Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 19.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5935066-5956584--7115-5373167- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Derichle a»d Correspankenxe«. Lswtschland v. 8p. Iterki», 5. Mai. (Or.-Corr.) In einer früheren Zuschrift, in welcher ich um Widcrqabe der Schriftstücke, die die 75er Commission mit dem Gemenidrvorstande gewechselt, bat, bedielt ich wir vor auf dir beiden Correspondenzen in der Rr. 12 und 14 der.Wochenschrift" zurückzukommen,*) worin über obige Commission und deren Thätigkcit m einer den Thotsachen nicht ganz entsprechenden Weise berichtet wird. So führt z. B. der Herr Correspondent au« .daß die 75er Commission ihre Thätipkeit beend« und sich al« .Wahlverein" constttuirt habe". Die 75er Commission exist irt nach wie vor und wird aller Borauificht nach so lange existiren, bi» sie da» Ziel — Vermehrung von ReligionSschulen und Synagogen — erreicht ha». U« nun zu di«sem Ziel auch wirklich zu gelangen, hielt sie e» für nothwendig, neben den bisher gethanen, bekannten Schritten auch einen »Central-Wahlverein für die Vorbereitung der Repräsentanten-Wahlen" bestehend au« 5 Vezirktvereinea anzuregeu rrsp. in« Leben zu rufen.**) Daß dieser Wahlverein ganz gesondert von der 75er Commission thätig sein soll, geht schon darau« hervor, daß in den Ausschüssen der «iozeluen Beznksvereiue in überwiegender Zahl Männer sitzen, welche garnichl der 75er Eommissioo augehören.***) Ueberhaupt soll der Hauptzweck dieser Vereine sein, da« Interesse für die Gemeindeangrlegenheiien, da« stei« nur srhr wenig zum Ausdruck gekommen — von 10000 Mitgliedern stimmten nur 2—3000 — bei den Mftaliedera wachzurufen. (Bekundet sich denn da« jüd. Interesse nur durch Wahlagitation?) Wetter berichtete der Herr Correspondent. .daß die 75er Commission nicht praktische Vorschläge gemacht und dem Vorstände nicht einmal angegeben habe, in welchen Stadtgegenden und wie viel ReligionSschnlen und Synagoge» zu errichten sie für nächig hafte". Ganz klar (?) und deutlich (?) sind diese praktischen Vorschläge in der ersten Eingabe zu finden, und noch andere zu machen ist die Commission gar nicht berechtigt-^)— Der Herr Correspondent macht de» Mitgliedern der 75er Commission den .unerhörten" Borwurf, daß sie da», wa« sie unternehmen, nur de«halb thun, um in'« Rrpräseutanten-Collegium zu gelangen, rr spricht von .Hintermännern und stellt die Commission so dar, als sei sie ein Spielball in der Hand der .Orthodoxen". Die« Alle« aber ohne auch nur den Schatten eine« Beweise« zu erbringen.-j-f) Weiß derHr. Lorrrspood. nicht, daß der Vorsitzende der Commission z. v. — Herr Weinberg — ausdrücklich in der öffentlichen Versammlung im O. erklärt hat, unter keine« Umständen sich al» Kandidat für da« Repräs.-Collegrum aufsteüen zu lassen, obtt eine Wahl aazun«hmen,-fff) daß die Mitglieder der Commission gern« bereit, sind selbst für die auöscheidenden Repräsentanten zu sümmen, wenn sie unr für die Erreichung obigen Ziele« eiutrrteu? Weiß der Herr *) Da» geschieht etwa» sehr spät, und find di« beide» i« der obige» Lorresp. Leregie» P-nkie bereit» »et.4 Woche» (I» Kt. 14 unter .Berlin') sachlich richtig gestellt worden, so daß *• in «runde jetzt nur »och ei» Streit u« Worte ist. Km an» »chtnng gegen den Linsender nehme» wir obig, Lorrespond«» — natürlich nicht in chre« ganze» ll»fa»ge, sonder» nrn auSzüglich — ans. **) Da« ist »och wirwch nrn et» Streit um Wort». Di» 76n «ommtsston ruft jugeftanbentt Matzen zur Erreichung ihm» Ziele« .«ahlvereiuein de» Verschiedensten Bqittrn in» Lebe», dies« arbeiten als» für jene, poro pro Iota, tonte mtae choae. '**) Da. ist ziemlich ^etchgülttg - CT» 'yo Vll'w; Die 7b« bilde» da» Hautztquanl«, mo bi« Parole anegethellt wirb. f) ilnch nicht, w«»» sie >»« Borst«»»« a»«brü<lich barm» engegasgcn Wird? ft) Unser Lorresp. hatte n»« allerdings auch Beweise geliefert, da aber hierbei .Kam«»' di« Hauptrolle spiele», untrrdrütttr» wir dieselten. ttt- Da» ist aber erst Liner mx 7bI Datz auch di« ander» Herren »er Lmumtssto» diese Lrtlärung ndgegoden hilttr». ist nicht dekwrM morde». >. Correspondent ferner nicht, daß in der 75er Eommisst»« jede GlaubeuSr'chtung von der .fteirstea" bi» zur .orchodoxesten" vertreten ist? Zu seiner Ehre will ich airnehme», daß er alle« da« nicht gewußt hat. (Da« hat er ober sicherlich gewußt; denn e« gehört zu den Schwäche» der menschlichem Ramr, daß. wo e« sich darum handelt, gegen eia Bestehende« anzukämpfm, die Fehler und Unterlassungssünde» Anderer, besonder« von Verwaltungsbehörden, aufzudrcken, sie. in Versammlungen zu kritisiren. und anzudeuten, daß man e«, wenn man selbst au'» Ruder käme, bester machen würde, sich stet« Männer derverschieden sten religiösen Richtungzusammenfinden werden; diele menschliche Schwäche ist eben confession«lo«, zu solchem Werk« reichen sich wie m politischen, so im religiösen Leben oft di« größten Extreme die Hände.) Kreide». (Schluß.) Die Religionsschule wurde im »ergangenen Jahre von 190 Lindert besucht, 106 Luaben und 84 Mädchen; sie bestand bisher an« 8 Llaffeu (se 4 für Luaben und Mädchen), von Ostern ad soll die Llaffeuzahl auf 12 erhöht werden, wovon die unterste und die oberste Äaffe zweijährig sind; auch soll der Besuch der Religionsschule nach dem vom Herrn Rabbiner »orgelegteu Lehrplan schon mit dem sechsten Jahre beginnen. — Wir müssen offen gestehe», daß «ns hier des Guten doch etwas zu viel gethau zu fest, scheint. Auch wir wünsche», daß die jüdisch« Linder frühzeitig die jüd. Religionsschule besuchen, aber da mit dem Besuch der Religionsschule auch der hebräisch« Leseunterricht beginnt, so halten wir es für pädagogisch und hygienisch richtiger, daß das Lind erst richtig «ud geläufig deutsch lesen und schreiben könne, eh« sein noch schwaches Gehirn gleichzeitig mit zwei — so grundverschiedenen — Sprachen gequält werde; ganz abgesehen davon, daß es das hedräisch« Lesen viel rascher erlernt, wen» es bereits die Grundgesetze der Lantirmethad« bei« deutschen Lese» durchgemacht hat. (Wir uehmeu deshalb,— hier tu Magdeburg — grundsätzlich nur solche Lftlder für die unterste Llaffe der Religioasschule an, die bereits deutsch lesen und schreibe» können, also etwa nach einjährige« Besuch der Elementarschule, im siebenten Jahr«.) Ganz unverständlich ist es uns aber, wie mau den Unterrichtscursus in der untersten Llaffe zu «iue« zwei» jährigen machen kau»; nach unfern Erfahrungen ist gerade das Pensum der untersten Llaffe ei» solches, daß bei einigermaßen befähigte» Schülern eia Jahr schon zu viel ist, so daß wir «st schon nach einem halbe« Jahre Bersetznagen vornehmen mußten, wenn wir nicht mehrere Abtheiftmgea i» der etueu Llaffe bilden wollten. Dies ist schon bei einer vier klasstgen Schule der Fall; nun hat ja aber Hr. Dr. Winter sechs Llaffeu «»gerichtet und doch in der untersten «tuen zweijährigen Cnrsus! Daß eine Gliederung in recht viele Llaffe» seine große» Bortheil« hat, soll durchaus nicht bestritten werden, bei riuer geringen» Echüleranzahl kann auf die Individualität des Schülers mehr Rückficht geuomme» und das Fortschreite» mehr gefördert werden; aber gerade bei der jüd. Religiousschuft haben wir gesunden, daß eine zu gering« Anzahl von Schülern in einer Llaffe de« Unterricht nicht gerade sehr jördersa« ist. Der Ausspruch des weisru Lvnigs: „b’roir om hftdna melech“ — in der größeren Anzahl liegt die ' höher« Würde —, den unsere Weisen auf den Besuch des Gottesdienstes an wenden, gift onm gr*no ulia auch von der Schule, die größere Schülerzahl i» einer Llaffe wirkt auf jede» Schüler zurück. Einige zwanzig Schüler in «tuer Llaffe, s« viel geben 87—109 Schüler auf 4 Llaffeu vertheift — find noch keine Ueberfüllnug. Daß di« vermehrtt Llaffeuzahl (6 i 14—17 Linder) auch eiu« Vermehrung der Lehrkräfte uöthig macht, ist selbstverständlich; zu de» drei trete» v«> Oster» cr. au »och zwei. Nachahmeuswerth ist der Vorschlag, für bi« uurerste Stufe eine jüdisch« Lehrer« auzustelft», weibliche Lehrkräfte find billiger, und w» — wie hier i» Dresden — gar die Fra» eiues der HH. Lehrer sich dazu eiguet, ist es für beide Thetl« recht angeuehm. Für