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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 17. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 17.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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übergeben uratbra. Graf Taoffe hat beiden beschwrrdeführmdm Aborinungm die Versicherung gegeben, daß rr »im Rahmen der besehenden Gesetze" seine Pflicht thun werde. Diese Antwort klingt nicht sehr erfolgverhrißeud, wenn man erwäg», daß die eifripstm Schürer der Bewegung in je-en einflußreichen klerikalen Kreisen zu suchen sind, an deren Bunde«- ymossenschaft der Regierung augenblicklich sehr viel gelegen ist. Mau wird in dieser skeptischen Auffassung durch folgend« auffällige Thatkache bestärkt: Die Mitglieder der Abordnung der jüdischen CulwSgemeind« hatten au« Toctgesüyl über den Inhalt der von ihnen überreichten Denffchrift unverbrüchliches Stillschweigen beobachtet. Trotzdem war gestern da« Organ de« Prinzen Liechtenstein, da« klerikale »Baterlond", welche« unter den antisemitischen Hetzblättern stet« uu Bordertteffe» zu finden ist, zuerst von ollen Wiener Blättern in der Loge, dm Wortlaut der Denkschrift der veffentlichkeit bekannt zu geben, und mit einer seiner Gesinnung entsprechenden Kritik zu begleiten, in wilcher da« Schriftstück al« eine »unerdürte Verdächtigung und Dmunciat'on" augeragelt wird. Da nun nicht avzunehmen ist, daß da» von der Vertretung der Wiener CultuSgemeinde und der Regierung allein gekannte Geheimniß der Denkschrift von der »rsteren dem klerikalen Httzblntte verrathm wurde, so ist der Urheber der beqargmrn Indiskretion leicht zu rrrathen. Und doch häne die Regilrung alle Ursache, sich zu einer energischen Handhabung der ihr ourch da« Ettafgesetz ringe» räun-tm Gewalt aufzuroffen. Wir hoben dm berühmt« »Haß- und BeeachtvngSparagraphen", der die journalistischen AuSschreilunger der Antisemiten unter die verbrechen weam Störung der öffentlichm Ruhe einreiht, wir haben dm g 303 de« Strafgesetz««, welcher »eine gesetzlich anerkannte Kirche oder Religionegenossenschost" gegm Beleidigungen schützm soll, wir haberi den g 308 de« Strafgesetze«, welcher olle die öffentliche Sicherheit beutirudigendm falsche Gerüchte strengsten« verpönt, lauter Bestimmungen, welche bet nur einigermaßm gutem Willen »er Regierung rin wirksame« Eingreifen föra». lich zur Pflicht machen. Graf Taoffe hat sitzt sein Wort gegeben, im Rahmen de» Gesetze« den bedrohlich gewordmen systematischen Verhetzungen Einhalt ihun za wollen, möge er dem Worte bald die Thar folgen lass>n. Tr wird damit nicht nur dem Rechteschutze, auf welchen jeder Staatsbürger Anspruch hat. zu versaffunatmäßiger Geltung verhelfen, sondern auch die Stadt und da« Land vor tmrthschaftlichn, Nachtheilen. wenn nicht vor Schlimmeren bewahren. Schon inacht man in Budapest Miene, sich de« international« 'Saateumarstes zu bcwächttgm, dessen Abhaltung grade die antisemitische Bewegung in Wien für diese« Jihr ernstlich in Frage gestellt hat, und e« ist h ute rin: von dm Wortführern der streikmden Tramwaykutscher einpestandene Thatsache, daß grwiffe .vereinigt christlich." Agitatoren in der Schüruug der Unzufriedmheit unter dm Tramivay« bednaslelen einen erfolgreichen Uebereifer eniwickelt und dieselben durch materielle Besprechungen aufgestachrlt Hab n, so daß eine ernste Gefahr für die Ordnung und Ruhe der Wiener Bevöltrrung drohte. (Schon gestern ist e» zu Ausschreuungen gekommen, heute zu zahlreichm B.rhaftungm im Bezirk Favoriten und im Borort Hernal«, sodaß zwei Bataillone Infanterie mir gefälltem Bajonett gegen die Excedenten einschreiteu und die Kavallerie mit den Säbeln eiuhaum mußte». Nun wird wohl die Regierung mdlich einsehm, daß der Antisemitismus zur Anarchie führt. Ju Fk«ßtnr§ verbrettete sich am vorigm Sonnabend da« Gerücht von der augeblichm Ermordung eine» Knabm, und ohne dass diese« Gerücht au sich irgmd eine Beglaubigung »der Bestätigung erfuhr, wurde doch mit gehässiger Adfichtlichkett die Ansicht ausgesprochen, daß dieser Mord ein »on Judm rerübte« rituelle« Berbrrcheu sei. Glücklicher Weise wurde bald so viel Licht über dm Sachverhalt verdreitet, daß dadurch die unsinnige Beschuldigung widerlegt erschien. Wie die »Preßburger Zeitung" wittheilt, handelt «§ sich um eine» achtjährigen Knaben, Namen« Wilhelm 1 Scholz, dm der Preßburger Schneidermeister Stephan Sonumschein (der kein Jude ist) vor etwa zwei Monat« an« Erbarm« von einer »auderudru Gauklertruppe angmommm hatte. Dieser Knabe war Frettag, dm 12. d.. Morgen«, in die Schule gegangm und seitdem nicht webr in da« Hau« de« Schneider« Sonnenschein zurückgekehrt. Diese« verschwindm de« Snabm hatte dm Anlaß zu dem Gerüchte gegebm, derselbe sei ermordet wordm. Die etngeleittte Untersuchung ergab aber, daß ein gewiffer Salzer^ »er zu der erwähntm Sauklertruppe gehörte, den Kuabm abgepaßt, ihn an sich gelockt und mit sich gmowmm hatte. Salzer hat fich, wie die Aktm ergabm, früher einmal in Neotttscheiu wegen Diebstahl« eine« Kinde« in Untersuchung befundm; der Knabe Scholz ist aber nach amtlichm An«- weism fteiwillig dem Akrobaten gefolgt, um mtt ihm auf dem flachm Lande in dm Wirthghäusern Vorstellungen zu gebm. Bi« diese Aufklärung herbeigeschafft werden komue,. halten gewissenlose Agitatoren freie« Feld, um die wohl» bekanntm alten Ammmmärchm wieder aufzutischm und nach Kräften zu hetzm. E»ft1a«d. «London. Der Tod de« aroßen und heldenmüthig« Parlamentarier« John Brighr hat in die Herzen aller Judm England« tief« Trauer gesenkt. Wenn irgmd Einer, so hat der Berstorbme einen gerechten Anspruch auf* di« Dankbarkeit und Verehrung der jüdischen Nation. John Brighr hat nickt bloß mit Aluty und Ausdauer für die Emancipation der Judm gekämpft, sondern die großen Ideale seine« Lebm« hauptsächlich im Geiste de« Judenthum« zu erreichm xesuch». Wenn er sein Lebenlang gegen Tyrannei, Verderbtheit und Unrecht für die Massen kämpfie, fo war diese« nicht nur die natürliche Folge seiner liberalen Gesinnung, sondern vielmehr die Bethätigung der Lehre der jüdischen Propheten, ein Kampf gegen den Krieg im Geiste der jüdischm Seher, welche die messianische Aera eine« allgemeinen Weltfrieden« vertündtten. Sein Losungswort »Friede" war ihm da» tufernste B-rlangen, der höchste Segen, da« Ziel, in welchem er, dem jüdischm Volke gleich, da« Heil der Welt erblickte. Ja, noch mehr! Snne begeisterten Redm lehntm sich frei und offen an die Bibel; au« ihr und nicht au» dm heidmschm Klassikern schöpfte er die Begeisterung für sein edle« Streben, die Begeisterung für seine Beredsamkeit. Er war der Mann de» Buche», dessm Volk wir sind. Er ruhe m Fried«! Atalie«. Fnrin. Die »Gazetla Piemouttse", eine der grlejmstm Zeitungen unsere« Laude«, schreibt über den jüngst zum Senator eruauntm Professor AScoli wie folgt: »Herr A«coli, welcher au der Akademie zu Mailand Vorlesungen über Philologie hält, ist Ritter de« Orden« von Savoyen, einer der höchst« Auszeichnungen, und der größte Sprachenkenner de« Jahrhundert«. Sem Ruf ist allbekarutt. Schon im Alter von 15 Jahrm setzte er die deutschen Academieu durch die BeröffeuUichuug einer vergleichenden Studie über dm Frtuti-Dialect und die «allachische Sprache, welche fich de« höchst« Lobe« der Profefforeu Mikrosik und Schuckhardt zu erfreuen hatte, in Erstaun«. In Sörtz von wohlhabend« jüdischm Elte« geboren, sollte er nach dem Willm seiner verwandten, wie der in seiner ftüheften Kindheit verstorbene Vater für da« Finanzwesen herangebildet werden; doch der Trieb nach vhtlologischm Wiffmschaftm gewann bet chm die Oberhand. Im Jahre 1800 wurde er von der Regierung al« Profeffor auf dm Lehrstuhl der vergletchmdm Philologie an der Akademie zu Mailand bernfm und von dieser Zett an hielt er daselbst seine vielbewunderten Borlesungm über Sprachenkünde, welche fich stet« eine« groß« Hörerkretse« erfreut«. Seine Essay«, welche, wenn gesammelt, mehrere umfangreiche Bände «»«machen würden, find in dm Fachjonrnalm Italien«, Dmtschland«, Frankreich« und England« auf« Günstigste recenfirt, besonder« aber in dem italienisch« »Archiv»»

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