinde drückte der Nuntins dem Vorgestellicn freundlich die Hand und bemerkte Folgendes: .Unsre Kirche sieht Ihrem Glauben keinesfalls feindlich gegenüber, da sie doch au« demselben dervorgiug und viele Bcruh.ungSpunkte, wie vre Bibel» die Propheten, Psalmen rc. wü demselben hat. Jede positiv« Religion ist dem Atheismus vorzuziehee, der die soziale Ordnung zerstört; daher solle« alle Coufessiouen einig sein uud friedlich nebeneinander wirken." Zum Schluffe der in französischer Sprache grpflogeueu Eonvrrsatio» bemerkte Galimbrrtr: .igersicheru Sie Ihre Glaubensgenossen meiner dauernden Synrpathim!" Alle liberalen Blätter de» Lande» reproduzirrn diese goldene« Worte de» hohen und ange» sehen«» Kircheofürstr« uüt besonderer Genugthuung. Die gesellschaftlich« Sttllnngder Jude» in Ungarn ist also gottlob ein« angesehene. Möchte nur die gesetzlich Swährlrrstele Gleichbrr^tignng aller Staatsbürger auch im tnblick auf Erlangung von Staatsämter«, zur vollen, schtonkeulose» Wahrheit werden: damit alle Angehörigen de» ivtmtte» durch gleiche Lebe zu diesem sich hingezogen fühlen, und der Staat Lttbe um Lirb« gm ähre«.,J Die» ist der einmüthige Wunsch aller Patrioten der ttnga»; rischen Lande! <■ d. fnllni, 21. Juni. (Or.»Lorr.) Der «minstallirtev ' Obergespan des Preßburger Comitatr» aab diese Woche eine Sotröe, zu der auch Herr Rabbiner Dr. David geladen!; wurde. Der Bürgermeister stellte denselben de« Obergespan * vor, der ihm die Hand reichte urud seine Freud« darüben ausdrückte, daß der Rabbiner erschienen sei. Auf der Soiräe , ttaf Herr Dr. David auch mtt dem Abgnndneten Pater - Komlossy zusammen, der sich ihm al» der .berüchtigte Antisemit" vorsttllte. Derselbe knüpfte mit dem Rabbiner ein i Gespräch über den Antisemit »um» an und meinte, die Juden, die sich noch immer nicht den Landesgesetzeu füge», 'beherrsche» Europa, besonders domiottr di« .Alliance" in Pari». Herr Dr. David blieb ihm die Antwort natürl ch nicht schuldig, und der große Kreis, der sich sofort um die beiden Diskn» tirrudeu bildete, stimmten deu Antworten deffrlben zu uud - brachten ans den Rabbiner ein .Esten" aus. Nachdem die- Anseinanderfttzung eine längere Weile gedauert hatte,- reichte der Geistliche de« jüdischm Prediger die Hand, sagte, daß er stch freute, einen so onstäudigea Juden mit solche« gebildeten Anschauungen kennen gelernt zu haben uud trank ihm, Champagner zu, während di« Umstehenden riefen, daß sich die beiden Herren küffen sollen. Hieraus entstand nun nach dem Berichte der hirsiaen Blätter da« Gerücht, di« best»«« Priester haben Brüderschaft getrunken uud einander geküßte Donnerstag, den 20. d^ hatte der neue Obergespan Graf Josef Zichy, Empfangstag und da erschien auch eine Deputation der i»r. Religionsg meinde unter Führung de» Rabbiner» Dr. David als Sprecher. Der Letztere hielt an dm Obergespan eine ungarische Ansprache, iu welcher er die Gefühle der Ergrbmhert zum Ausdruck brachte, dm Re» gieruugsvrrtteter um seinm Schutz und sei» Wohlwollen ffe die Gemeinde bat, hiuzufügmd. daß die Israel itm als ttene Bürger des Vaterlandes auch der für Eomitttt und Stadt eingesetzten oberstm Leitung stets mtt vollem Herzen ergebm sind. Seine Excellmz wintte freundlich uud zostimmmd dem Wortm de» Redner» zu uud sagte in sein:r Antwort, daß. er stch ganz dm Worten de» Nuntius Galimberti anschließe, die derselbe an dm Füuskirchnrr Borsteher Enzel de Jauost richtete und durch welche der hohe Kirchenfürst die feindlichen Angriffe auf die Judm veeurtheile. Er wüniche, daß ihn auch die jüdische Gemeinde iu seinen Aufgabm uud Arbeiten untersLtze und wiederhole, wa» er berrtt» i, seinm JnswllatlovSredm sagte: daß er keinen Unterschied der Confession und der Sprache kenne. Hierauf ertließ er die Deputation, jedem Mitglied« ders-lben freundlich die Hand bietmd. & sei hier erwähnt, daß die hiesige anttsemttlsche Zettung sich über dm rdel-moral schm Ausspruch de» Rmttiu» Galimberti, der in den Annalen der Gischichte verzeichnet werde« darf, sehr ärgert, bedauernd, daß di päpstliche Lertteter gerade jetzt die schön« Warte sprechm uiußtr, da der Autisemiti«mu» in schönster Eutwicklung begriffm sei. Da»- Hetzblatt scheint nicht zu wiffm, daß Gott gleich mtt der Wund« di« Heilung sendet. SraftHUtutUtt. <L»«dsn» im Juni. (Or.-Eorr.) In dm letzt« Wochen spielt« sich am Haupt,itze dr» Judenchum« iu England Eretgniffe ab. dir ein etwa» grelle» Licht auf di« hiestzen religiösen Verhältnisse werfen. Bekanntlich giebt es hier über ein Dutzend der sogmanutm Ehewroth, gebildet ton polnisch» deutsch« Mttzliedern. Durch dm Einfluß det» orthodoxeu ParlammtsmttgUede» Herrn Montag» sind vor einiger Zeit sämmttiche dieser klein« «ehilloch unter ein« Hat mtt de» Titel .Federation" gebracht worden. Daß der Sohn und präsumtive Nachfolger de» Herrn Obermbdiner» in London, Herr Dr. Hermann Adler, diese Bereinigung förderte, lugt iu der Natur der Sache. Cr gab sich bereit« der Hoffnung hay daß alle diese fromme» Bereinigung« ihn als den Obmhtrtm anerkenne» wllrde». Allein e» kam and,»». Du Mit-