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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 19. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 19.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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die ffib. Lehrerin«, dürste sich durch'die Srlffntng dieses neuen StellengebieteS dir Aufgabe ergeben, bei ihrer eigme« Ausbildung auch auf die Fächer der jüd ReligiouSschule Bedacht zu nehmm und fich die uöthigm Kmntniffe in Religiau, bibl. Geschichte, hebr. Lesm und Gebetübersetzm — auch etwas hebr. Grammatik — anzueignen. Dagegen finden wir eS einer Gemeinde wie Dresden nicht würdig, daß fie für dm Religionsunterricht von jedem Linde -ein monatliches Schulgeld erhebt; geht schon die ganze Strömung unserer Zeit dahin, den Unterricht in den Lommunalkchulea unentgeltlich zu ertheilen, so gilt da» ganz besonders für die jüdische Religionsschule. Die Gemeinde ist verpflichtet, eine solche Schule zu erhalten, fie gehört zu denjenigen Gemeindeinstitutionen, welche von der Gesammt» gemeinde, von allen Mitgliedem getragen werdm miiffen. nicht daß den mit Lindem gejcgnetm Familien eine solche besondere Kopfsteuer aufgelegt werde. Man muß in unserer Zeit dm Gemeindewitgliedem die Theilnahme ihrer Kinder am Religionsunterricht so sehr als möglich erleichtern und nicht durch die Schnlsteuer erschwer,«. Die Schulgeld» etnnahme betrug i. I. 1888: 1820 Mark, wenn die AuSgabm für dm Lhor (mnd 3000 Mk.) ermäßigt würde», — eS brauche» ja nicht christliche Lünftlerinum mitzuwirke« — so wäre der Schulgeldausfall leicht zu decken Wir heben zum Schluß noch die Bestimmung hervor, daß der Rabbiner berechtigt ist, dir außerhalb der ReligiooSschule — durch vom Rabbiner dazu ermächtigte Lehrer — unterrichteten Kinder alljährlich einer Prüfung zu unterzteheu und dmselbeu Lensuren zu ettheilm. Eia b,sonder» schöne« Blatt in dem BerwaltungSbericht bilden die vielen WohlthätigkeitSaastaltrn und Stiftungen. Letztere bilden die stattliche Zahl von 63. Daß der Vorschlag de» Gttnrinderalh», eme gewisse Eeuttalisatton bezüglich der Unterstützungen seitm« der verschiedenen Anstalten, so daß rin« Anstalt Kmntniß davon habe, was die Bedürftigen (gewöhnlich dieselben Personen) au« dm andrm Kaffen erhalten, durch Einsetzung eine« »ständigen BerwaltunglauSschusse» de» iSr. UaterstützuugSwrsm« in Dresden" aus Widerstand seitm» einzelner vereine stieß, ist bedanerlich; der neutestameutlich« Ausspruch, baß die Rechte nicht w ffcn soll, wa» die Linke thut, bezieht fich ja nur auf Privatpersonen, und nicht auf WohlthätigkeitSvereiae, da ist im Interesse einer «ere chtenBertheilung— und die .Zrdakah" soll ja. wie ihr Name besagt, mit der Gerechtigkeit Hand in Haad gehen, gerade da» Gegenttzeil jene» Ausspruch» am Platze. Zu» HSerschkeßm, 1. Mai. (Or.-Lorr.) Am 25. April war die Gemeinde Pleß in steudig bewegter Gtimmuug. An diesem Tage beging da» greise Freuud'sche Ehepaar festlich dm Lag setue» VOjährtgm Ehejubiläum» (der gvldmm Hochzeit). Au demselbm Tage führtm dir greism Eltern ihre jüngste Tochter uuter dm Trauhtmmel. Der größte Ltzeil der Gemeinde nahm innigftm Ruth eil au dieser Doppelfrmdmfeier im Frmud'schm Hause. Prediger und Lautor versehlteu nicht, da» ihrige zur Verherrlichung diese» schönen Doppelfestes beizutragen. — Der Vorstand de» Fraumvrreiu» der Syuagogeu-Gemcinbe 9 (einig hat jüngst dm Jahresbericht für das Vereinsjahr 1888/89 veröffeutlicht. Dieser humaue Verein ist fest feiner im Jahre 1883 erfolgte» Reorganisation in sichtlichem Aufschwünge begriffen. Er zählt gegmwärtig 251 aktive Mitglieder. Der JahreSeiuuahme von 2766 Mk. 40 Pf. steht die Ausgabe vou 2060 Mk. 15. Pf. gegenüber. Der rffeme Fond» des Verein« weist 2700 Mk. auf, rin Bettag, welcher zum Lhelle beim Syuagmvorstande, zum Thrile bei der Lommaudite der DiSeouto-Bank depooirt ist. Unter dm AuSgabm figurirm einmalige, vierteljährliche und monatliche Uuterstützuugm, Beiträge für Kraukeupflege und Badereisen, für die Aussteuer armer Bräute, für Schulgeld, Stundmgeld und Bücher zur theorrtischm und praktischm Ausbildung armer Mädchen für eium augemeffenm weiblichen Bemf. Sehr segensreich erweist fich und als überaus »achahmeuswrrth empfiehlt sich da« Abkommen, welche» «st dem Jungfraumoerei» tu BrrSlau gettoffm ist. Gegen et« Quartalsleiftuag von 10 Mk. 20 Pf. genießt der Franmverein die Bergüastiguug. daß die von ihm nach Breslau gesauttm Mädchm unmtgeftlich da« Lehrerinnensemiaar besuchen dürfen. Der Verein hat in diesem Jahre 2 Mädchen zu Liadergärtueriunen und 3 zu Schneiderinnen auSdilden lasten. Da» stad Ergebniffe, welche den jüdischen Armen in Gleiwitz rbmsosehr zum Nutzen wie dem dortigen Fra«uverein zur Ehre und Freude gereichen. Möge r» letztere« beschiedm sein, unter seiner bewährten Leitung auch ferner Ersprießliche» zu leistm! — Ja Neumarkt L Dchl. wurde vor einiger Zeft eiu Fleischer wegm Verfälschung von.NahraugSmitteln empfind» »ich bestraft. Die gerichtlich: Verhandlung hat ebenso unglaubliche wie ekelhafte Geheimuiffe an« Tageslicht gefördert. Der Kundschaft diese» famosen Fleischer« ginge» nunmehr die.Augen auf. Der Appetit »erging ihr, der Gnade oder Ungnade der dortigen Fleischer in Zukunft preisgegeben zu sein, viele bester filuirte, intelligente christliche Familie» in Neumarkt beschloffea, Rindfleisch nur von rituell geschlachtetea Rindern künftig zu genieß« und die» auch nur dann, wmn der israelitische Schächter da» Rind für koscher erklärt. Seft dieser Zeit sollen fich die Accidentien de» Schächttr« in Ncumarkt ganz wesentlich gehobm habe». Hoffentlich wird dm jüdisch-unjüdischen Gourmands da» rituell geschlachtete Fleisch jetzt auch bester muadm. — Im Gegmsahe zu diesem Berichte sei noch au dieser Stelle mitgetheilt, daß in Ratibor der veteriuärbeamte dm Genuß vou rituell ge» schlachtete« Fleische, welche« der iSraelittschr Schächter für koscher erklärt hatte, von AmtSwegeu untersagt habm soll. Welcher Thatbestaod de» Befunde de« Fleischdeschauer« zu Gmude gelegen, haben wir nicht zu ermittela vermocht. Daß bet der votiruug vou Gutachten polarische Gegensätze zu Tage tretm köunm, befremdet den Sachverständige» nicht. In der formfischm Medicin und bei dm gerichtlich vereidetm Lhemikem kann man e« oft erleben, daß die Gegensätze fich nicht nur berührm, sondern sogar fich diamettal entgegen» stehen. Gleichwohl berühren derartige MeiuungSdiffermzm nicht nur sehr peinlich, sondem sie erschetnm auch nicht unbedenklich. Böswillige» Feiudm, z. B. dm antisemitisch angehauchte» Thierschutzvereiolem, deaen da» rituelle Schlachten ein Dom im Auge ist, bietm fie erwünschte» Material, eine un» heilige, rituelle Jastftutioa. die seft unzähligen Jahrhuudertm auf» Bortrefflichste fich bewährt, zu »erdächftge« und in Bermf zu bringe». Die Schächter sollte« e» fich augrlegm sei» lasten, die Normm der Fleischbeschauer zu stndirm und bei ihrem Votum nicht nur auf die Normm der ruuelleu Praxi», sondem anch auf die der eonttollireudm Staatsbehörde gebührend Rückficht zu uehmm. Der »Rabbiner» verband" würde fich unleugbar um die gute Sache verdimt machen, weun er da« einschlägige Material faßlich und leicht übersichtlich sammeln liege und e« allen Gemeinden und derm Schächtern zur Verfügung stellte. Möge diese wichtige Anregung von alle» in Bettacht Kommendm gebührend gewürdigt werdm l Au« Meflprentze». (Oc.-L.) Die Bestrebungm de« Herm Rabbiner» Dr. Werner, ein «»raelitlsche» Wai>mhau« für dft Provinz Westpreußen in» Lebm zu mfm, rückm der Verwirklichung immer näher. 30 Provinzialgemeindm und die Gemeinde Danzig an der Spitze habm ihre Lokal- Tomitß'S bereit« gewählt; größere Vereine, sowie einzelne hervorragmde Fiuaazmännrr habm beträchtliche Fond» für da« humane Werk in Aussicht gestellt; energische und organisatorisch befähigte Persönlichkritm au» Danzig find mit der Erledigung der Borarbeittn emsig beschäftigt, und in nicht allznlanger Zeft dürfte wohl ein Heim geschaffen sein, in dem die israelitischen Waisen unserer Stadt und Provinz zu innen Judm und wackem Bürgem erzogen werden. — Die letzttu Dmkmäler der früheren, von einander getrennten Gemein dm «Danzig schwind« mehr und »ehr.

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