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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 22. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 22.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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14 et» fri—rr Christ, frcfccü m« heilige» MUki» Stete »sl ko» Grtsti tat Schrift, foDerzig ml treuWtber Israel jgtr Christeuhett^redet. Nester jüdische Lt»de»te»verbt»d«»ge«. Dtz ,Ei»e jüdische Studentenverbindung? Giebt e» denn eine«solche?" »erden wohl viele Leser bei« Anblick der Aeberschrtft dieses Artikel» ausruftn. Allerdings; etwis über meei Iah« besteht an der llniversttät Breslau die freie Verbindung ,Vinännn". die erste in ihrer Art und bisher die einzige an den Hochschulen des deutschen Reich». Zwar Vereine jüdischer Theologen oder akademische Vereine zur Pflege jüdischer Wissenschaft gab es schon seit langem und an mehreren Orte». Aber wer nur einen Blick in da» Uuiversitäwlebea gethan, wird den grossen llnterschied zwischen einer geschloffenen, studentisch« Ziele verfolgenden Verbindung «nd losen Bereinigungen, wie jene sind, kennen. Ob «der wohl diejenigen, zu denen überbaupt eine Suade von der Existenz der Vinänon gelangt ist, ihr eine günstige Gesinnung entgegenbringea? Bon dem Wenigen, wa» bisher über sie t» weitere Krefe gedrungen, bericht sehr Biele» auf unrichtiger Auffaffung und Berkenaung ihre» Standpunkt» «der auf böswilliger Entstellung ihre» verhaften», mit der fie von jüdischer Seite noch reichlicher, als von christlicher, bedacht worden ist. Welche Gesinnungen aber da» kleine Häuflein der Gründer der Vi*drin» beseelten, welchen Tendenzen fie huldigt und prakischen Ausdruck zu geben beseeft ist, wird die Miltheilung der .Denkschrift" am besten zeig-n, welche dir Brrbindung zur Zeit ihrer Entstehung in den jüdischen Anisen Breslau'» verbrritet« und die jetzt, wo «an auch in Berlin eine ähnliche Berbiadung in'» Leben zu rufen beabsichtigt, eine weitere Verbreitung nach answäa« verdient. Die Denkschrift .Ein Wort an unsere Glaubeusgenoffeu " lautet wie folgt: .Der Antisemüirmu» scheint in seinen letzte» Zügen zu liegen. Diese Bewegung, die fast eiu Decennium hindurch die Leidenschaften der Menge in unerhörter Weise aufgeregt und «in neue» Ferment de» Haffe». Neides und der llnzu» jrtedeuhest unter die Bevölkerung gestreut hat, ist anscheinend immer schwächer geworden und scheint dem Erlöschen nahe. Die Zett der hochgehenden Wogen, in der kein Zeftuugsblatt erschien, ohne angriffs- oder vertheidiguagsweise diese Frage zu berühren, ist vorüber. Die großen Hetzen haben aufgehürt. Jener Apostel der Intoleranz hat e» aufgegrbea, in.Bott«- Versammlungen" unter dem Beifall de» Pöbel» den Raffeahaß zu predigen; r» wird nicht mehr der schamlose versuch ge- «acht, dir un» verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte auf dem Wege der Gesetzgebung aufzuheben. Die Letter dieser Bewegung sind verstummt; einer nach dem andern haben sie sich vom Kampfplatz und vom öffentlichen Leben zurückaAogr», und fast ausnahmslos mit llnehre zurückgezogen. Wen» Berworftuheit und sittlicher Defect der Urheber eia Beweis für die Schlechtigkeit einer Sache ist. so sollte der Antisemüiiwa» gerichtet sein, und nur noch der Geschichte der menschlichen Brrtrrungrn angehören. Und bei oberflächlicher Betrachtung schemt es in der Thal, als ob die Zeit einer solchen Auffaffung nicht mehr fern wäre. Aber es scheint auch nur so. Jene Hetzer konnten in der That gehe», den« sie hatten ihr« Schuldigkeit nur zu gut gethan. Der Samen, den sie geftreuet hatten, ging ans und schlug Wurzel im deutsche« Volke — e» bedurfte keiner weiteren Pflege mehr. So erklärt sich einfach der Gegensatz zwischen der B rnhigung der Oberfläche »nd der Gährnng » der Tiefe; der geräuschvolle Apparat konnte wegfallen, den» er hatte seinen Zweck erfüllt. Daß aber wirklich durch jene fauatischeu Lehren da» gauzr Bolvlebe» vergiftet ish daß Haß und Rrid unsere Schnitt« verfolge», dag wir Juden tu weitru Kreisen der Bevölkerung verachtet, gehaßt, «rüdesten» aber als Fremde und nicht als ebenbürtige Mitbürger betrachtet werden, darüber können wir uns keinem Zweifel hin geben; mit Schmerz aber s-hen wir diese Gefühle gerade bei den gebildeten Ständen sich kuadgebe». Uud hier wiederum ist e» vor allem die akademische Jugeud, di« berufene Hüterin der Ideale, die jene Lehre» mit Begeisterung in sich ausgenommen hat und eifrig bestrebt fft, str in Thateu umzusrtzeu. E» dürfte kaum nöthig sein, hierfür Belege beftubringeu. In aller Erinnerung lebt das auch in weiteren Kreisen bekannt gewordene Borgeh«« und die Tendenz der Vereine deutscher Studenten. Wir, die wir noch inmitten de» akudemischen Leben» stehen, fühlen täglich, stündlich, welche Kluft un» von denen trennt, die wir .unsere Eommilitonen" nennen. Dies« Thatsache ist für un« persönlich bedrückend, beschämend, aber sie erscheint bedenklich und bedrohlich auch für weitere Kreise, wenn wir die Eonsequenzen dieser Berhältaiffe in'» Auge soffen. Die akademische Jugeud wird als die Hoffnung und der Hort, ol» die künftige Blüthe der Rattoa betrachtet. Au« ihr ergänzen sich diejenigen Stände, die auf da» gesammle geistige Leben des Bolke» den verbreitetsten und nachhaltigsten Einfluß au»übea. Die akademischen Bürger sind es besonders, in deren Hände einst die Erziehung der Ayend gelegt sein wird; und wer zweifelt daran, daß die Gegner ihren überwiegenden Einfluß in ihrem Sinne geltend machen werden? Ist de« aber so, dann ist eia Ende dieser Bewegung garnicht abzusehen. Vermöge der contmuirlichen Wechjeldezichuugen zwischen der Jugend «nd ihren Erziehern wird der Raffeahaß traditionell werden und in poteazirter Form von einer Generatton auf die andere übergehen. Es wird so in nicht zu langer Zeit eine Summe von Spannung augehäuft wrrden, die sich einst mit elementarer Gcwaft auf unsere Häupter entladen könnte. Diese Betrachtung läßt aber auch klar den Punkt erkennen, wo eingesetzt werden muß, um jenen verhängnißvollen Kreislauf wirksam zu »atrrbrechen. Haben die Anschauungen des Studenten eine so große Bedeutung für dir Gestaltung de» späterer: Leben«, so wird gerade ein« in Studentenkreisen sich erhebend« Reaction gegen die antisemitische Bewegung von ttefgehender «ad weittragender Bedeutung sein. Daß eine solche Reaction nicht gerade hier schon längst eingetreteu» ist merkwürdig; daß ste — schon im eigenen Jatereffe des jüdischen Studenten — eine Rothwrndigkeit ist, ergiebt sich unwiderleglich au» eiaer Betrachtung seiner socialen Stellung unter ftiaen Eommilitonen, — die trotz aller im trincip anerkannten Gleichberechttgung der akademischen ürger — von diesem Ideal noch weit entfernt ist. Wa« dr» gesellschaftlichen Leben» Grundlage bildet und im Studentenlebeu eine so wichttge Rolle spielt, die Bereinigung mit Gleichgesinnten, der Anschluß an ein Ganze», ist m»' entweder völlig versagt oder wird un» in einer Form und unter Bedingungen geboten. die nicht für jeden Geschmack und jeden Eharacter annehmbar find. Ein strenger Abschluß gegen die jüvisch-n Eommilitonen findet sich besonder» bet de« Vereinen für Wege der Leibe»übungeu. dir von so hervorragender Wichtigkeit gerade für den Studenten stad. Gelingt e» dem Einen oder Ander», seine Aufnahme zu. bewirk», weil er gewifle äußere Anforderungen erfüllt, vielleicht auch sein« Abstammung klug zu verberge« weiß, dann sieht « sich gezwungen, um seine Stellung im Verein nicht zu gefährde», den BrrKhr mit seinen jüdischen Eommilitonen möglichst einzuschränka. und erkauft rme zweifelhafte Freundschaft mit de« Opfer seiner Gesinnung und dem Verlust seiner natürlichsten Beziehuageu. <Kae geringe Anzahl von Vereinen — von den Fachverrine» abgesehen — nimmt allerding» Juden auf und zählt deren viillrtcht eine relativ große Zahl zu ihr« Mitgliedern; ober hier ergiebt sich in Eoussqnenz der ganzen ungesunden Berhältaiffe eine Thatsoche, di« ebenso unleugbar, als deklagevswerth fft: dir

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