Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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- IS» — Religionsunterricht «nf» Beste das Judenthum würdig repräsentttrnd eiogaichtet werde», wobei sich ebenfalls die Mitbegründer, pegruwärttge Borsteher Herr Hammel und Gottheil wie der frühere erste Vorsteher Herr Julius Mainzer, Soh» des sei. Rabbiners aus Weickasdeim (Württenberg). hervorragend« Verdienste erworben. Der jüdisch« Religionsunterricht wurde durch Entgegenkommen der hiesigen Schuldirek» tarn in die Zeit der allgemeinen Reliftionsstunden verlegt. Auch wurde es durchgesetzt, daß die Eeusur des jüdischen Religioaslehrers gleich der des christlichen auf den Zeugnissen der Gymnasien und Bürgerschulen als vollkommen gleichberechtigt fignrirte. Das Streben des Herrn Meseritz war »»auSgrsetzt daraus gerichtet, die hiesige Gemeind« gegenüber der anderen Stadtbevölkerung auf« Würdigste zu repräseu» tirrn und jede, selbst die geringste Baaulassung zu gegenseitige« Reibungen zu verhindern. Dasselbe wohlwollende Interesse, das Herr M. der Gemeind« entgegen gebracht, widmete er auch dem Lehrer und Prediger derselben. Innige Freundschaft verbanden Barsteber und Prediger miteinander. To gab er den anderen Gemeiude- «irgUedern ein Vorbild der Werthschätzung des Seelsorger», das nicht ohne Früchte geblieben ist. Sein Grundsatz lautete: Der Seelsorger muß „fibct*, nicht .unter" der Gemeinde stehen. Niemals grsiattete er sich irgend »elche Eingriffe in dessen Befugnisse. So kann Hr. M. gar vielen Vorstehern, die ihre Stillung durch Nichtachtung der Gemeindebramten mißbrauchen und hierdurch dem Judenthum selbst unbrrechenbarrn Schaden zusügrn, als Muster und Beispiel dienen. Möge Herr M. tu seinem neuen Domicil Glück und Anerkennung in dem Maaße finden, als er es vermöge seiner heruorrogenden Eigenschaften verdient. Sein eifrige« und uneigennützige» Wecken für die hiesige Gemeinde haben ihm und seiner edlen Gattin hirrselbst ein ehrenvolles Andenken allezeit gesichert. Waluz. 25. April. (Orig.-Eorr.) Wie sich doch die Zeiten ändern l Al» man vor Jahrzehnten auf den Rabbiner- Versammlungen und Synoden manche Härten im jüdischen Religionsgesrtze dadurch zu mildern suchte, daß man sagte, nickt biblische» Verbot, sondern infolgedesien wurde hier z. B. die andern Gemeinden (wie Breslau) .rabbinisch" (von Geiger) abgrschafft, und Festtagen zu nichtgesebästlichen dir« oder jene« sei ja nur rabbinisch, — Orgel eingeführt, in der zweite Feiertag al« da« Fahren an Saöbath Zwecken von vielen Rabbinern gestattet — da wurde von orthodoxer Seite gegen eine solche R a v g Unterscheidung der Religionsgesetze gezetert und protestlrt; aber wa» erleben wir nun? Da» hier erschernende »Eentral-Organ für das orthodoxe Judenthum" bringt in der Extra-Bttlage zu Nr. 23 ttrom 21. März) eine Abhandlung über .da« Schemitta» Jahr 5649" (Verbot der Feldarbeit in Palästina), in welcher als Hauptgrund dafür, daß man heutzutage nicht mehr nöthig habe, diese« in der Bibel stehende Verbot ru beobachten, wiederholt angegeben wird. das> .alle Schemitta« Bestimmungen jetzt nur noch rabbilltsche Anordnungen sind" (das. S. 110). Zur Begründung duser Ansicht werden die grtthttesten Talmudiften au« Palästina und Rußland angeführt. — Der Herr Brzuksrabbiner Dr. Salveudi unterzieht sich der dar>kr«»w«rthe. Ausgabe, diese in hedr. Gutachten und Abhandlungen niedergelrgten Entscheidungen in unser geliebte* Deutsch zu übersetzen und der .Israelit" beritt sich, diesen Grundsatz der Reform nrdi et orbi al« Heilewahrhert kund zu lhun. Daß «tt diesem Grundsatz Mt Sanktion da Orgel von orthodoxer Seite aus» aelprochea und fast allen Reformen Thor und Thür ge« stssnet ist, scheint da« R»dakttok«-Dl»»kurevpaar nrcht grnurtt zu haben. Dann fehtt auch jeder Grund da Separation da .Relrgumsgchllschaft" in da heesigen Gemaud«, die sich jß ui wegen der Orgel »ad eruigrr tuliurüen Reform«» rabdinischer vabom vor Jahre» vollzo* Wru» da« da sel. Aub erlaubt hätte, a hätte sicherlich ausgerufen: "TPI3 .DTI9 rtnffl »Gepriesen sei, da die Zeiten ändnct." Oesteeretch-Umgea». Wie», 10. Mai. vor wenigen Tage» erschien «ine Abordnung de« Verein» für Wiena Stadtinterrfsen und Fremdenverkehr, woblqemerkt eine Abordnung gut christlicher Bürger, bei dem Ministtrpräsidenten, um ihm, gleich da jüdischen Eultusgemeinde, eine Denkschrift gegen die Auswüchse des Antisemitismus zu überreichen; da Führ« da Abordnung, Baron Pirquet, betonte in seiner Ansprache an den Grafen Taaffe, „daß die Entwickelung, die Wohlfahrt, da Reichthum der Stadt wie nicht minda da» Wohlergehen so viel« Bürg« und GcwerbSleute durch den Antisemitismus nur Einbuße «leiden, di« christlichen Gewabe und die Kunstindustrie lägen in Folge dieser politischen Krankheit ganz darnieder." Und was antwortete der Herr Ministerpräsident auf diesen Nothschrei ein« angesehene» und lokalpatriotische« Körperschaft? E» sei schwa für die Regiaung, jene Ausschreitungen da Prefie und Vereine zu verhindern, da unsae Preß- und Vereinsgesetze zu liberal seien. Schwer ist es allerdings, auf eine solche Antwort keine Satire zu schreibeul Derselbe Staatsmann, welch« erst ganz vor Kurzem au die Polizeiorgane eine Jnsttuktion erlassen mußte, weil fie vo» dem vereinsgesetze einen allzu drakonischen Gebrauch machte«, wagt die Behauptung, daß ihm gegen die Ausschreitungen de« »uttsemitismus durch da« Gesetz die Hände gebunden seien I Und wa» von der Polizei gilt, da« gilt auch von den Staatsanwaltschaften. Man hat den Uedereifa derselbe» in der konfiscirenden Anwendung de« berüchtigten Haß- und Bnachtungsparagraphe» durch einen brsoudereu Erlaß erheblich einzndämmen gesucht. Das Wiener Anttsemitenblatt des Abg. Vagant wurde zwar zwei mal confiscirt, ab« nur» weil es die »polnische Wirlhschaft" im Finanzministerium einer abfälligen Kritik unterzog, »egen sein« fortgesetzten schäm- und rückfichtslosen Beschimpfung semitischer Staatsbürger wurde ihm kein Haar gekrümmt, obwohl gestern Dr. Meng« dem Hause eine Blütenlese der haarsträubendsteu publiciftischeu Gemeinheiten aus diesem und geistesvawandten Blättau zum Besten geben konnte und zu der für Oesterreich und seine Regierung beschämenden Schlußfolgerung gelangte, daß iu Oesterreich eine vollständig »«»gleiche Justiz" geübt wndr. Das Beispiel Ungarn« beweist, daß man dem Antisemitismu« schon beizutommen vermag, wenn man nur will. Selbst Graf Taaffe wird zugebeu, daß die persöuliche Freiheit und da» Recht da freien Meinuugsänßeruug jenseits da Leitha ganz ander» geschützt und geachtet wird, als bet un» und doch hat es die Regierung Ttsza's verstanden, seit dem Falle von Tisza-Eszlar den Anttsemitismus fast gänzlich au« dem öffentlichen Leben zu verdränge». Mau muß dazu eben nur de» ernsten Willeu haben. Und dieser mangelt dem Labinet Taaffe. Z»s 3t*g«f«. (Orig.. Loa.) Unsere Regierung ist zu sehr von dem Patriotismus da Magyaren jüd. Loufesfiou übazeugt, als baß fie nicht gegen den Anttsemitismus Wacht halt«» und Grenzsperren aufrecht erhalte» sollte. Jusdesoudae hat die Nation von dem Siutrtttt de« neuen Juftizmiuifta« Prof. Desideriu« oon Szilagyt tu« Labinet Tisza die beste» Erwartungen. Dieser hochgebildet« vorurtheilsfreie Stoatsmaun und Gelehrte wird gewiß die Gerechttgkeit nicht uach de« Buchstaben, sauber» ans da sittliche» Wahrheit haau« beurthrile» und handhaben, wodurch für imma eine Ttsza-Eszlara Affaire unmöglich würde. Ada auch im Wester» da Monarchie beffert fich's, Gott lei Dank. Bei de« Wiener Veztrks-Ausschußwahlea i« 1. Wadlttlrpa siegten die Ltdaate» iu vier, die »utisemttr» i» zwei Bezirken; im 2. nur die Liberalen.— Da vafaffrr des Artikels: .war»» fthtt es de» Baltner» a» Rabbi»«,?" ist »a» de» Mgeuwärttge» Istrrreichtsche» Amtsttchabrr» daselbst »tcht brimwer« rrdmtt. «a» dies« Hart» »ich» mutz dem Geschmack« des 0