Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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3 202 Vortrag» autkliugm (affen, nicht beffcr feine sittliche nnb geistige Höhe, oder Tiefe» bestimmen, als mit den Worten, mit welchen T. nach 5—6 malige« versprechen zn schließen, (was einem Gesinnungsgenossen schließlich sogar ein »Bravo" entlockte) nun wirklich seine 3stündige Rede schloß: »Mag man noch soviel faseln von Sleichberechtignug aller Bürger, mag man noch soviel daseln von »christlicher Nächstenliebe", wir haben nicht nur da« Recht, wir haben die Pflicht, weiter zu arbeiten, auf daß es bald recht schlecht stehe mit den jüdischen Fremdlingen, deren Ausstoßung an» unserer Mitte unser unentwegte» Ziel sein muß." Gut gebellt, -Ster! geridjte rmd Correspoudeufrrr. Deutschland. Magdeöurg, 23. Juni. Der anläßlich eine» Familien» feste» diese Woche hier weilende Herr Rabbiner Dr. Güdem a n n au» Wien hat in der »R. Fr. Pr." folgende schlagfertige Eiklärung erlassen: »In einem Berichte über den in Dresden abgehaltenen zehnten internationalen Thinschutz-Congreß in dem heutigen Morgenblatle der »Neuen Freim Presse" wird unter Ander« ein zur Annahme gelangter »Appell an die Regierungen aller Länder" mitgebheilt an dessen Schlüsse es heißt: »Endlich richten wir an olle I » r a e l i t e u die Bitte, sie mögen ihren Einfluß auf ihre ReligionSgenofsen aufbitten, damit die auch beim rituellen Schächten so dringend nöthige Reform angebahut und dtt Widerstand beseittgt werde, der von einem Theile ihrer Glaubensgenossen unseren Besttebuugen zur Hnbeisührung einet gesetzlichen Reform de» Schlachtbetriebe» entgegengesetzt wird." Dieser Appell ist durchaus nicht so?mrmlos, wie et auf den ersten Blick auSsieht, sondern hat eine durchaus nicht harmlose Vorgeschichte, welche mit wenigen Worten darzulegen Sie mir um so eher gestatten wnden, als e» nicht Ihre Absicht sein kann, antijüdischen Besttebungen, welche au» der Agitation gegen da» »Schächten" Capital schlagen können und auch bereit» zu schlagen net» sucht haben, Vorschub zu leisten. Bereits vor drei odtt öi« Jahren hat sich der Bttband de» Thierschutzvereiu» de» deutschen Reiche» au den deutschen Reichstag mit derselben Bitte geweudtt, durch Erlaß eine» Reichsgesetze» anzuordnen, »daß Schlachtthiere erst nach vorausgegangener Betäubung durch Blutmtziehung gttödttt wnden dürfen." Gegen diese Bitte, deren Gewährung da» rituelle Schlachten (Schächten) unmöglich gemacht haben würde, haben sämmtliche jüdischen Gnncindevorstäude de» deutschen Reiche» Bn- Wahrung eingelegt, au» welcher Thatsache hervorgeht, daß eS unnchtig ist, wen» iu dem obigen Appell behaupttt wird, daß nur von einem „Theile" der Israeliten den auf die Abfüllung de» »Schächttu»" gnichttten Bestrebungen der Thierschutzvtteine Widerstand entgegengesetzt wird. Dtt deutsche Reichstag hat die Bitte de» BnbaudeS dtt Thierschutzvtteine des deutschen Rttche» ab gewiesen, und zwar deswegen, weck mehr all» fünfzig deutsche, österreichische, französische, englische, dänische, schwedische, holländische und schweizerische Physiologe» und Thierärzte — uni« Anderen die Professoren Du Bois-Raymond, Gerlach, Birchow in Berlin, PolanSki und Fleischt von Marxow m Wien — in ihren Gutachten übereinstimmend, ohne eine einzige Ausnahme, «klärt haben, daß bei dem rituellen Schächten mir irgend einem Scheine de» Rechte» von »Thi«quäl«»i" nicht die Rede sein könne. We«halb nun ttotz dies« schwerwiegenden Zeugnisse d« Thierschmtz- Eougreß diese Angelegenheit wird« auf da» Tapet gebracht bat, ist um so schwer« einzusehen, al» die zahlreichen Borschristen zur Schonung d« Thiere von Männern wie Frichrich Bischer und Lecky al» ein vorzngSweise» Bttdienst de» Judenthum» anerkannt worden sind. Sie würden mich, He« Redacteur, durch die Aufnahme dies« Zeilen, mit welchen ich nur Ihren Lesern zur Bildung eine» objrctiven Unheil» über die Ansicht de« Thierschutz-Eouareffe» hinsichtlich de» »rituellen Schächten»" behilflich sein will, sehr vttbiudeu. Wien, 14. Juni 1889. Dr. M. Güdemauu, Rabbiner d« i»rael. SultuSgemeinde." Einem fulminanten Artikel de» Dr. Jellinek üb« denselbm Gegenstand: »Thierschutz und Antisemitismus" entnehmen wir folgenden PaffuS: »Ganz Europa wurde aus« tieffte «schüttnt, al» die Zeitungen Nachrichten brachten üb« die B«heerungen, welche Sturm und Fluch in Amnika angerichtet haben. Tausende von Mensche» fanden den Tod in dm rauschmdm Wrfferflulhen, Millioum Wttthe gingen zu Grunde. Jede» fühlende Mmscheuh«z «bebte durch diese Schreckenskunde, man beklagte und be» trauerte die Slt«n und »ind«. welche ihr Lebm in dm plötzlich h«anstürmeaden Fluchen vttlorm habm. Run dmn, die Berwüstungen de» Antisemitismus sind in ihrm Folgen noch schrecklicher und schaunlicher. Huudetttausende von Menschen v«lierm durch da» tolle Treidm und Tobm d« Anlisemitm ihr moralische» Leben und die höchsten Güter der Menschheit «erden von den Wellm de» Antisemitismus ruinitt. Alle moralischm Begriffe, Lehren und Grundsätze wnden in den Köpfen d««, welche von dm Anlisemitm aufgestachelt w«d.n, verwirtt und verwischt. E» giebt kein« Untnfchied mehr zwischen Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge, gut und böse; Alle» ist erlaubt gegen die Bekenn« de» Judenthum». Diese autisemitischm Ausschreitungen, Unterwühlungm, Ausbrüche und Zerstörungen wnden von Millionen Menschen kaltblütig mirangesehm und nur wenige rühren sich, um Dämme gegen die antisemitische tzochfluth aufzurichten. Thierschutz und AntlscmitiSmu», - diese beiden Worte reichm hin, um unsne Zeit der sond«barsten Gegensätze zu charocterisiren. Schlachtmasken für Thiere und Marterwerkzeuge für M e n s ch e n! — Thiere sollen in unser« Zeit menschlich, und Menschen wie wilde Thi«e behandelt mrdm." In den Psalmen (36, 7) heißt e»: »Menschen und Thierm hilfft Du, o Goti." DaS ist das Losungswort de» Judmthum». Er will Barmherzigkeit gegen Mmschm und Thi«e und gebot es zu ein« Zeit, als die Völker, denen die Vertreter de» ThierschutzeS angehöreu, noch nicht einmal de« Namen nach bekannt waren." TSerkin. Die für die jüdischen EultuSbeamtm so wichtige Frage d« Steuer-Immunität klätt sich immer mehr, leider im negativm Sinne. Eine jüngst vom Oberverwaltung»- g«icht getroffene Entscheidung läßt in sein« prinzipiellen Begründung nicht dm mindestm Zwnfel mehr. Die Baanlassung gab folgmder Fall: Der jüdische Lautor H. zu Krojanke wurde vou de« dortige« Magistrat für da» Halbjahr Oktober 1887 bi» März 1888 zu einer Gemeindesteuer von 8.SV M. heraagezoge». Rach fruchtlose« Liasprach «hob H. Klage mit dem Anträge aus gänzliche Kreilass uug von der Steuer, da er al» »Kirchendiener" gemäß 8 4 Abs. 12 der Städte» ordiurg vou deu persöalichen Gemeindeabgabea befreit sei. Dtt Bezirk»au»lch«ß zu Marterwerb« erkannte am 22. Januar d. I. ans Klageabweisung mit solgeuder Begründung: Wed« da« Gesetz «och da» örtliche Steuerregulativ stehen dem Ansprüche de» Kläger» zur »eite. Derselbe gehöre zunächst nicht zu de» Kirchendiener» u» Staue de» ö 4 a. a. O. Wenn auch die Vorsänger gemäß tz SvS A. L-N. II. 11 zu den niederen Kirchevbedienten gerechnet würde», so sei dort doch überall nur von den christliche» Religionögemeinschaste» die Rede. Stehe sonach dem Kläg« et» Anspruch aus völlige Stenerfteiheit zweifellos nicht zu, so könne derselbe ab« auch änderten» nicht etwa al» eia «itteibar« Staatsbeamter angesehen und ihm dieserhalb da» Privileg pierkannt werden, auf Grund de» Gesetze» vom 11. Jull 1822 »ud d« Labinetsordre vom 14. Mat 1882 Freilassung seine» halbe» Dieasteinkommev» zu beanspruche». Denn auch zu de» Beamte» ein« de» Elaate uutergeorduetea Corporation — § 68 ®. L-R. Q. 10 — S d« Kläg« nicht zu rechnen. Aus die Revision de» Kläger» detigte da» Oberverwaltuug-gericht IL Senat am 7. Mat d. I. diese Lntscheidung, indem e» i« Anschluß an die Ausführungen de» Vorderricht«« »och hervorhob, daß die Gyaagogengemelude» lediglich nur deghalb» well sie einer staatlichen Aussicht uuterworsea seiea, noch nicht zu den dem Staate untergeordneten Lorporattone» de« tz »S *. a. O. gezählt werden könnten Hiemach ist e» schade um Zeit und Mühe, strnerhin dm Beschwerdeweg «„Zuschlägen. Rur dm betreffend«