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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 21. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 21.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Heile» am mit, »aß Herr «abbt»er Dr. Blu«rastet» tu Lnxembnrg mit der Abfassrwa einer Broschüre beschäftigt ist, a»«lchr da« ganze Material de« Prozeffe« gege» da« .Luxemburger Wort" eulhaltea wird, uud zu»ar tu doppelter Nu«gab«, frauzüfisch uud deutsch. Die ftanzöfisch« Ausgabe erscheint schou iu nächster Woche, die deutsch« zu» SchowuauSfeste. Ka» Hlhei», 17. Mai. (Or.-Corr.) Eine zeitgemäße Notiz iu Nr. 20 der .Israelitische» Wochenschriftveranlaßt mich, einige Zeilen an dieselbe zu richten; r« betrifft die Bemerkung wegen Trauungen iu de, Sefirah: Jeder Lehrer «eiß e«, wie schwer r« hält, den Lindern zu erklären, warum Trauungen — die au sich doch religiösen Charakter« sind — i» den .drei Wochen" anderen Lustbarkeiten gleichgestellt werden, also vrrboreu sind. Und doch wird diese Zeit noch in vielen jüdischen Familien pietät«voll begangen. Ganz uud gar kein Berständmß bringen die Linder — und aua> die Erwachsenen — dem »lenden Verbote während der Sefirah entgegen. Daß 24 000 Schüler de« Rabbi Akiba iu diesen Tage» gestorben sind, glauben sie nicht, ebensowenig daß die Lreuzzügr und der Losakenaufstaod so unheilbringeud u «r für den Monat Jjar waren — denn jede« Geschichtsbuch belehrt sie ganz deutlich, daß da« Unglück unsere Bor« fahren auch in den übrige» elf Monaten de« Jahre« nicht verschonte, und sie ftogeu folgerichtig, warum da« Ausnahmegefetz nicht auch auf die anderen Uoglückltage ausgedehnt wird? Wa« soll mau ihnen darauf antworteu? Außerdem würde ich mir auch erlauben, auf einen Gefichttpnukt hivzuweisen, der bei der modernen Gesetzgebung gegen diese« Verbot auch iu religiöser Hinsicht spricht und zwar wegen Befürchtung eine« *77222 > Biele Herren Lol. legen werden schon die Erfahrung gemacht haben, daß (vamentlich von Leuten vom Laude, die kein Minjan haben, bei Venen also da« .Zählen" und somit auch die Sefirah- H»it in Bergeffenheit gerathen ist) Trauungen häufig erst onig« Tage vorher — ohne Rücksicht auf die ihnen fremde Bedeutung de« Monat« Jjar — bestellt werden. Die standesamtliche Aufnahme ist bereit« vorüber, rechtlich si»d sie Man» und Frau; wruu der Rabbiner sie daun — zumal in den Jahren, in denen Lag da-Omar auf «inen Freitag fällt — auf eiuige Woche» vertröstet, dann — doch ich überlaste es den emstchtSvollen Herren College», die Eonseqnenzeu au« diesem Verfahren zu ziehen! — Au knüpfend au da« Trauen während der Sefirah erlaube ich mir noch dem Herr» Eorrespoadrute» ,Au« dem Hannoverschen" (ln Nr. 20) Folgende« zu erwidern: E« wäre gewiß grausam »ud engherzig, dahin z» wirken, daß kleine Gemeinde«, dir keine« Rabbiner haben könne», der Predigt entbehrru, wenn sie einen würdigen, strebsame» und lnstungtsthtgeu Lehrer besitze». Doch erlaub« ich wir, de« Herr» Corrrsp. etwa» daranf Bezügliche« au« dem schöne» Rheinland zu erzähle«: Nirgend« ist die Sitte, daß dre Herren L>hrer predige», so sehr verbreitet, wie am Rhein, da« in semrn fünf großen Regieru»g«bezirke» nur acht Rabbiner hat. Da« war der Anfang, aber ,dat dickste Ende kommt noch" — wie der Berliner sagt! — Die Herren haben sich allmählich eio geredet, daß sie mtndekleu« ebensoviel sind, wie der Rabbiner — ja noch mehr, weil Letzterer nicht singen und schächten kann! Die Gemeinden glaubte» e« ihnen; warum auch nicht? De Raddiner predigt und unterrichtet — der L>hrer auch, ja erster,« »och bester, wie mancher Rabbiner, »ach dem Krimkw scheu Rezept. Der Rabbiner hält Leichenrede» — der Lchrer anchl Der Raddiner traut — der Lehrer auch — und ist sogar «och viel toleranter, wie ta Rabbiner, wenn er »nr seine Gebühre» b,kommt. So z. B. erngnetr sich vor eine« Jahr« folgender Fall in — sagen wir v.r Ein« jung« Wittwe wollt« eine nene Ehe ein gehen, weigerte sich aber, Etzaltzah zu nehme» — als» die Härte, die bei der Chalizah durch Erprrstnngen häufig veranlaßt wird, fiel hier fort. Der Rabbiner iw Orte vermeigerte die Trauung, «in benachbarter Rabbiner gleichfalls, waSallo tbn»? Man ließ de» Lehrer an« D. kommen, *m D'TttiO T®2 2NA B22 - - - Die Herren sehen ruh'g »ach Orten, wo Rabbiner sind, um all« möglichen und unmöglichen Trauungen zu vollziehen; und thon dann unschuldig, al« ob nicht« daran wäre. Die Herren Lehrer habe» notorisch mindesten« */* sämmtlicher am Rhein vorkommende» Trauungen — au den Gebühren liegt e« nicht, den« auch die Rabbiner bekommen häufig unr «in so geringe« Honorar, daß e« ein Lehrer auch nicht billiger macht; die Macht der Gewohnheit reicht nun schon so weit, daß ei» College gegen den Lehrer seiner Gememd« vom Borstaude einen Beschluß extrahiren mußte, daß ihm Trauungen verboten seien, wofür dieser (da ihm solch« im Vertrage nicht untersagt waren) Zulage verlangte!! Da schließlich die Herren eine Trauung unweigerlich in der Sefirah vollziehe», ist e« für die Rabbiner geradezu ein VW geringer Ursachen willen sich die Eoncurrrnz nicht noch mehr zu erweitern. In» de» rßetnIsch-weßfäNsche» Aoßlenrenier, 10. Mai. (Or-Corr.) Die Lohnbewegung der Grubenarbeiter i» rheinisch westfälischen Lohlrnrrvier bietet jetzt allgemein Stoff zum Tagesgespräch. Bei einer Versammlung der Bergwerkarbeiter, di« von mehr al« 2000 Personen besucht war uud der auch ich gerade Gelegenheit hatte, «tt anzuwohnen, wurde folgend« Aeußerung, die wohl die Leser diese« Blatte« gewiß interessire« dürft«, über die Juden von lem Redner der Versammlung anSgrsprochen: ,E« ist ein höchst traurige« Zeichen der Zeit, daß gerade den Juden die schlechte Lage der wirthschastliche» Lerhältniste unsre« Vaterlandes in die Schuhe geschoben wird. Nicht dies« habe« Schuld darin, sonder« die schlimme Lage dieser Verhältnisse ist ganz anderswo zu suchen, wa« ich hier jetzt nicht untersuchen will. Ich erkläre im Namen sämmtlicher Grubenarbeiter, daß wir durchaus keinen Haß »ud kein Boruriheil gegen di« Juden hege«, im Gegentheil. e« fit heilige Pflicht und Schuldigkeit von un«. dieselbe« al« deutsche Mttbürger zu achten uud z« ehren, und bei etwaigen Ausschreitungen, welche wir aber aus« sorgfältigste verhüten wollen, wäre die« Schiwpf «ad Schande, wenn wir-die Juden zur Zielscheibe unsre« Spotte« benutzen oder gar denselben Läden und Fenster demolirte», wie die« iu Wie» bei den Ausschreitungen der Tramway- Lutscher geschah!" Solche Worte, die von einem Manne, der im Schweiße seine« Angesicht« und ans Loste» seiner Gesundhett unten in der Grube vor de« Lohlerr sei« Tagewerk vollbringt, gesprochen wurden, wirke» wohlthurnd auf da« tz«z eine» jwen Inden. Wa« sagt der in hohe» und höchste» Lrrise« sich bewegend« Herr Hofpredigrr Stöcker zu diesen Worten eure« »ach seiner Meinung .ungebildete» Manne«.- Gar manche« kann er «och von diesem Arbeiter über die Näctstrnlirbe lerne», wa« er al« Stoff für «ine ganz« Reih« von Predigten benutze« könnte, die der größte» Verbreitung würdig wären. Abr. Stern. Istarnr» «. Hiß. E« liegt un« der Jah,««b»richt de« israelitischen llnterstützuug«verein« daselbst über da» 28. Bereintjahr vom 15. Februar 1888 bi« dahin 1889 vor. Die «sie» 12 Seiten de« Beruhte« bilden in schöner Ausstattung Gedenktafeln, di« al» Ausdruck der Pietät den dochherzige» G>beru gewidmet find. I» verflossenen Jahre sind de» Verein« 460 Mark für den unangreifbare» Cop>talstock zu» arposte». Der Bericht verzeichnet e« al« erfreuliche Thal- , fache, daß die lluterstützung«ges»che nur 1249 gegen 1272 i» Borjahre betrugen. Die Summe der Unterstützungen belief sich auf Mk. 2802,80. Uadrstützt »nrden: 189 Handwerker (1887/88: 191). 228 Gewohnheit«dertler an« de» Inland« (249), 420 Gewohnhettöbettler an« de« Anslande (306), 25 Commi« (48), M7 verschämte Arme (409), 2 Schüler verschiedener Lehranstalten (4), 48 Lehrer, Gelehrte »nd Lüvfller (58), 24 Personen für Beköstig»»« und Llnduog («X 1 Hospitalitin (IX C« ist übrigen« iuter.ffant, die einzänr» Handwerksberuft kenne» zu lerne» in Hwwei« anf där Umstand, daß jmu von gegnerischer Sette nicht

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