Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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<£* ist eine wiäjtig« 'unb würdige Aufgabe der Sffchicht»- foischong dm L itheil festzustrllm, dm der Kaiser, Geffken und Andere an t»er endgültigen Redaktion gehabt haben. Aber selbst wmn der Antheil de* Kaiser* sich geringer Herausstellen sollte, al» zu erwartm ist, so sehen wir hierin keine Minderung de* kaiserlichen Ansehen*. Al* ein hervorragender Rabbiner die Gedächtnisrede, d-e er «ach dem Tode Kaiser Friedrich* HL gehalten, veröffentlicht« und in derselben die beiden Erlasse al» Großthaten prieS, ist in unser« Blatte hervorgel>oben worden, daß die Bedeutung dieser Schriften nicht in ihnen selbst liege, sondern darin, daß sie der korrekte Ausdruck de* uns Allen wohlbekannten Leben» de* Kaiser* gewesen ist. .Ich kann da* Wort so hoch nicht schätzen." Geffkm hat aufgeschriebm, was Kaiser Friedrich oft ausgesprochen hat. DaS ist ein stylistffcheS Berdimst des wortgewandten Mannes, nicht mehr. Da* wahre Berdimst besteht darin, daß eia dmtscher Kaiser so gedacht, daß er solch« Worte al» den Ausdruck seiner Meinung anerkennen konnte, daß er Jahrzehnte hindurch sich nach diesen Moximm gerichtet hat. Auch was er für un» Juden gethan, ist nicht verloren gegangm. Die Anttsemitm jauchzten beim Regierungsantritt de» jungm Kaisers, al» sei nun ihre Zeit gekommen. Sie sind bisher völlig enttäuscht wordm. Kaiser Wilhelm H. hat daii Erb« seiier Väter auch darii« angetreten, daß er die religiöse Duldung in sein Regieruugsprogramm ausgenommen hat. Wir betrachten e* al* ein Glück für da» Vaterland, daß e« Kaiser Friedrich vergönnt gewesm ist, seinen Namen in die Reih« deulscher Kaffer au» dem Stamme der Hohenzollem rinzuzeichnm. Kaiser Friedrich hat für sei« Bolk gelitten und gestillten und sein Sohn Kaiser W i l h e l m H. darf darauf stolz sein, al* der Sproß eine» solchm Vater* dm Thron bestiegm zu haben. Da* Andmken Jenes bleibt gesegnet in diesen! „WaS kau« «ad soll geschehe«, «m die Stell««g der Rabbiner z« eimer gesicherte« ««d würdigere« z« gestatte«?" B»» DL Stegquud Feiler, Rabbiner, Landtiera. v. lll. (Schluß.) Nach unseren biSherigm Erörterung« könnte «* sehr leicht dm Berdmht erweckm, daß wir di« in Rede stehende Angelegmheit nur vom rabb. Parteistaodpunkte au» betracht« und bmrtheilm viollm; daß wir die Grmrindeverttetuug allein verantwortlich zu mach« die Absicht habm für die offen» kundig« Schild«: im Gnneindelebw, besonder* aber für da» gesunkene Ansehen de* Rabbiuerstaude*, für die Schmälerung oder vollständige Aufhebung seine* Linfluffe* auf Religion und Kultu* in her Gemeinde. Allein dmjmigm, der un« der Parteilichkeit zeihm will, müflm wir ersuch«, unser« weiter« Ausführung« einige Beachtung zu schmken. Wir sind nicht nur überzeugt» daß di« Rabbiner (nicht der eiuzelne) einen Theil der Schuld auf sich nehmm müffm, sondern sind auch von der Wahrheit durchdruugm, daß, wmn manche» Uebel gehobm und «ine Wmduug zu« Besinn augebahnt werde» soll, die* nur daun möglich wird, wenn di« Rabbiner di« Initiativ« ergreift« und einmüthig Vorgehen werden. Zu lange habm nämlich die Rabbiner der preußischeu Monarchie e* gffchehm lasier», daß rabbiuische Funktionen. wie z. B. Trauung« k., auch von solch« Person« vollzog« wurde», die in keiner Weffe hierzu autoristrt »och« find, ohne dag«« Einspruch zu erheb« l Ist «* un» auch nicht um Mouopolistrung der rabbtnischm Funktion« zu thltt, so müsim wir dmnoch darüber Beschwerde führ», daß der Ausspruch nuferer Alt«*): .Wer kein« Kmntniß hat von der Art und Weffe, Scheidunq« und Trauung« zu vollzieh«, der soll sich nickt damit befassen" (Kiduschin 13») so wenig Beachtung gesund«. Die Vollziehung rabbinischer Fanktioam durch Richt-Rabbiner hat in gar vielen Gegmd« «* zur Folge, daß da* Ansehen de* Rabbiuerstaude* zwnftllo* beeiuträchtigt wird. Außerdem aber wich «ud muß der gewissenhafte, pflichttreue Rabbiner eine jede Gelegmheit zur religiös« Brlehruvg gerne bmützm. Trauung«, Grabred« rc. bring« heute dm Rabbiner in die Lage, zu einem weiter« Kreise von Glaubensgenossen zu sprich«, al* die* sogar a« So»»« abwdm und Festtag« der Fall ist. Die «elchrung bei gmanntm Anlüff« wiegen dm Werth mancher Predigt in der Synagoge aus. weil in d« Augenblicke« der Freude oder de* Schmerze» da* Gemüth der Zuhörer empfänglicher fft. Können aber solche Gelegenheit«, religiöse Wahrheit« unter die Menge zu bringen, auch von R^cht-Rabbinern gmügmd verwerthrt werden? Wir e»laub« un« wmigstm* daran zu zweifeln I Nun könnt« man un« ja entgegnen, daß in größer« Gem-indm, die ein« aogestelll« Rabbiner haben, nur differ zu solchm Funktion« terufen ist, kuinere Gemeind« dageg«, die nicht in der Lage sind, einen Rabbiner zu bffold«, müsim wohl oder übel mit dem zufrieden sein, wa« »hum geboten wird! Allerdiug»! Allein muß darunter niitzt sowohl die Sache selbst als auch da» Ans-Hen der Religion und ihrer berusmen Vertreter leid«? Giebt e» ja auch kleine protestantisch« »u»d katholische Gemeinden, die keinen eia«« Seelsorger habm, di« aber dmnoch niemals chre Zuflucht zu Nicht-Geistlichen nehmm werd«. Niemals wird, wir glauben, rin Vorsänger oder Küster eine Amtshandlung vornehm« dürfm, welche Sache de* Seelsorger* »st. E* wäre demnach Sache de* Rabbiner-Verbandes ei» Memorandum in diesem Ein« au«zua»beiten und den Vorständen behus* Abhilfe de» llebelstande* zu «rte>bre»t«. Ohne besondere, in jedem speziellen Falle zu ertherlende Erlaub»iß de* Ort«- oder Bezirk»rabbiner* dürft« niemul« ein Richt- Rabbiner rabbiuische Funktion« au»üdm. Was wir »un zu erinnern habm, ist aber noch ei» viel größerer Keebsschadm am — sagen wir — rabbinffchm Organismus oder am Leide de* Judenthum* — als der ob« gmannte. Schon vor zwei Jahr« habm wir in dies« geschätzt« Blätte« darauf hingewiesen. wie schädlich «ud geradezu mtehrend für dm Rabbmeritand eine gewerbsmäßige Concurrmz ist. Wird «ine noch so kleine Stelle ausgeschriebm, lausen unzählige Belverbungm ei«. Man begnügt sich aber nicht mit der Einsendung von Zeugnissen, mau kommt dm Gemeind« im wahren Sinne de* Worte* entgegen. Roch ehe man zur Gastpredigt berufen wird, stellt «au sich unter scheinbar« Gründen dem löbl. Vorstände vor, erfährt bet Gelegmheit die Nimm der Mitbewerber, ja sogar auch di« Ansprüve, von drr« Erfüllung eia College dt« Annahme der Sr«lle abhängig gemacht hat» sucht dteselbeu zu unter« bin« und hat dann da« Glück — besser gefrllm zu habml Welche Achtung kan» aber der Robbmersllmd genieß«, wmn einzelne Glieder beffelbm auf d»ffe Weffe um ei« Rabbinat — betteln? In einer Zeitung, die ihre Rechtgläubtgkeit nicht beffer al* durch ihr« Gehässigkeit gegen m* zu beweffm im Staude fft, konnte man vor einig« Wochen folg«»«* lesen: ,Eiu älterer Geisllicher. welche« Herr Gm.-Sup. da* Zeuguiß giebt, daß er et« begabter Prediger sei, drr ein gute* Bekeauruiß «. s. ». ablegt. . . wünscht sehr eine anderweitige Anstellung." Dazu bemerkt ei« liberal-kirchliche* Blatt: .E* ist ffnvr pav n arr xb pmpn pu an» rrr uw1» c