Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 78% known words query
- IRI
…/5369809-5935066-5956586--7131-5373181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
habm. £• war und ist kein dankbare« Werk, den antisemitische» Angriffen entgegenzutrrtrv. Ueber diese ein kurze« Wort. E« giebt überall anständige Menschen, .Richtgent- Innen* und Taugenichtse. Daß die beiden letzten Kategorien auch unter den Juden zu finden sind, mag vielleicht einen weltunkundigen HilfS-Bibliothekar, der sich um da« Setriebe der Menschheit nicht kümmert, in Erregung bringe». Dem besonnenen VolkSwirth, wie dem ruhig denkenden Politiker wird dir« zwar stet« tadelnSwerth, aber auch stets natürlich erscheinen. Hier Hilst kein Schimpfen und Zetern, sondern praktische Vorschläge zur Befferung thun allenthalben «oth. Und da gerade von dem Zusammenhänge von Jadenthum und Politik die Rede ist, zum Sebluß noch eine Bemerkung. E« ist eine bedauerlich« Erscheinung, daß die Anschauungen, die Hoffnungen und Befürchtungen der Juden durch Niemanden an den maßgebenden Stellen im Reiche und in Preußen zum Ausdruck gelange». Sie kommen dem Fürsten Reichskanzler, wie den ander« BertrauenSmänneru der Krone nur selten oder gar nicht zu Gehör. Geschähe t», so dürfre Manches bester werden. — Ja Wien hat mau dies endlich ringesehen, und ein diesbezügliche« Memorandum ist dem Ministerpräsidenten durch den Vorstand der Gemeinde üuerreicht worden, deffen Erfolg sich bereit« — durch daS Verbot der für den 18. d. Mt«, von ten antisemitischen Gemnnderätheu eiubrrusinea allgemeinen Versammlung gezeigt hat. wird sich der Vorstand der Hauptstadt de« deutschen Reiches nicht ebenfalls endlich seiner Pflicht bewußt werden und zu einer solchen Thal ermannen? Aar StrafurtheU gegen das ^««mönrger Mort" liegt nun in seiner ganze» Ausführlichkeit vor. Da« gen. Bläu muß e« selbst veröffentlichen. E« kämet wie folgt: .I« 92<ioui, Seiner Majestät deS König« der Niederlande, Graß» herzoq« vo, Luxemburg: Sir «dalph, von Gatte« Gnade» Herzog van Raffau, Regent d»S Großherzogth»«» Luxemburg, rc. x. Alle» segenwärtigeu und zuLnstige» Gruß! Lhu» kund und in missen, daß da» Bezirklgnicht non und zu Limmburg, falgende« Unheil «klaffe» hat. Leffemlich« Sitzung vo» 2. Aprst 1889. Da» Bezirltzgeridst von Loxemdurg, Zncktpolitzeikammer, Hat folgende» llrtbeil erraffen. In Sache» de« öffentlichen Ministerium» gegen: Selter »ndrea», VS Jahr« alt, Redakteur, geboren zu lllptugeu, wohnhaft z» Laxeorburg. Sachverhalt: Der Sechverhalt d'r gegenninige» Prozeßlache erhellr zur Genüge au» den Uride>leo, erlassen durch da« HMsiu« Zuchtpolizeiaericht vom S. Mürz 1888, smuie au« einem ErkennI,iß de» Obergenchtshaft» von Luxemburg vom 12, Januar 1889. Ja der Sitzung de» hiesige, Polizeigericht«» vo» «6. Februar letzthin, wo dt« Sach« wieder ausaeruse», »uro« dieselbe aus verlange» de« Beschuldigte» uud »nter Zustimmung de» »ffemlichrn Mlntsteiinm« aus jene vom 12. März 18v8 vertagt, in welch letzterer di« Sach« »usgerusr», dm Lag« berseiben von de« Hern» Beller, Substitut-Staat«» aawali voraetragen wurde. Der Beschuldigte, we'cher gezenwlrtlg war, wurde i» seine» BeNheidig»no«grü»de» durch b«u Advokat»Ruwalt Philipp« vech «»gehört, welcher autrag, wie folg«: , qn'il plaiao au tridnnnl envoyer le prsoouu äo» üua de In plainte, ot dire qn'il » ozi äo bona« toi et Mn* intention dälictaeaa«; — auondUrement ordonner d’ office one expertiie, per des bomme# da ecienae k reehercher ai Im doctrinM önono^M dans Im deoz articlM incrimm»« aont oontennas et eXprimiM dans le Talmud et den« le Schalken nach, et que cm deax Uttm aont encore «qjoard’hai los livree aognudiqaM de I» religion jrive; — qne notemmnnt Im dogmM 6t thöoriM reproduitei dan» 1’ ezploit d’,w«ign»tioTi et dauo Im «rticlM incrimioee y aont contennea, k uvoir: ,D«r Talmud giebt de» Jude» et» Recht a»s all« Güier der GMim» d. h. nicht Job» ober Heid», daher ist e« de» Juden erlaud», die Christen zu betrüge, und z» bestehlen, wo e» sich ungestraft chnn lasse. Ebenso ist «» ihnen erlaub«, j de, Chiist», mich den best», z» tidlen. DaS Gesetz Mose«, welche» sagt: .D» sollst nicht lödre», »icht ehebrechen, nicht steht», lucht falsch schwören,' bez letzt »er Talma» „r mrs dM IS«, nicht ab» ans Mt Gal a» «.sw. .Der Talmab vrrlanzt, daß bi« Jaden jeden Sarge, tzlüh« und Bermünschangen gegen bM christliche ldtrö», ihm Priest«, ihre Könige »ad »I« Keiade Jtzrael» autsioßen fallt,n.' Lt »i Io trrbnnal n' ordonnait paa d'ctüco oette expcrtise, admettre le prtvenu par tont Im moyens de droit et notamment par tömoin» et experte k 1* prenre de cee feit» önonoös. Herr »elter, Sadstttut StaatS-Aawalt, trug aas «erurchetlang de» Besch»l»igtra. Da« Gericht nahm hierauf di« Sache I» Berachang u,d erließ in der Sitzung vo« heul'gen Tage folgende« Unheil: 1 I» Erwägung, daß die Thatsache», der ,u verhavdelnden Sache in de» Unheil» de» hiesigen Auchtpolizeigericht«« vom d. März 1888, 6. Juni 1888 and 26 Jum 1888, saw'e i<> de« Erkeantniff« de« Odergerichtlhase« von Luxemburg, vom 12. Jiauar 1889 »«Hallen find; I, Erwägung, daß di« «erhandluag». welch« ans «nftehea de» öffentlich» Ministerium» vorgeao««» wurden, bla» «ehr gegen dm Beschuldigte» »ndrea« Welter zu führ» sind, «:lch«r sich in der Sitzung de» hiesig» Znchtvolizeigerichtr» vom S. Mörz 1888 al» Antar der incrtmialNen Anikel «rklän hat vnd auch durch UnheU van demselb« Datum von de» des. Gericht« al» Antor onerkauu» ward«; I, «rwSguuch daß dt« ineriminiiten «Nikel der Zeiwng .Lux-mburger Wart' erichMnen sind und »war I. I» Rümmer 4, Seite l, Colonne 4. vater dn Ueberschrift: .Eesährlichkeit der Juden', beg'nnen» mit de» Wan«: .Manche M»«chen' an« endige,» mit .vor der Barbarei der Jnd» za schützen'; II. in Rümmer 6, Sei-e 1, Colann« 8, muer der Ueberschrift: »Die Jude», bM König« uusern Zeit', b Eignend mit d« Wart»: »Diese« ist der Titel', »ad endigend mit: .in ihm» Ä» a*b J-dngaffe»'; daß besagte Ramm er» z« vntheilnng fiod; In «rmilgnng, baß dies« Artikel, we,» auch mit dogmatische, Sittzen »nd A,«zitoe« an« dogmatisch'» Werke, vermischt. »ich: al« reine Abhandlung über «in« fremd« ReUgianSIehr« von philosophischem Standpunkt« »r«; Daß vielmehr, sowohl au» der ganz«, Contrxtnr der des. Artikel, sowie an« einzeln» Theilen derselbe» hervorgeht, oah sie ein» bö». willigen Angriff, «ine velchtmpsna, und Beleibt,»a, de« jüdisch« Glaub««, .ine« im G-osthrrzoglhum rrchtmlßig bestehende» Cnltn«, eoihalt» und bezweden. Daß da» Einrückeu dieser Artikel in «iee besonder» van der LanbbevSlkernng de» »roßhrvgth«»» viel gelesen« Zeit»», »nr de« Zweck Mb«» konnte. bMselb« gegen ihr« ,übisch» MnbLger »uszHetzen; I» Erwägnna, daß dies« Anikel Äs» »ine ZirwiderhrnblMg gegen de» Artikel 12 de» Gesetze» vom 20. Juli 1869 über bie Press« begrün''««: I, Erwägung, baß e« unerheblich ist. ab dM t» den erwähnten Artikel, aigeführie verderblich« Lehrsätze in irgend «ine« Rellgtme«. buch« der Jude» »Mhalte» sind oder nicht, da da« «ergehe» der dnrch des. Arrit-l 12 vorgesehen«, NN» bestrafte, Beschimpfung (ontrago) wohl besteht, «ich wenn die dem beleidigen Cnltn» vorgeworfeoe» Toaisachen wirlltch wahr sind; laß samtt der »»gebotene S-hrh«it»demd» al« ttnyiWfifl erfAcim; I, Eiwäg,wl. »aß der von de» Beschnldigten erhaben« Einwan», daß er dM besagten Anikel an« der tu »ubuque (Amnika) erscheinende» »Luxemburger Gazette' gezogen Hab«, belangla» ist, da er dnrch Artikel 18 de» de». Gesetze« vo» 2V. JÄi 1869 zurückgemiese» wird; I« Erwägung, daß mildernd« Umstände für de« Beschuldigten vorhau»«« sind, bestehend in deff» sonstige« gute» Betragen; Nus diesen Grü»dm: »erurtheilt da« Ga icht contradMtvrisch »erfahrend deu Beschuldigte» zu einer Geldbuße von fünfhundert Kranken und zu den Kost« de« Berfahren», über welch« bi» jetzt »och nicht beüimmt worden. Berordnel außerdem hm Einrückung de» gegeiw»ni;ea Unheil« aus Kaste» de« Beschuldigten tu die Zeitung ^Lrqauburger Warf und zwar tu eu.em Zeitraum« von 8 Tage» nach Zustell Mg he» UnheU« au den Beschuldigten; Stellt dM Dauer de» Personal-Arreste« skr dM Geldbuße aus vier Moaatc fest. Als» geuriHeist «nd vrrkündn in der öffeuUichea Sitzttug z» Luxemburg, wo aege»wSnig waren dM Herren: Ttztlge«, BMe-Prlsident, «ajeru» und Marth». Richter, welch« dMse« Unheil mit dem HilsSaerichlbschieiber unterschrieben habe», am Tag«, Monat »ub Jahr wre oben. Gezeichnet: Thtlge«, Majern», Martha und Cravatte. Befehle» und verordnen alle» GerichGoollziehene, welche damit beanfteagt werbev, gegenwäNig!« Unheil tu Bollstreckan, zu bringe». Unser» Gen«ral-Staat«-Avwalte »nd »user» Staat«oawtltr» bet de» Beztrkbgaiqien darüber zu wachen. Allen Beamten und Commanbante» dar »ffaultchea Macht statt« Hand zu leiste», wen, st« gesetzlich dazu ansgisorden werde». Z« Beglaubigung dessen wurde gegenwärtig«« UnheU »an de« Herne Bice-Prästdent, den gesngte» Richter» »»» de« Hils«aericht«- schreib« anterschrMbe» uud Gegenwtrttget »st de« Siegel de« Bezirksgerichte» versehe». Kür gleichlautend« «»»frNiguug der G«ncht»schreiber. gezetchnNr Haurt. Kür gleichlauMnd« Ahschrtst, Reisfer«.