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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 25. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 25.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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da» ist rm lebendige Illustration de» Propheten motte« „es stolziret der Jüugliug wider den Greis." Freilich, wie wäre da», wa» vluweuthal sagt, zusammmgeschmmpst, wen» ih» nicht die Briefform Gstegenhett zu allerhand Luuststückchea gegeben hätte, bei denen er jedenfalls ans de» Beifall ganz anderer Leute at» auf bat Delitzsch'» gerechnet hat. Ser al» Jude ein« offenen Brief an Delchsch schreibt und als Vorkämpfer heraustritt, um seinen Glaube» zu vertreten, muß eine ruhmreiche Bergangeuhest haben. Der Ruh« des Herr» Blumevthal liegt besten Falls in der — Zukunft. Für Herrn Bl. ist di« Wissenschaft die »reinste oller ftfinftc*, nur um apart zu reden. Weil Delitzsch sich eine» Freund Israels nennt, schreibt Bl., indem er sich an die Stelle von Israel setzt, ganz im Stil eine« Pfennig» blättchenS „mit einem Freund«— nicht wahr,Herr Professor? — plaudert man «in frohe» Stündchen, man offenbatt ihm seine Herzensgeheimuiffe, und wenn man ein sehr treuer Freund ist, so hält man ihm den Spiegel vor da» Antlitz und sagt ihm die Wahrheit." Al» ich da» kecke „nicht wahr, Herr Professor?" las, freute ich mich, daß mir Herr Blumenthal nicht gegenübrrsaß, sonst hätte ich mich zu einer Realinjurie hinreißen kaffe». (Lergl. auch S. 196 da» 1. „Wien".) Herr Blumenthal redet von sich mit einer lleberhrbuug, daß selbst dem begeistertsten Lobredner nicht« hlnznzufügen übrig bleibt. Kann man von einem Moseh mehr rühm«, al« „er liebte Gott über Alles und seinen Nächste» wie sich selbst"? Die Schrift läßt die« von Moseh nicht in vollem Umfange, sondern nur mit viele» Einschränkungen gelten. Herr Blumenthal aber ist jener Jdealmensch, der bisher noch nicht auf Erden gewandelt ist; «r sogt es ja selbst. S. 2 lesen wir: „Ich bin ein strenggläubiger Bekenner des Juden» thums, ich liebe meinen 8ott über Alle« und man« Nächsten wie mich selbst." Wa» mag ein Mann von der gläubig« Demuth eines Delitzsch über diese maßlose Selbstberäucherung eine» Jüngling» denken? Was Herr Blumenthal unter Witz versteht, ersetz« wir aus folgender Bcmerkuug: „Sir nanolm sich ein« Freund Israels, ich muß sie mein« Lehrer neu»«» nach der Vorschrift, daß, wer sein« Nächst« etwas Neue» lehre, als deffm Lehrer verehrt werdm müsse. und es sind wirklich funkelnagelneue Dinge, dir ich von ihn« gelernt habe." So wird die schöne Borschrist unsrer Asten, d« zu ehre«, der auch nur ein« Buchstaben uns gelrhtt hat, zu einem Kalauer gemißbraucht. Was Bl. Sachliches vorbringt, erhebt sich nicht über das allgemein Geläufige und wir woll« ihm daran« kein« Vorwurf mach«, denn die Sucht, R«rs zu sag«, fühtt auf Abwege. Freilich hat es die streng« Dctbobogic schwerer, sich gegen die christliche Deutung vieler Bibelstell« zu wehr«, al» die aufgeklärt« Religiosität, die sich auf d« Standpunkt der mode«« Bibrlexrges« st'llt und von vornherein d« Prophet« nicht zumuthtt, daß sie Dinge geredet Hab«, die ihr« Zeitgenossen ei» Buch mir sieb« Siegel» hält« sei» müsse«. Die Prophet« sprach« zuvörderst zu Den«, die sie hörte«: darum ist di« natürliche Voraussetzung, daß Alles, was sie sagt«, wtweder religiöse Belehrung bot. oder Bezug hatte auf die Zech in der sie lebt«, «esetzt. es wollte heute uns Jemaud erzähl«, was im Jahr, 2400 gescheh« wird, so würde er nur wmig aufmerksam« Zuhörer Hab«. Den» das geht »ns gar nichts au. Die Orthodox« müff« die Agadah preisgeb«, die vielfach an die christliche» Deutung« «streift. Aber bei der Vergötterung des Talmud seitens unserer Fmatcker ist es immerhin mettmürdig, die eine Seite desselben, dst Agadah. zu opser» mrd die auder«, die Halacha, als nahezu uuverbäch» liches «otteswott hiuzustell«. zmnal als Gauzes die Agadah de» modern« Moffch« sympathischer ist, als die Halacha. Leute überdiech dir die Hyjwthefe »>» «i«m zwei»» gesaras sdiehmn. Mftn sich über mummmc Derttung« des P^ghM«wOrws nicht sehr beschwer«. Di« gut« Freunde unserer"Orthodoxie in Rußland würden auch nicht sehr zufried« sei», wm» sie die schroffe Ablehnung der Verantwortlichkeit für die Agada, wie sie Bl. ausspricht, zu les« bekäme», und die Agadah bezieht nahezu alle die Stell«, die von Delitzsch uud ander« strengorchliche» Bibelerkläreru aus Ehristu« gcheuttt werde«, auf d« Messias. Der zweite Psalm wird mesfianisch aufgefaßt; 12 13W übersetzt »och Mendelssohn: huldigst de«, Sohn, wenn auch hier schon Raschi wie fast an allen von der Kirche auf Ehristu« bezog«« Stell« die Deutung giebt, die dann vm der mobenm Kritik angenommen worb« ist. Auch der Vers des Secharjah „sie blick« auf mich, den sie durchbohrt hrbm", dm Delitzsch am stärkst« betont, wird in der Aaadah messianisch gedeutet. Blumenthal »mut dm Versuch Delitzsch'« widersinnig, gist aber »icht auch dieses Uri heil von der Agadah? Wie gesagt, für uus ist es einfach eine Unmöglichkeit, irgend eine Prophetenstelle auf Ehristu« zu bezieh«, weil wir »na«, die Prophet« habe» aus der Zeit uud für die Zeit gesprochen, aber dir Orthodoxie, die doch auch saust de» natürlich« Sinn des Schriftwortes Gewast auch«» muß, um die Tradition zu retten, kann nicht so übermüthig, wie es Blvmmthal thut, die Erklärungs-Versuche eines Delitzsch zurückweisrn. Auch wenn Bl. Delitzsch um Derjenigen will« verhöhnt, di« iu diesem Jahrhundert zu» Lhristvtthu« überastrste» stad uud ihm zumft: „Du magst sie behalt«, sie find Dein eigm", so wird chm wohl kein Vernünftiger deisttmmm. Rein, uus blutst das Herz, w«u wir au die vistm aus« §ezeichnetm Mensch« denk«, die dem Judmthum i» diesem . iahrhuudett dm Rück« gekehrt Hab« «ad die mau «st dem Worte „feige Narr«", da« Bl. braucht, »icht abchu» kau». Gilt Reauder iu der Wstt als feigo: Narr? Ist Felix Mendelssohn, der doch auch«iue tstfrstigiöse Natur war, ein Mau», deffm Verlust uus glstchgüstig ist? Siud Sims»« uud Friedberg, dir Ritter des schwarz« Adlerordens, mst dem Prädikat feige Narr« abgefertigt? Unüberschbar groß ist die Reihe der Abtrünnig«, die sonst makellos dastrheu. Dagegen köunm wir die Augm nicht »erschließ«. Delitzsch kau» «st den Erfolg« der Mission uuter d« Juden iu diesem Jahrhundett sehr zufriedm sein. Ein Grund, weswegen da» Julrmthn« viele seiner Söhne nicht festhalt« kann, ist die ftartx Gesetzlichkeit gerade der Partei, für die Herr Blumenthal rchst uud schreibt. Jüngst ersuchte ich einen Mohel, der mit den Hände» et» weaig zittat, diese Operation nicht «ehr vorzuuehm«. Dieser Mohel ist zugleich Schächter; ei» Lalmudgelrhrter war bst der Unterhaltung zugrgm und bat »ich, nicht weiter zu erzählen, daß da Maua ein wmig zsttere, deuu „bst der Beschneiduug schade da» ia nicht«, bei» Schächt« aber sst es rin ganz positives Verbot". Las iß et» einzelner Fall, aber wer die Verhälttriffe Knut, weiß, daß er nicht vereiazstt ist, daß die Religio» uud die gesunde Vernunft au der schroff« Gesetzlichkeit eia« Todfeind hat; sie jagt so «auch« Jüugliug au« unser« Rohe». Herr Blue bezeichnst sein« Brief als „dm Ausdruck qrlicher < ruug eure» nach der wahrhest ringend« Gegners." Hab« diese ehrliche Brgetsteruug nicht zu erkenn» vermocht, via» aber Her« Delchsch, di« jüdische Gemeinschaft »icht »ach diesem vorlaut« Jüugliug zu beutthetlen. -Ld. «eN«io»»sch»le ««» GestmdhettApfiege. Bo» Dr. mad. As ist »ach uud noch st» Mworb» »MI de, lleberbitrdnug st» «sera» höher« «chnleu.

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