Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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161 VMUtmt ttefcirfiitffe *» reli^-fe«Le»e«» ln Rtll. Dr. »entsch in Bil*. in. (««!,».) Mein« Ansicht geht dohi», baß «ich» dir Eonfirmotion». frier, sondern der Unterricht der Lonfirmandinnen die Hauptsach« ist. Hier joQni fie zunächst die Sittenlehre de» Juden« Itzum», daun aber auch die bedeutmdsten geschichtliche« Thatsachen und sogar da» Gerüste der Religion, als Quellen der Lehr-, Gebet« und Fcfttagitordnuna und, »a« man sonst bi« dahin rinbrzieden will, lernen, damit in ihnen zuerst die Ueberzeugung geweckt werde, daß die Religion da» höchste Gut dr« »rnschlichen Geschlechter sei, daß «an nur durch sie de» Leben begreifen »ad lieb gewinnen lerne, daß nur in der Religion die Quelle der Sittlichkeit sei, und endlich, daß die religiöse Wahrheit nicht wie die große Menge der Halb« gebildeten glaubt, einer Erfindung herrschsüchtiger, ehrgeiziger und eigennütziger Priester ihre Entstehung verdanke. Run wird «an fragen: »Kaan da» nicht olle» von dem regelmäßigen Religioa»vntrrrichte geleistet werden?" Ich gebe R, da» kann geschrhrn, aber r« wird nicht geschehen, nn wie eine Prüfung, so ist auch dir öffentliche Feierlichkeit ein Mittel zur Belebung dr» Interesse» sür die Religion bet den Eltern, wie bei den Kindern und genau so wie noch Niemand behauptet hat, auch nicht behaupten kann, daß e» nach dem Gesetze für den Knaben eine Pflicht sei, mit de» vollendeten 13. Jahre sich zur Thora ausrusen zu lassen, oder die Haftarah zu verlesen oder eine feierliche Revr zu halten, wie e» in frommen Familien geschieht, oder einen von dem Rabbiner eingevrillten Bortrag einer Talmudstrlle zum Besten zu geben, wie da» Sitte war. Und obwohl Niemand behauptet hat, so etwa» sei gesetzlich nochwrndig, hat man e» doch gehalten, well man den Nutzen drflea für die religiöse Erziehung de» Jüngling» erkannte. Waru« sollen nun wir, wenn da» Bedürsniß vorliegt, die weibliche Jugmd dem religiösen Fühlen näher zu bringen, deren Hervortreten in die Oeffentllchkeit zu diese« Zwecke scheneu. Mau sagt, da» beruhe nickt auf traditioneller Bast» und deödalb wird r» sich nicht so einbürgern, wie die Barmizwah-Aeier bei den Knaben. Da» wollen wir abwarten. Man gebe un» die Probe nnd besonder» in den kleinere» Gemeinden, «o der Rabbiner durch seine persänliche Einwirkung die Feier zu einer obligatorischen machen kann. — Die wahre Erlösung muß ein« allgr«eiue sein, wie Mose zu Pharao sagte, der ihn auffordelle, nur mit de» „Männern" Gott zu dienen. „Mit Jung und Alt wollen wir ziehe», mit Söhnen und Töchtern, den» «» gilt die Ehre dr» Herrn (II. Mos. 10. 9). — Die Einzelheiten in der Form der Feier lasten sich nicht allgemein vorschreibe». E» ist hier auf di« lokale» Verhältnisse der Gemeinde eine besondere Rücksicht zu nehmen. Die große Stadt z. B. läßt e» nicht zu, daß jede« einzelne Mädchen «ine Frage zu beootworte» habe, welchr längere Zeit in Anspruch nehme» müßte, doch aber sollte mau nie auf die acttve Theiluahme der Jugend verzichten. Ohnehin ist in de« moderne» Gotteödienst schon et» Theil jener traditionellen Macht der Belebung de» Gotteödirnstr» geschwunden, welche Jeden in der Gemeinde beschäftigte. Zn« Theil hat da« ja sei» müssen, well da» Bedürsniß muh besterrr Ordnung e» so verlangte. E» ist aber kein Zweisrl, daß heute di« Gemeind« viel z» passiv bleibe» muß. Sie hat bei Gebeten, bei Gesängen und bei der Predigt zuviel zu schweigen und da» ist von Urbel, wen» ich auch nicht zweifle, daß mit de^ Zell auch hier wieder eine Festigung der Sitte Platz greifen wlld und statt der Sucht in Liedertexten und Melodien immer Reue» z» bieten, jene «ohlthättge Stabllität Platz greisen wlld» welch« in der alte» Zeit die Theilvahme der Gemeinde an de» Gollr»die»st so selbstverständlich «achte. Ebenso «eine ich, müßte c» mit dem Gebete fei», welche« der Rabbiner für die Eonfirmande» »errichtet, »ad in welche« denn Rame» anödrücklich genannt »erde» müßte«. Trotz alledem will ich nicht sage», daß diese Ansichten nnd Formen ranonische seien, denn die Einigkett ist nicht durch knechtische» Zwang, sondern durch die Einbürgerung de» Beste« zn erzielen, wir ja auch d>e Gedrtorduung EL Ainram», die «nserem Siddur zugrunde liegt, de» Gemeinden nicht aufoctrotzllt wurde, sondern sich nach und nach allgemeinen Eingang verschaffte. Ja solchen Dingen gilt da« Wort beu Soma«: „Siehe dtcse Volksmenge, so verschieden »ie ihr« Gesichter, sind ihre Gedanken, und olle hast Du erschaffen zu gegenseitigem Beistand." (Berachotd 68 a.) IV. Wa» den Eultu» in der Gemeinde die Erwachsenen betrifft, hat sich in den letzten z-hn Jahren Biele» zum Bortheil geändert. Trotzdem dürfen wir nicht vergeffen, daß noch mancherlei zu thun geblieben ist. Daß diese Aenderunqru au« einem wirkliche« Bedürsniß hervorgegangen sin", kann ja niemand leugnen, da ja heutzutage in dem gebildeten Europa auch die äußerste Rechte de« Judenthum« g*oße Zugrständuiffe an dem Geist der Neuzeit gemacht hat. Knadenchor, deutsche Predigt und Hinweglassu ng einzelner Stücke au» dem Festgebetbuch, sind allgemein al» nothwendig erkannt und durchgrführr worden, obwohl die Zeit nicht gor seine liegt, wo man all' da» für schwere Ä tzern hielt. Auf der andern Seite aber hat auch uusere Linke noch immer an einzelnen ererbten Urdelständen zu leiden. Unsere alte» Lhasanim hatten von ihrem B'rufr eigentlich die Anschauung, daß sie da» künstlerische Bedürsniß der Gemeinde zu befriedigen hätten, denn damal» war die Synagoge der Ersatz für all' da«, wa« da» gesellschaftliche Leben heule bietet. Darum führte der Borbeter gerne an j dem Feiertag ein neues Stückchen vor, und, wenn e» aur der Einfall gewesen wäre, eine Melodie au« dem Troubadour für den Mustafgoltködirnst am Neujahrttage zu verwenden. Die Gemeinde, die mit ihrem Gebete schon fertig war, hört« dann gerne zu, selbst Gaffenhauer konnten da. verwende: werden, wenn sie nur neu waren. Der Geschmack und die musikalisch« Bildung unserer Lautoren lassen wohl heute eine solche Verwirrung nicht mehr zu, aber da« Princip, daß die Gemeind« unterhalten und nicht erbaut werde, daß sie nicht Thellaehmerin sondern Zuhörrrin de» Gottrödieaste» sei, ist noch heut« sowohl unter den Cantoren al« unter den Gemeinden gar vielfach verbreitet. Die Predigt der alten Zeit litt an derselbe» Schwäche. Auch der Prediger meinte, er müstr die Gemeind« unterhalte», oder sagen wir r» milder, „überraschen", und die Gemeinde war der gleichen Anschauung, wa» ja ganz natürlich ist, da der Geschmack der Zeit dre Geistesrichtung bildet, und nicht umgekehrt; da» Zettaller macht seinen Führer, sagt der Talmud 'cS rruö m Die Folge dieser Anschauung war. daß der Prediger zumeist llgrnd eine dunkle Stelle au» dem rabbinischen Schriftthum hervorsuchte, oder eine an sich ganz deutluhe Stelle unklar machte, indem er sie au« dem Zusammenhänge riß und so lange au ihr herumquälte, bi» sie einen Sinn erhiett, den niemand darin vermuthet hätte. Frrllrch wlld wohl heute niemand mehr in der Predigt de» Bewei» führen wollen, daß Haman und Esther über da« rabbimsche Hypothekenrecht diöputtttrn, aber dir Sucht nach de« Unnatürlichen zeigt sich noch heute vielfach sowohl in der Wahl de» Texte» al» in der Erklärung der cttirten Schriftstelle. Ich will nicht zu schlecht denken, wenn jemand dem Geschmack semer Zuhörer einigermatze« Rechnung trägt und nicht den Muttz hat. mll Gefährdung seine» Ruse» der so lange herrschenden Anschauung Trotz zn bieten, aber wir sollten doch noch an dll Wolle de» Propheten drnkea: „Laß sie »mkryren zu vir, aber du sollst nicht zu ihnen umkehreu." (Jeremia 16,19.) Gerichte «»> Magdeönrz Mt Beug aus die vielfach an »u« ergang«»«» Anfragen wegen Sondaräbzng« der in »ns. Bl. veröffrntticht« Anklagen»« da» Lnx«mb«rger Staatsanwalt»