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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 18.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Lob« gkrricht» dcß nun da» Wirk in seinem Innern, die Arbeit an der Jugend der Gemeinde, beginnen können, sprach er seinen Dank an» gegen Gott, gegen de« König und die Behörden, sowie gegen alle, welche an der Errichtung de» neuen Gebäude« Theil habm. Darauf bezeichnete der Herr Rabbiner, im Anschluß an rin Wort de» Propheten Jesaia». al» den Gruedstein, aus welchen da» Hau« gegründet sein soll, Gottesfurcht; al« den Eckstein derselben Liebe und Treue «u König und Vaterland und al« Hauptpsiiler die unerschütterliche Pflichttreue. Hieran knüpfte er die Mahnung an die Lehrer der Schule, die Jugend zunächst onzuhalten zu wahrer GotteSfarcht. sie zu erziehe» zu rechten Israeliten, ihnen treue Liebe zu König und Vaterland in« Herz zu pflanzen und stet« darauf bedacht zu sein, daß einmal pflichttreue Bürger der Gemeind-, der Stadt und de« Staate» au« ihnen hervorwachsin; den Schülern selbst aber jederzeit in dnsen Tugenden ein leichter de« Vorbild zu sein, da« sich der Schüler rinp'ägt. dem er nachzulebru strebt. Zum Schluß sprach d>r Herr Redner rin Gebet sür da« Wohl der Schule. — Herr Bürgermeister Herrmann übermittelte nunmehr die Glückwünsche der städtischen Behörten. insbesondere der städtischen Schuldeputation, worauf Herr Hauptlehrex Herbst noch Namen» seiner Kollegen seinen Denk darb rechte und die Ziele eniwickelte. die dein Unterricht der Äugend gesteckt seien. Mit einem Gesang schloß hierauf die würdige Feier. Von den Vertretern der verschiedenen Behörden wurde nunmehr ein Rundgang durch die Zimmer unternommen, und fand die praktische, solide Ausführung allgemeine Anerstnnung. Die Aula hat durch drei ptächtige Ka'serbilder, tarstrllend die Kaiser Wilhelm L, Friedrich III. und Wilhelm II, bereit« einen herrlichen Schmuck erhalten. Wie wir hören, sind diese Bilder ein Geschenk der Vorsteher der Gemeinde an di« Schule. Oe-err-tch Ungar«. Mus Nnganr, 26. Apri'. (Oc^Eorr.) Die jüdischen Feiertage sind nun vorüber, und e« gab wohl schwerlich eine Zeit, in welcher dem Judenthum mehr gepredigt werden mußte, daß die Befreiung eine« gedrückten Äaubr« in der cihffchen Selbstbefreiung, in der Heilighaltung seine» Namen« und Glauben«»Jdeal« ihre Wurzel findet, al» in unserer von konfessionellen Gegensätzen so unheimlich bewegten Gegenwart. Höchst bettübend sind die Nachrichten, die von der Metropole der Gesommt-Mooaichie Oesterreich-Ungarn« zu dem südlichen Gestade der Donau dringen. Da gab c« am letzten jüdischen Feiertage Straßen-Zusammenrottungen und Stewwürfe gegen jüdisch« Geschäftshäuser in dem zehnten Bezirke und zw:i volk«reichen Vororten Wien«. Militär mußte «inschreiten, um die Ruh« wird«r herzustellen. Freilich fehlt,« auch an Rath¬ und Thathaodlungen von glaubenSgenosienschastlicher Seite nicht, um die Gefahren vom JudeuthUm abzuwrnd,«. Doch kann und muß da« Heil von der Gesammtheit der Glauben«- gemeinschaft aurgehen durch Solidarität der Ehr«, der und Wahrung sittlichen Wahrheiten und idealen LebenSgüter de« Judeuthum«. Mit der Selbstachtung nach Janen muß die Achtung nach Außen wachsen. Air», 16. April. (Ein neuerStudeaten-Verein.) Am 6. d. M. fand hier die GründungSknripr de« „Österreich. Studentra^ereine« au den Wiener Hochschulen" unter maffea- Hafter Betheiligung der Studentschaft statt. D>r genannte Verein, von UaiversitätShörera verschiedener Rattonalität und Eonfession in« Lebe« gerufen, bezweckt di« energische Abwehr jene« nationalen und konfessionellen Fanati»mu«, dir Dank den systemathischen Wühlereien bekannter Elemente da« UniversiiSiSleben vergiftet. Dieser Standpunkt de« neuen Berelne« wird im § 1 seine« Statute« mit aller Schärse betont. Bei der GründungSkneipe waren u. A. Professor Benedikt, Abgeordneter Dr. Krovawetter, Dr. Elboqen, Gemeinderath Morschal anwesend. Der Senior stad. jar. Ploe eröffnet« de« Abend und betonte, daß die Gründung de« „Oesterr. Srudenten-Vecrinr«" einen lang gehegiea Wunsch der vornrthrilSfreieu Elemente innerhalb der Alm» mater verwirklicht habe. D'e schwungvoll«, an zündenden Detail« r^ichr Festre>e hielt stad. phil. Kubisch. Hierauf betrat, mit minutenlaaaem Applaus begrüßt. Pnffrffor Benebift die Tribüne. Er könne, sagte er, zunächst sein Befremden nicht unterdrücken, daß außer ihm kein Vertreter de» Profefforen- Collegium« erschienen sei, trotzdem ohne Zweifel der hentiae Abend berufen sei, in der Geschichte der Wiener Studentenschaft einen Weadepunft zu bilden. (Stürmisch« Zustimmung ) Die Zustände de« öffentlichen Leben» seien »ekelerregend" geworden und er sei nicht der Einzige, der e« vorqezoaen, sich vor denselben in« Privatleben zurückzuziehen. Profeffor Benedikt brachte ein Hoch au« auf den jungen Verein, der seiner hoheg Aufgabe immer gerecht werde mögen. Dr. Kronawetter, gleichfalls stürmisch acclamirt, erinnerte daran, daß die Gründung de« Verein« in das Jahr der Cmtennarfeier der französischen Revolution falle und forderte di« Anwesenden auf, dem Ideale der Freiheit und Brüderlichkeit an der Stätte, die der Wiffeoschaft und Ausklärung geweiht «st. zum Durchbruche zu v.iyelfeu. Der nächste Reder, Dr. Elbogrn» begrüßte den jungen Bcrein al» den ersten Versuch, die österreichische Studrutenschast unter dem Banner der demokratischen Idee zu organistren. Die Studenten mögen geirost an da« große Werk schreiten, d^nn in dem Kampfe gegen Ausbeutung und Aberglaube stehe die gesummte Arbeilerpartrt hinter ihnen. (Stürmischer Beifall.) „Beschränken Sie sich", ruft Dr. Elbogen der Versammlung zu, „nicht auf die Defensive, seien Sie agressiv! Lassen Sie sich durch da« Schlagwort de« KoSmopolitiSmu« nicht einschüchter«, dir Gesellschaft eine« Goethe, Herder und Lelsiug ist mindesten« so ehreawerth, wie die der Herrn Schönerer und Lueger. Und wenn die Antisemittu den Juden ideale Reinheit absprechen, so wird es doch gut sein, daran zu ennnern, daß Mole« und Ehriftu« jenem angeblichen Pariastamme angehörten." (Stürmischer Beifall.) «-Igle». Itrüffek. Aehnlich wie in der Zeit der französischen Revolution, al« die sranzöfischen SanSeulottnr Belgien verheerten und mit derselben Unparteilichkeit Kirchen und Synagogen , Klöster und weltlich« WohlthätigkeitSaaftaltea plünvelten, befahl die Eommuaalvrrwaltunq der Stadt Brüssel >m Jahre 1877 die Schließung aller Confessionellen Be» gräbn'ßplötze und besonder« die de« jüdische« Friedhöfe« zu Sr. Tille«, einer Borstadt Brüssel«. Da« Grundstück zu demselben ist selbstverständlich von dr» Juden der Siabt an» Sekauft worden und da» jüdische Consistorium bat au« diesem frunde die Communalverwaltunq — ungeachtet de» Befehle», den Friedhof zu schließen — da« Eigenthum«recht der jüdischen Gemeinde an diesem Grundstück« apzuerkennrn. Die Behörde schlug diese Forderung mit der Begründung ab, daß zur Zeit der Erwerbung de« Gmudstücke« die jüdische Gemeinde »och keine Lorporaiion«rechte besaß. Diese erhielt dieselbe erst >m Jahre lü7v und da« Grundstück hatte sie schon im Jahre 1829 angekiuft. Der langjährig« Prozeß um Anerkennung de« EigenthumSrechte« geht jetzt seinem Adschluffr entgegen. Dl« Erörterungen de» früher« Justizminister«, Herrn Bara und de« Herrn Samuel W >euer, eines unserer geachtetsten Glauben«genoffen, welche die Rechte &'« Eouststorium» vatheidigen, haben merkwürdige Aufschlüffe über die Geschichte der Jude« in Belgien zu Tage gefördert. Rach denselben war diese bi« vor nicht langer Zeit eine wahre Märtyrergeschichte, in welche nur dann und wann unter der Regier»« erleuchteter Herrscher, al« z. B. de« Herzog« tenri n. und Jean QL von Brabant, i« 13. »d 14. ahrhnudert ein Lichtstrahl fiel. Diese beiden Fürsten hatten die Einwanderung der Juden, deren Tüchtigkeit i» Handel und in da Industrie anerkannt war, um de« Gemeinwohlr« willen sehr begünstigt; jedoch gegen da« End« de« 14. Jahrhundert« gewann der Fanati«mu« wieder die Oberhand. Eia Jude wurde dr« Ltrchenraube« beschuldigt; deshalb schleppte man deren viele auf die Scheiterhaufen: andere wurde« »itkaltem Blut« hiogrschlach.et uad da Rest wurde alsdann

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