Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 154 — Dem .Berichte" geht eine wiffenschaflliche Abhandlung au» der Feder de» Hrn. Dr. Joel Müller .llrber die Rrsponsen der span. Lehrer-de» IS. Jayrh." voran, auf welch« wir im Litteraturbl. zurückkommen »erden. — Sehr erfreulich ist e», daß der Gemeindevorftand dem berechtigten Wunsch« vieler Wähler endlich uachgckommen ist, »ud für die demnächst bevorstehenden Repräsentanten» Wahlen mehrere (5) Wahllokale in den verschiedenen Stadt» »heilen in Aussicht genommen bat. Hloßock, 13. Mai. (Or-Eorr.) In Nr. 19 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie einen Bericht, wonach der Fleischbeschauer in Ratibor den Genuß eines geschächteten Rmdes verboten hat, welches der jüdische Schächter für .koscher" erüärt hatte. Dieser Fall veranlaßt mich, hier eine Angelegenheit zur Sprache zu bringen, die nicht länger verschwiegen werden darf. Die neuere Wissenschaft hat es zur Genüge ausgesprochen, daß alle diejenigen Rinder, die von der Tuberkulose ergriffen sind, vom Genüsse auszuschließen seien. Diese Mahnung wird von den Fleischbeschauern streng befolgt. In dem für die meisten Schochtim maßgebenden „Obel Jizchok“ findet sich aber kein striktes Verbot, sondern... doch wir geben die Stelle lieber hebräisch *). Wie leicht dürfte hiernach ein Schächter ein tuberculoses Rind für .koscher" erllären, da von dieser Krankheit die weniger an der Lunge, als vielmehr an anderen Theilen des Rind^, besonder» am Brustu. Bauchfell, auftritt, im ganzen „Ohvl Jizchok“ weiter nicht die Rede ist. Jeder Schocket muß fortan aufs strengste angewiesen werden, alles Fleisch tuberkulöser resp. mü Franzosen (Perlsucht) behafteter Thiere ausnahmslos für trefh zu erllären, sonst kommen wir mit den christlichen Fleischbeschauern in «inen peinlichen Widerspruch. 8. de« Kamtöverfche», 10. Mai. (Or.-Corr.) Der Verfasser de» Artikel«: .Zur Lehrerfrage". fft, wa» anzuerkennen fft, überall auf den Kernpunll der Frage ringegangen und hat in fast ollen Punkte» da» Richtige getroffen. So dankeniwerth eine Erörterung de» obigen Thema'S nun auch ist, so fft uichtSdestowenigrr gewiß, daß bei allsritiger Erwägung auf die Frage: Was fft zu thun? die Antwort kommen muß, welche der Siddur schon giebt: .Wir wlffen nicht, wa» zu thun l" Ich beschränkt mich nur auf eine» Punll, den der Verfasser berührt, die Zwitterstellung de» jüdischen Lehrer» ab» Lehrer und als quasi Geistlicher. Die Seminarien sollen .jüdisch" lehren, sonst gerathen sie bei den .Frommen" — und da« fft im gewissen Sinne oft die Mehrhett — in Lerruf. Der Lhrer hat aber später keiue Gelegenheit, die erworbenen jüdischen Kenntnisse zu verwerthe», es sei denn, er bereite einen Schüler für die Präparandie vor. Da muß derselbe Raschi, Bibel, hebräffche Grammatik und dergleichm lernen, um e» später, im Amte eingetreten, rbeniall« brach liegen zu loffen, bi» er einmal wieder einen Präparandm vorzubilden hat.**) Ja, sollen denn die Seminarien diese Disciplinen nicht lehren! Uebrigrn» wird nicht, wie der Berfafser annimmt, in den Präparandie« täglich 4 bi» 5 Stunden hebräffch gelehrt. In Hannover geschieht die« sicher nicht, da» würde schon die Aufsichtsbehörde nicht dulden. Die weltlichen Disk'plinru kommen dort zu ihrem vollen Rechte, wenn sie auch vielleicht etwa» vom Hebräischen eingeengt werden. Der Berfaffer rügt mit Recht ein« Artikel: .Der jüd. Bolksjchull'hrer auf der Kauzrl". Thatsache fft. daß die keinen Gemeinden oft d«u Lehrer al» Gastlichen wollen, da der Rabbiner dort doch fetter, oder garnicht erscheint; die Kanzel soll ") Da heißt es: MMl *31 *1*72 *1*72 .12 jTvtN NttN 1*1» nmoonc nmt prro cmaiati ncT tos rpro am mnn rmn o*i »Tttan mr-in bsa w* rrbab -NV2 »**1 •*) So» I» km M «hi ftlscher «tuudpuukt; der Letzi« ft» «ch de» GemtuumternM dt» zur »tu,»«» Mteca gac*» tttoag (ttoagta, kovit « «a» ka fiotCo HMM« tan. (ßA) doch nicht ganz verwaist sei». Ich weiß et« Beispiel au» de« Hannöverschen, daß ein Lehrer (G. in G.), der tüchtiger Konielrrduer ist, au» irgend welchen Grüudeu. diese Thättgkeit einstellte, daß die Gemeind« sich hierüber beschwerte «ud die Behörde den Lehrer fteuudlichst vrranlaßte, seine gesegnete Thätigkett gefälligst fortzusetzen. Rach der Syuagogruordnung sind in Hannover die Lehrer verpflichtet, auch Predigten zu hallen. Zum Schluß »och eine Anekdote» di« beweisen soll, wie selbst rabbinffch gebildete, tüchtige Männer über die Kanzelfrage denke». Der selige Krimke sagte einst zum sel. Landrabbiner Dr. Meyer: Jeder Landlehrer kann ebensogut, vielleicht besser predigen al» Sie. .Wieso?" Sie predigen original nach eigenem Eoncepte, und da» fft ja doch nicht immer gut. Der Lehrer aber benutzt Sach», Jellinek und andere Predigt- Magazine und da ist immer recht Gute» zu finden. .Da» fft wahr." — Ferner sagte Herr Kr. einmal zu einem Rabbiner: .Warum riferu Sie von der Kanzel gegen de» Luxus, da doch in ihrem eigen« Haufe ciu entgegengesetzte» Beispiel gegebm wird. Sag« Eie dergleichm doch lieber zu Hause!" .Ja. lieber Herr Kr., wenn mir'« zu Hause nützte, dann brauchte ich es nicht auf der Kanzel zu jagen." Der sel. Dr. Meyer, der doch ein ausgezeichneter Kanzelredner war. war doch vemüuftig genug, nicht eine so übertrieben« Meinung von der Kanzel zu heg«. — Gelehrsamkeit «ad Beredsamkett treffe» nicht immer zusammen. Meiner Meinung nach ist e» bester, wmn Kanzel und Katheder getrmnt sind. Wmn aber die Gemeind« es durchaus wünscht und der Lehrer die Gabe wirklich besitzt da predige er in Gotte» Ramm .ohne sich aber Prediger zu nmnm"; r» giebt ja jetzt eine so reich« Auswahl guter gedruckter Predigtsammluug«, daß der Lehrer bester darau thut. Gediegene» daraus zu entnehme» resp. vorzules«, al» Sigme», Uureife» zu produzir«. M»«e« (Sachs«), 24. April. (Or.-E»rr.) Alle die« jeaig«, die sich um da» jüdische Gemeiadelede» verdient mach«, ob Borsteher, Private oder Beamte Hab« Anspruch auf Anerkmnung in dm jüdisch« Blätter«, um hierdurch zur Nacheiferung auzuspornm. Die Förderung der eivzrlum jüdisch« Gemeideu bedeutet aber auch indireft die Förderung de» Gesammtjudenthum» und darum gestatte ich mir hier da» Wttkm eine» Vorstehers zu schildern, der durch sei« ernste» Streben und Müh« für seine Gemeinde dauernd« Dank und Anerkmnung erworben und somtt als Muster für die Wirksamkeit eine» Vorstehers hingestellt werdm kann. Veranlassung hierzu giebt un» best« Uebersiedlung nach Berlin, wodurch die hiesige Gemeinde einen schwer«, nicht leicht zu ersetzmd« Verlust erlitt«. Herr M. M es «ritz, ftüher Vorsteher der Synagogeu- Gewrind« zu Fürstmwald« an der Spree, hat ca. 7 Jahre an hiesigem Platze gewohnt, fett welcher Zeit auch die hiesige jüdffche Gemeind« datirt, welch« er gleich nach seiner Hierherkuuft mit andern gleichgesinnt« Männe« gründete. Vorher gab es hier kein« Gottesdienst, die Kinder wuchs« Hera» ohne Relwiovsuuterricht, da» Judmthum lag brach, dmu der Jnd>sfer«ti»muS hatte schon zu sehr überhand gmomme« und da«« war e» auch Manchem gar nicht recht, a» sein Judeuchum und destm Reubelebuug am eigen« Platz« erinnert zu werden. Man hatte sich schon in d» alt« Schlendrian so eingelebt, daß man sich ganz behaglich i» chm fühlte; man betrachtete sich durch «ine solch« Aufrütteluutz tu seiner Ruhe unsanft gestört. Da war es Herr M. mit feinen Getreue», der di« Geister zu neuem Leb« erweckt«. Bald hatte sich uutrr seiner Aegide die Gemeind« konstttuirt, ein vorschriftsmäßig gebildeter Lehrer und Prediger mgagtrt und also da» Werk i* Bewegung gesetzt. W« der Gottesdienst •) sollt« auch der "1 Herr «t. mit ueuicheukem »tsftu, Gelmmmwel» nud Krntuch ') Herr «L, mit oeuicheukem Bttot, Gelmmmwel» nud Keuutuch «nurgir auugmmi, ueq^ >iw» matzmn» m uum» vtmap