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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 19. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 19.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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148 D e Synagogen, in betten die Mitglieder der ehemaligen Deinberg«, Schottländer und Danziger Gemeinden ihren Gottesdienst verricht ten, sind bereit» verkauft; die eine wird »eiehen, um einem Schulgebäude Platz zu machen, eine andere »ird zu einer WohlthätigkeitSanstolt umqebant werden. Die große neue Orgck-Synagoge. deren Ban die Bewunderung aller Sachverständigen erregt, hat auch mttgewirK, den Besuch de» GottlSdienste» zu erhöhen, und die Eihaltung der Mattenbudeuer Synagoge, tn welch»r der Gottesdienst ohne Orgel, begleituna staufindet, trägt dazu bei, daß der reinste Friede in der Gemeinde herrsch», in welcher die verschiedensten religiösen Richtungen vertreten sind. Immer «ehr und mehr wird in allen Kreisen, selbst in denen, die früher der Bereinigung abhold waren, die segensreiche Entwickelung der Gemeinde, und Cultutverhältniffe anerkannt. Non der /eine, 5. Mai. (Oe.-Corr.) E» drängt mich und gar viele Lehrer ursrrer Provinz, Ihnen herzlich«! Dank zu sagen für die Lanze, die Sie in einer Reihe von Artikeln zu Gunsten de» Lehrerstande« und der besseren Stellung in ideeller wie materieller Beziehung eingelegt haben. Die »Wochenschrift* hat sich dadurch um den jüd. Lehrerstand recht sehr verdient gemacht; sie hat den Nagel ans den Kopf getroffen. Ich könnt« Manche» durch Beispiele illusttiren. In Hannoverz.B. scheint die Maxim« zu henschea ‘^31 Kprm (Der Lohn resp. da» Ziel der Hochschule sdes Seminar«) ist: die Lollpfropfuug) und darum will man mit großem Apparate arbeite» und da« Seminar immer füllen; jetzt hat man sogar ein eigene» Heim für di« Seminaristen erworben. Ob die jungen Leute nachher Stellen bekommen ober barfuß laufen, ob die allen Lehrer immer mehr geschädigt werden, ob die Besoldung de» Lehr«» sich wie bei jeder andern Waare sich richtet nach Angebot und Rachsiage, sodaß jetzt schon für 480—500 Mark ein allseitig gebildete» Lehrergenft, ein 12 bD »ein Mädchen für Alle»", verlangt wftd — da» zu erwägen, daran denkt man nicht. Die »Wochenschrift* hat ja den Rkchenschaft»b«icht de» Seminaristenverciu» veröffentlicht und man tonnte daran» entnehmen, wie fast alle» in Hannov« für diesen Benin absorbirt wird; wo» dethalb für den viel wichtig«en llnt«. stützungS-Bnem d« Lehr« und dnen Relifteu noch abfällt oder abfallen kann, ist leicht zu ermefleu. Ich könnte Ihnen viel «zähllu, ab« ich möchte nicht bitt« werden. Und w« in den Coujerenzen laut und deutlich spricht, der gill gleich al» Krakehllr. Da kommt die Stimme da Wahrheü nicht zum Durchbruch. Ein Faktum sei hier nur angeführt: Im vorigen Jahre dichtete ein jüd. Seminardirector zu ein« Soiree für wohlthätige jüd. Zwecke einen Prolog, tn welchem n die Worte Vorkommen ließ: »Gedenkt d« Jünglinge, der armen, die zum Lehramt führet innrer (?!) Drang.*-Der Prolog zündete bei den anwesenden Lehrern derart» daß ,hr Gesicht schamroth wurde, — 40 Mark für da« Seminar in H. w:r d« Exfolg de» Prolog». Freue Dich. Judmheitl! Oesterreich-Ungar». Men. Di« ,Oest.-ung. Gasthaus-Ztg.* schreibt: Welchen Schaden d« Fremdenverkehr Wien'» durch unsere aufgewühlten Zustände «leid«, dafür giebt auch die folgende, durch den Direct eur-Gäraut de« hiesigen Hot« »Continentalbeglaubigte Lhatsache Zmgniß. In diesem Hotel logirte sich ungefähr am 10. v. M. eine au» Amerika zugereiste ungewöhnlich reiche Familie ein; dieselbe äußerte die Absicht, nachdem sie in Amerika viele Jahre angestrengt gearbeitet, nunmehr einige Iah« in Wien zu leben und sich au den Schönheften d« Stabt und d« Gemächlichkeit ihr« Bewohn« zu erfreuen. Am Wahltage de» 3. Wahlkörper» erschien da» Familienoberhaupt vor dem Hotelleiter nab erklärte: »Morgen reise ich ab. Ich' war soeben 1» Kaffeehanse und habe die hiesige» Zeitungen gelesen: In ein« Stadt, wo solche Berhetzuugeu möglich fftw, wftd Gnch kein Fremder bleiben. Ich gel» nach fee Schweiz nnd »«de dort einige Jahre mit «ein« Fawüie leben — hier keinen Tag läng« I*' Dir wiederholen: He« Director Schmidt »ird diesen Borfall bestätigen. Hieran» wöge d« agresfive Theil d« Antisemiten, vor Allem ab« deren Preffe. ermessen, welche schwere Sunden sie de« Fremdenverkehr Dien» schlagen und - damit auch großen Erwnbs-Jutereff» Dies« eine Ameeiten« (d« übrigen» kein Jude war) bleibt nicht stumm y. er hält viele and«e Vergnügungsreisen»» ab, nach Dien zu kommen und die ausländische Preffe thut da» Uebrige. — Erzherzog Earl Ludwig bat den Baron Albert Rothschild zum Mifturator de» öftnreichischen Museum» ernannt. Mien. Lebhaft wird antisemitischer Umtriebe wegen, welche in Wien «alten, die B«legung de» Saatenmartte» nach Budapest diskntirt. Im Magistrate zu Wien kam e» deshalb am 3. d. M. zu ein« Jntnpellation. bei welch« d« Bürg«, meister gegen da» Treiben d« Antisemiten entschieden Ber- Wahrung einlegte. Auch in der Nachsttzung de» österreichischen Abgeordnetenhauses inrerpellirte Abgeordneter Chlemecky und Genoffen die Regierung, ob dieselbe gewillt sei künftighin der systematischen. Berhetznng gegen eine bestimmte Klasse von Staatsbürgern entgegenzutreten und für die Anwendung der Gesetze gegenüber einem Jeden, ohne Unterschied der Confession zu sorgen?I Dennoch siegten in d« sonst so liebenswürdigen Kaiserstadt 0. d. Donau in fünfvon sechs Wahlbezirken dft Antisemiten bei den Stadt-Gemeinde-Rath. Wahlen. C» ist diese» Resultat tief betrübend vom Standpunkt d« Cultur und Freiheit an». — An» Alngarn, 5. Mai. (Or.-Corr.) Die ungarische Orthodox« hat mit dem Gesetze, betreffend die Matrikel-' Führung (die standesamtliche Funktion) d« Mischen Geist, lichkeit und d« Gemeinde-Organisation. welche» die letzte Thal des Heimgegangenen Ministers Träten gewesen, sich, nicht zufrieden gegeben und dagegen petitionftt. Dennoch Hot d« Amtsnachfolger des Cultus-Minister», Graf Csäky sich nicht bewogen gefühlt, in dies« Richtung eine Aendaung vorzuuehmeu. Thalsächlich wahn da» Gesetz bet Einheit d« Gemeinde die Freiheit d« Einzelnen und Partei» und erhöht das Bedürfuiß nach national« Bildung. England. «London. Der Tod d« Herzogin von Cambridge erinneN tut» an ein iuteressautc» Ereigniß, welche» sich vor mehr al» 50 Jahr» zutrug, al« dft persönliche Union zwischm Großbritannien und Hannover noch bestand und da verstorbene Herzog von Cambridge, Gemahl der jüngst veistordenen Herzogin, Gen«al»Gouv«n»r von Hannov« war. Die Herzogin war gefährlich erkrank — e» war in Jahre 1833, kurz vor der Geburt da Herzogin von Teck — und dft Aerzte hatten baeft» alle Hoffnung aufgegebeu. D« damalige Oberrabbina von Hannov«, Rev. Dr. R. M. Adler, veranstaltete ein öffentliches Bittgefet in da Sy. nagoge für dft Wiedergenesung Ihr« Königlich» Hoheit. D« Hazog richtete hinauf ein Dankschreib» an den Oberrabbiner und bepftitete dasselbe mit einem Geldgesch«k von 100 Friedrichsd'or. D« Herr Obenabbiua sandte tat Geld ehrerbietigst mit d« Bitte zurück, e» uut« dft Arm» 0« Stedt vertheilen zu wolle». Al» d« Herzog später bei Gelegenheit des Regierungsantritt» der Köatgtn in London war, hotte derselbe Gelegenheit, de« Obenabbiua ein» wichtig» Dienst «weis» zu können. Rach de« Tod« des Obarobbiner» Dr. S. Herschell (1845) setzte sich der Herzog unverzügllch mit den Vertretern d« jüdisch« Ge» «einde London» in Labindung, indem « persönlich sich an Baron Lionel von Rothschild, Borstandsmftglftd da großen Synagoge, wendet, und dessen Aufmaksamkft ans Harn Dr. Adler, al» ein» Mann, welchem a die höchste Achtung schuldig sei, lenkte. Diese Empfehlung de» Herzog» hatte denn auch'den «wünschten Erfolg und der hochverehrte Ha, Doctor wurde «ft da Würde etw» Oberrabbina» für dft «glqchm Staaten bekleidet.

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