Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Bei eine in Freiburg unter Prvstffor Kosin nnd im Elsaß gute Vorbilder und der Verein in Freibnrg zvstleich einen Anlehnuntzipunk im Lande selbst. Drei Distritttkomilres in Larlsrnhe, Mannheim und Heitelbera sollen diese Anlehnung und insbesondere die Bildung de» für nothwendig erachteten allgemeinen Landeßverein» vermitteln. Die Mitglieder de» Overrath» der Israeliten sollen gew'ffermahen den Z-utralausschuß für da» Ganze im Interesse de» Lande» wie der israelitischen Bevölkerung gelegene Unternehmen bilden. Die erläuternden Ausschlüffe wurden in erster Reih« durch ReqierungSrath Mayer, juristische» Mitglied de» Gr. Oberrath» der Israeliten gegi ber. Durch ein wirthschaftliche» Gutachten hatte sich Professor Gotthein von der technischen Hochschule um die Sach« verdient gemacht. I« Anfang de» Jahrhundert« hatten sich viel« Israeliten auf Grund der freieren Gesetzgebung Karl Friedrich» dem höheren kaufmännischen Betriebe, de« Ackerbau und dem Handwerk zugewendrt; allein da» Fehlen der Freizügigkeit und die enge Zunftverfaflung drängte sie vom Handwerk wieder ab und theilweise auch anher Lande». Die seicher mißlicher gewordenen Lnhältniffe de» Ackerbaues haben weiterhin auch da« Aufgeben mancher früher von Israeliten innrgchabten landwirthschaftlichen Betrieb« zur Folge gehabt. An die israelitische Bevölkerung de» Lande» tritt nun auch die Aufgabe heran, die oben angedeuteten Bestrebungen durch genügend« Geld-Unterstützung zu ermöglichen und zu fördern. Man darf, da diese Bestrebungen in der »Karlsr. Ztg." au«sührlich dargelegt find, wohl annehmen, daß ihnen auch da» Wohlwollen der Regierung zur Seite steht. OoAerreicb-Unaarn. In» Augaim, 29. Mai. (Or.-Lorr.) Die früheren Romane schloffen mit der Hrirath ab, die gegenwärtigen beginnen mit der E,e. So ungefähr ist e» mit de» Thevlogenthn» der Neuzeit bestellt. Die früheren Rabbiner kämpften bi» sie eine Stell« erlangten, die heutigen treten «ft der Er« langung einer An telluug auf den Lawpsplatz. Ganz natürlich l In ftüherer Zeit suchte man im Westen eine literarischrhetorische, im Osten eine talwubisch-rabbinifche Autorität, nnd eine solche reift bekanntlich nicht über Nacht. Heutzutage aber ist »Bekamttsttn* der größte Fehler, well die Lichtseiten nicht gewürdigt, die unvermeidlichen oder vermeintlichen Schattenseiten aber «ft paunenswerther Gründlichkett bei Benrtheilnng der Persönlichkeit herausgekehrt werden. — Ueberdie» giebt die Religion, da sie kein« herrschende Macht in der Gesellschaft ist, angesichts materieller Bestrebungen, denen die Ehre nur am Gelds hängt, leider nicht genug Ansehen, und die Einwirkung der Staats-Autorität ist nur eine geringe. So erklärt e» sich, warum nicht setten amtserprobte Persönlichkeften brodlo» werden, oder, «ft die» jüngst der Fall war, vor den Gerichten Schutz suchen müffen gegen die ihrem Amte angethane Beleidigung. So hatte vor Kurzem der greise Rabbi Loh nt au» Dömöny dft Vorsteher seiner Gemeinde bei« Pester Strafgericht verklagen müssen, daß sie ihn an der Ausübung seiner Funktionen an den jüngsten hohen Festtagen verhindert und insultirt hatten. Lautete auch da» Urtheil freisprechend» insofern eine Störung de» Gottesdienste» und eine öffentliche Beleidigung nicht recht nachweisbar war, so ist dieser Fall, der so viel Anstehen erregft, doch bedauern»« »erth genug. Eine Hebung de» Rabbiner-Stande», der ja dft gesch. .Wochenschrift" manchen mft vieler Wärme geschriebenen Artikel gewidmet hat, ist nur zu erzielen durch dft Wahl der Geistlichen durch dft Gesammtheit der Gemeinde» dft Bestätigung derselben durch dft Staats-Behörde, definitive Anstellung nach voransgegaugene« Provisorium und Solidarft it der Ehre und Staudesintereffeu unter den Amtsangehörigen der verschiedenen Schulen und Richtungen. VfCfiTtl« Marotto. Der Ueberfall einer Stznagog« zu Schawan durch dft Mauren hatte ernstlichere Folgen, «l» dft ersten Benchft über diesen BorfaS vertäuten liehen. Der P»bel ergriff dft heftigen Thararollen, riß sie auf, bestrich sie mit Oel und Röchele nnd trat »ft Füßen darauf. Hierauf plünderte er da» Gvtteshan«; indem er alle» «tusteckle» dessen er nur habhaft werden konnft. Die Inden reichten ein« Klage bei dem ftellverftetrnden Stadt-Gouvernenr ein, »elcher sich alsdann »egen Instructionen an den Gonvernenr in retnan wandte. Dieser ertheftte hierauf den Befehl, dft Rädelsführer zu ergreifen und sie unter Begleftnng von zwei Polizeibeamten nach Tetuan abzuliesern. In Folge drffen wurden 2 Mann arretirt, aber sofort durch dft Bevölkerung wieder in Freiheit gesetzt. Der Mob wandft sich dann gegen dft Juden und griff dieselben mit Lnütteln und Steftren an, wodurch mehrere von ihnen schwer verletzt wurden. Größere Unglücksfälle wurden erst durch herbei» geeilte Mauren an» Ethma», nahe bet Schawan, welche den Inden zu Hülse kamen, verhütet, von dftsen floh« ungefähr 20 während der Nacht nach Tetuan (eine Tagereise entfernt) wo sie den Gouverneur um wirstamen Schutz baten. Diese« Ersuchen wurde bereitwillig Folge geleistet und eine bedeutende Militärmacht unter de« Befehl eimshohen Offizier» nach Schawan beordert. Aez. Der Gouverneur von Fez hat ein neue« Mittel erfunden, dft Juden zu kränken. Er verbot nämlich den Mauren, den Juden Blumen zu verkaufen. Während der Hitze de» Sommer», welche hier einen sehr hohen Grad erreicht, gebrauchen nämlich die Juden Roseneffrnz. um ihre Wohnungen zu desinfieiren. Ebenso bedienen sie sich während de» Sommer» einer Essenz au» Oraugeublüthen, wenn da» Irinkwaffer knapp wird, von dieser Essenz werden in dem Judenvftrlet große Quantitäten destillirt. Der Gonvernenr hält aber dft Juden nicht für würdig, diesen aromattschen Liqueur zu trinken. Diese» verbot ist zwar an sich nicht von besonderen Folgen; e« bestärtt nur dft Araber in dem Glauben, daß die Juden zu keinem Genüsse eine Berechtigung haben. _ Krrrrrifchle tut* «errrßr Nachricht««. Berlin. In der Rocht vor dem 8<üre>vn»u»-Fepe sind aus der Synagoge .Ahawa» Schote»" sirnrntliche Silberaerätschasten, «tt Ausnahme der beiden grobe» Leuchter, au» de« »llcrheiligstrn «lohten wordcn. II sind die»: zwei Behänge tu Taselsorrn »>t silbernen Kronen und SoldeftsaN, zwei silbern« Xr»e, rin Pokal, zwei länglich« Kronen mit kleine» Glocken und ein Gewürzbecher au» Alfenid«. Dft acstohlenen Gegenständ« reprösentire» eine» Gesannntwerr von sechs» bi» siebenhundert Mark. Der »it der Oertlichkejt genau verrra« gewesene Dieb hat d'e Lhüren und Behälter mittklst Rachschlüssels geöffnet. (verhaftet wurde wegen verdachte» der Handel»«»«» £., welcher erwetilich am daraus folgenden Lage geschurolzeae« Silber zum Kaus angcboten hat. L »'II den Klumpen Silber!>»» einem chm unter dem Namen Reb-Salomo» au» Kowuo bekamt'«» Manne den er »ufällig in der Klosterstrage getroffen, zum verkauf erhalten habe». Da indes» in seiner Wohnung ein Schrnelztiegel gesunden wurde, ist anzunchwen, daß er da» Einschmelzen selbst bewirkt hat.) Mattst»». Hier ist der Rabbtuaticandtdat Dr. M. Blumenthal au» B«lft zum Rabbiner gewählt worden. Mannheim, 6. Juni, vor der ersten Tivllkaminrr de» grosth. Landgerichts war heute in «!n«m L vtlproeeß verhaabelt, welch«» der bekannt« Aotiftmit nnd Reichstagsabgeorbneter Dr. Böekel in Marbnrg angestrengt hat. Die Vorgeschichte de» Prozeffe» ist »ech der »Reu« Bad. Lantesgettnng" in Kürze sagend«: An Jahre tSSV, als Böckel noch ft Heidelberg Stnbent war. lernt« er ton «ft Dienstmädchen Romen« Eva tztlkert an» Sulzbach, kenne» und alsbald lieben. Als Böckel »ach Beendtgnng seiner Studien nach Franklin t a. M. (seiner Heunach) ging, folgte chm da» Mädchen dorthin; Bötel schrieb ihr, ec könne »ich« ohne sie leben. Die Folge» bliebe» iticht aus. Als Böcket «ach Marbnrg Sbersiebelte, nahm er dft HUkert »ach »orchft mit, respertiv« lieh er sft Nachkomme» »nb macht« sie j,n seiner Han», hälterlu. Dft Folge» blieben znm zweitenmal nicht ans «nb verftrach. ihr Bötel wiederholt dft Ehe. Dft Hllkett gena» dteöinal vorzetttg ft. Folge einer EMl'nng ft der Bftftl'schm Wohnüug und »nlerblied ft. Fol« drffen di« Hebmtb. »«sang 1887 zeigte» sich zrm dritlr» Mab dir Foiaen and sollt« nun dft Heirath vor sich gehe». Bötel bewog, de» Mädchen, »ach deren Hrtwach zu achen, bl dft Borbereitunge» z» Ende seft würbe». Dann sollte »ft Lraunag ft all« Stille statt» Mden- Am l. Vetos« 1887 gebar »ft Hill« ft derKkfttk zu Hetdel»- ber, «ft Kind mönniiche» Geschlechts, wclchw Ereignis! sft dem Batrr mitthttit». Rachtem sttt »er Sebr« de« Klnd.G v lkioche» ».rfioffinwnren »»d der Vater längere Zeit gchchwiegen, reist» »ft Hilft« nach