Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Herrn Autors find: 6« gnatibns non e«t disputnndnm. — Wen» «brr angeführt wird, die dentschea Herren hätten wohl weniger jüdische Swtsbediugung, aber mehr dentsche Schulbildung, möchte ich dem doch sowohl im Iotereffe deältesten Rabbiner Institutes Deutschlands, als auch der österr.»ungarischeu Monarchie, die ihre besten Jünglinge ins Breslauer Seminar seiner Zeit entsandte, ans Grund von nachweisbaren Thal fachen widersprechen. Gerade die jnogen Leute, die ans Oesterreich kamen, hatten alle die Maturitätsprüfung zumeist mit Auszeichnung bestanden und nur au« moderner Geistesrichtung heraus eine deutsche Hochschule ausgesucht. (Auch wir theilen bekanntlich die Ansicht des Verfassers jene« Artikels in diesem Punkte nicht. Red.) — Die große« konfessionelle» Gegensätze nach Innen und Außen haben auch in den Stätten der Krankheit nud des Eiechthum« ihre beklagenswerthen Opfer. Mir find verhältuißmäßig viele jüdische Theologen bekannt, welche das Unglück hattm» theil« nervenkrank zu »erden, theils dieser Krankheit zu erliegen. So Höne ich in Wien, daß Dr. Gastfreund, der Verfasser von .Mohammed" und der .Wiener Rabbiner" daran gestorben sei. Bor Kurzem starb der ehemalige Neupester Rabbiner und Begründer der Pester Reform- Gemeinde. Sterenyi in der ungar. Landesirrenstalt. Am zweiten jüdischen Ofterfeiertage erkrankte der Prediger des Marienhilfer Tempel« zu Wien, Dr. Ungar, Zögling der Berliner Lehranstalt für Wiffenschaft de» Judeathums. Das genannte Gotteshaus ist recht stylooll, wurde jüngst erst neu erbaut und ist da« einzige, welche« in Wien Orgel-Gottesdienst hat. Amerika.. Hlew-HorL. Der .American Hebrew" schreibt in einer seiner letzten Nummern: Außerordentlich befriedigend ist die Art und Weise, in welcher unsere amerikanischen Glaubensgenossen ihre» deutschen Mitbürgern bei der Handhabung des jüngsten großen Bazar» zur Errichtung eine« .deutschen Hospitals" zur Seite gestanden haben. Einige Israeliten waren auf« innigste mit seiner Leitung verwoben, und ihre Gewandtheit und ihr Unternehmungsgeist trugen viel zu dem außerordentlichen, pekuniären Erfolg bet, von dem der Bazar gekrönt war. Wir heben dir» nicht aut Eitelkett «ad Prahlerei hervor, sondern hauptsächlich in der Absicht, um die Aufmerksamkeit der Antisemiten Deutschland« auf diesen brüderlichen Geist» seiten« der Deutschen u»d Juden zu lenken, welche so herzlich und einträchtig au einem menschenfreundliche» Werke zusammen arbeiten. Wir hoffen, daß sie sich dies z« Herzen nehmen werden und daraus lernen, daß auch die Jude» die Elemente echter Menschlichkeit in sich tragen. (In gleicher aufopfernder Weise letheiligea sich anerkannte maßen die Juden in Deuischland an den Sammlungen für die deutschen Reichswaist »Häuser. Red.) iKumättirn. Berl ick, 5. März 1889. Der Wunsch und die Hoffnung, gewisse Borurtheile zu zerstören und irrige Ansichten zu berichtigm, so wie der Gedanke, dir brüderliche Annäherung hüben wie drüben zu fördnn, veranlaßt mich einigeauS meinen Reiseerlebniffen in Rumänien zu veröffentlichen. SIS mir dir Lobrl-Mitthtilung wurde, ich sei zum Delegaten erwählt worden, den Orden in Rumänien zu organisiren, folgte ich mit einem gewissen Zagen diesem ehrenden Rufe. Nachdem ich aber den Besuch de« gegenwärtigen Präsidenten der .Groß-Loge Zion", in Berlin empfangen hatte» und in demselben einen weltersahreoen, sür jüdische Interessen warm fühlenden Herrn kennen lernte, ging ich mit volle» Vertrauen an die mir ubrrttagene Mission. Bei meiner Ankunft in Bukarest ttat ich sofort mtt dem Advokaten Herrn Dr. Ad. Stern in Verbindung und lernte durch düsen ausgezeichnete« Mann, die Herren Rabbiner Dr. Beck, Dr. med. Blumeufeld, Dr. Josef ") Die Aufnahnre des obige» intereffaMrn Berichts des Begründers des Bire-Bruh-Ordeus in Deutschland erfolgt unter der alleinig«» Berantwortlichleit des gesch. Linsender«. <D. Berk.) Stern und Dr. med. Erdreich kennen, mit allen diesen Männern gestalttte sich der Berkehr sehr schnell zu einem herzlich freundschaftlichem Berhältaiß. Ja Bukarest tagte gerade die Jahresversammlung einer über viele rumänische Städte verbreiteten Brreiniguna» das Synhendrium .Zion". Ja diese Versammlung eingeführt, wurde ich wahrhaft überrascht durch die dort herrschend« Discpliu und den parlamentarisch'« Tact, mit welchem die Verhandlungen geführt wurden. Zum Worte verstattet, trug ich die Tendenz unseres Orden« vor und erläuterte die Prinzipien desselben. Es folgten Reden und Gegenreden, die schließlich den einstimmigen Beschluß zeitigten, sich dem Orden der Bnoi Brüh anzuschließen. Erfreut, eine Anzahl gebildeter. intelligenter Männer gewonnen zu haben, die von dem edelsten Mitgefühl für unsere StammrSgenoffen erfüllt, auch im ganzen Lande in hoher Achtung stehen, teaf ich kraft meiner weitgehenden Vollmacht die Vorbereitungen zur Installation der ersten Loge auf rumänischem Boden. Am 2. März constitunte ich die Fraternitea-Lozr I. Nr. 380 in Bukarest. Sodann iustallilte ich in schneller Folge: Peixotto- Loge II Nr. 381 in Brailo, die Bien-Loge III Nr. 382 in Galatz. Egalitatea-Loae IV Nr. 383 in PloeSc', Lupiarorul-Loge V Nr. 384 in Craiova, Stern-Loge VI Nr. 385 in Tura-Sevrin und dieD ist ricts-G roß-Loge Zion IX in Bukarest. Die Beamten der Groß-Loge stad: Pr. Advokat Br. Dr. Ad. Stern, 1. Vicepr. Rabbimr Br. Dr. Beck, 2. Bicepr. Dr. med. Blumenfeld, Secrrtär Dr. jnr. Josef Steru^ Schatzmeister Dr. Gabriel. An den osfizirllen Act der JnstaUirung der Groß-Loge schloß sich rin glanzvolle» Festbankeit, dos alle Brüder in der schönsten Harmonie bis zur stühea Morgenstunde vereinte. Die Groß-Loge Zion iustall'rie später je eine Loge ia Verlad, Focscani und Buzen, so daß Rumänien einstweilen 9 Logen und eine Groß-Loge hat. Sämmtliche Logen, mit Ausnahme der Bien-Loge in Galatz, haben ihre besonderen schön auSaestattrten Hallen. Die Bien-Loge arbeitete in tun prachtvolle» Räumen der Freimaurer-Loge, die unter dem Groß-Orieut von Frankreich steht. Unscre rumänischen Freunde haben es längst erkannt, daß nicht alle unsere StammrSgenoffen wirllich gut sind, und wn'skn, daß da« an der mangelhaften Erziehung und ungenügenden Ausbildung liegt, deshalb widmen sie dem ErziehuugSwesen der ärmeren Klaffen ihre ganz besondere Aufmerksamkeit. Die große Liebe, Hingebung und Opfer» sreudigkert wird nicht allein durch Erhaltung vorzüglicher Schulen bethätigt, sondern den Kindern wird neben freien Unterricht auch das nöthigr Schulmaterial und Bekleidung, gewährt. DaS Erziehuugswesen in Rumänien verdient die vollste Sympathie und Unterstützung weiterer Kreisel — Br. Dr. Beck in Buckorest hat di« Schule dott auf eine Höhe gebracht, der die größte Anerkennung gezollt werden muß! In PlorSci und Craiova besucht« ich die Schüler» und wohnte dem Unterricht in sämmtlichen 4 Klaffen bcv jede Klasse hat täglich auch eine Stunde Deutsch; es fft wahrhaft zum Erstaunen, was in den Schulm geleistet wird, es ist um so bewunderungswerther, wenn man weiß, daß die mefftea Kinder im Elternhause nie eine Silbe Deutsch hören, zu Hause wird nur rumänisch oder spaniolisch gesprochen. Die Schule in Ploesci zählt 190 Schüler, 150 jüdische und 40 christliche, darunter den Sohn eines katholisch« GeisUichen. Bon den christlichen Kindern nehmen 6 am jüdischen RrligionS-Unterricht theil. Dir 190 Kinder werde» von 6 Lehrern unterrichtet. In Craiova unterrichten 9- Lehrer 180 Schüler. Alle Lehrer an dm genannte» Schulen sind tüchtige seminaristisch gebildete Kräfte, die bester« Besoldung verdimen, als sie ihnen die Gemeinden bittm können. Groß-Präsidmt Advokat Dr. Ad. Stern, der die Seele des Distrikt» 9 ist, hat da» bleibmd« Verdienst, in Gemeinschaft mst Br. Benjamin F. Peixotto in New-Uorh welcher früher als General-Konsul der Vereiniztm Staat« « Bukarest