Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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,Mrsße «»tise«Msche v»Mvers«««lmr-!" Dies« Worte auf große« und kleinen, klebende« «ad fliegenden Blättern aug,kündigt zu sehe,». ist in Berlin nicht» NneS. Reu ist nur da» Auftreten de» österreichischen RrühSrathSabgeordneten Dr. Türk. Gestern am IS.d.M. sprach er im Südosten über >ntisr«iti»mu» mehr allgemein, heute i« Nordwesten über »dir Berjuduna Oesterreich», eine Warnung für Deutschland.- Run der große Stöcker schweigt, raun »och anderweitig Leben in di» Sach« gebracht werden; ich bemerke jedoch, r» ist k,ine christlich-soziale Bersamralung Stöckersch«r Richtung, sondern eine Reformer-, unverfälscht antisemüisch-notionalir »Deutscher" Männir-Bneinigung. in die sich der frdl. Lisir mit mir hineinwagm wolle. Roch ist e» zu früh; beobachten wir die Eintretenden. 8» find Bürgersleute, Handelsgchülfm, und in sehr großer Anzahl Studenten. Arbeiter sind kaum darunter^ Der .Reich»- Herold", Böcke!» Leiborgaa, liegt auf de« Tischen au»; zwischen den Reihen werden andere gefinnungStüchtige Blätter felgebolen; der Käufer sieht bisweilen erstaunt, daß er eine ganz alte Rr. bekommen Hot; aber darin steht ja auch von »Pleite", »Schacher" u. s. w.: da» llest man für 'neu Sechser mal imm r wieder mit »nationalem" Behagen. Auch an »Humor", ja an Kartenspielen für »Antisemiten" fehlt «» nicht. — Mit Jubel begrüßt — die Berliner Studenten kennen da» BeifallSgetrampel au» den Hörsälen — tritt der Held de« Tage« rin. Run hat er da» Wort. Er macht rme» guten Eindruck, einfach im Arußern, in Haltung und Gebahren, mtt wohlklingendem großen Organ, in treuherzigem »Wienerfch" beginnt rr »mit der Bemerkung, daß für sein mangelnde» Rrdaertalent seine UrberzroaungStrrue und GesionuugSfestigkett vollauf entschädige. Ein Heuchler scheint rr in der That nicht zu sein, weit eher ein Fanatiker und «in Fanattker für eine schlechte Sache. Daß der Antisemitismus eine gute Sache, eine berechtigte Sache sei, da» zu beweisen, gab sich der Herr Reichsrathrobgordnete keine sonderliche Mühe. »Ein böhmischer Abgeordneter hat zu sagen gewagt: Die Juden find unsere achtrnSwerthen StammiSgenosfeu, die ein Baterland mit unS habrn (allgemeiue» Pfui); verehrte Herren, ist da» nicht entsetzlich, «arrhört und weiter! bei uns sind alle Studenten, die nicht Juten sind, G. s. D. national und darum — va» bedingt sich — Anttsemite»;" — diese Stellen au« seiner Red« kennzeichnen den hierin recht klaren Standpunkt Türk« hinlänglich; der Anttsrmitiswu« ist ihm etwa« ganz und gar Selbstverständliche» und braucht nicht gerechtfertigt zu »erden. Der Redner schildert nun zunächst grau und grau, wie in Galizien Arbeiter, «ouern, Handwerker, Adlige unter dem Joch der allbefitzeade» und allmächtigen zahllosen Juden verkomme» und verschmachten, wie von 70 polnischen Abgeordneten zwar nur 2 Juden, aber alle — o Grau« — Philosemiteu seien, natürlich nur, weil ihr Geld in de» Händen der Jude», wie in Wie» da» Hau« Rothschild da» Herrscherhan» im Schatten stelle und durch sein Geld eine» chm mißliebigen Krieg lahm legen könne, wie nur 2 Rtchtjnden-Zeitnnge» in Vien beständen, wie der Aerzte», der Advokaten-, der Grlehrteustaud von Juden überschwemmt und — selbstverständlich — demoralifirt werde, wie an der UntnerfUät die frechen, vordrängertschrn Jude» den Ehriften dieGelegenheit zu lernen raubten — »hierebenso" erscholl bei diesen Stellen häufig au» bestimmten Ecken —, wie als »Haifische" im Sroßeu die Mischen Kapttalisteu, al» »JUiffe" vn Kleinen di« jüdische» Haustier da» Bott auSranbten — recht geschmackvoll« Bereicherungen de» «nttsemittsche» Schimpflexikou», »»geheuer belacht —: kurzum, indem er die Ber- Mn», Oesterretch-Ungaru» »statistisch" uachwetftn will, führt er ganz einfach all« Schäden, die in de« vielst aal igen Katferrrtch sich geltrnd machen, ,d sozial, ab polUisch. ans di« Schuld der Inden «tritt»; sei« Zuhörer Mnbe,'« ihm t» i» zer«; »a« bedav» da viel der Beweise? Den Kampf gwhchöt Slaventtzmn «ck Dmttfchthn« habe» nnr die Inden s, verbittert und verschärft, — wenn der Hirr RechtSrath«- abgevrdnete «al ein« ganze Weile über die Slave» gejammert hat, kommt plätzlich zu dem Sesammtnrthell wieder die Ergänzung: »Der Jude", diese Unv«rschämth«it der Juden — .So war denn die Reastiou gegen die Berjudung, der Antisemitismus in Oesterreich »ein Naturtrieb de» Bott«»". Aber nur auf nationale« lSoden darf der Antisemitismus stehen. Die Religion geliirtet Duldung, Nächstenliebe, und die wollen wir ja auch üben, aber de»Juden gegenüber müssen wir eine Ausnahme machen, da paßt allein der gesunde, echt nationale Eg riSmu«." Also: Die Religion können vir nicht auf unser Schild schreibe», «eil fie ja unser Streben verbietet; auch läßt fich mit ihr nicht alle« unter einen Hut bringe». »Nur auf nationalem Lode» könne» fich alle vereinig:o, Oesterreicher deutsche ReichSunterthane«, Reformer und tthristlichsoziale." Mit den letzteren in Oesterreich können die Nationalantisemite« nicht pattirre», weil sie nur »halbof ene" Antisrmitm find, auch zu de» Klerikalen hiuneigea. Dü: Klerikalen aber weist T. wegen dt« SchnlaulragS weit von sich, aber noch «ehr, weil ihr Führer, der große Aristokrat Liechtenstein — »ich habe r« selbst 100 mal gesehen" — Inden die Hände drückt l— Die Deutsch Liberalen sind ihm «ine Judendienerschaft, wie die Deutschsieifinnigen tu Deutschland; .unter Letzteren möchten zwar einige da« Jndeujoch abschütteln, aber der Eigennutz hält fie zurück." Bon Juterrffe ist nun noch der vergleich, den T. zwischen den Aussicht n d!« deutschen und de« österreichischen Antisemitismus zieht: »Wir find vorläufig »och in der Opposition, Sie, m. H., hoben da» Glück, immer regierungstreu sein zu können. Sie haben eine nationale Regierung, ein nationale« Herrsthrrhau»." Da« ist dem guten Mann gleichbedeutend mit Antisemiti«- wu». Aber die Regierung, meint er, kann, so gern fie möchte, nicht gesetzgeberisch Vorgehen, wenn Eie, da« Volk, ihr nicht de» Weg bahnen, ih, nicht die Bewegung eutgegentragen." Also, ist T. so unverfroren zu behaupten, die deutsche Regierung wartet nur darauf, vom Volk geschoben zu werden, um die Gleichberechtigung der Juden aufzuhebrn, um dir .Fremden" auti dem Lande zu vertreiben. E« ist »«möglich, alle sonderbaren »«sichten de« biederen Wiener« nnr zu streifen; er sprach nicht sehr geordnet bald davon, .daß die Deutsch-Nationalen fich ViSmarck gegenüber gern der Selbstkritik beg, bea", bald vom polnischen Adel, bald von der Alter«- und Invalidenversicherung — »r ist dafür, die Böckel'schen dagea warum? wissen wohl beide selber nicht —, bald vom ' .rr «Schönerer. Die Grichichte deffelben erzählt er in der rührendsten Weise: »Wa« hat Schönerer gethan? Er hat fich dem Dränge» seiner Ttschgevoffen nicht verschließe» könne» und hat fie in eine Judenredaktton begleitet, um der Entrüstung über die bekannte verfrühte Depesche — die« wird natürlich in der größte» und tendenziösesten Breite erzählt — Ausdruck zu geben; er hat noch gesagt: Aber Kinderchen, seid artig, »allerdings war e« Nacht, aber e« war doch »och offen, »allerdings kam e« auch zu einigea Nein«: An»e».a,d«rsetzuugen, aber e« war doch nicht so schlrmai." »ttuo nun muß ber arme Märtyrer 4 Monate in Srrkeruacht unschuldig leide», darf ö lange Jahre nicht mehr für da« Volk«wo hl wirke»; daß er seinen Adel verloren, darum ist er jetzt erst recht et» BolkSmaun" (stürmische« Bravo); man steht, T. versteht, alle» etwas zu gebe». Der vorfitzeude verlas daun auch zu « Schluß eine laug« ZusttwmungSadreffe an de» Edlen, die »eit über 1000 — e« werde» 600 gewesen sei» — deutsche Männer ihm übermittelten. Einmal sprach T. von estum Ausstand gegen jüdische Kanpente, wen» «ch nicht irre, in Kraka», io der liebreichsten Seife, meinte, wa« hier im Kleinen sich ereignet, »erde vielleicht bald im Große» komme»; ich beobachtete mit Spanw»»». de» anwesende» Vertreter der Polizei; dieser »ätznle bedenkltch. Nicht bester kan» ich den Grnndt», de»