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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 24. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 24.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 187 — Bewegung dm Staatsanwalt Schulz«' Bellioghäusen iu Bochum als Kandidaten mit d-m Hiaznfügen, daß bctfdbc „b«r Judenfrage gegenüber nicht blind sei." -»» de« Vl<tk««de. (Or.-Lorr. — Forts, st. Schluß). 3. Die Fratze, ob der Lehrer in Gemeinden ohne Rabbiner auf Wunsch da« Predigeramt versehen soll, beantwortet sich wohl von selbst. Warum soll er'« nicht, wenn er die «vthige Muße, dm Willen und — da« Zeug dazu hat und die Gemeinde die« verlangt, doch soll er fich anständig dafür bezahlen lassen. Odne besondere lohnende Entschädigung soll er e« keineswegs übernehmen, weil der Werth seiner Thätigkeit auch danach geschätzt wird. Die Gemeinde vermag hierin bet emftem redlichem Wollen sehr viel und dürfte gegrbmm Fall« ein angemessene« Lehrer- und Predigerhonorar in kleinern Gemeinden gewiß rin einigermaßen leidliche« Au«- kommen zu bieten vermözm. 4. War die Borbereitung zur Predigt betrifft, sollte man doch endlich einmal aufhören, so niedrig vom rito vorgebildeten Lehrer zu dmken, daß L'tzterer, wenn dir Nothweudigkelt an ihn herantritt, immer zu allerlei Mitteln Zuflucht nehmen müßten.") Sollte rin staatl. gepr. Lehrer der Gegmwart wirklich nicht im Stande sein, eine Rede über ein srbstgewählte« Lbemo, über «inen Wochenabschaitt oder über rinm tksttag — eine Rede von 20—30 Minuten Dauer für da« ublicum einer kleinen Gemeinde auSzuarbeitm und vorzu« trag«. Ausnahmen selbstredmd ausgrschloffen. Wer da steht und hört, wa« christl. VolkSschullehnr auf allm Gebieten vor der Oeffentlichkeit leisten und wie sie sich da durch ihr reiche« Wiffm und Können auSzeichnm, sollte wahrlich nicht so niedrig vom jüd. Lehrer denken, obgleich er erfahrungSgemäß durch die rrschreckend« Vielseitigkeit in seinem Berufe m seiner gedeilichen Entwicklung gehemmt wird. Solltm die jüd. Lehrer in ihrer AmtSproxi» — wa» sehr wohl «nzuuehmm ist — dm KrrbSgang wachen, dann wird jedmfall« der hohe priestrrliche Beruf, der dem Lehrer von gewissen Seminarien mit auf den Lebm«weg gegeben wird «ud dem von einem Herrn Seminardirector vor Jahre» eine jo herrliche Lobrede grhaltm wordm ist, nicht dm geringstm Thell der Schuld daran habm. Die Predigten von Sach«, Geiger, Josl, R ahmer u. s. w. müssen studiert werdm von uu« wie von jedem Andern, der Prediger sein und werdm will, doch dürftm sie nur genau genommen in dm seltmstm Fällen wirklich vollkommm aushelfen. Au« welchem ^Predigtmagazin" wollte beispielsweise Jemand die Red« zum Wettiujubiläum — um ein Beispiel von vielm anzuführm — schöpfen? — Wer also da« Predigeramt in der Gemeinde Vasehen will, muß sich selber darauf verstehen und nicht sich auf Andere vrrlaffm wollm. Ein Wort zur rechtm Zeit und am rechtm Platze dm Bedürfutssm und Verhältnisse« Rechnung tragmd, dürfte vielmehr wirkm, al« di« besten Reden Anderer, die sich oft bester lesm al« sprechen — abaescheu davon, daß da« selbstversaßte Wort sich besser und geläufiger spricht. Uebrigm» müflen dmn immer Kunst« predigten gehalten werdm? . Ist er dmn immer uöchig, daß der Redner da« Publikum durch der Rede Macht hmreißt oder in Staunm versetzt? Ich dmke diese« Buhlen nach Gunst und Beifall durch außerordmtlichr oder ungewöhnlich« Leistungen — nmaru vir sie immer Kraftproductioaen — darauf kommt« ja häufig nur an — könnte ebenfalls mdlich «i«ual gleich andern Auswüchsm der conttactlichen Anstellung der jüd. Bmmtm tu die alt« Rumpelkammer wandern. Dir Predigt soll da« Publikum belchrm und rrbaum und sollte darum de» Lehrer, der auch sonst durch seine unterrcchtllche Thätigkeit mit Rrdezabe »ersehen sein müßte, in schlichter, ansprahender Form auch in diesem. Punkte seine« Amte« waltm und die« ohne Rücksicht auf Beginn oder Ablauf seiner Eontractzeit. Ich denke, daß e« in dem Falle oft genügen dürste, wmn der Lehrer die Erörterung de« fraglichen Wocheoabschnitte« oder den Bortrag über da« etwa bevor« stehmde Fest in der Schule in veränderter angemrsimer Form der Gemeinde in der Synagoge wiederholt. Wozu also alle Künstelei und Renommisterei? Sie haben keine segensreiche Früchte gctragen.*) 5. Ich komme nun zu dem letzten und zugleich wundesten Punkte der Hannöv. Lorresp., wo eia Jeder — ob mit oder ohne Eclat weiß ich nicht — seine Bescheidenheit immer herauskehren möchte. Wie ein jüd. Lehrer sich auch drehen und wendm möchte, immer wird man ihm eventuell lieber« schätzung, ja Unbescheidenheit zum Vorwurf machen. E« gehört wirklich nicht viel dazu für einen Stand, der »och heutzutage so niedrig und schlecht b:strllt ist, ihn mit dem Epitheton .unbescheiden" zu tractirren. Die Bescheidenheit unsere» großen Lehrer« Mose» könnte doch wirklich nicht al« Gegenstück angeführt werden Männern gegenüber, die ebenfalls die wichtigsten Aemter in der Gemeinde Israel« zu verwalten haben, doch nicht weniger al« dementsprechend ge« und beachtet werden. Einem jüo. Lehrer kann man gewiß nicht mehr Bescheidenheit gebieten, er muß bescheiden sein in allen seinen Ansprüchen welcher Art sie auch sein mögen. Doch ich bewege mich in Räthseln und um diese zu lösen, sehe ich mich genöthigt, den letzten Passu» fragl. Lorresp. hier nochmal» anzusühren. Er sagt: .Meiner Meinung nach ist bester, wenn Kanzel und Katheder getrennt stad. Wenn aber die Gemeinde e« durchaus wünscht und der Lehrer die Gabe wirklich besitzt, dann predige er in Gotte» Namen, .ohne sich Prediger zu nennen"; e» giebt ja jetzt eine so reiche Auswahl guter gedruckter Predigten, daß der Lehre: besser daran thut. Gediegene« darau» zu entnehmen rrsp. vorzulesen al« Eigene», Unreife« zu producieren." Auf diesen Passu« muß ich näher eingeheo, um jeglicher Eontroverse zu begegnen, ja selbst auf die Gefahr hin, für .unbescheiden" zu gelten. (Schluß folgt). Zu» Nutze», 31. Mai. Baden zählt gegenwärtig bei« läufig 27 000 iiraelitischr Einwohner. Bon ihnen soll noch ungefähr die Hälfte auf dem Lande von dem Vieh« uud soastigea Zwischenhandel Üben, im Ganzen 2500 Familien, während die ander« Hälfte theil« (mit etwa 10 000 Köpfen) in den S größeren Städten ve» Lande«, theil« (mit weiteren 4000 Köpfen) in anderen Otten de« Lande« sich bereit» anderwriten Berustarten zugewendet hat, die indeß al« überfüllt betrachtet werden. Bei den oben erwähnten 2800 Landfamiliea ist da« Gewerbe de» Zwischen« und Kleinhandel» nicht mehr lohnend und e« hat sich allmählich ein Rolhstand herau«ge bildet, der dazu dräng», die Ueberführung zur Land« wirthschaft oder, da dir« unter den heutigen Erwerbsverhäst« nisten besonderm Schwierigkeiten unterliegt, »um Handwerk oder sonstigen technischen Bitrieben zu bewirken. Eine von de« Oberrath der Israeliten ve-anlaßte Versammlung hat nun zu Ende vorigen Monat« beschlossen, daß über die Möglichkeit einer Ueberl-ttung solcher Famrlir« zum Betrieb« der Lanbwirthschast zunächst noch eine Untersuchung stattfinden soll. Für die Ueb«> leitnag zum Handwerk bedarf e« solcher Borkehrungen nicht; hier bilden barst» bestehende *) »tan vergegenwariige sich «lamal die Antwort de« Berliner Gemeindevarsteher» an di« 7b«r Lommission. Berlin ist in Verlegenbelt wegen Beamten. Man weiß heutzutage wirtlich nickt mehr, und selbst in de» kleinsten Gemeinden, nicht, wa» mau beanspruchen kann und darf. Da» kommt alle» von der «enommtfteret. Doch wa« nü»t'», wenn» vermerk» »Kd? Man richtet sich ja doch nicht danach. Wa» der «lae aut «acht, verdirbt der Aadere. Sa ist» bet den Predigern and ganz «ens» bet den raatoren. Alle« «ik, gelob hudelt sei», alle» will SU Spore» zu» neurn lkoutraet verdienen, v, du herrlich« Gemeinde» antonomtch «a» hast du für herrlich« Krticht« gezeitigt I L

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